Geist, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Geist(e)s · Nominativ Plural: Geister
Aussprache
Wortbildung mit ›Geist‹ als Erstglied: ↗Geistchen · ↗Geisterbahn · ↗Geisterbanner · ↗Geisterbeschwörer · ↗Geisterbeschwörung · ↗Geisterbild · ↗Geisterchor · ↗Geisterdorf · ↗Geistererscheinung · ↗Geisterfahrer · ↗Geisterfahrt · ↗Geistergeschichte · ↗Geisterglaube · ↗Geisterglauben · ↗Geisterhand · ↗Geistermannschaft · ↗Geistermusik · ↗Geisterreich · ↗Geisterschar · ↗Geisterschiff · ↗Geisterschreiber · ↗Geisterseher · ↗Geisterspiel · ↗Geisterspuk · ↗Geisterstadt · ↗Geisterstimme · ↗Geisterstunde · ↗Geisterwelt · ↗Geisterzug · ↗Geistesabwesenheit · ↗Geistesadel · ↗Geistesakrobat · ↗Geistesakrobatik · ↗Geistesanlage · ↗Geistesanstrengung · ↗Geistesarbeit · ↗Geistesarbeiter · ↗Geistesaristokratie · ↗Geistesarmut · ↗Geistesart · ↗Geistesbeschränktheit · ↗Geistesbildung · ↗Geistesblitz · ↗Geistesblüte · ↗Geistesflug · ↗Geistesfreundschaft · ↗Geistesfrische · ↗Geistesfrühling · ↗Geistesfunke · ↗Geistesfunken · ↗Geistesfürst · ↗Geistesgabe · ↗Geistesgegenwart · ↗Geistesgeschichte · ↗Geistesgröße · ↗Geistesgut · ↗Geisteshaltung · ↗Geistesheroe · ↗Geistesheros · ↗Geisteskraft · ↗Geisteskranke · ↗Geisteskrankheit · ↗Geistesleben · ↗Geistesnahrung · ↗Geistesprodukt · ↗Geistesrichtung · ↗Geistesriese · ↗Geistesschaffen · ↗Geistesschaffende · ↗Geistesschwäche · ↗Geistesschärfe · ↗Geistesströmung · ↗Geistesstärke · ↗Geistesstörung · ↗Geistestat · ↗Geistesträgheit · ↗Geistestätigkeit · ↗Geistesverfassung · ↗Geistesverwandte · ↗Geistesverwandtschaft · ↗Geisteswelt · ↗Geisteswissenschaft · ↗Geisteswissenschaftler · ↗Geisteszerrüttung · ↗Geisteszustand · ↗Geistheiler · ↗Geistheilung · ↗Geistseele · ↗Geistwesen · ↗geistarm · ↗geistbildend · ↗geisterbleich · ↗geisterhaft · ↗geistesabwesend · ↗geistesarm · ↗geistesfeindlich · ↗geistesgestört · ↗geisteskrank · ↗geistesschwach · ↗geistesträg · ↗geistesträge · ↗geistesverwandt · ↗geistfeindlich · ↗geistfreundlich · ↗geistig1 · ↗geistlich · ↗geistlos · ↗geistreich · ↗geistsprühend · ↗geisttötend · ↗geistvoll
 ·  mit ›Geist‹ als Letztglied: ↗Abenteuergeist · ↗Abenteurergeist · ↗Angriffsgeist · ↗Astralgeist · ↗Bekennergeist · ↗Berggeist · ↗Brunnengeist · ↗Burggeist · ↗Corpsgeist · ↗Dengelgeist · ↗Dichtergeist · ↗Elementargeist · ↗Entdeckergeist · ↗Erdgeist · ↗Erfindergeist · ↗Eroberungsgeist · ↗Feingeist · ↗Feuergeist · ↗Flaschengeist · ↗Flattergeist · ↗Forschergeist · ↗Freigeist · ↗Gemeingeist · ↗Gemeinschaftsgeist · ↗Geschäftsgeist · ↗Handelsgeist · ↗Hausgeist · ↗Heldengeist · ↗Höllengeist · ↗Kameradschaftsgeist · ↗Kampfgeist · ↗Kastengeist · ↗Kaufmannsgeist · ↗Klassengeist · ↗Kleingeist · ↗Klopfgeist · ↗Kollektivgeist · ↗Kommissgeist · ↗Korpsgeist · ↗Krämergeist · ↗Lebensgeist · ↗Luftgeist · ↗Mannschaftsgeist · ↗Menschengeist · ↗Nationalgeist · ↗Opfergeist · ↗Oppositionsgeist · ↗Pioniergeist · ↗Plagegeist · ↗Poltergeist · ↗Quälgeist · ↗Revanchegeist · ↗Schutzgeist · ↗Schwarmgeist · ↗Schwindelgeist · ↗Schöngeist · ↗Schöpfergeist · ↗Sportgeist · ↗Sportsgeist · ↗Spukgeist · ↗Teamgeist · ↗Ungeist · ↗Unternehmergeist · ↗Unternehmungsgeist · ↗Untertanengeist · ↗Volksgeist · ↗Waldgeist · ↗Wassergeist · ↗Weltgeist · ↗Widerspruchsgeist · ↗Widerstandsgeist · ↗Zeitgeist · ↗Zunftgeist
 ·  mit ›Geist‹ als Grundform: ↗geistern  ·  formal verwandt mit: ↗entgeistert
