Gedächtnis, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gedächtnisses · Nominativ Plural: Gedächtnisse · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungGe-dächt-nis
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Fähigkeit des Gehirns, die die Speicherung von Lernstoff, Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen und die Reproduktion derselben zu einem späteren Zeitpunkt möglich macht, Erinnerungsvermögen
Beispiele:
er hat, besitzt ein gutes, scharfes, vortreffliches, zuverlässiges Gedächtnis
sein Gedächtnis ist schlecht, lückenhaft
salopp er hat ein Gedächtnis wie ein Sieb (= er vergisst alles schnell)
sein Gedächtnis lässt ihn nicht im Stich, reicht weit zurück
sein Gedächtnis lässt nach, versagt manchmal, trügt, schwindet
der Verunglückte hat das Gedächtnis verloren
seinem Gedächtnis ein wenig nachhelfen
2.
Speicher der aufgenommenen Sinneseindrücke, des Erlernten, Erinnerung
Beispiele:
etw. prägt, gräbt sich dem Gedächtnis ein, bleibt im Gedächtnis
etw. im Gedächtnis behalten, bewahren
umgangssprachlich in seinem Gedächtnis kramen
umgangssprachlich sein Gedächtnis durchstöbern
sich [Dativ] etw., einen Namen, ein Ereignis (wieder) ins Gedächtnis rufen, zurückrufen
etw. aus dem Gedächtnis (= ohne Vorlage) malen
etw. aus dem Gedächtnis (= auswendig) hersagen, aufsagen, zitieren
etw. schwindet aus dem Gedächtnis
etw. aus dem Gedächtnis verlieren (= etw. vergessen)
etw. aus seinem Gedächtnis streichen, auslöschen (= etw. vergessen wollen)
3.
Andenken, Gedenken
Beispiele:
ein Mahnmal zum Gedächtnis der Toten, Opfer
jmdn. in gutem Gedächtnis behalten
jmdm. ein ehrenvolles Gedächtnis bewahren
und sprachen zu des Entschlafenen Gedächtnis [StormAquis submersus3,226]
schweizerisch Gottesdienst zum Gedenken eines Verstorbenen
Beispiel:
Es war Gedächtnis in Bergmatten [ZahnFrau Sixta19]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gedächtnis n. ‘Erinnerungsvermögen, Erinnerung, Andenken’, ahd. githehtnissī̌ f. n. ‘Andacht’ (9. Jh.), mhd. gedæhtnisse f. n., ursprünglich ‘das Denken an etw.’, dann ‘das Denken an früher Geschehenes und Erfahrenes, Erinnerung’, ist eine Bildung zum Part. Prät. ahd. githāht, mhd. gedāht (s. ↗denken); vgl. mnd. (ge)decht(e)nisse, gedacht(e)nisse, dachtnisse, mnl. ghedachtenesse, ghedechtenesse, nl. gedachtenis. Daneben (zum Präsensstamm gebildet) gleichbed. mhd. gedenknisse, mnd. gedenkenisse, mnl. ghedenkenesse.

Thesaurus

Synonymgruppe
Andenken · ↗Gedenken · Gedächtnis
Assoziationen
Synonymgruppe
Erinnerungsvermögen · Gedächtnis · Mnestik
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Lernen Menschheit Mohn Nachwelt auffrischen auslöschen autobiographisch behalten bewahren brennen einbrennen eingraben einprägen einschreiben episodisch fotografisch graben haften historisch kollektiv kramen kulturell löschen phänomenal rufen speichern tilgen verankern visuell zurückrufen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gedächtnis‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bewegungen, die wir eingeübt haben, bleiben hingegen viel länger im Gedächtnis haften.
Die Zeit, 09.05.2011, Nr. 19
Kein Politiker ist denkbar ohne gutes Gedächtnis für Dinge, die er vergessen muß.
Tange, Ernst Günter: Zitatenschatz zur Politik, Frankfurt a. M.: Eichborn 2000, S. 21
Wie lange bleiben aber nun solche »kurzfristig« gemerkten Inhalte im Gedächtnis haften?
Foppa, Klaus: Lernen, Gedächtnis, Verhalten, Köln u. a.: Kiepenheuer & Witsch 1965, S. 236
Offenbar gehört zum Wesen von G., gewußt, d. h. im Gedächtnis bewahrt zu werden.
Gadamer, H.-G.: Geschichte und Geschichtsauffassung. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 15947
Aber das Drama zwängt sich ins Gedächtnis, nicht allein um dieses Bundes willen.
Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 05.03.1920
Zitationshilfe
„Gedächtnis“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gedächtnis>, abgerufen am 25.05.2019.

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