Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Furcht, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Furcht · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Furcht‹ als Erstglied: Furcht einflößend · Furcht erregend · furchtbar · furchteinflößend · furchterregend · furchtgebietend · furchtlos · furchtsam
 ·  mit ›Furcht‹ als Letztglied: Kriegsfurcht · Kriminalitätsfurcht · Menschenfurcht · Todesfurcht
eWDG

Bedeutung

banges Gefühl, Angst
Beispiele:
die Furcht vor dem Gegner, Tode, vor Gespenstern, Auseinandersetzungen, vor Erkältung, vor der Verantwortung
die Furcht des Verbrechers vor der Entdeckung
die Furcht, sich lächerlich zu machen
starke, unüberwindliche, schreckliche, panische, grenzenlose, krankhafte, unheimliche, lähmende, aufkeimende, unbestimmte, leise, heimliche, innere, abergläubische, kindliche, kindische, knabenhafte, weibische, (un)erklärliche, (un)begründete, natürliche, plötzliche Furcht
voll(er) Furcht fragte sie ihn, ob …
Furcht erfasst, packt, überkommt, befällt, quält, lähmt jmdn.
gehoben Furcht beschleicht jmdn.
gehoben Furcht wandelte ihn an
die Furcht sitzt ihm im Genick
die Furcht weicht, vergeht
jmdm. Furcht einflößen
umgangssprachlichjmdm. Furcht einjagen
Furcht erwecken, hervorrufen, verbreiten
Furcht vor jmdm., etw. haben, empfinden
sie war freundlich zu dem Kind, sodass es seine Furcht verlor
du musst die Furcht (in dir) bekämpfen, überwinden
keine Furcht kennen
auf den Gesichtern spiegelte sich Furcht wider
Furcht sprach aus seinen Worten
Denn ihn fand ich bebend vor bleicher Furcht [ H. Mann8,205]
Furcht und Elend des Dritten Reiches [ BrechtFurcht u. ElendTitel]
mit Präposition
Grammatik: in Verbindung mit »aus«
Beispiele:
aus Furcht vor Bestrafung hat er es geleugnet
etw. nur aus Furcht tun
Grammatik: in Verbindung mit »in«
Beispiele:
jmdn. in Furcht und Schrecken versetzen
in Furcht geraten
in Furcht um jmdn., etw. sein
in ständiger Furcht leben
veraltet, Religioner wurde in der Furcht des Herrn erzogen (= er wurde in Ehrfurcht vor Gott erzogen)
Grammatik: in Verbindung mit »ohne«
Beispiel:
ein Ritter ohne Furcht und Tadel (= der Idealtyp eines Ritters)
Grammatik: in Verbindung mit »von«
Beispiel:
von Furcht ergriffen sein
Grammatik: in Verbindung mit »vor«
Beispiel:
vor Furcht erblassen, zittern, sterben
Grammatik: in Verbindung mit »zwischen«
Beispiel:
zwischen Furcht und Hoffnung schweben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Furcht · fürchten · furchtbar · furchtlos · furchtsam · fürchterlich
Furcht f. ‘banges Gefühl des Bedrohtseins, Angst’. Die germ. Formen (zum Teil mit Metathese) ahd. for(a)hta (8. Jh.), mhd. vorht(e), asächs. forhta, mnd. vruchte, mnl. vrucht (vgl. nl. godsvrucht) und (mit anderer Stammbildung) aengl. fryhto, fyrhto, engl. fright, got. faúrhtei gehören als Ableitungen zu einem (heute untergegangenen) Adjektiv ahd. -for(a)ht (in gotfor(a)ht), asächs. aengl. forht, got. faúrhts, germ. *furhta- ‘furchtsam’. Daneben steht fürchten Vb. ‘sich ängstigen, besorgt sein’, ahd. for(a)hten, furhten (8. Jh.), mhd. vürhten, vurhten, vörhten, vorhten, asächs. forhtian, mnd. vrüchten, mnl. vruchten, aengl. forhtian, daneben fryhta ‘erschrecken’, engl. to frighten, got. faúrhtjan. In Anlehnung an die Verbformen mit ü bzw. u erscheint das Substantiv mit dem heute üblichen u-Vokal seit dem 14. Jh., verbreitet seit dem 16. Jh. Doch hält sich Forcht bis ins 18. Jh. Am nächsten stehen den germ. Formen toch. AB pärsk-, toch. A prask-, toch. B prāsk- ‘fürchten’ (wenn aus *pärksk-) und die zugehörigen Substantivbildungen toch. A praski, toch. B prosko, proskye ‘Furcht’. Alle weiteren Anknüpfungen sind unsicher; vgl. Walde/Pokorny 2, 48 f. furchtbar Adj. ‘furchterregend, schrecklich’, mhd. vorhtebære. furchtlos Adj. ‘frei von Furcht’ (16. Jh., seit dem 18. Jh. häufiger). furchtsam Adj. ‘ängstlich, zaghaft’, mhd. vorht(e)sam ‘ängstlich, furchterregend’. fürchterlich Adj. ‘angsterregend, grauenvoll’ (17. Jh.); vgl. ahd. for(a)htlīh (9. Jh.), mhd. vorht(e)lich ‘furchtsam, furchtbar’.

Thesaurus

Psychologie
Synonymgruppe
Angst · Angstgefühl · Bedenken · Bedrohungsgefühl · Befürchtung · Beklemmung · Beklommenheit · Furcht · Scheu · Sorge  ●  Bammel  ugs. · Flattermann  ugs. · Fracksausen  ugs. · Manschetten  ugs. · Muffe  ugs. · Muffensausen  ugs. · Schiss  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Furcht‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Furcht‹.

Verwendungsbeispiele für ›Furcht‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Oder würde die alte Furcht bereits durch das neue Vertrauen überlagert werden? [Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 426]
Länge ist gleichgültig und die Furcht, es stehe nicht genug da, kindisch. [Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 98]
Unsere Furcht vor einem solchen Ende braucht nicht groß zu sein. [Mann, Golo: Schlußbetrachtung. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 25150]
Vielleicht wird er am Ende seiner Tage die Furcht kennenlernen. [o. A.: Die Weltkirche im 20. Jahrhundert. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1979], S. 14771]
Aus Furcht, es könnten noch andere zu viel in sich hineinfressen. [Die Zeit, 30.03.2000, Nr. 14]
Zitationshilfe
„Furcht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Furcht>.

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