Gegenwart, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungGe-gen-wart
Wortbildung mit ›Gegenwart‹ als Erstglied: ↗Gegenwartsautor · ↗Gegenwartsbedeutung · ↗Gegenwartsbezug · ↗Gegenwartsdramatik · ↗Gegenwartsdramatiker · ↗Gegenwartsferne · ↗Gegenwartsfilm · ↗Gegenwartsform · ↗Gegenwartsfrage · ↗Gegenwartsgeschehen · ↗Gegenwartsgesellschaft · ↗Gegenwartsgrafik · ↗Gegenwartsgraphik · ↗Gegenwartskunde · ↗Gegenwartskunst · ↗Gegenwartsliteratur · ↗Gegenwartslyrik · ↗Gegenwartsnähe · ↗Gegenwartsphilosophie · ↗Gegenwartsproblem · ↗Gegenwartsproblematik · ↗Gegenwartsroman · ↗Gegenwartsschaffen · ↗Gegenwartssprache · ↗Gegenwartsstoff · ↗Gegenwartsstück · ↗Gegenwartswert · ↗gegenwartsbetont · ↗gegenwartsbezogen · ↗gegenwartsfern · ↗gegenwartsfremd · ↗gegenwartsgebunden · ↗gegenwartsnah · ↗gegenwärtig
 ·  mit ›Gegenwart‹ als Letztglied: ↗Allgegenwart · ↗Geistesgegenwart · ↗Vorgegenwart
 ·  mit ›Gegenwart‹ als Grundform: ↗gegenwarts
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Zeit, in der wir leben, Jetztzeit
Beispiele:
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
die Kunst, Kultur der Gegenwart
das Projekt ist bis in die Gegenwart fortgeführt worden
diese Sitte hat sich bis in die Gegenwart gehalten
das Buch spiegelt die Gegenwart wider
die Gegenwart findet ihren Ausdruck in der Kunst
sie versuchte, der Gegenwart zu entfliehen
die Flucht aus der Gegenwart
eine Bejahung der Gegenwart
Sprachwissenschaft Tempus des gegenwärtigen Geschehens, Präsens
Beispiel:
ein Verb in der Gegenwart konjugieren
Umgebung
Beispiel:
das Buch fesselte ihn so, dass die Gegenwart um ihn versank
2.
Anwesenheit, Dasein
Beispiele:
seine Gegenwart ist bei diesem Treffen nicht erwünscht
seine Gegenwart störte sehr
da Liebe ... auf die Dauer Nähe und Gegenwart des Geliebten braucht [St. ZweigBalzac411]
in Gegenwart vonim Beisein von
Beispiele:
in Gegenwart von anderen hat er ihn beschimpft
in Gegenwart der Mutter wagte niemand, seine Bedenken zu äußern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gegen · gen · entgegen · entgegnen · Entgegnung · Gegenfüßler · Gegengift · Gegensatz · gegenseitig · Gegenstand · gegenständlich · Gegenstück · Gegenwart · gegenwärtig · vergegenwärtigen · gegenüber · Gegenüber
gegen Präp. ‘wider (zur Abwehr von, zum Schutz vor), in Richtung auf, in Beziehung auf, fast, annähernd, im Austausch für’, ahd. gagan, gegin Präp. Adv. (9. Jh.), gagani, gegini Adv. (9. Jh.), mhd. gegen Präp., gegen(e), gagen(e) Adv., kontrahiert gein, gēn (daraus als Richtungsangabe nhd. gen Präp. asächs. gegin-, mnd. jēgen, mnl. jeghen(s), nl. jegens, aengl. gegn, gēn Adv., anord. gegn Präp. Adv. (germ. *gagna-, *gegni-) ist, da außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen, etymologisch ungeklärt. gegen gibt ursprünglich die Richtung an ‘auf etw. zu, auf etw. hin’ (räumlich gegen den Baum laufen, zeitlich gegen Abend), dann auch das Verhältnis zu Menschen oder Sachverhalten (gütig gegen alte Leute, empfindlich gegen Kälte). Daraus entwickelt sich eine Bedeutung ‘wider’ im Sinne eines absichtlichen Entgegenwirkens, einer Feindseligkeit (gegen jmdn. kämpfen, gegen jeden Versöhnungsversuch sein). Häufig in nominalen Zusammensetzungen, z. B. für die entsprechende Erwiderung eines Vorgangs (Gegendruck, -gruß, -wirkung), einer feindlichen Absicht (Gegenwehr, -stoß), für Personen und Sachverhalte, die einander völlig (Gegenbild, -stück), rivalisierend (Gegenkönig, -spieler, -partei) oder in umgekehrtem Sinne, also gegenläufig (Gegenrichtung, -strömung, -rhythmus) entsprechen. entgegen Adv. ‘in Richtung auf’, Präp. ‘im Gegensatz zu’, ahd. ingagan, ingegin Präp. ‘gegen, entgegen’ (8. Jh.), ingagani, ingegini Adv. (um 800), mhd. engegen Präp., engegen(e), engagen(e) Adv., asächs. angegin, aengl. (westsächs.) ongēan, ongēn, (angl.) angægn, ongegn, engl. again; im Nhd. an das Präfix ↗ent- (s. d.) angelehnt; dazu entgegnen Vb. ‘erwidern, antworten’ (16. Jh.); vgl. dagegen ahd. ingaganen, ingeginen ‘entgegenkommen, empfangen, zurückkehren’ (9. Jh.), mhd. engegenen ‘begegnen’; Entgegnung f. ‘Erwiderung’ (19. Jh.). Gegenfüßler m. ‘auf dem entgegengesetzten Punkt der Erdkugel lebender Mensch’, übertragen ‘Widersacher’, Übersetzung (17. Jh.) von ↗Antipode (s. d.); älter gegenfüßig (16. Jh.). Gegengift n. ‘einem anderen Gift entgegenwirkendes Gift’, Übersetzung (17. Jh.) von mfrz. frz. contrepoison oder unmittelbar von diesem zugrundeliegenden griech.-lat. antidotum (s. ↗Antidot). Gegensatz m. ‘das Entgegengesetzte, Widerspruch, Kontrast, Feindschaft’, zuerst (15. Jh.) in der Rechtssprache ‘Gegenbehauptung, -argumentation’. gegenseitig Adj. ‘wechselseitig, beiderseitig’ (18. Jh.), anfangs ‘auf der entgegengesetzten Seite befindlich, der Gegenpartei angehörend’. Gegenstand m. ‘Ding, Thema, Angelegenheit’, zuerst ‘Widerstand’ (16. Jh.), ‘Gegensatz’, auch ‘das Entgegenstehende’ (17. Jh.), dann (Ende 17. Jh.) Übersetzung von Objekt bzw. lat. obiectum in philosophischer Sprache, davon ausgehend die heutige allgemeine Verwendung; gegenständlich Adj. um 1800 für objektiv, heute im Sinne von ‘dinglich, konkret’ als Gegensatz zu begrifflich. Gegenstück n. ‘etw. Entsprechendes, Passendes’, auch ‘Gegenteil’, Übersetzungswort (18. Jh.) von ↗Pendant (s. d.). Gegenwart f. ‘Jetztzeit, Anwesenheit, Dasein’, ahd. gaganwart, geginwart (9. Jh.), mhd. gegenwart; vgl. auch ahd. gaganwerta (8. Jh.), gaganwertī, geginwertī (8. Jh.), gaganwurti (10. Jh.), mhd. gegenwurt, -würte ‘Gegenwart, Anblick, Angesicht’; zum zweiten Kompositionsglied s. ↗-wärts. Seit dem 19. Jh. grammatischer Terminus für ↗Präsens (s. d.), wofür älter gegenwürtig(e) Zeit (um 1400), die gegenwärtige Zeit oder die Gegenwart (Campe 1801); gegenwärtig Adj. ‘in der Gegenwart lebend, augenblicklich, jetzig’, ahd. gaganwertīg, geginwertīg (9. Jh.), mhd. gegenwertec, -würtec; vergegenwärtigen Vb. ‘(sich) deutlich in der Gegenwart vorstellen’ (17. Jh.), zu gegenwärtigen (15. Jh.). gegenüber Adv. Präp. ‘auf der anderen Seite, im Hinblick auf, gegen, zu’, aus gegen und ↗über (s. d.) zusammengewachsen (16. Jh.), anfangs daher getrennt geschrieben mit dem abhängigen (von der Präp. gegen regierten) Kasus zwischen beiden Bestandteilen (noch im 18. Jh. gegen ihm über); substantiviert Gegenüber n. ‘das oder der auf der anderen Seite Befindliche’ (um 1800), nach frz. le vis-à-vis.

