Gassenhauer, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungGas-sen-hau-er
WortzerlegungGasseHauer2
eWDG, 1967

Bedeutung

abwertend abgeleiertes, meist minderwertiges Lied
Beispiele:
ein erbärmlicher, elender Gassenhauer
er spielte, pfiff einen Gassenhauer
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gasse · Gassenhauer
Gasse f. ‘von Häusern eingefaßte enge Straße, schmaler Durchgang’, ahd. gaʒʒa ‘Gasse’, auch ‘Quartier, Stadtviertel’ (10. Jh.), mhd. gaʒʒe, mnd. gāte, anord. schwed. gata, got. gatwō. Herkunft unbekannt. Aus den ingwäon. Sprachen sind Entsprechungen aus früher Zeit nicht überliefert (engl. gate ‘Tor, Weg, Zugang’ ist aus den nord. Sprachen entlehnt). Außergerm. Verwandte fehlen. Gasse steht ursprünglich für den ‘ungepflasterten Weg’ innerhalb des Dorfes oder der Stadt, dagegen bezeichnet ↗Straße (s. d.) zunächst den ‘gepflasterten Verkehrsweg zwischen Ortschaften bzw. innerhalb einer Ortschaft’. Gasse ist jetzt weitgehend durch Straße verdrängt, weil besonders das Nordd. damit den Begriff des Engen, Kleinen, Gedrückten verbindet; dem Südd. ist Gasse im Sinne von ‘Straße’ noch geläufig. Gassenhauer m. ‘abgeleiertes, volkstümlich- derbes Lied’, im 16. Jh. ‘auf der Gasse gesungenes Lied’ (noch ohne abschätzigen Nebensinn). Eigentl. (ebenfalls 16. Jh.) ‘auf der Straße umherziehender Mensch, Gassengänger, Pflastertreter’ (zu obd. hauen, Kraftausdruck für ‘gehen, laufen, treten’, vgl. umgangssprachlich ↗abhauen ‘weggehen’, s. d.), dann auch ‘von Nachtbummlern aufgeführter (gestampfter) Tanz mit seiner Melodie’ und ‘auf der Gasse gesungenes Lied’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Hit · ↗Schlager  ●  Gassenhauer  ugs. · ↗Ohrwurm  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Chanson Couplet Funktion Hit Jazz Kunstlied Lied Melodie Oper Refrain Schlager Version Volkslied alt anstimmen bekannt beliebt echt erklingen erwecken mitsingen pfeifen populär schmettern sentimental singen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gassenhauer‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sehr spät, auf einem turbulenten Richtfest, tanzen die Arbeiter zum Gassenhauer "YMCA".
Der Tagesspiegel, 05.03.2002
Sie amüsieren sich mit Gassenhauern, wie sie die Welt schon längst vergessen hat.
Die Welt, 16.02.2000
Er pfeift einen uralten Gassenhauer vor sich hin und lächelt mitunter spitzbübisch.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 298
Der Name wird dem Gassenhauer immer erst gegeben, wenn er schon ins Leben getreten ist.
Gudewill, Kurt: Gassenhauer. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1955], S. 26897
Gassenhauer waren das, die man kannte, ohne den Urheber der Melodie kennen zu müssen.
Wondratschek, Wolf: Mozarts Friseur, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 89
Zitationshilfe
„Gassenhauer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gassenhauer>, abgerufen am 22.09.2019.

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