Geist, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Geist(e)s · Nominativ Plural: Geister
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Geist‹ als Erstglied: Geistchen · Geisterbahn · Geisterbanner · Geisterbeschwörer · Geisterbeschwörung · Geisterbild · Geisterchor · Geisterdebatte · Geisterdorf · Geistererscheinung · Geisterfahrer · Geisterfahrerin · Geisterfahrt · Geistergeschichte · Geisterglaube · Geisterglauben · Geisterhand · Geisterharfe · Geistermannschaft · Geistermusik · Geisterreich · Geisterschar · Geisterscheinung · Geisterschiff · Geisterschreiber · Geisterseher · Geisterspiel · Geisterspuk · Geisterstadt · Geisterstimme · Geisterstunde · Geisterwelt · Geisterzug · Geistesabwesenheit · Geistesadel · Geistesakrobat · Geistesakrobatik · Geistesanlage · Geistesanstrengung · Geistesarbeit · Geistesarbeiter · Geistesaristokratie · Geistesarmut · Geistesart · Geistesbeschränktheit · Geistesbildung · Geistesblitz · Geistesblüte · Geistesflug · Geistesfreundschaft · Geistesfrische · Geistesfrühling · Geistesfunke · Geistesfunken · Geistesfürst · Geistesgabe · Geistesgegenwart · Geistesgeschichte · Geistesgröße · Geistesgut · Geisteshaltung · Geistesheroe · Geistesheros · Geisteskraft · Geisteskranke · Geisteskrankheit · Geistesleben · Geistesnahrung · Geistesprodukt · Geistesrichtung · Geistesriese · Geistesschaffen · Geistesschaffende · Geistesschwäche · Geistesschärfe · Geistesströmung · Geistesstärke · Geistesstörung · Geistestat · Geistesträgheit · Geistestätigkeit · Geistesverfassung · Geistesverwandte · Geistesverwandtschaft · Geisteswelt · Geisteswissenschaft · Geisteswissenschaftler · Geisteszerrüttung · Geisteszustand · Geistheiler · Geistheilung · Geistseele · Geistwesen · geistarm · geistbildend · geisterbleich · geisterhaft · geistesabwesend · geistesarm · geistesfeindlich · geistesgestört · geisteskrank · geistesschwach · geistesträg · geistesträge · geistesverwandt · geistfeindlich · geistfreundlich · geistig1 · geistlich · geistlos · geistreich · geistsprühend · geisttötend · geistvoll
 ·  mit ›Geist‹ als Letztglied: Abenteuergeist · Abenteurergeist · Angriffsgeist · Astralgeist · Bekennergeist · Berggeist · Brunnengeist · Burggeist · Corpsgeist · Dengelgeist · Dichtergeist · Elementargeist · Entdeckergeist · Erdgeist · Erfindergeist · Eroberungsgeist · Feingeist · Feuergeist · Flaschengeist · Flattergeist · Forschergeist · Freigeist · Gemeingeist · Gemeinschaftsgeist · Geschäftsgeist · Handelsgeist · Hausgeist · Heldengeist · Höllengeist · Kameradschaftsgeist · Kampfesgeist · Kampfgeist · Kastengeist · Kaufmannsgeist · Klassengeist · Kleingeist · Klopfgeist · Kollektivgeist · Kommissgeist · Korpsgeist · Krämergeist · Lebensgeist · Luftgeist · Mannschaftsgeist · Menschengeist · Nationalgeist · Opfergeist · Oppositionsgeist · Pioniergeist · Plagegeist · Poltergeist · Quälgeist · Revanchegeist · Schutzgeist · Schwarmgeist · Schwindelgeist · Schöngeist · Schöpfergeist · Sportgeist · Sportsgeist · Spukgeist · Teamgeist · Ungeist · Unternehmergeist · Unternehmungsgeist · Untertanengeist · Volksgeist · Waldgeist · Wassergeist · Weltgeist · Widerspruchsgeist · Widerstandsgeist · Zeitgeist · Zunftgeist
 ·  mit ›Geist‹ als Grundform: geistern  ·  formal verwandt mit: entgeistert
eWDG

Bedeutungen

1.
