Galle, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Galle · Nominativ Plural: Gallen
Aussprache
WorttrennungGal-le
Wortbildung mit ›Galle‹ als Erstglied: ↗Gallenabsonderung · ↗Gallenanfall · ↗Gallenbeschwerden · ↗Gallenblase · ↗Gallenfarbstoff · ↗Gallenfieber · ↗Gallengang · ↗Gallengrieß · ↗Gallenkitzler · ↗Gallenkolik · ↗Gallenkonkrement · ↗Gallenkraut · ↗Gallenkrebs · ↗Gallenleiden · ↗Gallenoperation · ↗Gallenröhrling · ↗Gallensaft · ↗Gallenstein · ↗Gallensäure · ↗Gallentee · ↗Gallenweg · ↗gallebitter · ↗gallenbitter · ↗gallenkrank · ↗gallentreibend · ↗galletreibend · ↗gallig
 ·  mit ›Galle‹ als Letztglied: ↗Blasengalle · ↗Lebergalle · ↗Ochsengalle
 ·  mit ›Galle‹ als Grundform: ↗gallen · ↗vergällen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
nur im Singular
bitterer, gelber Saft, der von der Leber abgesondert wird und dessen Aufgabe die Verarbeitung der Fette ist
Beispiele:
die Leber sondert Galle ab
es schmeckte ihm alles so bitter wie Galle
übertragen
Beispiele:
salopp er spuckt Gift und Galle (= er ist sehr wütend)
umgangssprachlich er ist voll Gift und Galle
umgangssprachlich ihm kommt, steigt die Galle hoch
umgangssprachlich er war grün vor Galle (= Ärger, Erbitterung)
umgangssprachlich das macht mir Galle und Wut!
umgangssprachlich [sie] führten keine Sprache mehr, sie spritzten Galle und Haß [KischMarktplatz331]
2.
umgangssprachlich birnenförmiges Hohlorgan, in dem sich 1 sammelt, Gallenblase
Beispiele:
er ist an der Galle erkrankt
ihre Galle ist gereizt, entzündet
sie hat Beschwerden an der Galle, musste sich an der Galle operieren lassen
Ärger legt sich ihm sofort auf die Galle (= verursacht Schmerzen an der Gallenblase)
bildlich
Beispiel:
jmdm. läuft die Galle über (= er wird wütend)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Galle1 · galle(n)bitter · gallig · vergällen · unvergällt · Gallenkolik · Gallenstein
Galle1 f. ‘bittere, gelbflüssige Absonderung der Leber, Gallenblase’. Die germ. Bezeichnungen ahd. (9. Jh.), asächs. galla, mhd. mnd. galle, nl. gal, aengl. gealla, engl. gall, anord. gall, schwed. galla, galle (germ. *gallō-) führen mit verwandten Wörtern in anderen ie. Sprachen wie awest. zāra- ‘Galle’, griech. cholḗ, chólos (χολή, χόλος) ‘Galle, Zorn, Groll’ (s. ↗Cholera), lat. fel (Genitiv fellis) ‘Galle, Bitterkeit, Zorn’, lit. žãlias ‘grün, roh, ungekocht’, aslaw. zelenъ, russ. zelënyj (зелёный) ‘grün’, aslaw. zlъčь, aruss. zъlčь, žъlčь, russ. žëlč’ (жёлчь) ‘Galle’ auf die Wurzel ie. *g̑hel(ə)- ‘glänzen, schimmern’, in Farbbezeichnungen besonders ‘gelb, grün’, bzw. die Varianten *ghel(ə)- oder *g‐ͧhel(ə)- (s. ↗gelb). Die Galle ist somit nach ihrer gelblichgrünen Farbe benannt. In übertragener Verwendung gilt dt als Symbol der Bitterkeit und Sitz des Zorns und Ärgers. galle(n)bitter Adj. ‘bitter wie Galle, sehr bitter’ (16. Jh.); substantivisches Gallenbitter(e)n und obd. Gallenbitterin für ‘Gallenflüssigkeit’ ist schon in der 2. Hälfte des 15. Jhs. bezeugt. gallig Adj. ‘Galle enthaltend, galle(n)bitter, voll Bitterkeit und dadurch unfreundlich, bitter spottend’ (16. Jh.), bis ins 19. Jh. auch gallicht. vergällen Vb. ‘(Freude, Leben) verbittern’, mhd. gellen, vergellen ‘bitter wie Galle machen, verbittern’. In neuerer Zeit auch ‘denaturieren’, d. h. ‘Genußmittel ungenießbar machen’; dazu unvergällt Part.adj. ‘unbeschwert, zufrieden’ (18. Jh.), ‘nicht mit Bitterstoffen versetzt’ (19. Jh.); vgl. mhd. unvergellet. Gallenkolik f. Gallenstein m. (beide Anfang 18. Jh.).

