Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gaul, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Gaul(e)s · Nominativ Plural: Gäule
Aussprache  [gaʊ̯l]
Wortbildung  mit ›Gaul‹ als Letztglied: Ackergaul · Droschkengaul · Karrengaul · Kriegsgaul · Mietgaul

Bedeutungsübersicht+

  1. [abwertend] minderwertiges Pferd
    1. [veraltend, westmitteldeutsch] Pferd
    2. [übertragen] ...
eWDG

Bedeutung

abwertend minderwertiges Pferd
Beispiele:
der Gaul will nicht ziehen
ein störrischer, abgetriebener, alter Gaul
veraltend, westmitteldeutsch Pferd
Beispiele:
die Gäule einspannen
ein stattlicher, stolzer, kräftiger Gaul
zu Schanden fast / Hat er den Gaul geritten [ Hebbel6,193]
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlichdas wirft einen Gaul, den stärksten Gaul um (= das ist zu viel zugemutet)
den Gaul am, beim Schwanze aufzäumen (= eine Sache von der verkehrten Seite in Angriff nehmen)
sprichwörtlicheinem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul (= eine geschenkte Sache muss man, auch wenn sie Mängel hat, nehmen, wie sie ist)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gaul m. ‘minderwertiges Pferd, Mähre’; früher wie noch heute im Nordd. und Md. auch ohne geringschätzigen Sinn. Das Wort kommt nur im Dt. und Nl. vor (schwed. mundartlich gula ‘altes Pferd’ beruht auf Entlehnung aus dem Mnd.). Die ursprüngliche Bedeutung ist schwer zu ermitteln. Mhd. gūl bedeutet ‘Pferd’, zugleich ‘Eber’ (mhd. urgūl ‘alter Eber’) und ‘männliches Tier’, auch ‘Ungeheuer’; vgl. mnd. gūl, gūle ‘Pferd, Gaul, Hengst’, mnl. gūle, guul ‘(schlechtes) Pferd’, nl. (veraltet) guil ‘altes, schlechtes Pferd’. Nimmt man als Ausgangsbedeutung ‘geschlechtsreifes männliches Tier’ an, so kann an die Wurzel ie. *g̑heu- (s. gießen) angeknüpft und Gaul, ähnlich wie Ochse (s. d.), als ‘Samengießer’ gedeutet werden. Der heute vorherrschende verächtliche Sinn läßt sich neben positivem Gebrauch schon im 14./15. Jh. nachweisen.

Thesaurus

Zoologie
Synonymgruppe
Pferd  Hauptform · Ross  poetisch · Rössel  regional · Rössli  schweiz. · (der) Zosse(n)  ugs. · Einhufer  fachspr. · Gaul  derb · Hottehü  ugs., Babysprache · Hottemax  ugs., Babysprache
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
schlechtes Pferd  Hauptform · Brauereigaul  derb, abwertend · Gaul  ugs., abwertend · Klepper  derb, abwertend · Kracke  ugs., abwertend · Mähre  derb, abwertend · Schabracke  ugs., abwertend · Schindmähre  ugs., abwertend
Oberbegriffe
  • Pferd Hauptform · Ross poetisch · Rössel regional · Rössli schweiz. · (der) Zosse(n) ugs. · Einhufer fachspr. · Gaul derb · Hottehü ugs., Babysprache · Hottemax ugs., Babysprache

Typische Verbindungen zu ›Gaul‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gaul‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gaul‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Unter seinen unbewußten Hilfen drehte sich der Gaul wieder stadtwärts. [Kolbenheyer, Erwin Guido: Das Gestirn des Paracelsus, München: J.F. Lehmanns 1964 [1921], S. 948]
Also kurz und gut Papa sind eben die Gäule durchgegangen und so weit hätte er sich nicht vergessen dürfen. [Brief von Irene G. an Ernst G. vom 21.03.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270]
Bei einigen Fragen ging den Autoren aber der Gaul durch. [C’t, 1999, Nr. 22]
Vor allem aber kostet es nichts, und wie war das doch gleich mit dem geschenkten Gaul? [C’t, 1999, Nr. 19]
Ich bin doch kein Gaul, lass mich doch nicht aufzäumen. [Die Zeit, 15.07.1999, Nr. 29]
Zitationshilfe
„Gaul“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gaul>.

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