menschlicher Verstand, Denkvermögen
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
er hat einen scharfen, überlegenen, kühnen, wachen, umfassenden, unruhigen, schöpferischen, einfachen, schlichten, schnellen, langsamen, prosaischen, aufsässigen Geist
abwesenden Geistes
das Feuer, die Trägheit, Lebhaftigkeit des Geistes
der Abgrund des menschlichen Geistes
den Geist bilden, sammeln, lähmen
saloppden Geist strapazieren
etw. umnebelt, vernebelt jmds. Geist
gehobenetw. beflügelt den Geist
gehobender Geist schwingt sich empor
jmds. Geist verwirrt sich
jmds. Geist ist gestört
sprichwörtlichder Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach (= ein guter Vorsatz ist oft aus menschlicher Schwäche nicht auszuführen)
Sein beweglicher und lebendiger, obschon etwas flacher Geist war für literarische und philosophische Arbeiten wie geschaffen [ MehringLessing-Legende146]
die Gedanken
Beispiele:
etw. zieht vor jmds. Geist vorüber
im Geiste bei jmdm. sein
etw. nimmt in jmds. Geist Form, Gestalt an
a)
Scharfsinn, Esprit
Beispiele:
ein Mann von Geist
ein Mensch geschliffenen, sprühenden Geistes
er hat Geist
viel, keinen Geist haben
jmds. Geist bewundern
eine Unterhaltung voller Geist
Nachahmer ohne Geist
Mangel an Geist
b)
Marxismus das Produkt der am höchsten entwickelten Materie
Beispiel:
für das höchste Produkt der organischen Materie, den menschlichen Geist [ EngelsDialektik d. Natur10]
2.
Grammatik: nur im Plural
Beispiele:
hier scheiden sich die Geister (= gehen die Meinungen scharf auseinander)
die Geister stießen, prallten scharf aufeinander
3.
Mensch
a)
Mensch von außergewöhnlichen Verstandesgaben, bedeutender Mensch
Grammatik: meist mit Attribut
Beispiele:
jmdn. als feinen Geist bewundern
führende Geister
er ist nur ein kleiner Geist
umgangssprachlich, scherzhaftgroße Geister stört das nicht (= mich, dich, ihn stört das nicht)
Ihnen wurden Kenntnisse vorenthalten, die kühne Geister des neunzehnten Jahrhunderts den Eingeweihten erobert hatten [ A. ZweigJunge Frau179]
Da preist man uns das Leben großer Geister [ BrechtDreigroschenoperII 3]
b)
umgangssprachlich
Grammatik: nur mit Attribut
Beispiele:
ein dienstbarer Geist (= Dienstbote)
die Mutter war der gute Geist des Hauses
kleine Geister (= kleine Kinder)
das Kind ist ein unruhiger Geist
4.
Sinn
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
die Begegnung verlief im Geiste der Freundschaft
in jmds. Geiste handeln
in den Geist eines Dramas eindringen
Gesinnung
Beispiele:
der Geist der Empörung, Freiheit, des Widerspruchs
der Geist des Revanchismus
innere geistige Haltung
Beispiele:
der Geist einer Zeit, Sprache, eines Heeres
in dieser Klasse herrscht ein guter, schlechter Geist
der olympische Geist
entgegen allem sportlichen Geist
revolutionärer, progressiver Geist
umgangssprachlichwir merkten bald, wes Geistes Kind er ist (= wie er ist)
Nichts war mehr zu verspüren von dem neuen und frischen Geiste, mit dem der junge Thomas Buddenbrook einst den Betrieb belebt hatte [ Th. MannBuddenbrooks1,480]
5.
Grammatik: nur im Singular
a)
Philosophie das objektive schöpferische ursprüngliche Prinzip, mit dem die Existenz und Beschaffenheit der materiellen Welt erklärt werden
b)
Religion
Beispiele:
der Geist Gottes
der Heilige Geist (= Teil der Dreieinigkeit)
die Ausgießung des Heiligen Geistes
Seele
Beispiel:
gehoben, verhüllendden Geist aufgeben (= sterben)
6.