Galle2 · Gallapfel · Gallwespe
Galle2 f. ‘Geschwulst in den Sehnenscheiden der Gliedmaßen von Tieren (besonders Pferden), Gewebewucherung an Pflanzen’. Spätmhd. mnd. galle ‘Geschwulst am Hinterbein des Pferdes’, aengl. gealla, engl. gall ‘wundgeriebene Stelle, Geschwulst’ sind vermutlich mutlich verwandt mit anord. galli ‘Fehler, Schaden’, lit. žalà ‘Schaden, Leid, Verletzung’, žalìngas ‘bösartig (von Wunden), schädlich’, air. galar ‘Krankheit, Kummer’. Sie wären dann auf eine gemeinsame Wurzel ie. *g̑hal- ‘Schaden, Gebrechen’ zurückzuführen. An Herkunft aus einer nicht-ie. Substratsprache denkt dagegen de Vries Nl. 180. Auf dem Einfluß von nicht verwandtem lat. galla ‘kugelartiger Auswuchs, Gallapfel’ beruht wohl (über afrz. gale) ahd. galla ‘Auswuchs an Pflanzen’ (10./11. Jh.), mhd. galle ‘fehlerhafte Stelle im Gestein’, nhd. Galle ‘Auswuchs an Bäumen, Schadstelle an Pflanzen, im Acker’, das daraufhin im Sinne von ‘Geschwulst, Schaden’ mit altem Galle zusammenfällt. Dazu Gallapfel m. ‘apfelförmiger Auswuchs an Blättern von Laubbäumen’ (besonders an Eichen und Weiden), frühnhd. gal(l)öpfel (15. Jh.; vgl. mhd. eichenepele Plur.). Gallwespe f. Insekt, das seine Eier im Pflanzengewebe ablegt und dadurch die Bildung von Gallen verursacht (18. Jh.).

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Galle · ↗Gallenblase
Oberbegriffe
Medizin
Synonymgruppe
Galle · Gallensekret
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bauchspeicheldrüse Bezirksgericht Darm Elite-Hochschule FC Galle Gift Grasshopper Kanton Kunstmuseum Leber Lokremis Mage Magensaft Management-Symposion Management-Symposium Management-Zentrum Managementzentrum Milz Niere SOS-Kinderdorf Schleim Stiftsbibliothek Urin Verdauungssaft hochkommen speien spucken verspritzen überlaufen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Galle‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch einem jungen Mann kam bei diesen romantischen Szenen die Galle hoch.
Bild, 13.02.2006
Daran denken wir nicht jeden Tag, wir wollten uns nicht zwingen lassen, jahrzehntelang die eigene Galle zu fressen.
Die Welt, 27.05.2000
Es war, wenn ich mich recht erinnere, ziemlich wirres Zeug, weniger mit Herz als mit Galle geschrieben.
Neue Rundschau, 1971, Nr. 3, Bd. 82
Ich meine, die Galle schwillt mir wohl, aber ehe ich auch nur ein lästiges Wort sage, mache ich das lieber selbst.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 20.10.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zwei Stunden lang hat er Gift und Galle gespuckt und mit seiner verstauchten Hand vor meiner Nase herumgefuchtelt.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 329
Zitationshilfe
„Galle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Galle#1>, abgerufen am 20.02.2019.

