Fronleichnam, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Fronleichnams · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungFron-leich-nam (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Fronleichnam‹ als Erstglied: ↗Fronleichnamsfest · ↗Fronleichnamsprozession
eWDG, 1967

Bedeutung

Religion Fest zum Danke für die Einsetzung der heiligen Eucharistie, das am zweiten Donnerstag nach Pfingsten gefeiert wird
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fron · Frone · Fronleichnam · Frondienst · fronen · frönen
Fron, Frone f. ‘unentgeltliche Arbeit leibeigener und höriger Bauern für den Grund- oder Gutsherrn im Feudalismus’, in neuerer Zeit (19. Jh.) übertragen ‘unliebsame, erzwungene, harte, mühsame Arbeit, Plackerei’. Mhd. vrōn(e) ‘Gewaltherrschaft, Herrendienst, Zwingburg, Gefängnis’, neben der ursprünglichen Bedeutung ‘Herrschaft, Herrschaftlichkeit, Herrlichkeit, Heiligkeit’, ist eine Substantivierung des Adjektivs mhd. vrōn ‘was den (geistlichen oder weltlichen) Herrn betrifft, ihm gehört, heilig (von Gott, Christus), herrschaftlich, öffentlich’, ahd. frōno (indeklinabel und nachgestellt) ‘dem Herrn (Gott, Christus) gehörig, heilig, herrlich’ (vgl. krūzi frōno ‘heiliges Kreuz’), dann ‘öffentlich, dem Staate gehörig’ (9. Jh.). Dies ist eigentlich ein erstarrter Genitiv Plur. (‘der Götter’) von ahd. frō ‘Herr’ (9. Jh.), Anrede für heidnische Götter, dann für den christlichen Gott (später von ↗Herr, s. d., verdrängt); dazu ahd. frouwa f. (s. ↗Frau). Der n-Stamm germ. *frawan- in ahd. frō, asächs. frō in der Anrede, sonst frāho, frōho, aengl. frēa ‘Herrscher, Herr, König, Gott, Christus, Ehemann’ und der jan-Stamm germ. *fraujan- in asächs. frōio, aengl. frīgea, got. frauja ‘Herr’ lassen sich vergleichen mit aind. pravaṇáḥ ‘vorwärts geneigt, abschüssig’, pravaṇá- ‘Abhang, Halde’, griech. prēnḗs (πρηνής), prānḗs (πρανής) ‘vorwärts geneigt, kopfüber, abschüssig, steil’ und führen als Ableitung mit ie. -u̯o- auf ie. *prō̌ ‘vorwärts, vorn, voran’, wozu auch griech. prṓra (πρῷρα) ‘Schiffsvorderteil’, aslaw. pravъ, russ. právyj (правый) ‘recht, gerecht, richtig’, eigentlich ‘geradeaus’, gehören. Mit gleichem Suffix, aber von anderer Ablautstufe sind gebildet aind. pū́rvaḥ ‘der vordere, erste’, aslaw. prьvъ, russ. pérvyj (первый) ‘der erste’. Alle Formen führen auf ein vornehmlich Präpositionen und Adverbien bildendes ie. *per ‘das Hinausführen über’ (s. ↗für, ↗vor, ↗ver-, auch ↗fern, ↗fremd, ↗fromm). Der religiös-christliche Gebrauch des Adjektivs ist erhalten in Fronleichnam m. der Bezeichnung für das seit 1246 gefeierte Kirchenfest am 2. Donnerstag nach Pfingsten, eigentlich ‘der Leib des Herrn, der Leib Jesu Christi’, mhd. vrōnlīcham, vrōnlīchname, nach mhd. der vrōne līcham (s. ↗Leichnam). Zahlreichersind Komposita zur weltlichen Bedeutung des Adjektivs ‘den Herrn betreffend, ihm gehörend, herrschaftlich’, vgl. ahd. frōnohof ‘Herrenhof, Staatskasse’ (10. Jh.), mhd. vrōn(e)hof, auch ‘Kirchhof’; mhd. vrōn(e)bote ‘Amts-, Gerichtsbote, Büttel’; spätmhd. vrōnwalt ‘herrschaftlicher Wald’. Frondienst m. ‘erzwungene Dienstleistung für den Grundherrn’, mhd. vrōndienest. fronen Vb. ‘Frondienste, harte Arbeit leisten’, ahd. frōnen ‘(für den Herrn) in Beschlag nehmen’ (10. Jh.), mhd. vrōnen, vrœnen ‘als Abgabe überreichen, (für den Herrn) in Beschlag nehmen, pfänden, dienen, Frondienst leisten, zum Herrn erhöhen, heiligen, verherrlichen, schmücken’; daneben die umlautende Variante frönen Vb. (einem Laster, einer Leidenschaft) ‘sich rückhaltlos hingeben’, eigentlich ‘einem Laster, einer Leidenschaft wie einem Herrn dienen’ (1. Hälfte 18. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Allerheiligen Bettag Christi Himmelfahrt Feiertag Fest Himmelfahrt Kleinhadern König Mariä Himmelfahrt Pfarrei Pfingsten Pfingstmontag Prozession feiern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fronleichnam‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie schön dies aussieht mit Birken, kann man alljährlich zu Fronleichnam sehen.
Süddeutsche Zeitung, 16.07.1996
Das Fest Fronleichnam geht zurück auf die Zeit mittelalterlicher Christusmystik.
Die Welt, 03.06.1999
Weit, meilenweit zurück kommt er an Fronleichnam in der Prozession.
Kolb, Annette: Die Schaukel, Frankfurt a. M.: Fischer 1960 [1934], S. 34
Neben den großen Orgeln gab es tragbare Orgeln für Prozessionen, vor allem zu Fronleichnam.
López-Calo, José: Granada. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1979], S. 29882
Das Reichskirchenministerium verlegt die Feste Christi Himmelfahrt und Fronleichnam auf den jeweils folgenden Sonntag.
o. A.: 1941. In: Overresch, Manfred u. Saal, Friedrich Wilhelm (Hgg.) Deutsche Geschichte von Tag zu Tag 1918-1949, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1983], S. 1764
Zitationshilfe
„Fronleichnam“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fronleichnam>, abgerufen am 20.06.2019.

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