Gehre, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gehre · Nominativ Plural: Gehren
Aussprache  [ˈgeːʀə]
Worttrennung Geh-re
ZDL-Verweisartikel

Bedeutung

veraltet
Synonym zu Gehrung
Beispiele:
Gehrung, Gehre, Gehrlinie (mhd. gere »Falte«), der Zusammenstoß zweier Flächen (z. B. Rahmenhölzer) unter einem bestimmten Winkel. [Olbrich, Harald (Hg.): Lexikon der Kunst. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1989], S. 10116]
Gehre, Gehrung, das Zusammentreffen zweier Flächen unter einem rechten (gerade G.) oder einem spitzen oder stumpfen Winkel (schiefe G.). [Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 26020]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ger · Gehre · Gehren · Gehrung
Ger m. ‘Wurfspeer der Germanen’, ahd. gēr (9. Jh.), mhd. gēr, asächs. afries. mnd. gēr, mnl. geer, aengl. gār, anord. geirr, vgl. auch Radagaisus (Name eines gotischen Heerführers). Das zuerst als Bestandteil von Personennamen (seit dem 3. Jh.; heute noch Gerhard, Gertrud, Rüdiger u. ä.) sowie in langobard. gairethinx ‘Rechtshandlung, für deren Gültigkeit der Speer Symbolwert hat’ (7. Jh.) bezeugte germ. *gaiza- (wozu auch die Ableitung Geißel, s. d.) steht neben air. gae ‘Speer’ und (aus dem Gall. stammendem) lat. gaesum ‘schwerer eiserner Wurfspieß’, griech. gá͞ison, gá͞isos (γαῖσον, γαῖσος) ‘leichter Wurfspieß’, eigentlich ‘Wurfspieß der Gallier’ (zur umstrittenen Frage möglicher Lehnbeziehungen zwischen dem Kelt. und dem Germ. vgl. Walde/Hofmann ³1, 576 und de Vries Nl. 156). Verwandt ist wohl griech. chá͞ios (χαῖος) ‘Hirtenstab’, so daß sich ie. *ghaiso- ‘Stecken, Wurfspieß’ als Etymon ergibt oder ie. *g̑haiso-, sofern auch aind. hḗsaḥ ‘Waffe’ hierher gehört. Man hat darüber hinaus alle genannten Formen mit aind. hiaṓti ‘treibt an, schleudert’, hētíḥ ‘Geschoß, Waffe’, langobard. gaida ‘(Pfeil)spitze’, aengl. gād ‘(Speer-, Pfeil)spitze’ unter der Wurzel ie. *g̑hē̌i- ‘antreiben, lebhaft bewegen, bewegt sein, schleudern, (geschleudertes) Geschoß’ vereinigt. Das Etymon für Ger und seine engeren Verwandten wäre dann ie. *g̑həiso-. In seiner ursprünglichen Bedeutung kommt Ger (bis auf vereinzelte frühnhd. Zeugnisse) bereits im Mhd. außer Gebrauch (dafür mhd. sper, s. Speer), um 1800 werden aber Versuche einer Neubelebung unternommen (besonders in der Turnersprache seit Jahn, 1816). Schon im Ahd. belegter übertragener Gebrauch für spitzzulaufende Dinge (namentlich ‘Landspitze’ und ‘keilförmiges Stoffstück, Falte, Saum’, daher auch ‘Kleiderschoß’), der sich vor allem an die schwach flektierte Form heftet (ahd. gēro, 10. Jh., mhd. gēre, nhd. Gehre f. auch Gehren m. ), ist dagegen noch im älteren Nhd. verbreitet und setzt sich fachsprachlich bis in jüngere Zeit fort; hierzu Gehrung f. ‘Zuschnitt zweier Teile, der deren Verbindung unter einem bestimmten Winkel ermöglicht’ (18. Jh.).
Zitationshilfe
„Gehre“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gehre#1>, abgerufen am 06.12.2021.

