Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

GAU, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: GAU(s) · Nominativ Plural: GAUs
Aussprache [gaʊ̯]
Wortbildung  mit ›GAU‹ als Letztglied: Super-GAU
Herkunft Kurzwortbildung aus größter anzunehmender Unfall
Formgeschichte In Abgrenzung zu Gau, ist für das Kurzwort GAU nur die Schreibung in Großbuchstaben zugelassen. Daneben tritt im Schreibgebrauch auch die Kleinschreibung innerhalb des Wortes auf.
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutung

Kerntechnik schwerster Störungsfall, der in einem Kernkraftwerk auftreten kann (und für den beim Bau der Anlage entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen sind)
Beispiele:
Erst Jahre später können Forscher die wahren Spätfolgen des GAUs von Tschernobyl abschätzen. [Die Zeit, 22.04.2016 (online)]
Mit dem 2010 verkündeten Ausstieg aus der Atomenergie reagierte die schwarz‑gelbe Koalition Merkels auf den GAU in Fukushima – und überholte mit ihrem überaus ambitionierten Zeitplan Rot‑Grün auf der linken Spur. [Die Welt, 20.09.2017]
Die Deutschen erkaufen sich zwar gerade für viele Milliarden Euro den nationalen Ausstieg aus der Kernkraft; doch nun merken sie immer deutlicher, dass auch dieser sie nicht umfassend vor dem Risiko eines GAUs schützt. [Der Spiegel, 24.06.2017 (online)]
Der Patriarch der russisch‑orthodoxen Kirche hat am 25. Jahrestag des Tschernobyl‑Unglücks die Gedenkfeier für die Tausenden Opfer des GAUs geleitet. [Die Zeit, 26.04.2011]
übertragen, umgangssprachlich, verstärkend Katastrophe, Fiasko; zum Teil selbstverschuldetes Versagen, das als Blamage, Skandal empfunden wirdDWDS
Beispiele:
Zum GAU, dem Abrutschen auf [Bundesliga-]Tabellenplatz fünf, fehlten [der Fußballmannschaft] am Ende nur zwei Gegentore. [Welt am Sonntag, 13.05.2018, Nr. 19]
Der neue US‑Präsident – ein GAU? [Die Welt, 11.11.2016]
Vor zwei Jahren habe ich mir selbst den GAU beschert und beim Übertragen der Daten falsch geklickt. [Alle Jahre wieder folgt auf das wuselige Weihnachtsgeschäft die Inventur, 19.07.2016, aufgerufen am 15.09.2018]
Die Absetzung eines vom Volk gewählten Präsidenten wäre jedenfalls der Gau für eine der ältesten und stabilsten Demokratien der Welt. [Die Welt, 11.01.2018] ungewöhnl. Schreibung

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gau m. ‘landschaftlich, oft auch historisch zusammengehöriges Gebiet’, historisch ‘Siedlungsgebiet eines germanischen Stammes’, ahd. gewi, gouwi (9. Jh.), mhd. göu, gou, mnd. ‘Landschaft, Bezirk, besonders Gaugerichtssprengel’, mnl. gouw, gou, , nl. gouw, afries. ga, got. gawi (Genitiv gaujis) ‘Land, Gegend’, in Ortsnamen asächs. -gā, -gō und aengl. -gē (germ. *gawi- n. ‘Landschaft’). Weiteres ungewiß. Vielleicht ist auszugehen von einem Kollektivum, entweder germ. *ga-auja- ‘Siedlungsgebiet’, vgl. griech. ó͞iē (οἴη) ‘Dorf’, oder (weniger wahrscheinlich) auf germ. *ga-awja- ‘Umgebung eines Gewässers’, eine neutrale Kollektivbildung zu germ. *awjō ‘Aue, Insel’, eigentlich ‘die zum Wasser Gehörige’ (s. Aue). Diese ‘von Gewässern durchströmte (als Siedlung geeignete) Gegend’ wäre zugleich als ‘fruchtbare Landschaft’ aufzufassen; beide Aspekte sind noch heute wesentliche Merkmale für landschaftliche Gebiete, deren Namen auf -gau oder -gäu (Aar-, Rheingau, Allgäu) enden. Gau ist, wie noch jetzt obd. Gäu, ursprünglich Neutr., das mask. Geschlecht setzt sich wohl in Analogie zu lat. pāgus n. ‘Gau, Distrikt’ durch, als das Wort im 17. und 18. Jh. in Geschichte und Dichtung neu belebt wird.

GAU · Super-GAU
GAU m. Akronym aus Größter Anzunehmender Unfall in Kernkraftwerken (20. Jh.); gesteigert Super-GAU m. für einen nicht mehr beherrschbaren Störfall.

Thesaurus

Synonymgruppe
Debakel · Desaster · Fiasko · Katastrophe  ●  GAU  Abkürzung
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Unfall (in einem AKW) mit katastrophalen Folgen  ●  GAU  Abkürzung · Auslegungsstörfall  fachspr., Jargon
Zitationshilfe
„GAU“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/GAU>.

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