Galerie, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Galerie · Nominativ Plural: Galerien
Aussprache
WorttrennungGa-le-rie (computergeneriert)
HerkunftItalienisch, Französisch
Wortbildung mit ›Galerie‹ als Letztglied: ↗Ahnengalerie · ↗Bildergalerie · ↗Bildgalerie · ↗Bogengalerie · ↗Flüstergalerie · ↗Fotogalerie · ↗Gemäldegalerie · ↗Holzgalerie · ↗Kunstgalerie · ↗Nationalgalerie · ↗Seitengalerie · ↗Spiegelgalerie · ↗Staatsgalerie · ↗Stehgalerie
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
langer, schmaler Gang
a)
Rundgang am oder im Haus, der an einer Seite offen und mit einem Geländer versehen oder durch Säulen abgetrennt ist
Beispiele:
Fenster und Türen waren nach der Galerie geöffnet, die draußen entlanglief
die Diele, von der die Treppe in das erste Stockwerk führte, wurde oben von einer Galerie begrenzt
Empore
Beispiel:
in der Kapelle befand sich auf der einen Seite der Altar, auf der anderen die mit einem Wappen geschmückte Galerie
b)
Seemannssprache, veraltend um das Heck laufender Rundgang mit Tür nach der Kajüte
Beispiel:
Auf der Galerie werden an Müller, Fabrikanten und Kaufleute schon die Ladungen verkauft [KischRasender Reporter119]
c)
veraltet, Militär langer, schmaler, überdeckter Graben
Beispiel:
Wir mußten in dem harten Grund der Höfe tiefe Galerien aushauen [Feuchtw.Teufel92]
2.
höchster Rang im Theater
Beispiele:
die Galerie war dicht besetzt
die Plätze auf der Galerie sind am billigsten
umgangssprachlich, übertragen das auf dem höchsten Rang sitzende Publikum
Beispiel:
die Galerie tobte vor Begeisterung
3.
mit Kunstschätzen reichlich ausgestatteter Saal
Beispiel:
in dieser Galerie hängen Bilder der bedeutendsten Maler des 19. Jahrhunderts
übertragen Kunstsammlung
Beispiel:
die gesamte Galerie ›Neue Meister‹ wird verlegt
4.
scherzhaft beträchtliche Anzahl
Beispiele:
eine Galerie schöner Frauen, junger Schönheiten
auf dem Hof stand eine Galerie von Müllkästen
Die ganze Galerie prägnanter Komödiantenköpfe ... reiht sich an seinen Namen [Th. Mann11,483]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Galerie · Gemäldegalerie · Bildergalerie
Galerie f. ‘langer, an einer Seite offener oder verglaster Gang, Ausstellungsgelände für Kunstschätze’. Das Substantiv, entlehnt aus ital. galleria ‘langer überdachter Gang’ bzw. gleichbed. frz. galerie (dieses vielleicht vermittelt durch nl. galerij, galderij), begegnet seit Ende des 16. Jhs. (zunächst in den Formen Gallerei, Galderey) als Fachwort der Architektur (‘Säulengang, Balkon, Empore’), der Gartenbaukunst (‘Laubengang’) und des Festungsbaus (‘überdeckter Graben’), wird aber bald auch (wie im Ital.) für ‘Bilder-, Gemäldesammlung’ (17. Jh.) und schließlich für den ‘obersten Rang im Theater’ (18. Jh.) verwendet. Ital. galleria und das möglicherweise aus dem Ital. stammende, jedoch früher bezeugte afrz. galerie gehen von seit dem 9. Jh. nachzuweisendem mlat. galeria ‘bedeckter Vorbau’ aus, das vermutlich als dissimilatorische Umbildung von mlat. galilaea ‘Vorhalle einer Kirche’ (nach der Bauweise der Cluniazenser), ital. galilea, afrz. galilee anzusehen ist. Diese Bezeichnung folgt lat. Galilaea, dem Namen der Landschaft in Nordpalästina, die in der Bibel als heidnisch gilt. Benennungsmotiv könnte sein, daß sich in der Vorhalle die große Zahl der Laien aufhält, während der Chorraum den Mönchen vorbehalten (und daher mit dem strenggläubigen Judäa vergleichbar) ist. Gemäldegalerie f. Bildergalerie f. (Mitte 18. Jh.).

Thesaurus

Architektur
Synonymgruppe
Balkon · Galerie · ↗Loggia
Oberbegriffe
Synonymgruppe
...riege · Galerie (oft scherzh.) · ↗Garnitur · ↗Gruppe · ↗Palette · ↗Reihe · ↗Satz · ↗Serie · ↗Set · ↗Zusammenstellung
Assoziationen
Synonymgruppe
Einkaufspassage · Galerie · ↗Ladenpassage · ↗Passage
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atelier Ausstellung Bundesverband Café Galerie Gegenwart Hellersdorfer Kunst Kunstverein Kölner Körnerpark Künstler Lenbachhaus Museum Pariser Pferdestall Rathaus Sammlung Wasserturm ausstellen berlinisch eröffnen kommunal ostdeutsch präsentieren renommiert spezialisiert städtisch umlaufend österreichisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Galerie‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nach 30 Jahren Galerie habe ich die bei Käufern, aber es spricht sich auch bei Anbietern herum.
Die Welt, 27.08.2005
Die Berlinische Galerie stellt sich mit ihnen beim neuen Nachbarn, dem Jüdischen Museum, vor.
Der Tagesspiegel, 14.04.2004
Ich male hier oben mit meinen Augen eine ganze Galerie zusammen.
Voß, Richard: Zwei Menschen, Stuttgart: Engelhorn 1911 [1949], S. 236
Ich ging immer auf die Galerie, den billigsten Platz, und da war es auch am schönsten.
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 173
Auch in anderen Galerien hatte ich mich mit bildender Kunst vollgesogen.
Goldmark, Karl: Erinnerungen aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 17693
Zitationshilfe
„Galerie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Galerie>, abgerufen am 18.10.2019.

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