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
nur im Singular
menschlicher Verstand, Denkvermögen
Beispiele:
er hat einen scharfen, überlegenen, kühnen, wachen, umfassenden, unruhigen, schöpferischen, einfachen, schlichten, schnellen, langsamen, prosaischen, aufsässigen Geist
abwesenden Geistes
das Feuer, die Trägheit, Lebhaftigkeit des Geistes
der Abgrund des menschlichen Geistes
den Geist bilden, sammeln, lähmen
salopp den Geist strapazieren
etw. umnebelt, vernebelt jmds. Geist
gehoben etw. beflügelt den Geist
gehoben der Geist schwingt sich empor
jmds. Geist verwirrt sich
jmds. Geist ist gestört
sprichwörtlich der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach (= ein guter Vorsatz ist oft aus menschlicher Schwäche nicht auszuführen)
Sein beweglicher und lebendiger, obschon etwas flacher Geist war für literarische und philosophische Arbeiten wie geschaffen [MehringLessing-Legende146]
die Gedanken
Beispiele:
etw. zieht vor jmds. Geist vorüber
im Geiste bei jmdm. sein
etw. nimmt in jmds. Geist Form, Gestalt an
a)
Scharfsinn, Esprit
Beispiele:
ein Mann von Geist
ein Mensch geschliffenen, sprühenden Geistes
er hat Geist
viel, keinen Geist haben
jmds. Geist bewundern
eine Unterhaltung voller Geist
Nachahmer ohne Geist
Mangel an Geist
b)
Marxismus das Produkt der am höchsten entwickelten Materie
Beispiel:
für das höchste Produkt der organischen Materie, den menschlichen Geist [EngelsDialektik d. Natur10]
2.
nur im Plural
Beispiele:
hier scheiden sich die Geister (= gehen die Meinungen scharf auseinander)
die Geister stießen, prallten scharf aufeinander
3.
Mensch
a)
meist mit Attribut
Mensch von außergewöhnlichen Verstandesgaben, bedeutender Mensch
Beispiele:
jmdn. als feinen Geist bewundern
führende Geister
er ist nur ein kleiner Geist
umgangssprachlich, scherzhaft große Geister stört das nicht (= mich, dich, ihn stört das nicht)
Ihnen wurden Kenntnisse vorenthalten, die kühne Geister des neunzehnten Jahrhunderts den Eingeweihten erobert hatten [A. ZweigJunge Frau179]
Da preist man uns das Leben großer Geister [BrechtDreigroschenoperII 3]
b)
nur mit Attribut
umgangssprachlich
Beispiele:
ein dienstbarer Geist (= Dienstbote)
die Mutter war der gute Geist des Hauses
kleine Geister (= kleine Kinder)
das Kind ist ein unruhiger Geist
4.
nur im Singular
Sinn
Beispiele:
die Begegnung verlief im Geiste der Freundschaft
in jmds. Geiste handeln
in den Geist eines Dramas eindringen
Gesinnung
Beispiele:
der Geist der Empörung, Freiheit, des Widerspruchs
der Geist des Revanchismus
innere geistige Haltung
Beispiele:
der Geist einer Zeit, Sprache, eines Heeres
in dieser Klasse herrscht ein guter, schlechter Geist
der olympische Geist
entgegen allem sportlichen Geist
revolutionärer, progressiver Geist
umgangssprachlich wir merkten bald, wes Geistes Kind er ist (= wie er ist)
Nichts war mehr zu verspüren von dem neuen und frischen Geiste, mit dem der junge Thomas Buddenbrook einst den Betrieb belebt hatte [Th. MannBuddenbrooks1,480]
5.
nur im Singular
a)
Philosophie das objektive schöpferische ursprüngliche Prinzip, mit dem die Existenz und Beschaffenheit der materiellen Welt erklärt werden
b)
Religion
Beispiele:
der Geist Gottes
der Heilige Geist (= Teil der Dreieinigkeit)
die Ausgießung des Heiligen Geistes
Seele
Beispiel:
gehoben, verhüllend den Geist aufgeben (= sterben)
6.
