Gammler, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Gammlers · Nominativ Plural: Gammler
Aussprache
WorttrennungGamm-ler
Wortzerlegunggammeln-er
Wortbildung mit ›Gammler‹ als Erstglied: ↗Gammlertreff · ↗Gammlertum
eWDG, 1967

Bedeutung

veraltet, abwertend junger Mensch mit ungepflegtem oder auffälligem Äußeren, der grundsätzlich keiner regelmäßigen Arbeit nachgeht
Beispiel:
es kam zu Zornesausbrüchen über die Gammler [Tageszeitung1966]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gammeln2 · vergammeln2 · Gammler
gammeln2 Vb. ‘untätig die Zeit verbringen, sich herumtreiben, äußere Formen und allgemeingültiges Normverhalten ablehnen’ (Mitte 20. Jh.). Etymologie unklar. Vielleicht ist anzuknüpfen an westmd. (rhein. hess.) gammeln (auch gambeln, gumpeln) ‘faul umherschlendern, müßiggehen’. Das sich als Modewort rasch verbreitende Verb wird vielfach als zu ↗gammeln gehörig empfunden und erhält auf diese Weise zusätzlich den Sinn des Unkonventionellen, Nachlässigen, alle Formen Negierenden. vergammeln2 Vb. ‘zum Bummler werden, die Zeit verbummeln, vertrödeln’ (20. Jh.). Gammler m. ‘(junger) Mensch, der allgemeingültige Normen und äußere Formen ablehnt, daher auch keiner regelmäßigen Arbeit nachgeht’ (Mitte 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Drückeberger · ↗Faulenzer · ↗Müßiggänger · ↗Nichtstuer · ↗Tagedieb  ●  Bukligger  fachspr., Jargon, seemännisch · ↗Bummelant  ugs. · ↗Bummler  ugs. · ↗Faultier  ugs., fig. · Gammler  ugs. · ↗Schlaffi  ugs. · ↗Tachinierer  ugs., österr., bair.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Strolch · ↗Tagedieb  ●  ↗Nichtsnutz  veraltend · ↗Taugenichts  veraltet · ↗Tunichtgut  veraltet · ↗Hallodri  ugs., bair., österr.
  • (sich) davonschleichen · ↗(sich) davonstehlen · ↗(sich) fortstehlen · ↗(sich) verdrücken · ↗entschwinden (lit.)  ●  (sich) in die Büsche schlagen  fig. · ↗(sich) verflüchtigen  scherzhaft · (sich) von der Truppe entfernen  fig. · ↗(sich) abseilen  ugs., fig. · ↗(sich) dünne machen  ugs. · ↗(sich) dünnemachen  ugs. · ↗(sich) verdünnisieren  ugs., scherzhaft · ↗(sich) verpissen  derb
  • Berber · Clochard · Herumstreicher · ↗Landfahrer · Nichtsesshafter · ↗Streuner · ↗Strolch · ↗Stromer · ↗Trebegänger  ●  Fecker  schweiz. · ↗Herumtreiber  abwertend · ↗Landstreicher  abwertend · Obdachloser  Hauptform · ↗Stadtstreicher  abwertend · ↗Strotter  österr. · ↗Tramp  engl. · ↗Vagabund  veraltend · Wohnsitzloser  Amtsdeutsch · Wohnungsloser  Amtsdeutsch · Heckenpenner  derb, stark abwertend · ↗Pennbruder  derb · ↗Penner  derb, abwertend · ↗Rumtreiber  ugs. · ↗Sandler  ugs., österr., bair. · ↗Tippelbruder  ugs. · ↗Treber  ugs.
  • (seine) Pflichten vernachlässigen  ●  (sich) um nichts kümmern  Hauptform · die Dinge schleifen lassen  fig. · den lieben Gott einen guten Mann sein lassen  ugs., Redensart
  • Arbeitsscheu · ↗Drückebergerei · ↗Faulheit  ●  Verpissertum  derb
  • faul sein · ↗faulenzen · nichts tun  ●  (die) Arbeit nicht erfunden haben  ugs., Redensart · (einfach) dasitzen und Kaffee trinken  ugs., fig. · (sich) an den Füßen spielen  ugs., fig., Redensart · (sich) die Eier schaukeln  derb, fig., Redensart · Däumchen drehen  ugs., Redensart · abhartzen  ugs., salopp · abharzen  ugs., salopp · auf der faulen Haut liegen  ugs., Redensart · keinen Finger krumm machen  ugs., fig., Redensart · keinen Finger rühren  ugs., Redensart, fig. · keinen Handschlag tun  ugs., variabel, Redensart · keinen Schlag tun  ugs.
  • schlapp sein  ●  (sich) nicht aufraffen können  ugs. · (sich) zu nichts aufraffen können  ugs. · einen Durchhänger haben  ugs.
  • jemand mit der Einstellung "kommste heut nicht, kommste morgen"  ●  ↗Faulpelz  ugs., Hauptform · ↗Faultier  ugs., scherzhaft · fauler Hund  ugs. · fauler Sack  ugs., variabel
  • Blaumacher · ↗Drückeberger  ●  Laumalocher  ugs., ruhrdt. · ↗Leistungsverweigerer  fachspr., Jargon · Verpisser  derb
  • (sich) nicht aufraffen könnnen · (sich) zu nichts aufraffen können · in Lethargie verharren · in Untätigkeit verharren · nicht aktiv werden · nicht in die Gänge kommen  ●  (den) Arsch nicht hochkriegen  ugs., fig. · nicht aus dem Quark kommen  ugs., fig. · nicht in die Puschen kommen  ugs., fig.
  • Gammler · ↗Herumtreiber · ↗Rumtreiber · ↗Streuner
Synonymgruppe
Gammler · ↗Herumtreiber · ↗Rumtreiber · ↗Streuner
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beatnik Hippie langhaarig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gammler‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn er nicht gehandelt hätte, wäre sie selber auf die Gammler losgegangen.
Die Zeit, 31.03.1972, Nr. 13
Dargestellt wird eine Gesellschaft von ausgeflippten, aber nicht kaputten, durchaus intellektuellen Typen, die einst Gammler genannt wurden.
Süddeutsche Zeitung, 27.05.2000
Dann geht Koeppen zu den Gammlern, den Blumenkindern, den Haschern.
Süddeutsche Zeitung, 23.04.1994
Viele kamen in die Leipziger Straße, und die Stasi schätzte den Bestand an Gammlern, knipste und verhaftete.
Die Welt, 30.07.2004
Mit der Kampagne gegen die »Gammler« bereitet die Führung das 11. Plenum vor.
Engler, Wolfgang: Die Ostdeutschen, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1999], S. 316
Zitationshilfe
„Gammler“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gammler>, abgerufen am 20.03.2019.

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