Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gaumen, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Gaumens · Nominativ Plural: Gaumen
Aussprache 
Worttrennung Gau-men (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Gaumen‹ als Erstglied: Gaumenbein · Gaumenbogen · Gaumenfreude · Gaumenkitzel · Gaumenlaut · Gaumenplatte · Gaumenreiz · Gaumenschmaus · Gaumensegel · Gaumenspalte · Gaumenzäpfchen
 ·  mit ›Gaumen‹ als Letztglied: Hintergaumen · Vordergaumen
eWDG

Bedeutung

obere Wölbung des Mundraumes
Beispiele:
der harte, weiche, vordere, hintere Gaumen
umgangssprachlichmir klebt (vor Durst) die Zunge am Gaumen
bildlich
Beispiele:
etw. kitzelt den Gaumen (= schmeckt sehr gut)
dieses Gericht kann auch den verwöhntesten Gaumen (= Geschmack) reizen
das ist etwas für den Gaumen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gaumen · Gaumenkitzel
Gaumen m. daneben bis 19. Jh. Gaum, ‘obere Wölbung des Mundraumes’, ahd. goumo (um 800), mhd. goum(e) ‘Gaumen, Kehle, Rachen’ sowie ablautendes ahd. guomo (8. Jh.), giumo (10. Jh.), mhd. guom(e), aengl. gōma (engl. gums Plur. ‘Zahnfleisch’), anord. gōmr ‘Gaumen, Kiefer, Zahnfleisch’, schwed. gom ‘Gaumen’ gehören wie wohl auch lit. gomurỹs ‘Kehle, Schlund, Adamsapfel’ als Bildungen mit dem Suffix ie. -men- im Sinne von ‘Rachen, Schlund’ zur Wurzel ie. *g̑hēi-, *g̑hē- bzw. deren Ablautformen *g̑hēu-, *g̑hō(u)-, *g̑həu- ‘gähnen, klaffen, offenstehen’ (s. gähnen). Das im Frühnhd. aufkommende auslautende -n stammt aus den flektierten Kasus. – Gaumenkitzel m. ‘durch den Gaumen vermittelter Genuß, reizvolles Gefühl’, seit Campe (1808) gebucht, aber schon Fischart nennt den Wein gaumenkützel (2. Hälfte 16. Jh.).

gaumen Vb. ‘(be)hüten, (be)wahren’, ahd. (8. Jh.) mhd. goumen ‘essen, ein Mahl bereiten, achtgeben, Wache halten, umsorgen’, asächs. gōmian, mnd. gömen, aengl. gȳman, gīeman ‘bewachen, hüten’, got. gaumjan ‘bemerken, wahrnehmen’, nhd. (nach dem 16. Jh. nur obd. und schweiz.) gaumen, gäumen (germ. *gaumjan) ist eine Ableitung von ahd. gouma f. ‘Schmaus, Mahl, Wahrnehmung, Beachtung’ (8. Jh.), mhd. goume, asächs. gōme, mnd. gōm, aengl. gȳme, anord. gaum (germ. *goumō f. ‘Aufmerksamkeit’). Wohl mit anord. ‘auf etw. achten, sich um etw. kümmern’, lat. favēre ‘gewogen sein, begünstigen’, kslaw. gověti ‘verehren’, russ. govétь (говеть) ‘fasten, sich durch Fasten zum Abendmahl vorbereiten’ zur Wurzel ie. *gʰau- ‘wahrnehmen, Rücksicht nehmen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gaumen · Geschmack · Geschmackssinn

Typische Verbindungen zu ›Gaumen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gaumen‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gaumen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der europäische Gaumen weiß dem »Grünen Tee« keinen Geschmack abzugewinnen. [Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 229]
Der Gaumen war ihm trocken und wie mit Papier ausgeklebt. [Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1958], S. 247]
Von überall lassen sie alles Bemerkenswerte für ihren verwöhnten Gaumen herbeischaffen. [Die Zeit, 13.01.2003, Nr. 02]
Bis die Wissenschaft dereinst den richtigen Sound gefunden hat, bieten sich für zart besaitete Gaumen durchaus Alternativen zur asiatischen Küche. [Die Zeit, 01.10.2001, Nr. 40]
Die Sprache verschlug sich ihm, der Gaumen war ihm trocken. [Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1958], S. 355]
Zitationshilfe
„Gaumen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gaumen>.

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