Gau, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Gau(e)s · Nominativ Plural: Gaue
Aussprache
Wortbildung mit ›Gau‹ als Erstglied: ↗Gaugericht · ↗Gaugraf · ↗Gauleiter · ↗Gaumeister
Duden GWDS, 1999

Bedeutung

landschaftlich
1.
(besonders) historisch in sich geschlossene Landschaft, großer landschaftlicher Bezirk
2.
nazistisch im nationalsozialistischen Deutschland   regionale Organisationseinheit der NSDAP unterhalb der Reichs- und oberhalb der Kreisebene
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gau m. ‘landschaftlich, oft auch historisch zusammengehöriges Gebiet’, historisch ‘Siedlungsgebiet eines germanischen Stammes’, ahd. gewi, gouwi (9. Jh.), mhd. göu, gou, mnd. ‘Landschaft, Bezirk, besonders Gaugerichtssprengel’, mnl. gouw, gou, , nl. gouw, afries. ga, got. gawi (Genitiv gaujis) ‘Land, Gegend’, in Ortsnamen asächs. -gā, -gō und aengl. -gē (germ. *gawi- n. ‘Landschaft’). Weiteres ungewiß. Vielleicht ist auszugehen von einem Kollektivum, entweder germ. *ga-auja- ‘Siedlungsgebiet’, vgl. griech. ó͞iē (οἴη) ‘Dorf’, oder (weniger wahrscheinlich) auf germ. *ga-awja- ‘Umgebung eines Gewässers’, eine neutrale Kollektivbildung zu germ. *awjō ‘Aue, Insel’, eigentlich ‘die zum Wasser Gehörige’ (s. ↗Aue). Diese ‘von Gewässern durchströmte (als Siedlung geeignete) Gegend’ wäre zugleich als ‘fruchtbare Landschaft’ aufzufassen; beide Aspekte sind noch heute wesentliche Merkmale für landschaftliche Gebiete, deren Namen auf -gau oder -gäu (Aar-, Rheingau, Allgäu) enden. Gau ist, wie noch jetzt obd. Gäu, ursprünglich Neutr., das mask. Geschlecht setzt sich wohl in Analogie zu lat. pāgus n. ‘Gau, Distrikt’ durch, als das Wort im 17. und 18. Jh. in Geschichte und Dichtung neu belebt wird.

Thesaurus

Geschichte
Synonymgruppe
Gau · ↗Gespanschaft · ↗Komitat (Ungarn)
Unterbegriffe
  • Bratislavaer Gespanschaft · Komitat Bratislava · Komitat Pressburg · Pressburger Gespanschaft

Typische Verbindungen
computergeneriert

Befehl Berg Bezirk Block Führer Gauleiter Grafschaft Kreis Landwirtschaft München-oberbayer Ortsgruppe Ostmark Ostpreuße Reich Reichsstatthalter Spitz Stamm Vaterland angrenzend atomar deutsch einzeln germanisch gliedern nördlich selbständig südlich umbenennen veranstalten österreichisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gau‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er wendet sich hier mit seinen Untersuchungen über die Zugehörigkeit der Landschaft zum thüringischen Gau Eichsfeld und kirchlichen Sprengel Heiligenstadt an die wissenschaftliche Welt.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1927, S. 932
Das Parlament mache die Gesetze, Österreich sei schließlich kein deutscher Gau.
Die Zeit, 17.11.1955, Nr. 46
Ich meine nur die Gaue, von denen wir gerade gesprochen haben.
o. A.: Einhundertdreiundvierzigster Tag. Freitag, 31. Mai 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 34075
Sie gelangen zunächst in vier Gauen zur Durchführung, um anschließend auf das ganze Reich ausgedehnt zu werden.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1937]
Er hielt einen mehr als langweiligen Vortrag über die »Gaue in Österreich«.
Hasselbach, Ingo u. Bonengel, Winfried: Die Abrechnung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1993], S. 85
Zitationshilfe
„Gau“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gau>, abgerufen am 16.12.2018.

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