Gebein, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gebein(e)s · Nominativ Plural: Gebeine
Aussprache
WorttrennungGe-bein (computergeneriert)
GrundformBein
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben
1.
Glieder, Körper des lebenden Menschen
Beispiele:
ein Schreck, Schmerz fuhr ihm durch das Gebein
der Schmerz wühlte ihm im Gebein
Furcht zitterte in seinen Gebeinen
scherzhaft Krikor raffte stöhnend sein lahmes Gebein zusammen (= raffte sich auf) [WerfelMusa Dagh593]
2.
nur im Plural
GebeineKnochen, Skelett des Toten
Beispiele:
die Gebeine der Toten
die Gebeine zur letzten Ruhe betten
Irgendwo hatte man ein Grab geschändet ... Gebeine lagen umher [JahnnHolzschiff144]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bein · beinern · beinig · Gebein · Beinling · O-Beine · X-Beine
Bein n. zum Stehen und zur Fortbewegung dienender Körperteil, beinartiger Teil eines Möbels, Gerätes, ahd. (9. Jh.), mhd. bein ‘Knochen, Bein’, auch ‘Ober-, Unterschenkel’, asächs. mnd. bēn, mnl. nl. been, afries. bēn, aengl. bān, engl. bone ‘Knochen, Bein’, anord. bein ‘Bein, Knochen, Oberschenkel’. Die Etymologie des westgerm. und nordgerm. bezeugten Wortes (*baina-) ist dunkel. Verwandtschaft mit (nur nordgerm. bezeugtem) anord. beinn Adj. ‘gerade, richtig, günstig’ im Hinblick auf gerade Röhrenknochen ist kaum vertretbar (vgl. vielmehr anord. leggr ‘Röhrenknochen’, s. ↗Eisbein). Eher darf mit Etym. Wb. Nl. 1, 244 f. Herkunft aus einem ie. Substratwort vermutet werden. Die Grundbedeutung ‘Knochen’, die schon in ahd. Zeit auf das Bein sowohl als Ganzes wie auch auf seine beiden Teile, den Ober- und Unterschenkel, übertragen wird und die noch häufig bei Luther anzutreffen ist, wird allmählich von Knochen und Gebein übernommen, bleibt aber in Zusammensetzungen erhalten, vor allem in anatomischen Bezeichnungen: Brust-, Nasen-, Schien-, Schlüsselbein, auch Eis-, Elfen-, Überbein. Sie ist ferner bewahrt in dem Adjektiv beinern (s. unten) und in Wortpaaren durch Mark und Bein ‘durch und durch’, Stein und Bein schwören ‘etw. fest behaupten, leidenschaftlich beteuern’ (s. ↗schwören). beinern Adj. ‘knöchern, aus Knochen bestehend’, älter beinen, ahd. (Hs. 13. Jh.), mhd. beinīn. beinig Adj. ‘Füße habend, mit Beinen versehen’ in den Zusammensetzungen zwei-, drei-, langbeinig, mhd. beinec (drī-, lancbeinec) mit Suffixwechsel aus ahd. -beini (lang-, zwībeini); als selbständiges Adjektiv ‘Knochen habend’ (beiniges Fleisch, beiniger Finger) bei Campe (1807). Gebein n. ‘Glieder, Körper des lebenden Menschen’, Plur. Gebeine ‘Knochen, Skelett’, ahd. gibeini ‘Gebein, die beiden Beine eines Menschen’ (9. Jh.), mhd. gebeine. Beinling m. ‘Teil eines Kleidungsstücks, der die Beine bedeckt’, seit dem 15. Jh. ‘oberer Teil des Strumpfes’, jetzt auch ‘Hosenbein’. O-Beine Plur. ovale bis runde (O-förmige) Fehlstellung der Beine (19. Jh.). X-Beine Plur. vom Knie an (X-förmig) abgewinkelte Beine (20. Jh.).

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Bein · Gebein  ●  ↗Knochen  Hauptform
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Orthopädie  fachspr.
  • Exostose  fachspr. · ↗Überbein  ugs.
  • Knochenmetastase · Skelettmetastase · ossäre Metastase
  • Knochennekrose · Osteonekrose  ●  Knocheninfarkt  ugs.
  • Knochenszintigrafie · Skelettszintigrafie

Typische Verbindungen
computergeneriert

Apostel Auffindung Beisetzung Echtheit Gefallene Gruft Heiliger Märtyrer Nikolaus Schrein Schädel Translation Umbettung Zar Zarenfamilie ausgegraben ausgraben beisetzen bestatten bestattet exhumieren exhumiert gefunden gekreuzt ruhen umbetten vermodert verscharrt Überführung überführen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gebein‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im zweiten Grab stießen sie auf die Gebeine eines Mannes um die fünfzig.
Die Zeit, 24.05.2010, Nr. 21
Nach fünf bis acht Jahren sind dann nur noch die Gebeine übrig.
Süddeutsche Zeitung, 12.03.2003
Schließlich ließ Otto verstorbene Gegner aus ihren Gräbern holen und ihre Gebeine zerstreuen.
Nitschke, August: Frühe christliche Reiche. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 7213
Er starb gleich darauf, aber im Interesse seiner modernden Gebeine wurde der Prozeß weiter betrieben.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 5081
Nun werden seine Gebeine durch Mazeration für lange Zeit erhalten bleiben.
o. A. [mal]: Mazeration. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1999]
Zitationshilfe
„Gebein“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gebein>, abgerufen am 19.04.2019.

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