Geduld, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Geduld · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungGe-duld (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Geduld‹ als Erstglied: ↗Geduldprobe · ↗Geduldsfaden · ↗Geduldspiel · ↗Geduldsprobe · ↗Geduldsspiel
eWDG, 1967

Bedeutungen

Fähigkeit, etw. ruhig und ohne Murren zu ertragen, mit Nachsicht zu dulden
Beispiele:
er hat alles mit großer, unendlicher Geduld hingenommen, ertragen
sich in Geduld fassen
sich mit Geduld wappnen
gehoben Geduld üben
jmdn. um Geduld bitten
habt (mit ihm) noch ein wenig Geduld!
seine Geduld auf eine harte Probe stellen
die Geduld verlieren
meine Geduld ist erschöpft
mit meiner Geduld ist es vorbei
da riss mir die Geduld (= war meine G. erschöpft)
Und Fluch vor allen der Geduld! [GoetheFaustI 1606]
Ausdauer
Beispiele:
zum Stricken fehlt mir die Geduld
dazu gehört viel Geduld
jmdm. etw. mit beharrlicher, zäher Geduld erklären
die Geduld habe ich nicht, stundenlang stillzusitzen
salopp, sprichwörtlichmit Geduld und Spucke fängt man eine Mucke (= mit Geduld erreicht man sein Ziel)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dulden · Dulder · duldsam · Duldsamkeit · Geduld · geduldig · gedulden
dulden Vb. ‘leiden, ertragen’, besonders ‘zulassen’, ahd. thulten (8. Jh.), mhd. dulten, dulden ist wie mnd. dülden, mnl. nl. dulden, afries. thelda (westgerm. *þuldjan) abgeleitet von dem nur im Westgerm. existierenden Verbalabstraktum ahd. thult (9. Jh.), mhd. frühnhd. mnd. dult, aengl. þyld (gleichbed. mit den präfigierten, unter Geduld, s. unten, genannten Formen). Es gehört zu den schwachen Verben ahd. tholēn ‘erleiden, ertragen, büßen’ (8. Jh.), tholōn ‘leiden, geduldig erwarten’ (9. Jh.), mhd. doln, frühnhd. dolen (bis ins 16. Jh.), asächs. tholon, mnd. mnl. dōlen, aengl. þolian, anord. þola, schwed. tåla, got. þulan (germ. *þulēn, *þulōn). Diese Verben gehen mit lat. tollere ‘aufheben, auf sich nehmen, wegschaffen’, tolerāre ‘ertragen, erdulden’ (s. ↗tolerieren) und griech. tlḗnai (τλῆναι) ‘ertragen, erdulden’ auf die Wurzel ie. *tel(ə)- ‘aufheben, wägen, tragen, ertragen, dulden’ zurück. In ahd. Zeit nur im südwestd. Raum belegt, dehnt sich dulden, auch als Wiedergabe des christlichen Leidensbegriffs, über das gesamte hd. Sprachgebiet aus und verdrängt das alte ēn- bzw. ōn-Verb schließlich ganz. dulden (mit durch -l- zu -d- erweichtem -t-) meint heute vorwiegend ‘etw. zulassen, gegen etw. nichts unternehmen’, während es in der Bedeutung ‘Unangenehmes durchstehen’ durch erdulden oder ertragen ersetzt wird. Dulder m. ‘wer Unangenehmes erträgt’, zuerst von dem sein Leiden klaglos ertragenden Christus (18. Jh. Klopstock), dann (18. Jh.) auch von einem ‘der Widerwärtiges mit Ergebung trägt’. duldsam Adj. ‘geduldig, nachsichtig, tolerant’ (17. Jh.); dazu Duldsamkeit f. ‘Nachsicht, Toleranz’ (17. Jh.). Geduld f. ‘Ausdauer, Nachsicht’, ahd. githult (8. Jh.), mhd. gedult, gedulde, asächs. githuld, mnd. gedult, mnl. ghedout, selten ghedult, nl. geduld, aengl. geþyld, präfigierte Form des unter dulden (s. oben) behandelten Verbalabstraktums ahd. thult und seiner Entsprechungen. Davon abgeleitet geduldig Adj. ‘ausdauernd, nachsichtig, ruhig’, ahd. githultīg (8. Jh.), mhd. gedultec. gedulden Vb. ‘ruhig abwarten’, durch Präfix verstärktes dulden, mhd. gedulden, vgl. mnd. gedülden, aengl. geþyldian; heute wird das Verb als Ableitung von Geduld empfunden und nur reflexiv verwendet.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ausdauer · ↗Beharrlichkeit · Geduld
Assoziationen
Synonymgruppe
Duldsamkeit · Geduld · ↗Nachsicht · ↗Nachsichtigkeit · ↗Verständnis  ●  ↗Konnivenz  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Geduld‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ausdauer Beharrlichkeit Demut Einfühlungsvermögen Fleiß Gelassenheit Geschick Hartnäckigkeit Nachsicht Toleranz Tugend Zähigkeit abverlangen aufbringen auszahlen belohnen bitten brauchen erfordern erschöpfen grenzenlos mahnen mitbringen strapazieren unendlich unerschöpflich verlieren wappnen üben überstrapazieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Geduld‹.

Verwendungsbeispiele für ›Geduld‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er rief seine Anhänger zur Geduld auf, doch sein Ton war drohend.
Die Zeit, 07.12.2012 (online)
Hoffentlich ist die Geduld der Beamten noch nicht am Ende.
Die Welt, 10.03.2006
Und Geduld veranlaßt uns auch, es einmal anders zu versuchen, eine neue Idee zu haben.
Ichenhäuser, Ernst Z.: Erziehung zum guten Benehmen, Berlin: Volk u. Wissen 1983, S. 54
Durch diese Geduld brauchte er auf keines dieser Ziele große militärische Kräfte zu verschwenden; in einigen Fällen brauchte er überhaupt nicht zu kämpfen.
Mote, F. W.: China von der Sung-Dynastie bis zur Ch'ing-Dynastie. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 2691
Aber der Genius, der ihn rief, gab ihm auch die Geduld.
Rubin, Berthold: Das Römische Reich im Osten. Byzanz. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 21354
Zitationshilfe
„Geduld“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Geduld>, abgerufen am 27.01.2020.

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