Gefängnis, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gefängnisses · Nominativ Plural: Gefängnisse
Aussprache 
Worttrennung Ge-fäng-nis
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Gebäude für Sträflinge, die zu einer Freiheitsstrafe mit leichteren Haftbedingungen verurteilt sind
Beispiele:
das Gefängnis ist von einer hohen Mauer umgeben
die Fenster des Gefängnisses sind vergittert
mehrere Häftlinge sind aus dem Gefängnis ausgebrochen
er wurde trotz seiner Unschuld ins Gefängnis geworfen
im Gefängnis sitzen (= eine Gefängnisstrafe verbüßen)
gehobenim Gefängnis schmachten (= eine Gefängnisstrafe verbüßen)
er sitzt wegen Diebstahls im Gefängnis
umgangssprachlicher wandert auf einige Zeit ins Gefängnis (= er ist zu einer Gefängnisstrafe verurteilt)
ich ging wie einer, der vom Gefängnis ins Gericht geführt wird – Blick auf den Boden [ FrischHomo faber16]
2.
Gefängnisstrafe
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
auf Diebstahl steht Gefängnis
darauf steht Gefängnis
er wurde zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt
Einbruchsdiebstahl wird mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft
umgangssprachlicher hat fünf Monate Gefängnis bekommen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fangen · Fang · Rauchfang · Windfang · Fangschuß · Fangstoß · Fänger · Gefangenschaft · Gefängnis · verfangen · verfänglich
fangen Vb. ‘(er)greifen, zu fassen bekommen, der Freiheit berauben’. Das ursprünglich reduplizierende Verb mit grammatischem Wechsel ahd. fāhan (8. Jh.), mhd. vāhen, vān, nach Nasalausfall vor h und daraus folgender Dehnung des Vokals hervorgegangen aus germ. *fanhan, hat in Infinitiv und Präsens seit dem 16. Jh. eine allmähliche Angleichung des Konsonantismus an die Präteritalformen erfahren; in poetischer Sprache ist fahen jedoch noch bis ins 19. Jh. bezeugt. Das Verb und seine germ. Entsprechungen asächs. fāhan, mnd. vān, vangen, mnl. vanghen, nl. vangen, anord. , schwed. , aengl. fōn, got. fāhan führen mit den außergerm. Verwandten lat. pangere ‘befestigen, einschlagen’, pacīscī ‘ein Übereinkommen treffen, einen Vertrag schließen’ (s. ↗Pakt), griech. pássalos (πάσσαλος) ‘Pflock, Nagel, Haken’, págē (πάγη) ‘alles, was festhält, Schlinge, Falle’, aind. pā́śaḥ ‘Schlinge, Band, Kette’ auf eine Wurzel ie. *pā̌k̑-, *pā̌g̑- ‘festmachen’ (wozu auch ↗Fach, ↗fügen, s. d.). Fang m. ‘das Gefangene, Beute’, jägersprachlich ‘Kralle, Schnabel’ (eines Raubvogels), ‘Reißzahn, Rachen’ (bei verschiedenen anderen Tieren), ‘Todesstoß’ (für krankes Wild); ahd. -fang (nur als Kompositionsglied, z. B. in anafang, s. ↗Anfang), mhd. vanc. Rauchfang m. ‘Rauchabzug, Schornstein’ (15. Jh.). Windfang m. ‘Windschutzvorrichtung, dem Wind ausgesetzte Seite’, ahd. wintfang (9. Jh.), mhd. wintvanc. Fangschuß m. ‘tödlicher Schuß, Gnadenschuß für verwundetes, krankes Wild’ (19. Jh.). Fangstoß m. ‘Gnadenstoß mit einer Stichwaffe’ (19. Jh.), z. B. mit dem Hirschfänger ‘Seitengewehr des Jägers’. Fänger m. ‘wer etw. fängt, auffängt’ (17. Jh.); vgl. ahd. -fangāri als Kompositionsglied z. B. in intfangāri (s. ↗Empfänger). Gefangenschaft f. ‘Freiheitsverlust, Unfreiheit’, mhd. gevangenschaft; vgl. ahd. gifengida ‘Gefangenschaft’ (9. Jh.). Gefängnis n. ‘Freiheitsentzug, Strafe, Zustand und Ort der Unfreiheit, Gewahrsam, Strafvollzugsanstalt’, mhd. (ge)vancnisse, (ge)vencnisse ‘Gefangennahme, Gefangenschaft’, mnd. gevenknisse, mnl. g(h)evangenesse, -nisse, nl. gevangenis. verfangen Vb. ‘wirksam sein, nützen’, ahd. firfāhan ‘ergreifen, umfassen, nützen’ (9. Jh.), mhd. vervāhen, vervān ‘fassen, fangen, gewinnen, wahrnehmen, geistig auffassen, (hart) beurteilen, ausrichten, fördern, nützen’, häufig reflexiv sich verfangen ‘sich verstricken, in Komplikationen geraten’ (bereits mhd.); daher verfänglich Adj. ‘heikel, riskant’, anders mhd. vervanclich, vervenclich ‘nützlich, wirksam’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gefängnis · ↗Haftanstalt · Hafthaus · JVA · ↗Justizvollzugsanstalt · ↗Strafanstalt · ↗Strafvollzugsanstalt · ↗Vollzugsanstalt · ↗Zuchthaus  ●  Häfen  österr. · ↗Kerker  veraltet · ↗Bau  ugs. · ↗Bunker  ugs. · Haftort  fachspr. · ↗Kahn  ugs. · ↗Kiste  ugs. · ↗Kittchen  ugs. · ↗Knast  ugs. · ↗Loch  derb · ↗schwedische Gardinen  ugs., sprichwörtlich
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Gefängnis · ↗Gefängniszelle · ↗Kerker · ↗Verlies  ●  ↗Loch  ugs.
Unterbegriffe
  • Brig · Schiffsgefängnis
Assoziationen
  • eingebuchtet · eingekerkert · eingesperrt · ↗einsitzen(d) · festgesetzt · gefangen · gefangen genommen · hinter Gittern · hinter Schloss und Riegel · hinter schwedischen Gardinen · in (polizeilichem) Gewahrsam · in Haft · in Polizeigewahrsam · inhaftiert · interniert · ↗verhaftet  ●  bei Wasser und Brot (sitzend)  fig. · im Gefängnis  Hauptform · im Knast  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Gefängnis‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gefängnis‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gefängnis‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In der Nacht dröhnen erneut gewaltige Explosionen vom Gefängnis her.
Die Zeit, 23.09.2013, Nr. 38
Viele Bürger sitzen auch in diesem Jahr zu Weihnachten im Gefängnis.
Hannover, Heinrich: Die Republik vor Gericht 1954 - 1974, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1998], S. 88
Da kann es zwei Jahre dauern und Millionen Dollars können ausgegeben werden, und dann ist das Gefängnis immer noch nicht gebaut.
konkret, 1984
Der Lump paßte gut zu dem englischen Verwalter des Gefängnisses.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 6292
Einmal glaubte er, im Hof des Gefängnisses eine Gestalt zu bemerken.
Mann, Heinrich: Der Untertan, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1918], S. 229
Zitationshilfe
„Gefängnis“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gef%C3%A4ngnis>, abgerufen am 25.09.2020.

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