Gefangenschaft, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gefangenschaft · Nominativ Plural: Gefangenschaften · wird meist im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Ge-fan-gen-schaft
Wortbildung  mit ›Gefangenschaft‹ als Letztglied: Kriegsgefangenschaft
eWDG

Bedeutung

das Gefangensein, die Unfreiheit
Gegenwort zu Freiheit
a)
Kriegsgefangenschaft
Beispiele:
in Gefangenschaft geraten
sich in Gefangenschaft befinden
drei Jahre Gefangenschaft haben an seinen Kräften gezehrt
aus der Gefangenschaft entlassen werden
Sie hatte sich und die Kinder tapfer durchgebracht, solange ich noch in der Gefangenschaft war [ HartungWunderkinder182]
b)
Beispiel:
jmdn. aus seiner (unfreiwilligen) Gefangenschaft befreien
c)
von Tieren
Beispiele:
die Tiere haben sich an die Gefangenschaft gewöhnt
der junge Löwe wurde in der Gefangenschaft geboren
es ist noch nicht gelungen, diese Tiere in der Gefangenschaft zu züchten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fangen · Fang · Rauchfang · Windfang · Fangschuß · Fangstoß · Fänger · Gefangenschaft · Gefängnis · verfangen · verfänglich
fangen Vb. ‘(er)greifen, zu fassen bekommen, der Freiheit berauben’. Das ursprünglich reduplizierende Verb mit grammatischem Wechsel ahd. fāhan (8. Jh.), mhd. vāhen, vān, nach Nasalausfall vor h und daraus folgender Dehnung des Vokals hervorgegangen aus germ. *fanhan, hat in Infinitiv und Präsens seit dem 16. Jh. eine allmähliche Angleichung des Konsonantismus an die Präteritalformen erfahren; in poetischer Sprache ist fahen jedoch noch bis ins 19. Jh. bezeugt. Das Verb und seine germ. Entsprechungen asächs. fāhan, mnd. vān, vangen, mnl. vanghen, nl. vangen, anord. , schwed. , aengl. fōn, got. fāhan führen mit den außergerm. Verwandten lat. pangere ‘befestigen, einschlagen’, pacīscī ‘ein Übereinkommen treffen, einen Vertrag schließen’ (s. Pakt), griech. pássalos (πάσσαλος) ‘Pflock, Nagel, Haken’, págē (πάγη) ‘alles, was festhält, Schlinge, Falle’, aind. pā́śaḥ ‘Schlinge, Band, Kette’ auf eine Wurzel ie. *pā̌k̑-, *pā̌g̑- ‘festmachen’ (wozu auch Fach, fügen, s. d.). Fang m. ‘das Gefangene, Beute’, jägersprachlich ‘Kralle, Schnabel’ (eines Raubvogels), ‘Reißzahn, Rachen’ (bei verschiedenen anderen Tieren), ‘Todesstoß’ (für krankes Wild); ahd. -fang (nur als Kompositionsglied, z. B. in anafang, s. Anfang), mhd. vanc. Rauchfang m. ‘Rauchabzug, Schornstein’ (15. Jh.). Windfang m. ‘Windschutzvorrichtung, dem Wind ausgesetzte Seite’, ahd. wintfang (9. Jh.), mhd. wintvanc. Fangschuß m. ‘tödlicher Schuß, Gnadenschuß für verwundetes, krankes Wild’ (19. Jh.). Fangstoß m. ‘Gnadenstoß mit einer Stichwaffe’ (19. Jh.), z. B. mit dem Hirschfänger ‘Seitengewehr des Jägers’. Fänger m. ‘wer etw. fängt, auffängt’ (17. Jh.); vgl. ahd. -fangāri als Kompositionsglied z. B. in intfangāri (s. Empfänger). Gefangenschaft f. ‘Freiheitsverlust, Unfreiheit’, mhd. gevangenschaft; vgl. ahd. gifengida ‘Gefangenschaft’ (9. Jh.). Gefängnis n. ‘Freiheitsentzug, Strafe, Zustand und Ort der Unfreiheit, Gewahrsam, Strafvollzugsanstalt’, mhd. (ge)vancnisse, (ge)vencnisse ‘Gefangennahme, Gefangenschaft’, mnd. gevenknisse, mnl. g(h)evangenesse, -nisse, nl. gevangenis. verfangen Vb. ‘wirksam sein, nützen’, ahd. firfāhan ‘ergreifen, umfassen, nützen’ (9. Jh.), mhd. vervāhen, vervān ‘fassen, fangen, gewinnen, wahrnehmen, geistig auffassen, (hart) beurteilen, ausrichten, fördern, nützen’, häufig reflexiv sich verfangen ‘sich verstricken, in Komplikationen geraten’ (bereits mhd.); daher verfänglich Adj. ‘heikel, riskant’, anders mhd. vervanclich, vervenclich ‘nützlich, wirksam’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Gefangenschaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gefangenschaft‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gefangenschaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Mehrheit der Liberalen befände sich aber immer noch in der Gefangenschaft der Union.
Der Tagesspiegel, 15.05.2000
Sie sollen mindestens sechs Mädchen entführt haben, vier Opfer starben in der Gefangenschaft.
Süddeutsche Zeitung, 24.10.1998
Er befand sich eine Zeitlang in Österreich in englischer Gefangenschaft.
Baumgartner, Gabriele u. Hebig, Dieter (Hg.): Biographisches Handbuch der SBZ/DDR - K. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1997], S. 17351
Aber könnte es nicht auch fast zu einer Gefangenschaft gekommen sein?
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 03.04.1945, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Der Mann, der nicht mehr jung und auch kein Dichter war, geriet im Kampfe in Gefangenschaft und ihn erwartete ein qualenvoller Tod.
Weissmann, Maria Luise: Skizzen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1920], S. 7087
Zitationshilfe
„Gefangenschaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gefangenschaft>, abgerufen am 25.10.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Gefangennahme
Gefangenhaltung
Gefangenenwärter
Gefangenentransport
Gefangenenseelsorge
gefänglich
Gefängnis
Gefängnisabteilung
Gefängnisarzt
Gefängnisaufenthalt