Garn, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Garn(e)s · Nominativ Plural: Garne
Aussprache
Wortbildung mit ›Garn‹ als Erstglied: ↗Garnfischer · ↗Garnhaspel · ↗Garnknäuel · ↗Garnreuse · ↗Garnrolle · ↗Garnspule
 ·  mit ›Garn‹ als Letztglied: ↗Baumwollgarn · ↗Bibergarn · ↗Bindegarn · ↗Deckgarn · ↗Dochtgarn · ↗Einschussgarn · ↗Entengarn · ↗Fallgarn · ↗Feingarn · ↗Finkengarn · ↗Fischergarn · ↗Fischgarn · ↗Flachsgarn · ↗Fliegengarn · ↗Forellengarn · ↗Frotteegarn · ↗Glanzgarn · ↗Grobgarn · ↗Haargarn · ↗Handgarn · ↗Hanfgarn · ↗Hasengarn · ↗Heftgarn · ↗Häkelgarn · ↗Jutegarn · ↗Kammgarn · ↗Kettgarn · ↗Klöppelgarn · ↗Leinengarn · ↗Lerchengarn · ↗Maschinengarn · ↗Mischgarn · ↗Mückengarn · ↗Nesselgarn · ↗Nähgarn · ↗Perlgarn · ↗Rohgarn · ↗Schiemannsgarn · ↗Schussgarn · ↗Seemannsgarn · ↗Segelgarn · ↗Seidengarn · ↗Stickgarn · ↗Stopfgarn · ↗Streichgarn · ↗Strickgarn · ↗Texturgarn · ↗Vogelgarn · ↗Wintergarn · ↗Wollgarn
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
aus Faserstoffen gesponnener Faden von unterschiedlicher Dicke und Festigkeit
Beispiele:
den Flachs zu feinem Garn spinnen
Garn bleichen, färben
Garn abspulen, aufspulen, (auf)wickeln, einfädeln
ungebleichtes Garn
eine Rolle Garn
bildlich
Beispiel:
Es wäre ihm geschmacklos erschienen ... das Garn dort wieder anzuknüpfen, wo es vor fünf Jahren gerissen war [Wasserm.Gänsemännchen235]
übertragen
Beispiel:
Seemannssprache Garn spinnen (= übertriebene, unwahre Geschichten erzählen)
2.
Jägersprache, Fischerei Netz, das zum Fangen von Wild, Vögeln, Fischen dient
Beispiele:
das Wild ins Garn jagen, treiben, hetzen
einen Vogel, Fisch ins Garn locken
übertragen
Beispiele:
jmdm. ins Garn laufen, gehen (= auf etw. hereinfallen)
jmdn. ins Garn locken, ziehen (= jmdn. hereinlegen)
Sie war der Welt ins Garn gegangen [G. HartlaubGroßer Wagen231]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Garn · umgarnen · Seemannsgarn
Garn n. ‘aus Fasern gesponnener Faden’, ahd. (9. Jh.), mhd. garn, mnd. gāren, mnl. garen, gaern, nl. garen, aengl. gearn, engl. yarn, anord. schwed. garn (germ. *garna-) bezeichnet ursprünglich die ‘aus getrockneten Därmen gedrehte Schnur’. Die alte Bedeutung ‘Darm’ zeigt sich noch in den Zusammensetzungen ahd. mittigerni (8. Jh.), asächs. midgarni, mhd. mittiger, aengl. micgern ‘in der Mitte der Eingeweide sitzendes Fett’ und im Femininum anord. gǫrn, Plur. garnar ‘Eingeweide’. Sie gilt auch für die außergerm. Verwandten griech. chordḗ (χορδή) ‘Darm(saite), Wurst’ (s. ↗Kordel), lat. hernia ‘Eingeweidebruch’, lit. žárna ‘(Dünn)darm, Schlauch’, aind. híraḥ ‘Band, Streifen’, hirā́ ‘Ader’, die eine Wurzel ie. *g̑her- ‘Darm’ voraussetzen. Bezeichnet Garn zunächst den ‘tierischen Darm’, mit dem man Felle und dgl. zusammennäht, so wird das Wort später auf den einfachen gesponnenen Faden übertragen, während der verstärkte, zweifach gedrehte Faden ↗Zwirn (s. d.) heißt. Schon in mhd. Zeit bedeutet Garn auch das ‘Netz zum Fangen von Wild, Vögeln und Fischen’, heute noch in der Jäger- und Fischersprache; daraus die Wendung ins Garn gehen ‘hereinfallen’, ferner die Ableitung umgarnen Vb. ‘durch Schmeichelei, List für sich und seine Zwecke zu gewinnen suchen, betören’, eigentlich ‘mit Netzen einfangen’ (17. Jh.). Seemannsgarn n. ‘abenteuerliche, nicht mit der Wahrheit übereinstimmende Erzählung’, von Seeleuten beim Spinnen von Garn aus zerfasertem Tauwerk vorgetragen (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Faden · Garn · ↗Zwirn
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Accessoire Baumwolle Chemikalie Faser Gewebe Herstellung Knopf Nadel Nähmaschine Rohgewebe Seil Spinnen Spinnerei Stoff Textilie Weben Wolle Zwirn elastisch fein färben gesponnen grob hochwertig spinnen stricken synthetisch verarbeiten verspinnen weben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Garn‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Je nach Temperatur nimmt dadurch das Garn eine vorher festgelegte äußere Gestalt an.
Die Welt, 26.04.2002
Während das Seil in die Tiefe fiel, schnürte ihm das Garn die Hand ab.
Bild, 25.03.2000
Ich traf das junge Mädchen nach einem Jahr wieder, die das große Los gezogen hatte, dem Apotheker ins Garn zu gehen.
Rösler, Jo Hanns: Wohin sind all die Jahre..., München: Goldmann 1984 [1964], S. 113
Schadhafte Stellen werden sofort, und zwar mit passendem Garn, ausgebessert.
Oheim, Gertrud: Das praktische Haushaltsbuch, Gütersloh: Bertelsmann 1967 [1954], S. 318
Das Elend und drohender Hunger lockten ihn wieder ins Garn, und so machte er sich auf "aus weiter Ferne", um sein Opfer zu betören.
Wassermann, Jakob: Caspar Hauser, Berlin: Aufbau-Verl. 1987 [1908], S. 174
Zitationshilfe
„Garn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Garn>, abgerufen am 22.04.2019.

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