Gespenst, (unsichtbare) Spukgestalt
Beispiele:
ich glaube nicht an Geister
Geister gehen in der Schlossruine um
ein böser, verwunschener Geist
von Geistern besessen sein, verfolgt werden
Geister beschwören, bannen
umgangssprachlich er war von allen guten Geistern verlassen (= aller Vernunft beraubt)
wie ein Geist (= blass, abgehärmt) aussehen
Die ich rief, die Geister, / Werd ich nun nicht los [GoetheZauberlehrl.]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geist · geistern · geistig · durchgeistigt · geistlich · Geistlicher · Geistlichkeit · geisterhaft · geistesabwesend · Geistesabwesenheit · Geistesgegenwart · geistesgegenwärtig · geisteskrank · Geisteswissenschaften · geistlos · geistreich · entgeistern · entgeistert
Geist m. ‘Hauch, Atem, menschliches Denk- und Erkenntnisvermögen, Esprit, idealistisches schöpferisches Prinzip, Gespenst’, ahd. geist (8. Jh.; nur in der Übersetzung für lat. spīritus), mhd. geist, asächs. mnd. gēst, mnl. gheest, nl. geest, afries. gāst, aengl. gāst, engl. ghost (westgerm. *gaista-) sind Bildungen mit Dentalsuffix zu einer s-Erweiterung ie. *g̑heis- ‘aufgebracht, bestürzt, erschreckt (sein)’. Germ. Verwandte sind aengl. gǣstan ‘in Schrecken versetzen’, engl. ghastly ‘gräßlich, entsetzlich, furchtbar’ und (ohne Dentalsuffix) got. usgeisnan ‘erschrecken’ (intransitiv), usgaisjan ‘erschrecken’ (transitiv) sowie vielleicht anord. geiskafullr ‘voll Schrecken’, geiski ‘Schrecken’; außergerm. sind aind. hīḍ- ‘zürnen’, hḗḍa-, hḗḍas- ‘(Götter)zorn’ und (ohne Dental) awest. zaēša- ‘schauderhaft’ vergleichbar. Im Germ. bedeutet Geist danach ursprünglich soviel wie ‘Ekstase’ und (wenn auch nur noch aengl., nicht aber ahd. und asächs. bezeugt) ‘Gespenst, Geist, übersinnliches Wesen’ (in dieser Verwendung erst wieder mhd.). Als Übersetzung von lat. spīritus ‘Hauch, Atem, Geist, Seele’, das seinerseits von griech. pné͞uma (πνεῦμα) ‘Hauch, Atem, Leben, Geist’ beeinflußt ist, wird ahd. geist mit christlichen Vorstellungen erfüllt und durch die angelsächsische Mission von Fulda aus in der dt. Kirchensprache verbreitet, vgl. aengl. sē hālga gāst (engl. the Holy Ghost), danach ahd. (frk.) ther heilago geist (9. Jh.), nhd. der Heilige Geist, für lat. spīritus sānctus, griech. hágion pné͞uma (ἅγιον πνεῦμα) der Kirchensprache. Die auf obd. Gebiet durch die gotische Mission entstandene Übersetzung ahd. ther wīho ātum vermag sich nicht durchzusetzen. Erst im 18. Jh. wird Geist unter dem Einfluß von frz. esprit zum Ausdruck einer besonderen Fähigkeit, der Gewandtheit, Leichtigkeit des Denkens, des Scharfsinns, des Einfallsreichtums und bezeichnet schließlich das denkende, erkennende Bewußtsein des Menschen. Nach dem Vorbild von lat. spīritus und frz. esprit wird Geist auch im Sinne von ‘flüchtige Essenz, Alkohol’ gebraucht (18. Jh.). geistern Vb. ‘als Geist, wie ein Geist herumgehen, spuken’ (19. Jh.), älter ‘begeistern’ (17. Jh.). geistig Adj. ‘auf das Denkvermögen, die Verstandeskräfte bezogen, Verstand besitzend, klug’. Vereinzeltes spätmhd. geistec ‘von Geist beseelt’ wird bald von geistlich (s. unten) verdrängt. Erst im 17. Jh. ist geistig wieder bezeugt im Sinne von ‘witzig, erfinderisch, geistreich’, steht dann im Gegensatz zu körperlich, stofflich und nimmt im 18. Jh. die oben genannte Bedeutung