Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gänze, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gänze · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Gän-ze
Mehrwortausdrücke  zur Gänze
eWDG

Bedeutung

gehoben Gesamtheit, Ganzheit
Beispiel:
daß diese Methoden in ihrer Gänze nur noch schwer zu übersehen sind [ Dt. Literaturzeitg.1962]
besonders süddeutsch, österreichisch zur Gänzevollständig, gänzlich
Beispiele:
jmds. Ansprüchen zur Gänze genügen
etw. ist zur Gänze abgeschafft
sein Wirken war zur Gänze dieser Aufgabe gewidmet
Das war beinahe zur Gänze ein Irrtum [ MusilMann1099]
Die Priesterschaft sei zum größten Teil, die politische Führerschaft zur Gänze ermordet [ WerfelMusa Dagh517]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ganz · ergänzen · Gänze · Ganzheit · gänzlich
ganz Adj. ‘heil, unversehrt, vollständig, gesamt’, Adv. ‘vollkommen, sehr, ziemlich’. Ahd. (8. Jh.), mhd. ganz ‘unverletzt, heil, gesund, vollständig’ ist ein ursprünglich nur hd. Wort, das sich nach Norden hin ausbreitet, vgl. mnd. gans, ganz, mnl. nl. gans (woraus dän. ganske, schwed. ganska). Herkunft nicht sicher geklärt. Wenn man aind. āhanā́ḥ ‘schwellend, strotzend’, ghanáḥ ‘kompakt, fest, hart, dicht’, griech. euthené͞in (εύθενεῖν) ‘gedeihen, fruchtbar sein’, lit. ganà ‘genug’, ganė́ti, aslaw. goněti ‘genügen, hinreichen, zufrieden sein’ heranzieht (vgl. auch den der dt. Bildungsweise nahestehenden Komparativ alit. gandžiaus ‘im Gegenteil, vielmehr, lieber’), so ist Anschluß an ie. *gu̯hen-, *gu̯hon- ‘schwellen, strotzen, üppig, reichlich’ annehmbar. ergänzen Vb. ‘vervollständigen, Fehlendes hinzufügen’ (16. Jh.); vgl. ahd. ganzēn (?) ‘behüten, erretten’ oder ‘gesund sein’ (9. Jh.), irunganzēn ‘verwelken, dahinschwinden’ (10. Jh.), mhd. genzen, mnd. gansen ‘ganz, heil machen’. Gänze f. ‘Gesamtheit, Vollständigkeit, Vollkommenheit’, ahd. genzī (um 1000), mhd. genze ‘Vollständigkeit, Vollkommenheit’. Ganzheit f. mhd. ganzheit. gänzlich Adj. ‘vollständig, völlig’, mhd. ganzlich, genzlich.

Verwendungsbeispiele für ›Gänze‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gelesen hat er das Werk aber immer noch nicht zur Gänze. [Die Zeit, 26.10.2007, Nr. 44]
Hier hat sich jemand zur Gänze den fremden Stil zu eigen gemacht. [Süddeutsche Zeitung, 03.09.2002]
Die gab es zuhauf, und in Gänze haben sie sich immer noch nicht verflüchtigt. [Der Tagesspiegel, 22.07.2003]
Munter, beschwingt, überlegen wird der Abend in seiner Gänze nicht. [Der Tagesspiegel, 23.04.2001]
Und sind denn in der Tat alle Möglichkeiten erschöpft, das Dasein in seiner Gänze zugänglich zu machen? [Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen: Niemeyer 1986 [1927], S. 229]
Zitationshilfe
„Gänze“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/G%C3%A4nze>.

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