Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gegenstand, der

eWDG

Bedeutungen

1.
etwas Kleineres aus Metall, Holz, Glas, Stein, das hinsichtlich seiner Form und seines Zwecks nicht näher bestimmt ist, Ding
Beispiele:
ein fester, schwerer, leichter, eckiger, runder, stumpfer, spitzer Gegenstand
Gegenstände des täglichen Gebrauchs, Bedarfs
einen Gegenstand im Dunkeln abtasten
Seine Augen … blieben schließlich an einem sonderbaren Gegenstand in der Mitte des Zimmers haften [ I. SeidelLennacker26]
2.
Objekt, Ziel des Denkens, Handelns
Beispiele:
sie war der Gegenstand seiner ständigen Sorge, der Anbetung, seines Sinnens und Trachtens
der Gegenstand der Verhandlung, des Prozesses
Der Direktor Kapeller war für seine Umgebung der Gegenstand ungewöhnlicher Aufmerksamkeit [ H. MannSchlaraffenland1,317]
Die Tatsache, Gegenstand eines solchen Hasses zu sein, flößt mir Furcht ein [ BöllWort28]
Thema
Beispiele:
der Gegenstand eines Gesprächs, einer Unterhaltung
der Gegenstand einer Dichtung, Abhandlung, Erörterung
Als Gegenstand meiner Vorlesungen zu Upsala wählte ich das Problem von Welt‑ und Lebensbejahung [ SchweitzerAus meinem Leben178]
3.
österreichisch Unterrichtsfach
Beispiel:
›Was für Gegenstände haben wir morgen?‹ ›Mathematik‹ [ MusilTörleß33]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gegen · gen · entgegen · entgegnen · Entgegnung · Gegenfüßler · Gegengift · Gegensatz · gegenseitig · Gegenstand · gegenständlich · Gegenstück · Gegenwart · gegenwärtig · vergegenwärtigen · gegenüber · Gegenüber
gegen Präp. ‘wider (zur Abwehr von, zum Schutz vor), in Richtung auf, in Beziehung auf, fast, annähernd, im Austausch für’, ahd. gagan, gegin Präp. Adv. (9. Jh.), gagani, gegini Adv. (9. Jh.), mhd. gegen Präp., gegen(e), gagen(e) Adv., kontrahiert gein, gēn (daraus als Richtungsangabe nhd. gen Präp. asächs. gegin-, mnd. jēgen, mnl. jeghen(s), nl. jegens, aengl. gegn, gēn Adv., anord. gegn Präp. Adv. (germ. *gagna-, *gegni-) ist, da außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen, etymologisch ungeklärt. gegen gibt ursprünglich die Richtung an ‘auf etw. zu, auf etw. hin’ (räumlich gegen den Baum laufen, zeitlich gegen Abend), dann auch das Verhältnis zu Menschen oder Sachverhalten (gütig gegen alte Leute, empfindlich gegen Kälte). Daraus entwickelt sich eine Bedeutung ‘wider’ im Sinne eines absichtlichen Entgegenwirkens, einer Feindseligkeit (gegen jmdn. kämpfen, gegen jeden Versöhnungsversuch sein). Häufig in nominalen Zusammensetzungen, z. B. für die entsprechende Erwiderung eines Vorgangs (Gegendruck, -gruß, -wirkung), einer feindlichen Absicht (Gegenwehr, -stoß), für Personen und Sachverhalte, die einander völlig (Gegenbild, -stück), rivalisierend (Gegenkönig, -spieler, -partei) oder in umgekehrtem Sinne, also gegenläufig (Gegenrichtung, -strömung, -rhythmus) entsprechen. entgegen Adv. ‘in Richtung auf’, Präp. ‘im Gegensatz zu’, ahd. ingagan, ingegin Präp. ‘gegen, entgegen’ (8. Jh.), ingagani, ingegini Adv. (um 800), mhd. engegen Präp., engegen(e), engagen(e) Adv., asächs. angegin, aengl. (westsächs.) ongēan, ongēn, (angl.) angægn, ongegn, engl. again; im Nhd. an das Präfix ent- (s. d.) angelehnt; dazu entgegnen Vb. ‘erwidern, antworten’ (16. Jh.); vgl. dagegen ahd. ingaganen, ingeginen ‘entgegenkommen, empfangen, zurückkehren’ (9. Jh.), mhd. engegenen ‘begegnen’; Entgegnung f. ‘Erwiderung’ (19. Jh.). Gegenfüßler m. ‘auf dem entgegengesetzten Punkt der Erdkugel lebender Mensch’, übertragen ‘Widersacher’, Übersetzung (17. Jh.) von Antipode (s. d.); älter gegenfüßig (16. Jh.). Gegengift n. ‘einem anderen Gift entgegenwirkendes Gift’, Übersetzung (17. Jh.) von mfrz. frz. contrepoison oder unmittelbar von diesem zugrundeliegenden griech.