Fronleichnam, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Fronleichnams · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [fʀoːnˈlaɪ̯çnaːm]
Worttrennung Fron-leich-nam
Wortbildung  mit ›Fronleichnam‹ als Erstglied: Fronleichnamsfest · Fronleichnamsprozession
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Religion am zweiten Donnerstag nach Pfingsten von den katholischen Christen gefeiertes Fest, das an die Gegenwart Jesu Christi bei der Kommunion erinnert   Typischerweise mit feierlichen Prozessionen durch geschmückte Straßen begangen, ist das 1264 eingeführte Fest heute gesetzlicher Feiertag in katholisch geprägten Ländern.
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: Fronleichnam feiern
in Koordination: Fronleichnam und Pfingstmontag, Allerheiligen, Mariä Himmelfahrt
in Präpositionalgruppe/-objekt: eine Prozession zu Fronleichnam; wegen Fronleichnam schließen
Beispiele:
Für die Blumenteppiche, mit denen Katholiken an Fronleichnam nächsten Donnerstag den Boden verzieren, werden Millionen farbiger Blüten benutzt. Häufigste Motive sind Taube, Fisch, Herz, Kelch und Kreuz. [Süddeutsche Zeitung, 22.06.2019]
Rot im Kalender steht in Bayern (und einigen anderen Bundesländern) Fronleichnam, das auf den 3. Juni fällt. [Landshuter Zeitung, 15.01.2021]
Am 11. Juni ist dann Fronleichnam – zumindest in Baden‑Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein‑Westfalen, Rheinland‑Pfalz und im Saarland. Der katholische Feiertag fällt ebenfalls auf einen Donnerstag, darum lohnt es sich, am Brückentag danach erneut freizunehmen und ein weiteres Vier‑Tage‑Wochenende zu genießen. [Die Welt, 02.12.2019]
Birken für Fronleichnam: Birken zum Schmuck des Prozessionsweges können für drei Euro pro Stück im Rathaus Zimmer 1, bestellt werden. [Mittelbayerische, 08.06.2019]
Fronleichnam (althochdeutsch, d. i. des Herrn Leib, lat. corpus Christi oder Domini), in der kath. Kirche die geweihte, in den Leib Jesu verwandelte Hostie, zu deren Verehrung Papst Urban IV. 1264 das Fronleichnamsfest (Donnerstag nach Trinitatis) einsetzte, das durch glänzende Prozessionen gefeiert wird. [Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 24874]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fron · Frone · Fronleichnam · Frondienst · fronen · frönen
Fron, Frone f. ‘unentgeltliche Arbeit leibeigener und höriger Bauern für den Grund- oder Gutsherrn im Feudalismus’, in neuerer Zeit (19. Jh.) übertragen ‘unliebsame, erzwungene, harte, mühsame Arbeit, Plackerei’. Mhd. vrōn(e) ‘Gewaltherrschaft, Herrendienst, Zwingburg, Gefängnis’, neben der ursprünglichen Bedeutung ‘Herrschaft, Herrschaftlichkeit, Herrlichkeit, Heiligkeit’, ist eine Substantivierung des Adjektivs mhd. vrōn ‘was den (geistlichen oder weltlichen) Herrn betrifft, ihm gehört, heilig (von Gott, Christus), herrschaftlich, öffentlich’, ahd. frōno (indeklinabel und nachgestellt) ‘dem Herrn (Gott, Christus) gehörig, heilig, herrlich’ (vgl. krūzi frōno ‘heiliges Kreuz’), dann ‘öffentlich, dem Staate gehörig’ (9. Jh.). Dies ist eigentlich ein erstarrter Genitiv Plur. (‘der Götter’) von ahd. frō ‘Herr’ (9. Jh.), Anrede für heidnische Götter, dann für den christlichen Gott (später von Herr, s. d., verdrängt); dazu ahd. frouwa f. (s. Frau). Der n-Stamm germ. *frawan- in ahd. frō, asächs. frō in der Anrede, sonst frāho, frōho, aengl. frēa ‘Herrscher, Herr, König, Gott, Christus, Ehemann’ und der jan-Stamm germ. *fraujan- in asächs. frōio, aengl. frīgea, got. frauja ‘Herr’ lassen sich vergleichen mit aind. pravaṇáḥ ‘vorwärts geneigt, abschüssig’, pravaṇá- ‘Abhang, Halde’, griech. prēnḗs (πρηνής), prānḗs (πρανής) ‘vorwärts geneigt, kopfüber, abschüssig, steil’ und führen als Ableitung mit ie. -u̯o- auf ie. *prō̌ ‘vorwärts, vorn, voran’, wozu auch griech. prṓra (πρῷρα) ‘Schiffsvorderteil’, aslaw. pravъ, russ. právyj (правый) ‘recht, gerecht, richtig’, eigentlich ‘geradeaus’, gehören. Mit gleichem Suffix, aber von anderer Ablautstufe sind gebildet aind. pū́rvaḥ ‘der vordere, erste’, aslaw. prьvъ, russ. pérvyj (первый) ‘der erste’. Alle Formen führen auf ein vornehmlich Präpositionen und Adverbien bildendes ie. *per ‘das Hinausführen über’ (s. für, vor, ver-, auch fern, fremd, fromm). Der religiös-christliche Gebrauch des Adjektivs ist erhalten in Fronleichnam m. der Bezeichnung für das seit 1246 gefeierte Kirchenfest am 2. Donnerstag nach Pfingsten, eigentlich ‘der Leib des Herrn, der Leib Jesu Christi’, mhd. vrōnlīcham, vrōnlīchname, nach mhd. der vrōne līcham (s. Leichnam). Zahlreichersind Komposita zur weltlichen Bedeutung des Adjektivs ‘den Herrn betreffend, ihm gehörend, herrschaftlich’, vgl. ahd. frōnohof ‘Herrenhof, Staatskasse’ (10. Jh.), mhd. vrōn(e)hof, auch ‘Kirchhof’; mhd. vrōn(e)bote ‘Amts-, Gerichtsbote, Büttel’; spätmhd. vrōnwalt ‘herrschaftlicher Wald’. Frondienst m. ‘erzwungene Dienstleistung für den Grundherrn’, mhd. vrōndienest. fronen Vb. ‘Frondienste, harte Arbeit leisten’, ahd. frōnen ‘(für den Herrn) in Beschlag nehmen’ (10. Jh.), mhd. vrōnen, vrœnen ‘als Abgabe überreichen, (für den Herrn) in Beschlag nehmen, pfänden, dienen, Frondienst leisten, zum Herrn erhöhen, heiligen, verherrlichen, schmücken’; daneben die umlautende Variante frönen Vb. (einem Laster, einer Leidenschaft) ‘sich rückhaltlos hingeben’, eigentlich ‘einem Laster, einer Leidenschaft wie einem Herrn dienen’ (1. Hälfte 18. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Fronleichnam‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fronleichnam‹.

Zitationshilfe
„Fronleichnam“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fronleichnam>, abgerufen am 19.10.2021.

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