Geißel, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Geißel · Nominativ Plural: Geißeln
Aussprache
WorttrennungGei-ßel (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Geißel‹ als Erstglied: ↗Geißelfaden · ↗Geißelhieb · ↗Geißeltier · ↗Geißeltierchen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
landschaftlich, (besonders) süddeutsch, (besonders) österreichisch, (besonders) schweizerisch Peitsche
Beispiele:
der Kutscher schwang die Geißel
mit der Geißel hieb der Bauer auf das Pferd ein
ich hab schon geglaubt, er kriegt eine mit der Geißel über [BrechtPuntila5]
historisch, Religion Sie schlug sich mit Geißeln, sie zerfetzte ihre eigenen Kleider [WeismantelRiemenschneider97]
bildlich
Beispiel:
gehoben in weiten Gebieten der Erde schwingt der Hunger noch seine Geißel
übertragen Heimsuchung, Plage
Beispiele:
der Krieg, die Tuberkulose ist eine Geißel der Menschheit
Und was er spricht, ist Geißel, und was er schreibt, ist Blut [UhlandSängers Fluch]
2.
Biologie Protoplasmafaden, der den Geißeltierchen zur Fortbewegung dient
Beispiel:
Die Geißel ist ein beweglicher, beim Schwimmen nach vorn gerichteter Protoplasmafortsatz [BrehmTierleben1,16]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geißel · geißeln
Geißel f. ‘Peitsche, Stab mit Riemen zur Selbstkasteiung’, ahd. geis(i)la ‘Geißel, Peitsche, Gerte’ (um 800), mhd. geisel (auch übertragen ‘Landplage’), mnd. geisele, mnl. ghēsele, gheisele, nl. gesel, anord. geisl ‘Stab, Stock’ und mit Ablaut langobard. gisil (Quantität unsicher) ‘kleiner Stab, Pfeilschaft’ sind als Gerätebezeichnungen mit l-Suffix zu germ. *gaiza- ‘Speer’ (s. ↗Ger) bzw. dessen lautlicher Vorform germ. *gaisa- gebildet. Geißel wird heute nur noch übertragen (‘Landplage, Strafe’) und als historische Bezeichnung für das Instrument zur Selbstkasteiung gebraucht; in allen übrigen Verwendungen ist es weitgehend von ↗Peitsche (s. d.) verdrängt. Die nhd. Schreibung Geißel dient zur Unterscheidung gegenüber Geisel. geißeln Vb. ‘züchtigen, anprangern’, mhd. geiselen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Geißel · ↗Gerte · ↗Peitsche · ↗Reitgerte · ↗Rute
Assoziationen
  • Nilpferdpeitsche · dicke Peitsche
  • Hiebe · Körperstrafe · ↗Prügel · Schläge · Tracht Prügel · ↗Züchtigung · es setzt Prügel · es setzt was · es setzt was mit dem Rohrstock  ●  (die) Jacke voll  ugs. · ↗(eine) Wucht  ugs., regional · (es gibt) langen Hafer  ugs. · (es gibt) was hinter die Löffel  ugs. · (es gibt) was hinter die Ohren  ugs. · ↗Abreibung  ugs. · ↗Dresche  ugs. · ↗Haue  ugs. · Keile kriegen  ugs. · ↗Kloppe  ugs. · ↗Senge  ugs. · den Arsch voll kriegen  derb · langen Hafer kriegen  ugs.
Synonymgruppe
Geißel · ↗Heimsuchung · ↗Schlag  ●  ↗Schicksalsschlag  Hauptform · ↗Prüfung (christl.-relig.)  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
Fluch · Geißel · ↗Unglück · ↗Unheil · ↗Unsegen · ↗Unstern  ●  ↗Verhängnis  Hauptform
Assoziationen
Biologie
Synonymgruppe
Flagellum · Geißel
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aids Antisemitismus Arbeitslosigkeit Doping Geschlecht Hunger Krieg Krummstab Malaria Massenarbeitslosigkeit Menschheit Pest Satire Spott Terrorismus Unterernährung Wimper Zivilisation ausrotten befreien bekämpfen besiegen bewahren entspringen furchtbar jahrtausendealt knallen schlimm schrecklich schwingen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Geißel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn der islamistische Terror ist vor allem eine Geißel der islamischen Welt.
Die Zeit, 02.05.2011, Nr. 18
Er griff zur Geißel, und es wurde ein rechtes Fest der Sinne.
Süddeutsche Zeitung, 02.12.1995
Peitschenförmige Bewegungen der Geißel dagegen dienen dazu, die Richtung des Schwimmens mit einem Ruck zu verändern.
Hesse, Richard: Der Tierkörper als selbständiger Organismus, Leipzig u. a.: B. G. Teubner 1910, S. 108
Bei Teilungen bilden jedoch die Tochterzellen, die das Fragment nicht enthalten, keine Geißeln.
Bresch, Carsten: Klassische und molekulare Genetik, Berlin u. a.: Springer 1965 [1964], S. 99
In vielen Fällen besitzt der Mikrogamet zwei verschieden lange Geißeln.
Grell, Karl G.: Protozoologie, Berlin u. a.: Springer 1956, S. 93
Zitationshilfe
„Geißel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Geißel>, abgerufen am 18.02.2019.

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