Gespenst, (unsichtbare) Spukgestalt
Beispiele:
ich glaube nicht an Geister
Geister gehen in der Schlossruine um
ein böser, verwunschener Geist
von Geistern besessen sein, verfolgt werden
Geister beschwören, bannen
umgangssprachlicher war von allen guten Geistern verlassen (= aller Vernunft beraubt)
wie ein Geist (= blass, abgehärmt) aussehen
Die ich rief, die Geister, / Werd ich nun nicht los [ GoetheZauberlehrl.]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geist · geistern · geistig · durchgeistigt · geistlich · Geistlicher · Geistlichkeit · geisterhaft · geistesabwesend · Geistesabwesenheit · Geistesgegenwart · geistesgegenwärtig · geisteskrank · Geisteswissenschaften · geistlos · geistreich · entgeistern · entgeistert
Geist m. ‘Hauch, Atem, menschliches Denk- und Erkenntnisvermögen, Esprit, idealistisches schöpferisches Prinzip, Gespenst’, ahd. geist (8. Jh.; nur in der Übersetzung für lat. spīritus), mhd. geist, asächs. mnd. gēst, mnl. gheest, nl. geest, afries. gāst, aengl. gāst, engl. ghost (westgerm. *gaista-) sind Bildungen mit Dentalsuffix zu einer s-Erweiterung ie. *g̑heis- ‘aufgebracht, bestürzt, erschreckt (sein)’. Germ. Verwandte sind aengl. gǣstan ‘in Schrecken versetzen’, engl. ghastly ‘gräßlich, entsetzlich, furchtbar’ und (ohne Dentalsuffix) got. usgeisnan ‘erschrecken’ (intransitiv), usgaisjan ‘erschrecken’ (transitiv) sowie vielleicht anord. geiskafullr ‘voll Schrecken’, geiski ‘Schrecken’; außergerm. sind aind. hīḍ- ‘zürnen’, hḗḍa-, hḗḍas- ‘(Götter)zorn’ und (ohne Dental) awest. zaēša- ‘schauderhaft’ vergleichbar. Im Germ. bedeutet Geist danach ursprünglich soviel wie ‘Ekstase’ und (wenn auch nur noch aengl., nicht aber ahd. und asächs. bezeugt) ‘Gespenst, Geist, übersinnliches Wesen’ (in dieser Verwendung erst wieder mhd.). Als Übersetzung von lat. spīritus ‘Hauch, Atem, Geist, Seele’, das seinerseits von griech. pné͞uma (πνεῦμα) ‘Hauch, Atem, Leben, Geist’ beeinflußt ist, wird ahd. geist mit christlichen Vorstellungen erfüllt und durch die angelsächsische Mission von Fulda aus in der dt. Kirchensprache verbreitet, vgl. aengl. sē hālga gāst (engl. the Holy Ghost), danach ahd. (frk.) ther heilago geist (9. Jh.), nhd. der Heilige Geist, für lat. spīritus sānctus, griech. hágion pné͞uma (ἅγιον πνεῦμα) der Kirchensprache. Die auf obd. Gebiet durch die gotische Mission entstandene Übersetzung ahd. ther wīho ātum vermag sich nicht durchzusetzen. Erst im 18. Jh. wird Geist unter dem Einfluß von frz. esprit zum Ausdruck einer besonderen Fähigkeit, der Gewandtheit, Leichtigkeit des Denkens, des Scharfsinns, des Einfallsreichtums und bezeichnet schließlich das denkende, erkennende Bewußtsein des Menschen. Nach dem Vorbild von lat. spīritus und frz. esprit wird Geist auch im Sinne von ‘flüchtige Essenz, Alkohol’ gebraucht (18. Jh.). geistern Vb. ‘als Geist, wie ein Geist herumgehen, spuken’ (19. Jh.), älter ‘begeistern’ (17. Jh.). geistig Adj. ‘auf das Denkvermögen, die Verstandeskräfte bezogen, Verstand besitzend, klug’. Vereinzeltes spätmhd. geistec ‘von Geist beseelt’ wird bald von geistlich (s. unten) verdrängt. Erst im 17. Jh. ist geistig wieder bezeugt im Sinne von ‘witzig, erfinderisch, geistreich’, steht dann im Gegensatz zu körperlich, stofflich und nimmt im 18. Jh. die oben genannte Bedeutung an; daneben auch ‘alkoholisch’ (ebenfalls 18. Jh.). durchgeistigt Part.adj. ‘geistvoll, von Geist durchdrungen’ (19. Jh.). geistlich Adj. ‘religiöse Dinge betreffend’, ahd. geistlīh, Übersetzung von lat. spīrituālis (8. Jh.), mhd. geistlich, auch ‘fromm’, asächs. gēstlīk, nl. geestelijk, aengl. gāstlic, engl. ghostly (auch ‘geisterhaft’). Ursprünglich vereint dieses Adjektiv sowohl die Bedeutung des erst im 18. Jh. geläufigen geistig (s. oben) ‘den Geist betreffend, immateriell’ (im Gegensatz zu natürlich, körperlich, stofflich) als auch die des heutigen geistlich ‘die Religion betreffend’ (Gegensatz zu weltlich); vgl. geistliche und weltliche Lieder, geistlicher Stand ‘Priesterschaft’ (15. Jh.) sowie Geistlicher m. ‘Kleriker, Priester’ (15. Jh.), mhd. meist noch geistlīche liute. Eine deutliche Scheidung zwischen beiden Wörtern vollzieht sich erst nach dem 18. Jh. Geistlichkeit f. ‘Klerus, Priesterschaft’ (15. Jh.), spätmhd. geistlīcheit ‘die Immaterialität mystischen Versenkens’, auch Gegensatz zu Weltlichkeit; in den Vokabularen des 15. Jhs. Übersetzungswort für lat. religio. geisterhaft Adj. ‘gespenstisch’ (18. Jh.). geistesabwesend Part.adj. ‘zerstreut, mit den Gedanken nicht bei der Sache’ (19. Jh.), Rückbildung aus dem Substantiv Geistesabwesenheit f. ‘Zerstreutheit’ (19. Jh.), Übersetzung von frz. absence d’esprit; Gegensatz Geistesgegenwart f. ‘schnelle Reaktionsfähigkeit, Schlagfertigkeit’ (18. Jh.), nach frz. présence d’esprit; geistesgegenwärtig Adj. (19. Jh.). geisteskrank Adj. ‘geistigseelisch krank, verwirrt’ (19. Jh.). Geisteswissenschaften Plur. sich mit Kultur und dem geistigen Leben befassende Wissenschaften (19. Jh.). geistlos Adj. ‘geistig anspruchslos, dumm’ (18. Jh.); vgl. mhd. geist(e)lōs ‘leblos’. geistreich Adj. ‘gescheit, spritzig, niveauvoll’ (16. Jh.), spätmhd. geist(e)rīch (14. Jh., Mystiker) ‘vom heiligen Geist erfüllt’ (noch bei Luther). Der heutige Gebrauch verbreitet sich seit dem 17. Jh. unter Einfluß von frz. spirituel. entgeistern Vb. ‘des Lebens berauben’ (17. Jh.), meist entgeistert Part.adj. ‘fassungslos, überrascht’ (17. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Geist‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Geist‹.

Verwendungsbeispiele für ›Geist‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zusammen symbolisieren sie damit noch einmal den Weg des Geistes. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 89]
Darin also kann die »glückliche Ehe mit dem Geist« nicht bestehen. [Jonas, Hans: Das Prinzip der Verantwortung, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1979, S. 344]
Er war froh, den Geistern, die er gerufen hatte, glücklich entronnen zu sein. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 239]
Eine Philosophie aus dem Geist des Ja umfaßt auch das Ja zum Nein. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 19]
Ihre Produktion jedenfalls widerspricht dem Geist des Buches im Kern. [Die Zeit, 09.03.2000, Nr. 11]
Zitationshilfe
„Geist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Geist#1>.

