Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gefüge, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gefüges · Nominativ Plural: Gefüge
Aussprache 
Worttrennung Ge-fü-ge
Wortzerlegung ge- fügen
Wortbildung  mit ›Gefüge‹ als Erstglied: Gefügekunde  ·  mit ›Gefüge‹ als Letztglied: Bedingungsgefüge · Bodengefüge · Fluidalgefüge · Gesamtgefüge · Institutionengefüge · Kristallgefüge · Lautgefüge · Lohngefüge · Machtgefüge · Ordnungsgefüge · Preisgefüge · Sinngefüge · Sozialgefüge · Staatsgefüge · Wirkungsgefüge · Wirtschaftsgefüge
eWDG

Bedeutung

Aufbau, Struktur
Beispiele:
das architektonische Gefüge eines Bauwerkes
das innere, politische, soziale, wirtschaftliche Gefüge eines Landes, Staates
das Gefüge der modernen Gesellschaft
das Ganze bildet ein geordnetes, lockeres Gefüge
mein Einblick in das vielfältige Gefüge menschlicher Beziehungen begann sich zu erweitern [ HildesheimerParadies23]
Technik kristalliner Aufbau metallischer Werkstoffe
Beispiel:
das Gefüge des Eisens, Kupfers untersuchen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fügen · fugen · verfügen · Verfügung · Fuge2 · Fug · Befugnis · befugt · füglich · Unfug · fügsam · Fügung · Gefüge · gefügig · ungefüge
fügen Vb. ‘passend zusammensetzen, verhängen, bewirken’, reflexiv ‘sich unterordnen’, ahd. fuogen ‘verbinden, vereinigen, ineinanderpassen’ (8. Jh.), mhd. vüegen, vuogen, auch ‘bewerkstelligen, sich anpassen, machen, daß etw. geschieht’, asächs. fōgian, mnd. vȫgen, vǖgen, mnl. voeghen, nl. voegen, aengl. fēgan, engl. to fay ‘passen, verbinden’ sind verwandt mit Fach (s. d.) und den dort genannten Formen. Daneben steht fugen Vb. ‘fest zusammensetzen, mit einer Fuge verbinden’, die in der Handwerkersprache bewahrte obd. umlautlose Form von fügen; heute meist als Ableitung von Fuge (s. unten) empfunden. verfügen Vb. ‘an die richtige Stelle setzen, einfügen, anordnen’, reflexiv ‘sich begeben’, frühnhd. verfüegen (15. Jh.), mnd. vorvogen ‘einrichten’. Verfügung f. ‘Anordnung’ (16. Jh.). – Fuge2 f. ‘Ritze, Verbindungslinie zwischen zusammengehörigen Bauteilen’, ahd. fuogī ‘Verbindung, Zusammensetzung, Verbindungsstelle’ (um 1000), mhd. vuoge ‘Zusammenfügung, Stelle eingreifender Verbindung zueinander’, aber auch (und damit in mhd. Zeit bedeutungsgleich mit dem folgenden Fug) ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’; vgl. auch (mit anderer Bildungsweise) ahd. fuoga ‘Geschicklichkeit’ (Hs. 13. Jh.). Fug m. ‘Zuständigkeit, Recht’, mhd. vuoc ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’, heute vor allem noch in der Wendung mit Fug und Recht (16. Jh.). Befugnis f. ‘Zuständigkeit, Recht’ (16. Jh.). befugt Part.adj. ‘zuständig, berechtigt’, vgl. befugt sein (15. Jh.), aus dem Part. Prät. von spätmhd. sich bevūgen ‘eine Zuständigkeit ausüben’ (14. Jh.). füglich Adj. ‘passend, schicklich, mit Berechtigung’, spätmhd. vuoclich, vüeclich; vgl. ahd. gifuog(i)līh (9. Jh.). Unfug m. ‘öffentliches Ärgernis erregendes Verhalten, Dummheiten, Schabernack’, mhd. unvuoc ‘Unanständigkeit, Roheit, Schande, Frevel’. fügsam Adj. ‘leicht lenkbar, anpassungsfähig’, spätmhd. vuoc-, vüecsam ‘schicklich, angemessen’ (14. Jh.). Fügung f. ‘Geschick, Schicksal’, mhd. vüegunge ‘Zusammenfügung, Art und Weise’, seit dem 17. Jh. Terminus der Syntax für lat. cōnstrūctio. Gefüge n. ‘Struktur, innere Ordnung’, von ahd. gifuogī̌ ‘Verbindung’ (8. Jh.) unabhängige Neubildung des 17. Jhs. gefügig Adj. ‘fügsam, passend’ (15. Jh.), mit anderer Endung anschließend an ahd. gifuogi, mhd. gevüege Adj., bewahrt in ungefüge Adj. ‘unförmig, unhandlich’, ahd. ungifuogi (11. Jh.), mhd. ungevüege, -vuoge ‘unartig, unhöflich, unbeholfen, plump’.

Thesaurus

Oberbegriffe
Synonymgruppe
Gefüge · Gitter · Matrix · Mikrostruktur · Struktur
Synonymgruppe
Gefüge · Rahmen · Rand
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Gefüge · Nabe · Verbindung  ●  Nexus  lat.

Typische Verbindungen zu ›Gefüge‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gefüge‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gefüge‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit beiden Händen zog er vorsichtig einen Stein aus dem Gefüge. [Röhrig, Tilman: In dreihundert Jahren vielleicht, Würzburg: Arena 1984 [1983], S. 62]
Noch immer lösten sich durch den von unten hochsteigenden immensen Druck einige Steine aus dem Gefüge. [Dark, Jason [d.i. Rellergrad, Helmut]: Die Skelett-Vampire, Bergisch Gladbach: Bastei 1992 [1978], S. 46]
Die Elemente in diesem weiten Sinne haben keine grundsätzliche Priorität vor dem Gefüge. [Hartmann, Nicolai: Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 321]
Für die Stadt war normalerweise in diesem Gefüge kein Platz, der über eine interne praktische Funktion hinausgegangen wäre. [Morenz, Siegfried: Der alte Orient. Von Bedeutung und Struktur seiner Geschichte. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 32725]
Auch wenn das nicht unbedingt Dumping sein muß, bringt es unser Gefüge hier durcheinander. [Die Zeit, 12.09.1997, Nr. 38]
Zitationshilfe
„Gefüge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gef%C3%BCge>.

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