Gast, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Gast(e)s · Nominativ Plural: Gäste
Aussprache  [gast]
Herkunft aus *gʰosti‑ie ‘Fremder’
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
zur Bewirtung oder vorübergehenden Beherbergung eingeladene oder aufgenommene Person
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein ungebetener Gast
als Akkusativobjekt: Gäste einladen, begrüßen, empfangen
in Präpositionalgruppe/-objekt: mit Gästen feiern; für Gäste kochen; sich um die Gäste kümmern
in Koordination: Gast und Gastgeber
als Aktivsubjekt: ein Gast übernachtet [bei jmdm.]
Beispiele:
Niemand kann Ihnen verbieten, dass Sie unentgeltlich Gäste in Ihrer Wohnung aufnehmen. [Neue Zürcher Zeitung, 17.04.2016]
Das Geschoss ist übrig geblieben von einem nachmittäglichen Zusammenstoß der Polizei mit baskischen Separatisten, ein Abenteuer, das wir erlebt haben wie alles auf dieser Reise durch Europa: als junge Gäste einer alten Welt, die sich uns öffnete und uns lehrte, ohne uns etwas abzuverlangen. [Süddeutsche Zeitung, 15.04.2021]
übertragen Tokehs (Gekko gecko) sind ursprünglich Bewohner des Regenwaldes, inzwischen leben viele der Tiere aber auch an oder in Häusern. Als Insektenfresser sind sie nützliche Gäste. [Der Spiegel, 30.05.2017 (online)]
Flüchtlinge in Überlebenskampf und Verzweiflung sind, das ist ihr Schicksal, zumeist ungebetene Gäste. [Die Welt, 20.04.2016]
Also haben sie ein Zelt aufgebaut und haben die Gäste dort einquartiert, 80 Leute, drei Nächte lang. [Süddeutsche Zeitung, 05.11.2015]
Mehr als zehn Gäste hätten in der Wohnung übernachtet, auf dem Fußboden, in Sesseln, an Schlafen sei sowieso nicht zu denken gewesen. [Schulze, Ingo: Neue Leben. Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 475]
2.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein häufiger, zahlender Gast
als Akkusativobjekt: Gäste empfangen, begrüßen, bedienen, beherbergen, bewirten; Gäste anlocken, locken, unterhalten
in Präpositionalgruppe/-objekt: sich um die Gäste kümmern
mit Genitivattribut: die Gäste des Hotels, Lokals, Restaurants
in Koordination: Gast und Wirt
als Aktivsubjekt: die Gäste bleiben aus
als Genitivattribut: das Wohl, die Wünsche der Gäste
a)
Besucher eines Lokals
Beispiele:
In dem Lokal kann der Gast ein Menü für nur 12,50 Euro essen – etwa mit der Hauptmahlzeit Boeuf Bourguignon, einem Fleischgericht aus dem Burgund. [Der Spiegel, 20.02.2017 (online)]
[…] es schwingt eine edel gedämpfte Freundlichkeit durch das Restaurant. 51 Gäste sind für den Sonntagabend angemeldet, noch aber herrscht sanfte Betriebsamkeit am frühen Nachmittag, zwei Gäste, die bereits seit zwölf Uhr hier sitzen, haben sich noch ein Glas Wein bestellt. [Süddeutsche Zeitung, 17.04.2021]
Tagsüber werden in dem Café […] Gäste bewirtet, ab 7 Uhr morgens gibt es Frühstück, dann Mittagessen, abends wird Wein serviert. [Der Spiegel, 21.12.2015 (online)]
Die Restaurants und Cafés rund um den Platz können im Sommer ihre Gäste nun auch auf dem Markt bedienen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2004]
Das Bezirksamt […] will die Sitzplätze für Gäste vor Kneipen und Restaurants […] begrenzen. [Bild, 05.08.2002]
b)
jmd., der gegen Entgelt beherbergt wird
Kollokationen:
als Genitivattribut: die Übernachtungen der Gäste
Beispiele:
