Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gastspiel, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gastspiel(e)s · Nominativ Plural: Gastspiele
Aussprache 
Worttrennung Gast-spiel
Wortzerlegung Gast1 Spiel
Wortbildung  mit ›Gastspiel‹ als Erstglied: Gastspielaustausch · Gastspielreise · Gastspieltruppe
 ·  mit ›Gastspiel‹ als Letztglied: Austauschgastspiel · Dirigentengastspiel · Konzertgastspiel · Theatergastspiel
eWDG

Bedeutung

Auftreten eines Künstlers, künstlerischen Ensembles auf einer fremden Bühne
Beispiele:
das Ballett beendete seine Tournee mit einem Gastspiel in R
ein Gastspiel absagen
ein Gastspiel geben
als Gast auftreten
Beispiel:
er gab ein Gastspiel als Egmont
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gast · gastieren · gastlich · gastfrei · Gastfreund · Gastfreundschaft · gastfreundlich · Gastgeber · Gasthaus · Gasthof · Gastmahl · Gastspiel · Gaststätte · Gastwirt · Gastwirtschaft
Gast m. ‘wer sich vorübergehend an fremdem Ort aufhält, Besucher’. Ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. mnl. nl. gast, afries. jest, aengl. giest, anord. gestr (daraus engl. guest), schwed. gäst, got. gasts (germ. *gasti-) führt mit verwandtem lat. hostis ‘Fremdling’, besonders ‘kriegführender Fremder, Landesfeind’, hospes (Genitiv hospitis) ‘Gastfreund’ (aus *hostipots, eigentlich ‘Herr des Fremden, Gastherr’, zum zweiten Kompositionsglied, das hier jedoch als konsonantischer Stamm erscheint, s. Despot) sowie aslaw. gostь ‘Gast, Fremder’, aruss. gostь, auch ‘angereister Kaufmann’, russ. gost’ (гость) ‘Gast’ auf ie. *ghostis ‘Fremder’. Dies bezeichnet also sowohl den friedlich sich nähernden Fremden, dem Schutz, Unterkunft, Bewirtung gewährt wird, als auch den mit kriegerischen Absichten ins Land fallenden Fremden, den Feind. Im Germ. überwiegt früh die erste Bedeutung, doch kann noch mhd. gast auch für ‘Krieger’ bzw. ‘feindlicher Krieger’ stehen. Mit dem Erstarken des Bürgertums, der Intensivierung des Handels und der Entwicklung des Herbergswesens bezeichnet Gast nur noch den bewirteten Fremden, den Besucher. – gastieren Vb. ‘zu Gaste haben, bewirten’ (17. Jh.) für älteres gasten (16. Jh.); heute von Künstlern ‘Gastrollen geben’. gastlich Adj. ahd. gastlīh (Hs. 12. Jh.; vgl. ungastlīhhī ‘Ungastlichkeit’, 11. Jh.), mhd. gastlich. gastfrei Adj. (16. Jh.). Gastfreund m. ‘wer zu einem Freund als Gast kommt, wer seinem Freund Gastfreundschaft gewährt’, wahrscheinlich von Maaler (1561) zur Wiedergabe von lat. hospes (s. oben) nach der älteren Umschreibung Gast und Freund geprägt, dann auch Äquivalent für gleichbed. griech. (homerisch) xé͞inos (ξεῖνος), (att.) xénos (ξένος) in dem in der Antike entwickelten speziellen Sinn der vertraglich vereinbarten, erblichen Verbindung zu gegenseitiger gastlicher Aufnahme und Freundschaft. Gastfreundschaft f. ‘Bereitschaft, einem Fremden Bewirtung und Unterkunft zu gewähren’ (Anfang 17. Jh.), älter gastliche Freundschaft (Mitte 16. Jh.); gastfreundlich Adj. ‘jederzeit bereit, Gäste bei sich aufzunehmen’ (2. Hälfte 18. Jh.). Gastgeber m. ‘wer andere zu Gast lädt und bewirtet’, mhd. gastgeber, gastgebe ‘wer Nachtherberge gibt, Gastwirt, Wirt’. Gasthaus n. ‘Übernachtungsstätte mit Speisewirtschaft’, ahd. (8. Jh.), mhd. gasthūs. Gasthof m. (Anfang 15. Jh.). Gastmahl n. ‘festliche Mahlzeit mit Gästen’ (16. Jh.). Gastspiel n. ‘Auftreten eines Künstlers, eines künstlerischen Ensembles auf einer fremden Bühne’ (Mitte 19. Jh.). Gaststätte f. ‘Speiserestaurant, Lokal’, zuerst 1909 in den dt. Alpenländern verdeutschend für Hotel und Restauration. Gastwirt m. ‘Inhaber einer Gaststätte’ (17. Jh.); Gastwirtschaft f. (um 1800); älter in gleichem Sinne Wirtschaft (s. d.).

Typische Verbindungen zu ›Gastspiel‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gastspiel‹.

Ausnahme-sängerin Ballett Ballettschule Burgtheater Circus Compagnie Kabarettist Landestheater Nationaloper Nationalzirkus Operettentheater Pfalztheaters Pfeffermühle Reitschule Schlossfestspielen Staatsballett Staatskapelle Staatsoper Tanztheater Theatergruppe Théâtre Volkstheater Zirkus absagen ausverkaufen einjaehrigen einjährig halbjährig umjubelt zeigen

Verwendungsbeispiele für ›Gastspiel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Zahl der gegenseitigen Gastspiele ist trotzdem nicht sehr groß. [Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch – I. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 21787]
Mit einem Konzert fingen wir im Theater unser Gastspiel an. [Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054]
Der Trend gehe sehr wohl zu »kürzeren Gastspielen« im Unternehmen. [Die Zeit, 20.09.2013, Nr. 38]
In den vergangenen Jahren war das Ensemble verstärkt international auf Gastspielen. [Die Zeit, 28.10.2011 (online)]
Gastspiele in vielen Ländern der Erde machten ihn international bekannt. [Die Zeit, 24.03.2008 (online)]
Zitationshilfe
„Gastspiel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gastspiel>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Gastschüler
Gasträa
Gastrulation
Gastrula
Gastrotrichen
Gastspielaustausch
Gastspielreise
Gastspieltruppe
Gaststatus
Gaststube