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Galle, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Galle · Nominativ Plural: Gallen
Aussprache
WorttrennungGal-le
Wortbildung mit ›Galle‹ als Erstglied: ↗Gallapfel · ↗Gallmücke · ↗Gallwespe
 ·  mit ›Galle‹ als Letztglied: ↗Ananasgalle · ↗Blattgalle · ↗Blütengalle · ↗Fruchtgalle · ↗Harzgalle · ↗Knospengalle · ↗Nassgalle · ↗Samengalle · ↗Sprossgalle · ↗Wurzelgalle
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
Tiermedizin krankhafte Schwellung, Geschwulst an den Gelenken
  besonders bei Pferden
Beispiele:
Pferde, die zu Gallen oder angelaufenen Beinen neigen, haben häufig ein im Beinbereich zu spärlich ausgebildetes Lymphgefäßsystem. Deshalb brauchen sie Unterstützung von außen – vor allem bei längeren Stehzeiten. [www.equicrown.de, 01.07.2016]
Auch nach Verletzungen oder bei Veränderungen am Bewegungsapparat des Pferdes wie bei Sehnenverletzungen, bei Problemen am Fesselträger, dem Fesselringbandsyndrom oder bei Gallen ist eine […] Akupunktur hilfreich. [pferde-akupunktur.at, 01.06.2013]
Gallen können harmlose Schönheitsfehler sein – oder Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung oder Verletzung. […] Als »Windgalle« bezeichnet man die weitgehend harmlose Form der Galle […]. Das Pferd lahmt nicht und ist normal belastbar, häufig begleiten diese Gallen ein Pferd durchs ganze Leben, ohne Probleme zu verursachen. [Der Standard, 24.11.2000]
2.
Botanik meist durch tierische Parasiten hervorgerufene Wucherung bei bestimmten Pflanzen
Beispiele:
[…] Parasiten verursachen auf ihren Wirtspflanzen oft Wachstumsanomalien, sogenannte Gallen. [Spiegel, 28.08.2012 (online)]
Wenn eine Gallwespe oder Gallmücke ihre Eier in einem Pflanzenteil unterbringt, so entsteht dort mit der Entwicklung des Embryos eine Wucherung des Pflanzengewebes, die Galle. [Hesse, Richard: Der Tierkörper als selbständiger Organismus, Leipzig u. a.: B. G. Teubner 1910, S. 55]
Blattläuse (Aphidae), Familie der Pflanzenläuse, deren zahlreiche Arten mittels eines Rüssels die zartern Teile der Pflanzen anbohren und aussaugen oder Gallen verursachen. [o. A.: B. In: Brockhausʼ Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 8711]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Galle1 · galle(n)bitter · gallig · vergällen · unvergällt · Gallenkolik · Gallenstein
Galle1 f. ‘bittere, gelbflüssige Absonderung der Leber, Gallenblase’. Die germ. Bezeichnungen ahd. (9. Jh.), asächs. galla, mhd. mnd. galle, nl. gal, aengl. gealla, engl. gall, anord. gall, schwed. galla, galle (germ. *gallō-) führen mit verwandten Wörtern in anderen ie. Sprachen wie awest. zāra- ‘Galle’, griech. cholḗ, chólos (χολή, χόλος) ‘Galle, Zorn, Groll’ (s. ↗Cholera), lat. fel (Genitiv fellis) ‘Galle, Bitterkeit, Zorn’, lit. žãlias ‘grün, roh, ungekocht’, aslaw. zelenъ, russ. zelënyj (зелёный) ‘grün’, aslaw. zlъčь, aruss. zъlčь, žъlčь, russ. žëlč’ (жёлчь) ‘Galle’ auf die Wurzel ie. *g̑hel(ə)- ‘glänzen, schimmern’, in Farbbezeichnungen besonders ‘gelb, grün’, bzw. die Varianten *ghel(ə)- oder *g‐ͧhel(ə)- (s. ↗gelb). Die Galle ist somit nach ihrer gelblichgrünen Farbe benannt. In übertragener Verwendung gilt dt als Symbol der Bitterkeit und Sitz des Zorns und Ärgers. galle(n)bitter Adj. ‘bitter wie Galle, sehr bitter’ (16. Jh.); substantivisches Gallenbitter(e)n und obd. Gallenbitterin für ‘Gallenflüssigkeit’ ist schon in der 2. Hälfte des 15. Jhs. bezeugt. gallig Adj. ‘Galle enthaltend, galle(n)bitter, voll Bitterkeit und dadurch unfreundlich, bitter spottend’ (16. Jh.), bis ins 19. Jh. auch gallicht. vergällen Vb. ‘(Freude, Leben) verbittern’, mhd. gellen, vergellen ‘bitter wie Galle machen, verbittern’. In neuerer Zeit auch ‘denaturieren’, d. h. ‘Genußmittel ungenießbar machen’; dazu unvergällt Part.adj. ‘unbeschwert, zufrieden’ (18. Jh.), ‘nicht mit Bitterstoffen versetzt’ (19. Jh.); vgl. mhd. unvergellet. Gallenkolik f. Gallenstein m. (beide Anfang 18. Jh.).

