Geilheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Geilheit · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungGeil-heit (computergeneriert)
Wortzerlegunggeil-heit
eWDG, 1967

Bedeutung

abwertend
entsprechend der Bedeutung von geil (Lesart 1 u. 2)
entsprechend der Bedeutung von geil (Lesart 1)
Beispiel:
einem Manne wie Riperda etwa, dem die Geilheit nur so aus dem Gesicht schreit [TralowNeuhoff62]
entsprechend der Bedeutung von geil (Lesart 2)
Beispiel:
es kommt vor, dass das Korn erst in die Höhe schießt, dann aber wegen seiner Geilheit sich lagert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geil · geilen · aufgeilen · Geilheit
geil Adj. ‘lüstern, geschlechtlich erregt’, in heutiger Jugendsprache ‘schön, großartig, toll’, ahd. geil ‘übermütig, überheblich, erhoben’ (8. Jh.), mhd. mnd. geil(e) ‘von wilder Kraft, mutwillig, üppig, lustig, begierig’, asächs. gēl ‘fröhlich, übermütig’, mnl. gheil, gheel ‘fröhlich, üppig, lüstern’, nl. geil ‘wollüstig’, aengl. gāl ‘lustig, lüstern, stolz’ (germ. *gaila- ‘fröhlich, lüstern’) und (mit Suffix erweitert) anord. geiligr ‘schön’ gehören vielleicht wie ablautendes mnl. ghīlen, nl. (älter) gijlen ‘gären, schäumen’, anord. gilker ‘Gärbottich’ mit lit. gailùs ‘scharf, beißend, bitter, kläglich’ und aslaw. ẓělo, russ. zeló (зело) ‘sehr’ zu ie. *ghoilos ‘aufschäumend, heftig, übermütig, ausgelassen, lustig’. Der alte Sinn ‘übermütig, froh’ ist noch im 19. Jh. bezeugt; die heute vorherrschende Bedeutung entwickelt sich im Gegensatz zu ↗keusch (s. d.) deutlich seit dem 15. Jh.; vgl. ahd. geilī(n) ‘Hochmut, Überheblichkeit’ (8. Jh.), vereinzelt auch ‘Begierde, Fleischeslust’ (11. Jh.), mhd. geil(e) ‘Üppigkeit, Fröhlichkeit’, auch ‘Hoden’. geil ‘fruchtbar, üppig wachsend, wuchernd’ von Tieren und Pflanzen (15. Jh.) ist vom 19. Jh. an selten. Vom Adjektiv abgeleitet geilen Vb. ‘geil sein, nach etw. gierig sein’ (seit dem 16. Jh. geläufig), daneben jedoch in der alten Bedeutung ‘lustig, übermütig sein’ (gelegentlich bis ins 18. Jh.), entsprechend ahd. geilēn ‘stark, übermütig werden’ (8. Jh.), mhd. geilen ‘übermütig, ausgelassen sein, froh werden’, auch ‘froh machen’, vgl. got. gailjan ‘erfreuen’. aufgeilen Vb. reflexiv ‘sich sexuell erregen’ (20. Jh.). Geilheit f. ‘Zustand sexueller Erregung’, mhd. geilheit ‘Übermut, fröhliche Tapferkeit’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Geilheit · ↗Laster · ↗Lüsternheit · ↗Schamlosigkeit · ↗Triebhaftigkeit · ↗Unzucht
Assoziationen
Synonymgruppe
Fortpflanzungstrieb · ↗Geschlechtstrieb · ↗Libido · Lust auf Sex · sexuelles Verlangen  ●  Geilheit  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Begehren · ↗Begehrlichkeit · ↗Begierde · Geilheit · ↗Gier · ↗Lust (auf) · heftiges Verlangen
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Geiz Geldgier Gewalt Gier Hunger Machtgier Mischung senile

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Geilheit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich dachte, diese Frau kennt sich aus, Shoppen schafft eine Geilheit, wie sie der Sex meist verspricht und nicht einhält.
Süddeutsche Zeitung, 14.02.2004
Die ausgestellten Geilheiten könnten von einem spätmittelalterlichen Maler kommen, doch immerhin werden sie auch hin und wieder relativiert.
Der Tagesspiegel, 13.10.1996
Warum balgte der sich nicht an der Front, aus Feigheit oder aus Geilheit nicht?
Born, Nicolas: Die Fälschung, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1980 [1979], S. 272
Das Schmerzgefühl erhöht die Geilheit, und nun erfolgt die gegenseitige Begattung, bei der jedes Tier gibt und empfängt.
Lucanus, Friedrich von: Im Zauber des Tierlebens, Berlin: Wegweiser-Verl. 1926 [1926], S. 46
Er begann einen Brief an Johanna, gemischt aus Geilheit, Erbitterung, Zärtlichkeit, Beschimpfung.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 251
Zitationshilfe
„Geilheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Geilheit>, abgerufen am 23.05.2018.

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