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Geist, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Geist(e)s · Nominativ Plural: Geiste
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Geist‹ als Erstglied: geistig2  ·  mit ›Geist‹ als Letztglied: Aprikosengeist · Himbeergeist · Holzgeist · Karmelitergeist · Kirschgeist · Marillengeist · Melissengeist · Mirabellengeist · Obstgeist · Pfirsichgeist · Salmiakgeist · Weingeist
eWDG

Bedeutung

wasserheller Edelbranntwein, der durch Destillieren von Früchten gewonnen wird, die mit Alkohol angesetzt wurden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geist · geistern · geistig · durchgeistigt · geistlich · Geistlicher · Geistlichkeit · geisterhaft · geistesabwesend · Geistesabwesenheit · Geistesgegenwart · geistesgegenwärtig · geisteskrank · Geisteswissenschaften · geistlos · geistreich · entgeistern · entgeistert
Geist m. ‘Hauch, Atem, menschliches Denk- und Erkenntnisvermögen, Esprit, idealistisches schöpferisches Prinzip, Gespenst’, ahd. geist (8. Jh.; nur in der Übersetzung für lat. spīritus), mhd. geist, asächs. mnd. gēst, mnl. gheest, nl. geest, afries. gāst, aengl. gāst, engl. ghost (westgerm. *gaista-) sind Bildungen mit Dentalsuffix zu einer s-Erweiterung ie. *g̑heis- ‘aufgebracht, bestürzt, erschreckt (sein)’. Germ. Verwandte sind aengl. gǣstan ‘in Schrecken versetzen’, engl. ghastly ‘gräßlich, entsetzlich, furchtbar’ und (ohne Dentalsuffix) got. usgeisnan ‘erschrecken’ (intransitiv), usgaisjan ‘erschrecken’ (transitiv) sowie vielleicht anord. geiskafullr ‘voll Schrecken’, geiski ‘Schrecken’; außergerm. sind aind. hīḍ- ‘zürnen’, hḗḍa-, hḗḍas- ‘(Götter)zorn’ und (ohne Dental) awest. zaēša- ‘schauderhaft’ vergleichbar. Im Germ. bedeutet Geist danach ursprünglich soviel wie ‘Ekstase’ und (wenn auch nur noch aengl., nicht aber ahd. und asächs. bezeugt) ‘Gespenst, Geist, übersinnliches Wesen’ (in dieser Verwendung erst wieder mhd.). Als Übersetzung von lat. spīritus ‘Hauch, Atem, Geist, Seele’, das seinerseits von griech. pné͞uma (πνεῦμα) ‘Hauch, Atem, Leben, Geist’ beeinflußt ist, wird ahd. geist mit christlichen Vorstellungen erfüllt und durch die angelsächsische Mission von Fulda aus in der dt. Kirchensprache verbreitet, vgl. aengl. sē hālga gāst (engl. the Holy Ghost), danach ahd. (frk.) ther heilago geist (9. Jh.), nhd. der Heilige Geist, für lat. spīritus sānctus, griech. hágion pné͞uma (ἅγιον πνεῦμα) der Kirchensprache. Die auf obd. Gebiet durch die gotische Mission entstandene Übersetzung ahd. ther wīho ātum vermag sich nicht durchzusetzen. Erst im 18. Jh. wird Geist unter dem Einfluß von frz. esprit zum Ausdruck einer besonderen Fähigkeit, der Gewandtheit, Leichtigkeit des Denkens, des Scharfsinns, des Einfallsreichtums und bezeichnet schließlich das denkende, erkennende Bewußtsein des Menschen. Nach dem Vorbild von lat. spīritus und frz. esprit wird Geist auch im Sinne von ‘flüchtige Essenz, Alkohol’ gebraucht (18. Jh.). geistern Vb. ‘als Geist, wie ein Geist herumgehen, spuken’ (19. Jh.), älter ‘begeistern’ (17. Jh.). geistig Adj. ‘auf das Denkvermögen, die Verstandeskräfte bezogen, Verstand besitzend, klug’. Vereinzeltes spätmhd. geistec ‘von Geist beseelt’ wird bald von geistlich (s. unten) verdrängt. Erst im 17. Jh. ist