Thesaurus

Synonymgruppe
Beisein · ↗Dasein · Gegenwart · ↗Präsenz  ●  ↗Anwesenheit (einer Person)  Hauptform · Zugegensein  geh.
Assoziationen
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Gegenwart · ↗Gegenwartsform · ↗Präsens
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Gegenwart · Jetzt

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antike Bezug Brücke Erinnerung Galerie Geschichte Herausforderung Historie Komponist Kunst Künstler Literatur Mittelalter Moderne Museum Musik Parallele Problem Schriftsteller Tradition Vergangenheit Zukunft ewig hineinragen hineinreichen jeweilig lebendig real trist unmittelbar

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gegenwart‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir lügen, wir verändern dauernd unserer eigenes Leben, wir erfinden fortwährend neue Vergangenheiten, neue Gegenwarten und uns selbst.
Der Tagesspiegel, 03.09.2001
Darum leben in der selben, vom Schicksal diktierten gemeinsamen Gegenwart verschiedene Gegenwarten.
Heimpel, Hermann: Der Mensch in seiner Gegenwart. In: ders., Der Mensch in seiner Gegenwart, Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht 1957 [1951], S. 1
Und indem sie das tun, geben sie eine Anschauung vergangener, künftiger oder augenblicklicher Gegenwarten frei.
Die Zeit, 19.03.2001, Nr. 12
Wie ein Bohrkopf fräst sich seine Wahrnehmung durch die hypernervösen Gegenwarten der Figuren.
Süddeutsche Zeitung, 24.04.2002
Die künftigen Gegenwarten stimulieren eher zur zweckorientierten Planung, nämlich zum Arrangieren von Sequenzen unter möglichst hohem Wertbefriedigungspotential.
Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1984, S. 888
Zitationshilfe
„Gegenwart“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gegenwart>, abgerufen am 06.12.2019.

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