Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gattung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gattung · Nominativ Plural: Gattungen
Aussprache 
Worttrennung Gat-tung (computergeneriert)
eWDG

Bedeutung

Allgemeinbegriff, der Einzeldinge, Einzelwesen zusammenfasst, die in wesentlichen Eigenschaften übereinstimmen
a)
Sorte, Art
Beispiele:
Menschen allerlei Gattung
in dem Zug saßen Reisende verschiedener Gattung: dicke und dünne, große und kleine
das Werk hat sich auf wenige Gattungen von Lokomotiven spezialisiert
Nun sag bloß, ich will zu den U‑Booten … Das ist die einzige Gattung, die noch Chancen in sich hat [ GrassKatz116]
eine literarische Gattungeine der drei Hauptformen der Literatur
Beispiel:
die Epik ist eine literarische Gattung
b)
Biologie Einheit im System der Lebewesen, die zwischen Familie und Art steht
Beispiele:
die Gattung Ahorn, Kiefer
die Gattung der Aalmolche
Zur Familie der eigentlichen Schnabeltiere … gehört nur eine Gattung mit einer einzigen Art, dem berühmten Schnabeltier [ BrehmTierleben4,13]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gatte · Ehegatte · gatten · begatten · Gattung
Gatte m. ‘Ehemann’, Plur. Gatten ‘Eheleute, Ehepaar’ Mhd. gat(e) ‘wer einem gleich ist oder es einem gleichtut, Genosse, Tiermännchen, -weibchen’, neben gegate (substantivierte Form eines Adjektivs ahd. gigat ‘passend’, um 1000), asächs. gigado, aengl. (ge)gada ‘seinesgleichen, Genosse, Gefährte’, mnl. (ghe)gade ‘Genosse, Ehepartner’, nl. gade ‘Ehemann, Ehefrau’ (westgerm. *(ga)gadōn-); vgl. (mit einem oft die Stammes- und Familienzugehörigkeit bezeichnenden Ableitungssuffix) ahd. gataling ‘Stammesgenosse, Verwandter’, Plur. ‘Eltern’ (8. Jh.), asächs. gaduling, aengl. gædeling, got. gadiliggs. Außergerm. sind zu vergleichen aind. gádhyaḥ ‘was man gerne festhält, was einem paßt’, aslaw. godъ ‘Stunde, (passende) Zeit’, russ. god (год) ‘Jahr’, aslaw. godьnъ ‘gefällig, geeignet’, russ. gódnyj (годный) ‘tauglich, brauchbar, geeignet’, výgoda (выгода) ‘Vorteil, Nutzen, Gewinn’. Sie führen auf die Wurzel ie. *ghadh- ‘vereinigen, eng verbunden sein, zusammenpassen’, älter wohl ‘umklammern, fest- und zusammenhalten’ (vgl. aind. ā́gadhitaḥ ‘angeklammert’), wozu auch gut, vergattern2 und wohl auch Gatter, Gitter (s. d.) gehören. Gatte, seit Mitte des 12. Jhs. bezeugt, gehört von Anfang an der gehobenen Sprache an; seine Bedeutung geht von ‘gleichgestellter, ebenbürtiger Genosse’ aus, von der Mitte des 13. Jhs. an wird damit auch der Paarungspartner im Tierreich bezeichnet; erst von der Mitte des 17. Jhs. an steht es allein für den ‘ehelich verbundenen Mitmenschen’. Vorher bedarf es, wenn auf Menschen bezogen, der Zusammensetzung Ehegatte (Ende 16. Jh.), das, wie Gatte, lange Zeit auch die ‘Ehefrau’ meinen kann, vgl. mnd. echtegāde und nl. gade, die beide für ‘Ehegatte’ und ‘Ehegattin’ stehen (doch wird nl. gade meist auf die ‘Ehefrau’ bezogen). Ab Ende 18. Jh. gelten Ehegatte, Gatte allein für den ‘Ehemann’, nachdem Ehegattin (um 1700) und Gattin (1. Hälfte 18. Jh.) üblich werden. – gatten Vb. reflexiv ‘sich paaren’, in der Kaufmannssprache früher ‘ordnen, sortieren’ (Waren gatten); mhd. gaten ‘zusammenkommen, genau zusammenpassen, vereinigen’, reflexiv ‘sich in- oder aneinanderfügen, zusammenpassen’, vgl. mhd. gegaten reflexiv ‘sich fügen’ und s. vergattern2 ‘die Wache verpflichten’. begatten Vb. reflexiv ‘sich paaren’ (Anfang 17. Jh.); vgl. ahd. bigatōn ‘jmdn. treffen, jmdm. zuteil werden’ (11. Jh.), mhd. begaten ‘erreichen, übereinkommen, einrichten’, reflexiv ‘sich gesellen’, mnd. begāden. Gattung f. ‘Gesamtheit von Einzeldingen, Einzelwesen, die in wesentlichen Eigenschaften übereinstimmen, Sorte, Art’, in der Biologie für Genus im System der Lebewesen (zwischen Familie und Art stehend), spätmhd. gatunge; die in der Kaufmannssprache erhaltene Ausgangsbedeutung ‘Zusammenstellung des Zusammengehörigen’ wird durch Sorte, Sortiment verdrängt.

Thesaurus

Synonymgruppe
Art · Gattung · Genre · Kategorie · Klasse · Rubrik · Sorte · Typ  ●  Couleur  geh., franz. · Format  fachspr., mediensprachlich · Klade  fachspr., biologisch · Rubrum  geh., fig., bildungssprachlich · Spezies  fachspr., biologisch, auch figurativ · Taxon  fachspr., griechisch, biologisch
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Art · Gattung · Klasse · Menge
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Gattung  biologisch · Genus  fachspr., biologisch
Oberbegriffe
  • Familie biologisch · Familia fachspr.
Unterbegriffe
  • Art biologisch · Species fachspr.
Kunst, Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Gattung (Literatur) · Literaturform  ●  Genre  franz.
Unterbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Gattung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gattung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gattung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So ist dieses Werk ein Abstieg – und zugleich der Beginn einer neuen Gattung. [Schuhmann, Otto: Meyers Opernbuch, Leipzig: Bibliograph. Inst. 1938 [1935], S. 155]
Auch erkläre sich nun das plötzliche Verschwinden der flächendeckend verbreiteten Gattung. [Grass, Günter: Die Rättin, Darmstadt: Luchterhand 1986, S. 129]
Als Träger des Dramas sind die größten Typen der Gattung genommen. [Meisel-Hess, Grete: Die sexuelle Krise. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 8652]
Unsere Literatur ist gerade an Leistungen dieser Gattung nicht eben reich. [Die Fackel [Elektronische Ressource], 2002 [1909]]
Erst recht wendet sich die Renaissance wieder dieser reizvollen Gattung zu. [Gigon, Olof: Das hellenische Erbe. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 8163]
Zitationshilfe
„Gattung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gattung>.

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