Gehör, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gehör(e)s · Nominativ Plural: Gehöre
Aussprache
WorttrennungGe-hör
formal verwandt mithören
Wortbildung mit ›Gehör‹ als Erstglied: ↗Gehörbildung · ↗Gehörgang · ↗Gehörnerv · ↗Gehörorgan · ↗Gehörsinn · ↗gehörgeschädigt · ↗gehörlos
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
nur im Singular
Sinn zum Wahrnehmen von Schallwellen, Hörvermögen
Beispiele:
er hat ein gutes, feines, scharfes Gehör
sein Gehör hat bei dem Bombenangriff gelitten, ließ im Alter nach
sich nach dem Gehör orientieren
sein Gehör anspannen
das Gehör der Schüler prüfen
musikalisches Empfinden
Beispiele:
nach dem Gehör (= ohne Noten) spielen
Sein musikalisches Gehör und Gedächtnis sind erstaunlich [HeyseI 1,431]
2.
nur im Singular
das Hören, Anhören
papierdeutsch etw. kommt zu Gehöretw. wird vorgetragen
Beispiele:
ein Lied kommt zu Gehör
zwei Vorträge kamen zu Gehör (= wurden gehalten)
etw. zu Gehör bringenetw. vortragen
Beispiele:
ein Gedicht, Lied zu Gehör bringen
etw. öffentlich zu Gehör bringen
mir ist zu Gehör gekommen (= ich habe gehört), dass es dir nicht gut geht
während der Zeit [des Krieges] sei ihm das Wörtchen Sozialdemokrat nie zu Gehör gekommen [GrassBlechtrommel350]
Gelegenheit, gehört zu werden
Beispiele:
jmdn. um Gehör bitten
darf ich Sie einen Augenblick um Gehör bitten?
jmdm. Gehör schenken, geben
sich [Dativ] Gehör verschaffen
Gehör erhalten, finden
sein Gesuch fand kein Gehör (= wurde abgelehnt)
3.
meist im Plural
Jägersprache Ohren des Haarraubwildes und Schwarzwildes
Beispiel:
Der Fuchs ... spitzte die Gehöre und schlich weiter [LönsMümmelmann4,32]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hören · Hörer · hörig · Hörigkeit · aufhören · erhören · unerhört · Gehör · verhören · Verhör · Hörensagen
hören Vb. ‘mit dem Ohr wahrnehmen, vernehmen’, ahd. hōren (8. Jh.), mhd. hœren, asächs. hōrian, mnd. hȫren, mnl. hōren, nl. horen, aengl. (angl.) hēran, (westsächs.) hīeran, engl. to hear, anord. heyra, schwed. höra, got. hausjan. Das zu erschließende germ. jan-Verb für unwillkürliches Wahrnehmen mit dem Ohr, das später auch Bedeutungen wie ‘absichtlich vernehmen’ und weiter ‘gehorchen’ annimmt (vgl. wer nicht hören will, muß fühlen und s. ↗gehorsam), führt mit russ. (landschaftlich) čúchat’ (чухать) ‘wahrnehmen, riechen, schmecken’ und wohl auch mit (nicht eindeutig geklärtem) griech. akū́ein (ὀκούειν) ‘hören, gehorchen’ auf ie. *keus-, *kūs-, eine s-Erweiterung der Wurzel ie. *kē̌u- ‘worauf achten, beobachten, schauen’, auch ‘hören, fühlen, merken’, wozu (mit anlautendem s-) ↗schauen und ↗schön (s. d.) sowie auch aind. kavíḥ ‘klug, weise, Seher, Weiser, Dichter’, griech. koé͞in (κοεῖν) ‘bemerken, vernehmen, hören’, lat. cavēre ‘sich in acht nehmen, sich vorsehen’, lett. kavēt ‘zaudern, zögern’, aslaw. čuti ‘empfinden, erkennen’, russ. (älter) čut’ (чуть) ‘empfinden, fühlen, wittern, wahrnehmen’ gehören. Hörer m. ‘Zuhörer’, mhd. hœrære, hœrer. hörig Adj. ‘sich dem Willen eines anderen unterwerfend, triebhaft, sexuell abhängig’, älter (zuerst mnd., 14. Jh.) ‘abhängig vom Feudalherrn, an die Scholle gebunden, unfrei’, mhd. hœrec ‘auf einen anderen hörend, folgsam’, mnd. hȫrich ‘gehorsam, ergeben, zugehörig, an die Scholle gebunden’; dazu Hörigkeit f. (18. Jh.), mnd. hȫrichēt. aufhören Vb. ‘ablassen, nicht länger andauern, aufmerksam hinhören (aus aktuellem Anlaß)’, mhd. ūfhœren ‘ab-, unterlassen’. erhören Vb. ‘anhörend erfüllen, Erbetenes gewähren’, ahd. irhōren ‘hören’ (11. Jh.), mhd. erhœren ‘hören, hörend wahrnehmen, erfüllen’. unerhört Part.adj. ‘nicht erhört, nicht gebilligt, erstaunlich, empörend’, spätmhd. unerhōrt, eigentlich ‘nie gehört, beispiellos’. Gehör n. ‘das Hören, Hörsinn’, mhd. gehœre; vgl. häufigeres mhd. gehœrde, ahd. gihōrida (9. Jh.). verhören Vb. ‘eingehend befragen und anhören’, mhd. verhœren ‘hören, anhören, vernehmen, prüfen, erhören, überhören’, auch etw., sich verhören ‘falsch hören’ (17. Jh.); Verhör n. ‘eindringliche Befragung’, spätmhd. verhœr(e). Hörensagen n. heute meist in der präpositionalen Fügung vom Hörensagen (älter auch auf, durchs Hörensagen) ‘aus Erzählungen anderer’, mhd. hœrsagen (14. Jh.), frühnhd. hör(en)sagen.

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Gehör · ↗Hörorgan · ↗Ohr  ●  ↗Lauscher  ugs. · Lauschlappen  ugs. · ↗Löffel  ugs. · Ohrwaschl  ugs., österr., bair.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Gehör · ↗Gehörsinn
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Augenlicht Empfindlichkeit Geruch Geruchssinn Grundrecht Lautheitsempfinden Musikalität Schädigung Sehvermögen Tastsinn absolut bringen empfindlich erfinden fein finden geschult menschlich musikalisch nachlassen orten rechtlich richterlich schenken schulen schädigen schärfen sensibel verschaffen willig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gehör‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die alte Dame, Frau E., ist blind - doch ihr Gehör funktioniert ausgezeichnet.
Die Welt, 14.03.2005
Das Gehör des Dichters ist empfänglich für einen anderen Rhythmus der Zeit.
Schlögel, Karl: Petersburg, München Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 411
Bei starkem Lärm werden sie nervös, außerdem schadet er ihrem Gehör.
Der Tagesspiegel, 20.07.2001
Darum war jedem das Recht gegeben, das rechtliche Gehör zu beantragen.
o. A.: Zweihundertzehnter Tag. Freitag, 23. August 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 31920
Er erzählt uns von dem feinen Gehör, von der feinen Nase der Tiere.
Hahn, Christian Diederich: Bauernweisheit unterm Mikroskop, Oldenburg i.O.: Stalling 1943 [1939], S. 1
Zitationshilfe
„Gehör“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gehör>, abgerufen am 18.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Gehopse
Gehoppele
Gehoppel
Geholze
Gehölz
Gehörbildung
gehorchen
gehören
Gehörfehler
Gehörgang