Unser Hotel hat 17 Zimmer, wir haben ein Restaurant und Räume für Veranstaltungen wie Hochzeiten – da haben wir eben häufig viele Gäste im Haus. [Bild am Sonntag, 25.12.2016]
Das Restaurant ist wegen der Pandemie seit Monaten geschlossen, im Hotel sind an diesem Tag nur zehn Prozent der Betten belegt – macht 15, vielleicht 20 Gäste. [Süddeutsche Zeitung, 17.04.2021]
In Dortmund werden wie in vielen anderen Städten bei jeder touristischen Übernachtung 7,5 Prozent Bettensteuer fällig, auch wenn der Gast in einer Studentenbude unterkommt. [Süddeutsche Zeitung, 30.10.2017]
Auch Gäste, die sich keine Suite leisten wollen, profitieren vom Trend zu mehr Platz und mehr Luxus im Hotel. [Die Zeit, 20.04.2000]
Von Gästen, die des öfteren in demselben Hotel übernachten, sollte sich der Empfangsleiter den Namen […] merken und diese Gäste dann dementsprechend begrüßen; denn es freut die meisten Menschen, wenn man sich ihrer Person erinnert. [Kölling, Alfred: Fachbuch für Kellner. Leipzig: Fachbuchverlag 1962 [1956], S. 392]
3.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein geladener, gern gesehener, hochkarätiger Gast
als Akkusativobjekt: Gäste einladen, empfangen
in Präpositionalgruppe/-objekt: sich unter die Gäste mischen; [bei einer Veranstaltung o. Ä.] zu Gast sein
mit Genitivattribut: die Gäste des Abends, Empfangs, der Gala, der Hochzeitsfeier, der Party, Veranstaltung
als Aktivsubjekt: die Gäste feiern, tanzen, trinken
a)
jmd., der sich (als Besucher) in einer anderen als seiner eigenen Umgebung, besonders in einem Personenkreis, zu dem er nicht fest gehört, zu bestimmten Zwecken vorübergehend aufhält
Beispiele:
[Innenminister] De Maizière empfing seinen Gast wohlwollend und mit warmen Worten, stellte aber auch klar, dass zwischen dem Wunsch nach Frieden und der Wirklichkeit derzeit noch eine große Kluft herrsche. [Der Spiegel, 26.05.2017 (online)]
Der kürzlich im Alter von 99 Jahren verstorbene Prinzgemahl wird in Windsor beigesetzt – im Beisein von nur 30 Gästen. [Süddeutsche Zeitung, 17.04.2021]
Als Donald Trump vor vier Jahren auf den letzten Metern die Wahl gewann, war die Überraschung riesengroß. Von vielen Wahlpartys in Privatwohnungen, auf denen die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten gefeiert werden sollte, wurde berichtet, wie sich erst Erschrecken und dann Entsetzen breitmachte. Einer nach dem anderen verließen die Gäste stumm‑verstört den Ort. [Die Welt, 05.11.2020]
Er habe zugesagt, einen Vertreter der [Nato-]Gegner »als Zeichen des Vertrauens und des guten Willens« als Gast und Beobachter zu der Tagung zuzulassen, sagte Ischinger am Montag vor der Presse. [Süddeutsche Zeitung, 02.12.2008]
Zur Beerdigung von Albert Norden, der lange Jahre als Propaganda‑Sekretär des Zentralkomitees die Parteipolitik beim Volk und an der SED‑Basis zu verkaufen hatte, hatten sich Anfang Juni 1982 das Politbüro, zahlreiche Mitglieder des ZK und einige auserwählte Gäste im Saal des Großen Hauses versammelt. [Der Spiegel, 06.08.1984]
spezieller Besucher einer (kostenpflichtigen) Veranstaltung, eines besonderen OrtesDWDS
Beispiele:
2.100 Gäste lauschten im großen Saal dem […] Orchester unter der Leitung von Thomas Hengelbrock […]. [Bild, 12.01.2017]
Der Regisseur begrüßte die Gäste, und dann sagte er ihnen, dass er am Tag davor endlich sein anderes Werk, »The Hateful Eight«, auf der gebogenen Leinwand des Cinerama habe sehen dürfen. [Süddeutsche Zeitung, 15.04.2021]
