Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gasse, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gasse · Nominativ Plural: Gassen
Aussprache 
Worttrennung Gas-se (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Gasse‹ als Erstglied: Gasselinie · Gassendorf · Gassenhauer · Gassenjunge · Gassenladen · Gassenlied · Gassenlokal · Gassenläufer · Gassenschenke · Gassenschänke · Gassensprache · Gassenverkauf · Gassenwechsel · Gassenwitz · Gassenwurf · Gassenzimmer · Gässchen · gassenseitig
 ·  mit ›Gasse‹ als Letztglied: Altstadtgasse · Bootsgasse · Boxengasse · Brandgasse · Dorfgasse · Ehrengasse · Floßgasse · Hafengasse · Hauptgasse · Holmengasse · Kirchgasse · Nebengasse · Quergasse · Rettungsgasse · Sackgasse · Schustergasse · Seitengasse · Stadtgasse · Stallgasse · Stufengasse · Treppengasse · Vorstadtgasse · Zugangsgasse
 ·  mit ›Gasse‹ als Binnenglied: Hintergassenkegel
Mehrwortausdrücke  Hansdampf in allen Gassen
eWDG

Bedeutungen

1.
von Häusern eingefasste, sehr schmale Straße
Beispiele:
eine enge, winklige, krumme, steile Gasse
die Gassen der Altstadt sind holprig und finster
sie wohnte in einer kleinen Gasse
auf der abgelegenen Gasse war kein Mensch zu sehen
österreichisch Straße
Beispiel:
Speisen und Getränke auch über die Gasse
schmaler Weg zwischen Zäunen, Mauern, Bergwänden
Beispiel:
Durch diese hohle Gasse muß er kommen [ SchillerTellIV 3]
Durchgang durch ein von Menschen gebildetes Spalier
Beispiel:
der Trauerzug durchschritt die Gasse der Männer und Frauen
übertragen
Beispiele:
der Sturm reißt oft Gassen in den Waldbestand (= der Sturm knickt oft die Bäume, sodass ein freier Streifen entsteht)
umgangssprachlichdas kann man auf allen Gassen (= überall) hören
sprichwörtlich, umgangssprachlich, gelegentlich abwertender ist Hansdampf in allen Gassen (= kennt sich überall aus)
gehobenDer Freiheit eine Gasse! [ BüchnerDantonII]
2.
umgangssprachlich die Bewohner von 1
Beispiel:
Fuhr sie durch die Stadt / Im Hemd, um den Hals ein Schild, das Haar geschoren. / Die Gasse johlte [ BrechtGedichte94]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gasse · Gassenhauer
Gasse f. ‘von Häusern eingefaßte enge Straße, schmaler Durchgang’, ahd. gaʒʒa ‘Gasse’, auch ‘Quartier, Stadtviertel’ (10. Jh.), mhd. gaʒʒe, mnd. gāte, anord. schwed. gata, got. gatwō. Herkunft unbekannt. Aus den ingwäon. Sprachen sind Entsprechungen aus früher Zeit nicht überliefert (engl. gate ‘Tor, Weg, Zugang’ ist aus den nord. Sprachen entlehnt). Außergerm. Verwandte fehlen. Gasse steht ursprünglich für den ‘ungepflasterten Weg’ innerhalb des Dorfes oder der Stadt, dagegen bezeichnet Straße (s. d.) zunächst den ‘gepflasterten Verkehrsweg zwischen Ortschaften bzw. innerhalb einer Ortschaft’. Gasse ist jetzt weitgehend durch Straße verdrängt, weil besonders das Nordd. damit den Begriff des Engen, Kleinen, Gedrückten verbindet; dem Südd. ist Gasse im Sinne von ‘Straße’ noch geläufig. – Gassenhauer m. ‘abgeleiertes, volkstümlich- derbes Lied’, im 16. Jh. ‘auf der Gasse gesungenes Lied’ (noch ohne abschätzigen Nebensinn). Eigentl. (ebenfalls 16. Jh.) ‘auf der Straße umherziehender Mensch, Gassengänger, Pflastertreter’ (zu obd. hauen, Kraftausdruck für ‘gehen, laufen, treten’, vgl. umgangssprachlich abhauen ‘weggehen’, s. d.), dann auch ‘von Nachtbummlern aufgeführter (gestampfter) Tanz mit seiner Melodie’ und ‘auf der Gasse gesungenes Lied’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Altstadtgasse · Gasse · Gässchen · Gässlein · Sträßchen · Weg  ●  Twiete  ugs., norddeutsch
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Durchlass · Gang · Gasse · Korridor · Lücke · Passage  ●  Durchgang  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
Spalier  ●  Menschengasse  Hauptform · Gasse  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Gasse‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gasse‹.

Altstadt Gewirr Ortskern Städtchen bahnen breiten dunkel eng enge freudlos gepflastert gewunden hohl kalbächer kopfsteingepflastert krumm limpurger mainzer malerisch menschenleer mittelalterlich schattig schmal staubig steil säumen umliegend verwinkelt winkelig winklig

Verwendungsbeispiele für ›Gasse‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In den engen Gassen, das weiß er, findet er das Echo nicht. [Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 70]
Holt bog von der Straße in eine unbeleuchtete Gasse ein. [Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1963], S. 179]
In den Städten waren die Gebäude durch enge Gassen schachbrettartig gruppiert. [o. A.: Lexikon der Kunst – I. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 6561]
Kurz darauf sieht man eine andere Frau die dunkle Gasse entlangtaumeln. [Die Zeit, 14.02.1997, Nr. 8]
Man trifft die alten Herren in den Gassen der zu drei Vierteln zerstörten Stadt Caen. [Die Zeit, 21.06.1996, Nr. 26]
Zitationshilfe
„Gasse“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gasse>.

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