an; daneben auch ‘alkoholisch’ (ebenfalls 18. Jh.). durchgeistigt Part.adj. ‘geistvoll, von Geist durchdrungen’ (19. Jh.). geistlich Adj. ‘religiöse Dinge betreffend’, ahd. geistlīh, Übersetzung von lat. spīrituālis (8. Jh.), mhd. geistlich, auch ‘fromm’, asächs. gēstlīk, nl. geestelijk, aengl. gāstlic, engl. ghostly (auch ‘geisterhaft’). Ursprünglich vereint dieses Adjektiv sowohl die Bedeutung des erst im 18. Jh. geläufigen geistig (s. oben) ‘den Geist betreffend, immateriell’ (im Gegensatz zu natürlich, körperlich, stofflich) als auch die des heutigen geistlich ‘die Religion betreffend’ (Gegensatz zu weltlich); vgl. geistliche und weltliche Lieder, geistlicher Stand ‘Priesterschaft’ (15. Jh.) sowie Geistlicher m. ‘Kleriker, Priester’ (15. Jh.), mhd. meist noch geistlīche liute. Eine deutliche Scheidung zwischen beiden Wörtern vollzieht sich erst nach dem 18. Jh. Geistlichkeit f. ‘Klerus, Priesterschaft’ (15. Jh.), spätmhd. geistlīcheit ‘die Immaterialität mystischen Versenkens’, auch Gegensatz zu Weltlichkeit; in den Vokabularen des 15. Jhs. Übersetzungswort für lat. religio. geisterhaft Adj. ‘gespenstisch’ (18. Jh.). geistesabwesend Part.adj. ‘zerstreut, mit den Gedanken nicht bei der Sache’ (19. Jh.), Rückbildung aus dem Substantiv Geistesabwesenheit f. ‘Zerstreutheit’ (19. Jh.), Übersetzung von frz. absence d’esprit; Gegensatz Geistesgegenwart f. ‘schnelle Reaktionsfähigkeit, Schlagfertigkeit’ (18. Jh.), nach frz. présence d’esprit; geistesgegenwärtig Adj. (19. Jh.). geisteskrank Adj. ‘geistigseelisch krank, verwirrt’ (19. Jh.). Geisteswissenschaften Plur. sich mit Kultur und dem geistigen Leben befassende Wissenschaften (19. Jh.). geistlos Adj. ‘geistig anspruchslos, dumm’ (18. Jh.); vgl. mhd. geist(e)lōs ‘leblos’. geistreich Adj. ‘gescheit, spritzig, niveauvoll’ (16. Jh.), spätmhd. geist(e)rīch (14. Jh., Mystiker) ‘vom heiligen Geist erfüllt’ (noch bei Luther). Der heutige Gebrauch verbreitet sich seit dem 17. Jh. unter Einfluß von frz. spirituel. entgeistern Vb. ‘des Lebens berauben’ (17. Jh.), meist entgeistert Part.adj. ‘fassungslos, überrascht’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(unheimliches o.ä.) Wesen · Geist · ↗Gespenst · ↗Phantom · ↗Spirit · ↗Spuk · ↗Spukgestalt  ●  ↗Manen  ugs., Plural
Oberbegriffe
  • Fabelwesen · Fantasiegeschöpf · Phantasiegeschöpf · übernatürliches Wesen
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Denkfähigkeit · ↗Denkvermögen · Geist · ↗Geisteskraft · ↗Intelligenz · ↗Klugheit · ↗Scharfsinn · ↗Scharfsinnigkeit · ↗Vernunft · ↗Verstand  ●  ↗Gehirnschmalz  ugs. · ↗Grips  ugs. · ↗Grütze  ugs. · ↗Köpfchen  ugs.
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Unterbegriffe
  • Herzgehirn · Herzintelligenz
Assoziationen
Synonymgruppe
Esprit · Geist · ↗Witz
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bruder Buchstabe Freiheit Geist Körper Macht Materie Natur Phänomenologie Seele Versöhnung atmen aufgeben beschwören bös böse cheiden dienstbar frei heilig kritisch liberal menschlich objektiv olympisch scheiden unruhig vertreiben wehen widersprechen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Geist‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn es ist einfacher, den Import südafrikanischer Waren zu verbieten als den Import südafrikanischen Geistes.