Galle2 · Gallapfel · Gallwespe
Galle2 f. ‘Geschwulst in den Sehnenscheiden der Gliedmaßen von Tieren (besonders Pferden), Gewebewucherung an Pflanzen’. Spätmhd. mnd. galle ‘Geschwulst am Hinterbein des Pferdes’, aengl. gealla, engl. gall ‘wundgeriebene Stelle, Geschwulst’ sind vermutlich mutlich verwandt mit anord. galli ‘Fehler, Schaden’, lit. žalà ‘Schaden, Leid, Verletzung’, žalìngas ‘bösartig (von Wunden), schädlich’, air. galar ‘Krankheit, Kummer’. Sie wären dann auf eine gemeinsame Wurzel ie. *g̑hal- ‘Schaden, Gebrechen’ zurückzuführen. An Herkunft aus einer nicht-ie. Substratsprache denkt dagegen de Vries Nl. 180. Auf dem Einfluß von nicht verwandtem lat. galla ‘kugelartiger Auswuchs, Gallapfel’ beruht wohl (über afrz. gale) ahd. galla ‘Auswuchs an Pflanzen’ (10./11. Jh.), mhd. galle ‘fehlerhafte Stelle im Gestein’, nhd. Galle ‘Auswuchs an Bäumen, Schadstelle an Pflanzen, im Acker’, das daraufhin im Sinne von ‘Geschwulst, Schaden’ mit altem Galle zusammenfällt. Dazu Gallapfel m. ‘apfelförmiger Auswuchs an Blättern von Laubbäumen’ (besonders an Eichen und Weiden), frühnhd. gal(l)öpfel (15. Jh.; vgl. mhd. eichenepele Plur.). Gallwespe f. Insekt, das seine Eier im Pflanzengewebe ablegt und dadurch die Bildung von Gallen verursacht (18. Jh.).

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Galle · ↗Gallenblase
Oberbegriffe
Medizin
Synonymgruppe
Galle · Gallensekret
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bauchspeicheldrüse Bezirksgericht Darm Elite-Hochschule FC Galle Gift Grasshopper Kanton Kunstmuseum Leber Lokremis Mage Magensaft Management-Symposion Management-Symposium Management-Zentrum Managementzentrum Milz Niere SOS-Kinderdorf Schleim Stiftsbibliothek Urin Verdauungssaft hochkommen speien spucken verspritzen überlaufen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Galle‹.

Zitationshilfe
„Galle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Galle#2>, abgerufen am 20.02.2019.

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