Gehirn, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gehirn(e)s · Nominativ Plural: Gehirne
Aussprache
WorttrennungGe-hirn (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Gehirn‹ als Erstglied: ↗Gehirnakrobatik · ↗Gehirnblutung · ↗Gehirnchirurgie · ↗Gehirnentzündung · ↗Gehirnerschütterung · ↗Gehirnforschung · ↗Gehirngeschwulst · ↗Gehirnhaut · ↗Gehirnimplantat · ↗Gehirninfarkt · ↗Gehirnkasten · ↗Gehirnmasse · ↗Gehirnrinde · ↗Gehirnsand · ↗Gehirnscan · ↗Gehirnschale · ↗Gehirnschlag · ↗Gehirnschmalz · ↗Gehirnschwund · ↗Gehirnstrom · ↗Gehirntrust · ↗Gehirntumor · ↗Gehirnvolumen · ↗Gehirnwindung · ↗Gehirnwäsche · ↗Gehirnzelle · ↗gehirnamputiert · ↗gehirnlich
 ·  mit ›Gehirn‹ als Letztglied: ↗Kalbsgehirn · ↗Rechengehirn · ↗Supergehirn · ↗Verbrechergehirn
eWDG, 1967

Bedeutung

weiche, weiße Masse in der Hirnschale, die beim Menschen Sitz des Bewusstseins ist
Beispiele:
das menschliche, tierische Gehirn
die graue Substanz des Gehirns ist der Sitz des Intellekts
das Gehirn wurde durch einen Schuss verletzt
aus dem Gehirn wurde ein Tumor operativ entfernt
eine Ader ist im Gehirn geplatzt
Wir hörten die Büchsen knallen, sahen ihr Gehirn aufs Pflaster spritzen [SchillerKabaleII 2]
landschaftlich, (besonders) ostmitteldeutsch Hirn eines Schlachttieres, das als Speise dient
Beispiele:
heute Mittag gibt es Gehirn
das Gehirn braten
Verstand
Beispiele:
er strengte sein Gehirn an, zermarterte sein Gehirn, aber er fand keine Lösung
sein Gehirn war wie gelähmt
was für Gedanken mochte er in seinem Gehirn ausbrüten?
Das fiel wie ein Blitz in ihre stumpf gewordenen Gehirne [RinserMitte130]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hirn · Gehirn · Hirngespinst · hirnverbrannt
Hirn n. im Kopf befindlicher Teil des Zentralnervensystems, auf dessen mehr oder weniger ausgebildeter Funktionsfähigkeit die Einteilung in höher und niedriger entwickelte Lebewesen beruht; heute seltener neben üblicherem Gehirn (s. unten), doch bewahrt in Zusammensetzungen (vgl. Hirnhaut, -masse, Groß-, Kleinhirn); übertragen ‘Verstand, Kopf’. Im Unterschied zu anord. hjarsi ‘Scheitel’, das (wie wohl auch nl. hersenen) auf germ. *hersan- zurückgeht, setzen ahd. hirni (8. Jh.), mhd. hirn(e), herne, mnd. hē̌rne, harne, anord. hjarni, norw. dän. hjerne, schwed. hjärna germ. *herzn- ‘Hirn’ voraus. Die genannten Formen gehören wie ↗Hornisse (s. d.) und dessen unmittelbare Entsprechungen zu einer s-(e)n-Erweiterung der Wurzel ie. *k̑er(ə)- ‘das Oberste am Körper, Kopf, Horn’ (dazu s. auch ↗Horn und vgl. Nussbaum Head and Horn (1986)). Zur gleichen Wurzel bzw. ihren vielfachen Erweiterungen stellen sich aind. śíraḥ (Genitiv śīrṣṇáḥ) ‘Haupt, Kopf, Spitze’, awest. sarah- ‘Kopf’, griech. kárā (κάρα) ‘Haupt, Kopf’ (s. ↗Karotte), krāníon (κρανίον) ‘Schädel’ (s. ↗Migräne), lat. cerebrum (wohl aus ie. *k̑erəsrom; unsicher ist der Vokal der zweiten Silbe) ‘Gehirn’ (vgl. fachsprachliches zerebral ‘das Großhirn betreffend’; s. auch ↗Zervelatwurst), lat. cervīx (aus *cersvīc-) ‘Nacken’ (eigentlich wohl ‘Kopfhalter’, wenn zu lat. vincīre ‘binden, fesseln’), ferner innerhalb und außerhalb des Germ. zahlreiche Benennungen gehörnter Tiere (s. ↗Hirsch). Im Nhd. dafür häufiger die bereits in mhd. gehirne, mnd. gehērne begegnende Kollektivbildung Gehirn n. Hirngespinst n. ‘Phantasiegebilde, krankhafte Einbildung, Traum-, Wahnvorstellung’ (1. Hälfte 18. Jh.), aus der Redensart das Hirn (er)spinnt (17. Jh.). hirnverbrannt Adj. ‘unsinnig, verrückt’ (Mitte 19. Jh.), nach dem Vorbild von frz. cerveau brûlé ‘überspannter Kopf, verrückte Person’ (eigentlich ‘verbranntes Gehirn’).

Thesaurus

Medizin
Synonymgruppe
Gehirn... · ↗zerebral
Anatomie
Synonymgruppe
Denkorgan · ↗Hirn  ●  Gehirn  Hauptform · ↗Denkapparat  ugs. · Enzephalon  fachspr. · ↗Oberstübchen  ugs., fig. · graue Zellen  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Nachhirn  ●  Myelencephalon  fachspr.
  • Hinterhirn  ●  Metencephalon  fachspr.
  • Rautenhirn  ●  Rhombencephalon  fachspr.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alzheimer-Patient Blutgefäß Blutgerinnsel Blutung Botenstoff Durchblutung Durchblutungsstörung Elektrode Entzündung Funktionsweise Informationsverarbeitung Leber Lunge Nerv Nervensystem Nervenzelle Neuron Niere Ratte Rückenmark Sauerstoffmangel Schädigung Stammzelle Zelle aktivieren menschlich schädigen speichern verarbeiten weiterleiten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gehirn‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn die biochemischen Veränderungen im Gehirn sind nicht bei allen gleich.
Die Zeit, 06.04.2009, Nr. 14
Was wir mit Freude lernen, ist für unser Gehirn am effektivsten.
Bild, 21.03.2006
Das Gehirn schaltet aus - du prügelst nur noch um dich.
Der Spiegel, 03.11.1997
Gerade in den ersten drei Monaten entwickelt sich das Gehirn des Kindes.
Wilberg, Gerlinde M.: Zeit für uns, München: Frauenbuchverl. 1979, S. 7
So wirkt die Zunahme des Gehirns auf das gesamte Aussehen des Tieres ein.
Hesse, Richard: Der Tierkörper als selbständiger Organismus, Leipzig u. a.: B. G. Teubner 1910, S. 677
Zitationshilfe
„Gehirn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gehirn>, abgerufen am 22.07.2019.

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