Gülle, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gülle · Nominativ Plural: Güllen
Aussprache
WorttrennungGül-le (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutung

südwestdeutsch, schweizerisch Jauche
Beispiel:
als habe man ihm einen Kübel Gülle über den Kopf gegossen [M. WalserHalbzeit590]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gülle f. (landschaftlich) ‘Jauche, Pfütze’, besonders im Südwestd. und Schweiz., von dort in die landwirtschaftliche Fachsprache aufgenommen, die darunter ‘dickflüssiges Gemisch von gegorenem Kot, Harn und Wasser’ versteht. Mhd. gülle ‘schmutziges Gewässer, Lache, Tümpel, Sumpf’, mnd. gȫle ‘Sumpf, feuchte Niederung’, schwed. göl ‘Pfütze, Tümpel’, norw. (mundartlich) gyl ‘Kluft, Felskluft’ (wozu vielleicht auch nl. geul ‘schmales tiefes Wasser, Kanal’) können als schwundstufige Ableitungen mit l-Formans von der Wurzel ie. *g̑hēu- ‘gähnen, klaffen’ (s. ↗Gaumen) angesehen werden. Zur semantischen Entwicklung vgl. anord. gil ‘tiefe, enge Bergschlucht mit Wasserlauf’ zur Parallelwurzel ie. *g̑hēi- ‘gähnen, klaffen’ (s. ↗gähnen). In der Bedeutung ‘Jauche’ ist Gülle (verdeutlichend auch Mistgülle) zuerst im 16. Jh. nachweisbar.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gülle · ↗Jauche  ●  Bschütti  ugs., alemannisch · ↗Flüssigmist  fachspr. · Odl  ugs., bair. · ↗Puddel  ugs., hessisch · Schwemmmist  fachspr. · ↗Sudel  ugs., regional
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abwasser Acker Ausbringen Ausbringung Biogasanlage Biomass Düngemittel Dünger Düngung Felder Jauche Klärschlamm Kompost Kunstdünger Mais Massentierhaltung Methangas Mineraldünger Mist Pflanzenrest Reststoff Stallmist Stickstoff Stroh Vergärung anfallend ausbringen düngen stinken stinkend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gülle‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dabei hat die Gülle ihr miserables Image eigentlich gar nicht verdient.
Die Zeit, 13.06.2011, Nr. 24
Die Gülle wird hier bei 136 Grad für mehr als zwei Stunden bei drei Bar Überdruck inaktiviert.
Der Tagesspiegel, 29.01.2003
Güllen gibt es nur noch auf dem Theater; dem geht es auch schlecht.
Süddeutsche Zeitung, 07.03.1994
In seinen Predigten wetterte er in den vergangenen Jahren zwar nicht gegen die Gülle, aber er gemahnte an die Würde des Tieres.
Die Welt, 18.03.2006
Als Hauptbelastungsfaktoren haben sich vornehmlich die Gülle, die Produktionsabwässer und der Silosickersaft industrialisierter Tierproduktionsbetriebe erwiesen.
Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch - L. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 3941
Zitationshilfe
„Gülle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gülle>, abgerufen am 19.10.2019.

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