Rund 3.000 Gäste aus Kultur, Politik, Sport, Medien und viele Ehrenamtliche feiern auf Einladung des Landtags üblicherweise im prunkvollen Schlossgarten. [Süddeutsche Zeitung, 14.04.2021]
Samstagnacht brachen etwa 200 Gäste in ein leerstehendes Klinik‑Gebäude in Garching (Bayern) ein, feierten dort eine Halloween‑Party. [Bild, 06.11.2020]
Aus den Kinos, aus den Theatern kamen die Gäste in Abendmänteln, eilig oder langsam, bummelten noch ein paar Schritte[…]. [Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt. Bd. 2. Berlin [u. a.]: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 163]
b)
jmd., der auf Einladung als Mitwirkender, besonders als Künstler, bei einer Veranstaltung auftrittDWDS
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein prominenter Gast
Beispiele:
Am Montagabend waren die Eagles of Death Metal in Paris als Gäste bei einem Konzert der irischen Rockband U2 aufgetreten. [Der Spiegel, 08.12.2015 (online)]
Als Gäste [dieser Sendung] werden unter anderem die Fernsehköche Johann Lafer und Sarah Wiener sowie die Schauspielerin Janine Kunze und Entertainer Kaya Yanar auftreten. [Die Welt, 26.08.2006]
Allen war gestern Abend erstmals mit seiner New Orleans Jazz Band im Tempodrom zu Gast. [Die Welt, 02.08.2004]
Morgen um 19 Uhr liest der Dresdner Schriftsteller Thomas Rosenlöcher (»Dresdner Tagebuch«, »Harzreise«) als Gast der Hamburger Autorenvereinigung und der Konrad[-]Adenauer[-]Stiftung im Lichtwarksaal […] aus seinem Buch »Ostgezeter«. [Die Welt, 08.06.1999]
c)
Sport Sportler, Sportlerin oder Mannschaft beim Wettkampf auf dem (Wettkampf-)‍Platz des Gegners
Grammatik: meist im Plural
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Tor, Treffer, die Führung für die Gäste
mit Prädikativ: die Gäste sind tonangebend, das bessere Team, chancenlos
als Genitivattribut: ein Tor, Treffer, die Abwehr, die Führung der Gäste
Beispiele:
Als die Sounders Portland vor kurzem 4:2 besiegt hatten, gaben die Anhänger aus Seattle den Gästen noch einen Trost mit auf dem Heimweg[…]. [Der Spiegel, 27.05.2017 (online)]
Der Aufsteiger siegte gegen 1899 Hoffenheim mit 2:0 (0:0) und vermasselte dem Gast den Sprung auf einen Champions‑League‑Platz. [Die Welt, 11.12.2017]
Bruno Soriano hatte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte die Gäste mit einem verwandelten Handelfmeter in Führung gebracht. [Die Zeit, 22.09.2016 (online)]
In dem vom Ausrichter SG Dynamo Adlershof für rund 1.200 Teilnehmer beispielhaft organisierten zweiten Lauf der Cross‑Serie […] kamen in den meisten Klassen Gäste aus anderen Bezirken zu Erfolgen. [Berliner Zeitung, 20.11.1978]
Die Rollen der beiden Mannschaften sind unterschiedlich, die Heimmannschaft vereinigt alle Sympathien auf sich, die Gäste sind nur Gäste bis zum Anpfiff, danach gelten sie als Feinde. [Beckenbauer, Franz: Einer wie ich. München: Wilhelm Heyne Verlag 1977, S. 197]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gast · gastieren · gastlich · gastfrei · Gastfreund · Gastfreundschaft · gastfreundlich · Gastgeber · Gasthaus · Gasthof · Gastmahl · Gastspiel · Gaststätte · Gastwirt · Gastwirtschaft
