Gefolgschaft, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gefolgschaft · Nominativ Plural: Gefolgschaften
Aussprache
WorttrennungGe-folg-schaft
WortzerlegungGefolge-schaft
Wortbildung mit ›Gefolgschaft‹ als Erstglied: ↗Gefolgschaftsangehörige · ↗Gefolgschaftsführer · ↗Gefolgschaftsmitglied · ↗Gefolgschaftstreue
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
historisch freiwillige Vereinigung eines germanischen Adligen mit jungen Standesgenossen, die auf gegenseitiger Treueverpflichtung beruht
Beispiele:
die germanischen Gefolgschaften
daß bei den Deutschen die Gefolgschaften bereits einen ... festen Kern bilden, der schon in Friedenszeiten organisiert wird [EngelsUrsprung92]
übertragen
Beispiel:
nazistischso wie dort [im Saal] bei festlichen Gelegenheiten ... die arische Gefolgschaft der Firma zusammengestanden haben wird [KlempererLTI235]
2.
Gehorsam, Unterordnung
Beispiele:
jmdm. Gefolgschaft leisten
jmdm. die Gefolgschaft kündigen, versagen, verweigern
3.
gehoben, veraltend Folge, Gefolge
Beispiel:
Das Hervorbrechen der Milchzähne mit seiner Gefolgschaft von Fieber und Krämpfen [Th. MannBuddenbrooks1,526]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

folgen · Folge · folglich · folgsam · folgenschwer · folgerecht · folgerichtig · folgern · Folgerung · Gefolge · Gefolgschaft · erfolgen · Erfolg · verfolgen · Verfolger · Verfolgung · verabfolgen
folgen Vb. ‘hinterhergehen, der nächste sein, sich nach etw. richten, sich aus etw. ergeben, gehorchen’, ahd. folgēn ‘folgen, treu dienen, nachjagen’ (8. Jh.), seltener folgōn ‘Folge leisten’ (9. Jh.), mhd. volgen, auch ‘Heerfolge leisten, beipflichten’, asächs. folgon, mnd. volgen, mnl. volghen, nl. volgen, aengl. folgian, engl. to follow, anord. fylgja, schwed. följa ist trotz zahlreicher Deutungsversuche in seiner Etymologie ungeklärt. Außergerm. Verwandte sind fraglich; erwogen wird Verwandtschaft mit kymr. ol ‘Spur’, ar ol ‘nach, hinter’, korn. ol ‘Fußspur’, so daß sich eine Form ie. *pelgh-, *polgh- ergäbe (Kluge ²¹211 f.); andere vermuten einen Zusammenhang mit der Wortfamilie ↗befehlen (s. d.) mit einer Bedeutungsentwicklung ‘bedecken ‒ beschützen ‒ in jmds. Gefolgschaft treten’ (Falk/Torp 1, 291 und 227). Die naheliegende Annahme, das Verb (mit den Endungen ahd. -ōn bzw. -ēn) als Ableitung von einem Nomen aufzufassen, bleibt ebenfalls zweifelhaft, da Folge f. ‘Ergebnis, Wirkung, Reihe’ erst spät im Kompositum ahd. selbfolga ‘Sekte’ (11. Jh.) bezeugt ist, danach mhd. volge ‘Gefolge, Begleitung, Verfolgung, Nachfolge, Beistimmung’. Hier liegt eher eine postverbale Bildung vor. folglich Konj. ‘daher, infolgedessen’ (1. Hälfte 17. Jh.), ohne Tradition zu ahd. folglīhho Adv. ‘in der Folge, hintenan’ (9. Jh.); in älterer Sprache nicht nur kausal (s. oben), sondern auch temporal im Sinne von ‘danach, ferner, weiter’ (bis ins 19. Jh.) verwendet. folgsam Adj. ‘brav, gehorsam’ (17. Jh.); vgl. ahd. gifolgīg ‘gehorsam, gefügig’ (um 1000), mhd. gevolgec, -volgic, nhd. gefolgig (bis ins 18. Jh.). Daneben wird folgsam (wie folglich, s. oben) als kausale (17. Jh.) und temporale (18. Jh.) Konj. benutzt. folgenschwer Adj. ‘von schwerwiegender Wirkung’ (18. Jh.), wohl nach frz. gros de conséquences, entsprechend noch im 19. Jh. auch folgeschwer. folgerecht Adj. (18. Jh.), heute häufiger folgerichtig (19. Jh.) ‘sich aus den Tatsachen logisch ergebend’, für frz. conséquent (s. ↗konsequent). folgern Vb. ‘eine Folge ableiten, einen Schluß ziehen’ (16. Jh.), bei Luther geringschätzig im Sinne von ‘Sophisterei treiben’, seit dem 18. Jh. im Wortschatz der Philosophie üblich ‘einen logischen Schluß ableiten’; dazu Folgerung f. ‘logische Ableitung, Schluß’ (18. Jh.), älteres ↗Konsequenz (s. d.) teilweise ersetzend. Gefolge n. ‘Begleitung’, seit dem 17. Jh. belegt, geläufig seit dem 18. Jh. für ‘Begleitung einer fürstlichen Person, Hofstaat’; im Gefolge ‘zeitlich oder kausal folgend’ (18. Jh.). Gefolgschaft f. ‘Gesamtheit der Gefolgsleute’ (eines germanischen Fürsten), Fachwort der Geschichtswissenschaft; dann auch ‘Anhängerschaft’ (19. Jh.). erfolgen Vb. ‘als Folge eintreten, geschehen’, ahd. irfolgēn ‘verfolgen’ (9. Jh.), mhd. ervolgen ‘zuteil werden, erreichen, erlangen’, reflexiv ‘sich erfüllen, zutragen’; dazu Erfolg m. ‘Wirkung, Erreichen eines Zieles’, Rückbildung zu erfolgen (17. Jh.); erfolglos, erfolgreich Adj. (19. Jh.). verfolgen Vb. ‘(in feindlicher Absicht) hinterhergehen, zu erreichen suchen’, verstärktes ↗folgen (s. d.), mhd. vervolgen ‘Folge leisten, beistimmen, nachfolgen, befolgen’, asächs. farfolgon; dazu Verfolger m. ‘wer jmdn. feindlich verfolgt’ (15. Jh.) und Verfolgung f. ‘feindliches Nachsetzen, Versuch, ein Ziel zu erreichen’ (14. Jh.). verabfolgen Vb. ‘zuteilen, übergeben’ (17. Jh.), neben gleichbed., heute seltenem abfolgen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(im) Schlepptau · ↗Anhang · ↗Begleitperson · ↗Begleitung · ↗Entourage · ↗Eskorte · ↗Gefolge (eines Prominenten) · Gefolgschaft · ↗Gefolgsleute · ↗Tross  ●  ↗Hofstaat  veraltet, ironisch · ↗(jemandes) Leute  ugs. · ↗Hofschranze  geh., veraltet · ↗Höfling  geh., veraltet · ↗Schranze  geh., veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufkündigung Betriebsführer Betriebsführung Führer Gehorsam Treue Werben aufkündigen aufsagen bedingungslos blind charismatisch einfordern einschwören ergeben erkaufen fanatisch getreu kritiklos loyal publizistisch rekrutieren scharen schwören treu unbedingt unkritisch versagen verweigern willig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gefolgschaft‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Beide müssen unter ihrer Gefolgschaft eine kritische Masse finden, um weiterzumachen, beide sind aufeinander angewiesen.
Der Tagesspiegel, 11.02.2000
Aber es ist nicht ein unverständiger Gehorsam, eine einsichtslose Gefolgschaft.
Khoury, Adel Theodor: Gesetz. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 929
Sie würden ihm immer ewige Gefolgschaft schwören, sobald er versprechen würde, nach Bonn zu gehen.
Die Zeit, 11.03.1983, Nr. 11
Wenn ich ihn gekannt hätte, hätte ich demjenigen, der ihn gab, nicht eine Stunde länger Gefolgschaft geleistet.
o. A.: Einhundertfünfundsechzigster Tag. Donnerstag, 27. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 11891
Das letzte Problem dieses ganzen Kampfes aber heißt: wer leistet Gefolgschaft?
Meisel-Hess, Grete: Die sexuelle Krise. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 8652
Zitationshilfe
„Gefolgschaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gefolgschaft>, abgerufen am 05.12.2019.

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