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Gehre, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gehre · Nominativ Plural: Gehren
Aussprache  [ˈgeːʀə]
Worttrennung Geh-re

Bedeutungsübersicht+

  1. [veraltend] spitz zulaufendes Objekt
    1. a) [landschaftlich] keilförmiges Stück Stoff; Rockschoß
    2. b) [veraltet] keilförmiges Stück Land
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

veraltend spitz zulaufendes Objekt
Beispiele:
Mit einem brennenden Bund Kienholz beleuchteten die Fischer von ihren Booten aus das Gewässer und versuchten, die Lachse auf grosse Metallgabeln (»Gehren«) aufzuspiessen. [Neue Zürcher Zeitung, 31.12.2011]
Klopft der Imker seine Bienen aus den Säcken, so nennt er das »abtrommeln«; die Wachsscheibe eines Stockes ist für ihn: Gehre, Gewirk, Kuchen, Roos, Wabe oder Wefel. [Reimann, Hans: Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache. Düsseldorf: Econ-Verl. 1964 [1931], S. 110]
a)
landschaftlich keilförmiges Stück Stoff; Rockschoß
Beispiel:
Ganz grobe Schnitzer sind gottseidank nicht passiert, aber: – eigentlich sollte das Kleid, weil es ja »für gut« ist, 4 Gehren bekommen. [die Handmaid, 23.07.2015, aufgerufen am 14.09.2018]
b)
veraltet keilförmiges Stück Land

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ger · Gehre · Gehren · Gehrung
Ger m. ‘Wurfspeer der Germanen’, ahd. gēr (9. Jh.), mhd. gēr, asächs. afries. mnd. gēr, mnl. geer, aengl. gār, anord. geirr, vgl. auch Radagaisus (Name eines gotischen Heerführers). Das zuerst als Bestandteil von Personennamen (seit dem 3. Jh.; heute noch Gerhard, Gertrud, Rüdiger u. ä.) sowie in langobard. gairethinx ‘Rechtshandlung, für deren Gültigkeit der Speer Symbolwert hat’ (7. Jh.) bezeugte germ. *gaiza- (wozu auch die Ableitung Geißel, s. d.) steht neben air. gae ‘Speer’ und (aus dem Gall. stammendem) lat. gaesum ‘schwerer eiserner Wurfspieß’, griech. gá͞ison, gá͞isos (γαῖσον, γαῖσος) ‘leichter Wurfspieß’, eigentlich ‘Wurfspieß der Gallier’ (zur umstrittenen Frage möglicher Lehnbeziehungen zwischen dem Kelt. und dem Germ. vgl. Walde/Hofmann ³1, 576 und de Vries Nl. 156). Verwandt ist wohl griech. chá͞ios (χαῖος) ‘Hirtenstab’, so daß sich ie. *ghaiso- ‘Stecken, Wurfspieß’ als Etymon ergibt oder ie. *g̑haiso-, sofern auch aind. hḗsaḥ ‘Waffe’ hierher gehört. Man hat darüber hinaus alle genannten Formen mit aind. hiaṓti ‘treibt an, schleudert’, hētíḥ ‘Geschoß, Waffe’, langobard. gaida ‘(Pfeil)spitze’, aengl. gād ‘(Speer-, Pfeil)spitze’ unter der Wurzel ie. *g̑hē̌i- ‘antreiben, lebhaft bewegen, bewegt sein, schleudern, (geschleudertes) Geschoß’ vereinigt. Das Etymon für Ger und seine engeren Verwandten wäre dann ie. *g̑həiso-. In seiner ursprünglichen Bedeutung kommt Ger (bis auf vereinzelte frühnhd. Zeugnisse) bereits im Mhd. außer Gebrauch (dafür mhd. sper, s. Speer), um 1800 werden aber Versuche einer Neubelebung unternommen (besonders in der Turnersprache seit Jahn, 1816). Schon im Ahd. belegter übertragener Gebrauch für spitzzulaufende Dinge (namentlich ‘Landspitze’ und ‘keilförmiges Stoffstück, Falte, Saum’, daher auch ‘Kleiderschoß’), der sich vor allem an die schwach flektierte Form heftet (ahd. gēro, 10. Jh., mhd. gēre, nhd. Gehre f. auch Gehren m. ), ist dagegen noch im älteren Nhd. verbreitet und setzt sich fachsprachlich bis in jüngere Zeit fort; hierzu Gehrung f. ‘Zuschnitt zweier Teile, der deren Verbindung unter einem bestimmten Winkel ermöglicht’ (18. Jh.).
Zitationshilfe
„Gehre“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gehre#2>, abgerufen am 06.12.2021.

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