Furcht, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Furcht · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Furcht‹ als Erstglied: ↗furchteinflößend · ↗furchterregend · ↗furchtgebietend · ↗furchtlos · ↗furchtsam
 ·  mit ›Furcht‹ als Letztglied: ↗Kriegsfurcht · ↗Kriminalitätsfurcht · ↗Menschenfurcht
eWDG, 1967

Bedeutung

banges Gefühl, Angst
Beispiele:
die Furcht vor dem Gegner, Tode, vor Gespenstern, Auseinandersetzungen, vor Erkältung, vor der Verantwortung
die Furcht des Verbrechers vor der Entdeckung
die Furcht, sich lächerlich zu machen
starke, unüberwindliche, schreckliche, panische, grenzenlose, krankhafte, unheimliche, lähmende, aufkeimende, unbestimmte, leise, heimliche, innere, abergläubische, kindliche, kindische, knabenhafte, weibische, (un)erklärliche, (un)begründete, natürliche, plötzliche Furcht
voll(er) Furcht fragte sie ihn, ob ...
Furcht erfasst, packt, überkommt, befällt, quält, lähmt jmdn.
gehoben Furcht beschleicht jmdn.
gehoben Furcht wandelte ihn an
die Furcht sitzt ihm im Genick
die Furcht weicht, vergeht
jmdm. Furcht einflößen
umgangssprachlich jmdm. Furcht einjagen
Furcht erwecken, hervorrufen, verbreiten
Furcht vor jmdm., etw. haben, empfinden
sie war freundlich zu dem Kind, sodass es seine Furcht verlor
du musst die Furcht (in dir) bekämpfen, überwinden
keine Furcht kennen
auf den Gesichtern spiegelte sich Furcht wider
Furcht sprach aus seinen Worten
Denn ihn fand ich bebend vor bleicher Furcht [H. Mann8,205]
Furcht und Elend des Dritten Reiches [BrechtFurcht u. ElendTitel]
mit Präposition
in Verbindung mit »aus«
Beispiele:
aus Furcht vor Bestrafung hat er es geleugnet
etw. nur aus Furcht tun
in Verbindung mit »in«
Beispiele:
jmdn. in Furcht und Schrecken versetzen
in Furcht geraten
in Furcht um jmdn., etw. sein
in ständiger Furcht leben
veraltet, Religion er wurde in der Furcht des Herrn erzogen (= er wurde in Ehrfurcht vor Gott erzogen)
in Verbindung mit »ohne«
Beispiel:
ein Ritter ohne Furcht und Tadel (= der Idealtyp eines Ritters)
in Verbindung mit »von«
Beispiel:
von Furcht ergriffen sein
in Verbindung mit »vor«
Beispiel:
vor Furcht erblassen, zittern, sterben
in Verbindung mit »zwischen«
Beispiel:
zwischen Furcht und Hoffnung schweben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Furcht · fürchten · furchtbar · furchtlos · furchtsam · fürchterlich
Furcht f. ‘banges Gefühl des Bedrohtseins, Angst’. Die germ. Formen (zum Teil mit Metathese) ahd. for(a)hta (8. Jh.), mhd. vorht(e), asächs. forhta, mnd. vruchte, mnl. vrucht (vgl. nl. godsvrucht) und (mit anderer Stammbildung) aengl. fryhto, fyrhto, engl. fright, got. faúrhtei gehören als Ableitungen zu einem (heute untergegangenen) Adjektiv ahd. -for(a)ht (in gotfor(a)ht), asächs. aengl. forht, got. faúrhts, germ. *furhta- ‘furchtsam’. Daneben steht fürchten Vb. ‘sich ängstigen, besorgt sein’, ahd. for(a)hten, furhten (8. Jh.), mhd. vürhten, vurhten, vörhten, vorhten, asächs. forhtian, mnd. vrüchten, mnl. vruchten, aengl. forhtian, daneben fryhta ‘erschrecken’, engl. to frighten, got. faúrhtjan. In Anlehnung an die Verbformen mit ü bzw. u erscheint das Substantiv mit dem heute üblichen u-Vokal seit dem 14. Jh., verbreitet seit dem 16. Jh. Doch hält sich Forcht bis ins 18. Jh. Am nächsten stehen den germ. Formen toch. AB pärsk-, toch. A prask-, toch. B prāsk- ‘fürchten’ (wenn aus *pärksk-) und die zugehörigen Substantivbildungen toch. A praski, toch. B prosko, proskye ‘Furcht’. Alle weiteren Anknüpfungen sind unsicher; vgl. Walde/Pokorny 2, 48 f. furchtbar Adj. ‘furchterregend, schrecklich’, mhd. vorhtebære. furchtlos Adj. ‘frei von Furcht’ (16. Jh., seit dem 18. Jh. häufiger). furchtsam Adj. ‘ängstlich, zaghaft’, mhd. vorht(e)sam ‘ängstlich, furchterregend’. fürchterlich Adj. ‘angsterregend, grauenvoll’ (17. Jh.); vgl. ahd. for(a)htlīh (9. Jh.), mhd. vorht(e)lich ‘furchtsam, furchtbar’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Angst · ↗Angstgefühl · ↗Bedenken · ↗Bedrohungsgefühl · ↗Befürchtung · ↗Beklemmung · ↗Beklommenheit · Furcht · ↗Scheu · ↗Sorge  ●  ↗Bammel  ugs. · ↗Flattermann  ugs. · ↗Fracksausen  ugs. · Manschetten  ugs. · ↗Muffe  ugs. · ↗Muffensausen  ugs. · ↗Schiss  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angst Anschlag Ausschreitung Elend Haß Inflation Mitleid Mißtrauen Repressalie Rezession Ritter Schreck Schrecken Tadel Terroranschlag Zinserhöhung Zittern begründet berechtigt einflößen grassieren nähren panisch schüren umgehen umtreiben unbegründet verbreiten verbreitet Überfremdung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Furcht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es grassiert die Furcht, dass am Ende zu viele Fragen nicht wirklich beantwortet werden.
Die Zeit, 30.05.2011, Nr. 22
Die Furcht ist endgültig weg, jetzt trauen sich die anderen, bei uns nicht mehr zu shoppen.
Die Welt, 20.11.2004
Oder würde die alte Furcht bereits durch das neue Vertrauen überlagert werden?
Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 426
Unsere Furcht vor einem solchen Ende braucht nicht groß zu sein.
Mann, Golo: Schlußbetrachtung. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 25150
Ja - wie Ihr weg wart - nach oben gegangen - da hatte ich - Furcht - vor dem - Grossen.
Scheerbart, Paul: Rübezahl. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1904], S. 9218
Zitationshilfe
„Furcht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Furcht>, abgerufen am 15.10.2019.

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