-lat. antidotum (s. Antidot). Gegensatz m. ‘das Entgegengesetzte, Widerspruch, Kontrast, Feindschaft’, zuerst (15. Jh.) in der Rechtssprache ‘Gegenbehauptung, -argumentation’. gegenseitig Adj. ‘wechselseitig, beiderseitig’ (18. Jh.), anfangs ‘auf der entgegengesetzten Seite befindlich, der Gegenpartei angehörend’. Gegenstand m. ‘Ding, Thema, Angelegenheit’, zuerst ‘Widerstand’ (16. Jh.), ‘Gegensatz’, auch ‘das Entgegenstehende’ (17. Jh.), dann (Ende 17. Jh.) Übersetzung von Objekt bzw. lat. obiectum in philosophischer Sprache, davon ausgehend die heutige allgemeine Verwendung; gegenständlich Adj. um 1800 für objektiv, heute im Sinne von ‘dinglich, konkret’ als Gegensatz zu begrifflich. Gegenstück n. ‘etw. Entsprechendes, Passendes’, auch ‘Gegenteil’, Übersetzungswort (18. Jh.) von Pendant (s. d.). Gegenwart f. ‘Jetztzeit, Anwesenheit, Dasein’, ahd. gaganwart, geginwart (9. Jh.), mhd. gegenwart; vgl. auch ahd. gaganwerta (8. Jh.), gaganwertī, geginwertī (8. Jh.), gaganwurti (10. Jh.), mhd. gegenwurt, -würte ‘Gegenwart, Anblick, Angesicht’; zum zweiten Kompositionsglied s. -wärts. Seit dem 19. Jh. grammatischer Terminus für Präsens (s. d.), wofür älter gegenwürtig(e) Zeit (um 1400), die gegenwärtige Zeit oder die Gegenwart (Campe 1801); gegenwärtig Adj. ‘in der Gegenwart lebend, augenblicklich, jetzig’, ahd. gaganwertīg, geginwertīg (9. Jh.), mhd. gegenwertec, -würtec; vergegenwärtigen Vb. ‘(sich) deutlich in der Gegenwart vorstellen’ (17. Jh.), zu gegenwärtigen (15. Jh.). gegenüber Adv. Präp. ‘auf der anderen Seite, im Hinblick auf, gegen, zu’, aus gegen und über (s. d.) zusammengewachsen (16. Jh.), anfangs daher getrennt geschrieben mit dem abhängigen (von der Präp. gegen regierten) Kasus zwischen beiden Bestandteilen (noch im 18. Jh. gegen ihm über); substantiviert Gegenüber n. ‘das oder der auf der anderen Seite Befindliche’ (um 1800), nach frz. le vis-à-vis.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ding · Etwas · Gegenstand · Objekt · Sache · Teil  ●  Gizmo  engl.
Oberbegriffe
  • nicht lebendes Objekt · unbelebtes Objekt
Synonymgruppe
Gegenstand · Gehalt · Inhalt · Stoff · Sujet (künstlerisch)  ●  Thema  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
Artikel · Gebrauchsgut · Gegenstand · Konsumgut · Ware
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein vom Menschen hergestellter) Gegenstand · (ein) von Menschenhand Geschaffenes  ●  Artefakt (Volkskunde, Archäologie)  Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Gegenstand‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gegenstand‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gegenstand‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie aber sollte er bei so einem unregelmäßigen Gegenstand das Volumen messen? [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 474]
Gleichzeitig werden dadurch sprachliche Mittel zum Gegenstand bewußten Lernens der Kinder. [Brumme, Gertrud-Marie: Muttersprache im Kindergarten, Berlin: Volk u. Wissen 1981 [1966], S. 184]
Die Einheit des Ichs verbürgt also die Einheit der Gegenstände draußen. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 62]
Doch ist dort die demokratische Verfassung der Gegenstände nicht von einem einheitsstiftenden Sentiment überformt. [Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 232]
Und auch der Kritik der Politik kommt der tradierte Gegenstand abhanden. [Die Zeit, 17.02.2000, Nr. 8]
Zitationshilfe
„Gegenstand“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gegenstand>.

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