geistig wieder bezeugt im Sinne von ‘witzig, erfinderisch, geistreich’, steht dann im Gegensatz zu körperlich, stofflich und nimmt im 18. Jh. die oben genannte Bedeutung an; daneben auch ‘alkoholisch’ (ebenfalls 18. Jh.). durchgeistigt Part.adj. ‘geistvoll, von Geist durchdrungen’ (19. Jh.). geistlich Adj. ‘religiöse Dinge betreffend’, ahd. geistlīh, Übersetzung von lat. spīrituālis (8. Jh.), mhd. geistlich, auch ‘fromm’, asächs. gēstlīk, nl. geestelijk, aengl. gāstlic, engl. ghostly (auch ‘geisterhaft’). Ursprünglich vereint dieses Adjektiv sowohl die Bedeutung des erst im 18. Jh. geläufigen geistig (s. oben) ‘den Geist betreffend, immateriell’ (im Gegensatz zu natürlich, körperlich, stofflich) als auch die des heutigen geistlich ‘die Religion betreffend’ (Gegensatz zu weltlich); vgl. geistliche und weltliche Lieder, geistlicher Stand ‘Priesterschaft’ (15. Jh.) sowie Geistlicher m. ‘Kleriker, Priester’ (15. Jh.), mhd. meist noch geistlīche liute. Eine deutliche Scheidung zwischen beiden Wörtern vollzieht sich erst nach dem 18. Jh. Geistlichkeit f. ‘Klerus, Priesterschaft’ (15. Jh.), spätmhd. geistlīcheit ‘die Immaterialität mystischen Versenkens’, auch Gegensatz zu Weltlichkeit; in den Vokabularen des 15. Jhs. Übersetzungswort für lat. religio. geisterhaft Adj. ‘gespenstisch’ (18. Jh.). geistesabwesend Part.adj. ‘zerstreut, mit den Gedanken nicht bei der Sache’ (19. Jh.), Rückbildung aus dem Substantiv Geistesabwesenheit f. ‘Zerstreutheit’ (19. Jh.), Übersetzung von frz. absence d’esprit; Gegensatz Geistesgegenwart f. ‘schnelle Reaktionsfähigkeit, Schlagfertigkeit’ (18. Jh.), nach frz. présence d’esprit; geistesgegenwärtig Adj. (19. Jh.). geisteskrank Adj. ‘geistigseelisch krank, verwirrt’ (19. Jh.). Geisteswissenschaften Plur. sich mit Kultur und dem geistigen Leben befassende Wissenschaften (19. Jh.). geistlos Adj. ‘geistig anspruchslos, dumm’ (18. Jh.); vgl. mhd. geist(e)lōs ‘leblos’. geistreich Adj. ‘gescheit, spritzig, niveauvoll’ (16. Jh.), spätmhd. geist(e)rīch (14. Jh., Mystiker) ‘vom heiligen Geist erfüllt’ (noch bei Luther). Der heutige Gebrauch verbreitet sich seit dem 17. Jh. unter Einfluß von frz. spirituel. entgeistern Vb. ‘des Lebens berauben’ (17. Jh.), meist entgeistert Part.adj. ‘fassungslos, überrascht’ (17. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Geist‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Geist‹.

Verwendungsbeispiele für ›Geist‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zusammen symbolisieren sie damit noch einmal den Weg des Geistes. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 89]
Darin also kann die »glückliche Ehe mit dem Geist« nicht bestehen. [Jonas, Hans: Das Prinzip der Verantwortung, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1979, S. 344]
Er war froh, den Geistern, die er gerufen hatte, glücklich entronnen zu sein. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 239]
Eine Philosophie aus dem Geist des Ja umfaßt auch das Ja zum Nein. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 19]
Ihre Produktion jedenfalls widerspricht dem Geist des Buches im Kern. [Die Zeit, 09.03.2000, Nr. 11]
Zitationshilfe
„Geist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Geist#2>.

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