Gast m. ‘wer sich vorübergehend an fremdem Ort aufhält, Besucher’. Ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. mnl. nl. gast, afries. jest, aengl. giest, anord. gestr (daraus engl. guest), schwed. gäst, got. gasts (germ. *gasti-) führt mit verwandtem lat. hostis ‘Fremdling’, besonders ‘kriegführender Fremder, Landesfeind’, hospes (Genitiv hospitis) ‘Gastfreund’ (aus *hostipots, eigentlich ‘Herr des Fremden, Gastherr’, zum zweiten Kompositionsglied, das hier jedoch als konsonantischer Stamm erscheint, s. Despot) sowie aslaw. gostь ‘Gast, Fremder’, aruss. gostь, auch ‘angereister Kaufmann’, russ. gost’ (гость) ‘Gast’ auf ie. *ghostis ‘Fremder’. Dies bezeichnet also sowohl den friedlich sich nähernden Fremden, dem Schutz, Unterkunft, Bewirtung gewährt wird, als auch den mit kriegerischen Absichten ins Land fallenden Fremden, den Feind. Im Germ. überwiegt früh die erste Bedeutung, doch kann noch mhd. gast auch für ‘Krieger’ bzw. ‘feindlicher Krieger’ stehen. Mit dem Erstarken des Bürgertums, der Intensivierung des Handels und der Entwicklung des Herbergswesens bezeichnet Gast nur noch den bewirteten Fremden, den Besucher. gastieren Vb. ‘zu Gaste haben, bewirten’ (17. Jh.) für älteres gasten (16. Jh.); heute von Künstlern ‘Gastrollen geben’. gastlich Adj. ahd. gastlīh (Hs. 12. Jh.; vgl. ungastlīhhī ‘Ungastlichkeit’, 11. Jh.), mhd. gastlich. gastfrei Adj. (16. Jh.). Gastfreund m. ‘wer zu einem Freund als Gast kommt, wer seinem Freund Gastfreundschaft gewährt’, wahrscheinlich von Maaler (1561) zur Wiedergabe von lat. hospes (s. oben) nach der älteren Umschreibung Gast und Freund geprägt, dann auch Äquivalent für gleichbed. griech. (homerisch) xé͞inos (ξεῖνος), (att.) xénos (ξένος) in dem in der Antike entwickelten speziellen Sinn der vertraglich vereinbarten, erblichen Verbindung zu gegenseitiger gastlicher Aufnahme und Freundschaft. Gastfreundschaft f. ‘Bereitschaft, einem Fremden Bewirtung und Unterkunft zu gewähren’ (Anfang 17. Jh.), älter gastliche Freundschaft (Mitte 16. Jh.); gastfreundlich Adj. ‘jederzeit bereit, Gäste bei sich aufzunehmen’ (2. Hälfte 18. Jh.). Gastgeber m. ‘wer andere zu Gast lädt und bewirtet’, mhd. gastgeber, gastgebe ‘wer Nachtherberge gibt, Gastwirt, Wirt’. Gasthaus n. ‘Übernachtungsstätte mit Speisewirtschaft’, ahd. (8. Jh.), mhd. gasthūs. Gasthof m. (Anfang 15. Jh.). Gastmahl n. ‘festliche Mahlzeit mit Gästen’ (16. Jh.). Gastspiel n. ‘Auftreten eines Künstlers, eines künstlerischen Ensembles auf einer fremden Bühne’ (Mitte 19. Jh.). Gaststätte f. ‘Speiserestaurant, Lokal’, zuerst 1909 in den dt. Alpenländern verdeutschend für Hotel und Restauration. Gastwirt m. ‘Inhaber einer Gaststätte’ (17. Jh.); Gastwirtschaft f. (um 1800); älter in gleichem Sinne Wirtschaft (s. d.).

Typische Verbindungen zu ›Gast‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gast‹.

Zitationshilfe
„Gast“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gast#1>, abgerufen am 27.11.2021.

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Gast, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Gastes · Nominativ Plural: Gasten
Aussprache  [gast]
Wortbildung  mit ›Gast‹ als Letztglied: Artilleriegast · Backgast · Backsgast · Bootsgast · Bootsmannsgast · Funkgast
eWDG

Bedeutung

Seemannssprache Matrose, der für einen bestimmten Dienst an Bord vorgesehen ist
Beispiel:
An Deck waren alle Gasten in fieberhafter Tätigkeit [ JahnnHolzschiff241]
Zitationshilfe
„Gast“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gast#2>, abgerufen am 27.11.2021.

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