Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gülle, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gülle · Nominativ Plural: Güllen · wird selten im Plural verwendet
Aussprache  [ˈgʏlə]
Worttrennung Gül-le
Wortbildung  mit ›Gülle‹ als Grundform: güllen
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Flüssigkeit aus Urin und Kot von Nutztieren in der Landwirtschaft (besonders für die Verwendung als Dünger auf Feldern)
Synonym zu Jauche (1)
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: Gülle [auf die Felder] ausbringen
in Präpositionalgruppe/-objekt: etw. mit Gülle düngen; nach Gülle riechen
Beispiele:
Die Landwirte setzten neben mineralischen Düngern […] Gülle auf ihren Feldern ein. [Neue Westfälische, 16.02.2021]
Die Landwirte bringen viel zu viel Gülle und Kunstdünger und damit Nitrat aus. [Süddeutsche Zeitung, 15.12.2020]
Wird die Gülle auf dem Feld ausgebracht, ist das gleich ein hervorragender Dünger. [Der Standard, 26.11.2010]
[…] wenn […] die Gülle im Frühjahr ausgebracht wurde, konnte man im Ort tagelang keine Fenster mehr öffnen. [Die Welt, 16.11.2010]
In Biogasanlagen entstehen aus gehäckselten Pflanzenbestandteilen […] sowie aus Gülle Energie und Wärme. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2006]
Sowohl in der flüssigen als auch in der festen Substanz der Gülle sind die für die Pflanzen wichtigen Hauptnährstoffe Stickstoff (N), Phosphat (P₂O₅), Kalium (K₂O) sowie Magnesium (MgO) enthalten. Außerdem kommen Spurennährelemente in Güllen vor. [Landshuter Zeitung, 18.08.2020] ungewöhnl. Pl.

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gülle f. (landschaftlich) ‘Jauche, Pfütze’, besonders im Südwestd. und Schweiz., von dort in die landwirtschaftliche Fachsprache aufgenommen, die darunter ‘dickflüssiges Gemisch von gegorenem Kot, Harn und Wasser’ versteht. Mhd. gülle ‘schmutziges Gewässer, Lache, Tümpel, Sumpf’, mnd. gȫle ‘Sumpf, feuchte Niederung’, schwed. göl ‘Pfütze, Tümpel’, norw. (mundartlich) gyl ‘Kluft, Felskluft’ (wozu vielleicht auch nl. geul ‘schmales tiefes Wasser, Kanal’) können als schwundstufige Ableitungen mit l-Formans von der Wurzel ie. *g̑hēu- ‘gähnen, klaffen’ (s. Gaumen) angesehen werden. Zur semantischen Entwicklung vgl. anord. gil ‘tiefe, enge Bergschlucht mit Wasserlauf’ zur Parallelwurzel ie. *g̑hēi- ‘gähnen, klaffen’ (s. gähnen). In der Bedeutung ‘Jauche’ ist Gülle (verdeutlichend auch Mistgülle) zuerst im 16. Jh. nachweisbar.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gülle · Jauche  ●  Bschütti  ugs., alemannisch · Flüssigmist  fachspr. · Odl  ugs., bayr. · Puddel  ugs., hessisch · Schwemmmist  fachspr. · Sudel  ugs., regional
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Gülle‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gülle‹.

Zitationshilfe
„Gülle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/G%C3%BClle>.

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