Der Spiegel, 15.09.1986
Das hätte dem Geist unserer Verfassung wie auch den demokratisch-parlamentarischen Traditionen entsprochen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1972]
Die Geister wirken, wie alle anderen Wesen, nicht schlechthin regellos.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 236
Die Entwicklung des menschlichen Geistes in seinen höchsten Äußerungen will man darstellen; die Entwicklung von Worten will man in Worten abbilden.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 26720
Neben dem Kampf der Pressen aber wogte der Kampf der Geister.
Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1909], S. 27749
Zitationshilfe
„Geist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Geist#1>, abgerufen am 10.12.2018.

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Geist, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Geist(e)s · Nominativ Plural: Geiste
Aussprache
Wortbildung mit ›Geist‹ als Erstglied: ↗geistig2  ·  mit ›Geist‹ als Letztglied: ↗Aprikosengeist · ↗Himbeergeist · ↗Holzgeist · ↗Karmelitergeist · ↗Kirschgeist · ↗Marillengeist · ↗Melissengeist · ↗Mirabellengeist · ↗Obstgeist · ↗Pfirsichgeist · ↗Salmiakgeist · ↗Weingeist
eWDG, 1967

Bedeutung

wasserheller Edelbranntwein, der durch Destillieren von Früchten gewonnen wird, die mit Alkohol angesetzt wurden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geist · geistern · geistig · durchgeistigt · geistlich · Geistlicher · Geistlichkeit · geisterhaft · geistesabwesend · Geistesabwesenheit · Geistesgegenwart · geistesgegenwärtig · geisteskrank · Geisteswissenschaften · geistlos · geistreich · entgeistern · entgeistert
Geist m. ‘Hauch, Atem, menschliches Denk- und Erkenntnisvermögen, Esprit, idealistisches schöpferisches Prinzip, Gespenst’, ahd. geist (8. Jh.; nur in der Übersetzung für lat. spīritus), mhd. geist, asächs. mnd. gēst, mnl. gheest, nl. geest, afries. gāst, aengl. gāst, engl. ghost (westgerm. *gaista-) sind Bildungen mit Dentalsuffix zu einer s-Erweiterung ie. *g̑heis- ‘aufgebracht, bestürzt, erschreckt (sein)’. Germ. Verwandte sind aengl. gǣstan ‘in Schrecken versetzen’, engl. ghastly ‘gräßlich, entsetzlich, furchtbar’ und (ohne Dentalsuffix) got. usgeisnan ‘erschrecken’ (intransitiv), usgaisjan ‘erschrecken’ (transitiv) sowie vielleicht anord. geiskafullr ‘voll Schrecken’, geiski ‘Schrecken’; außergerm. sind aind. hīḍ- ‘zürnen’, hḗḍa-, hḗḍas- ‘(Götter)zorn’ und (ohne Dental) awest. zaēša- ‘schauderhaft’ vergleichbar. Im Germ. bedeutet Geist danach ursprünglich soviel wie ‘Ekstase’ und (wenn auch nur noch aengl., nicht aber ahd. und asächs. bezeugt) ‘Gespenst, Geist, übersinnliches Wesen’ (in dieser Verwendung erst wieder mhd.). Als Übersetzung von lat. spīritus ‘Hauch, Atem, Geist, Seele’, das seinerseits von griech. pné͞uma (πνεῦμα) ‘Hauch, Atem, Leben, Geist’ beeinflußt ist, wird ahd. geist mit christlichen Vorstellungen erfüllt und durch die angelsächsische Mission von Fulda aus in der dt. Kirchensprache verbreitet, vgl. aengl. sē hālga gāst (engl. the Holy Ghost), danach ahd. (frk.) ther heilago geist (9. Jh.), nhd. der Heilige Geist, für lat. spīritus sānctus, griech. hágion pné͞uma (ἅγιον πνεῦμα) der Kirchensprache. Die auf obd. Gebiet durch die gotische Mission entstandene Übersetzung ahd. ther wīho ātum vermag sich nicht durchzusetzen. Erst im 18. Jh. wird Geist unter dem Einfluß von frz. esprit zum Ausdruck einer besonderen Fähigkeit, der Gewandtheit, Leichtigkeit des Denkens, des Scharfsinns, des Einfallsreichtums und bezeichnet schließlich das denkende, erkennende Bewußtsein des Menschen. Nach dem Vorbild von lat. spīritus und frz. esprit wird Geist auch im Sinne von ‘flüchtige Essenz, Alkohol’ gebraucht (18. Jh.). geistern Vb. ‘als Geist, wie ein Geist herumgehen, spuken’ (19. Jh.), älter ‘begeistern’ (17. Jh.). geistig Adj. ‘auf das Denkvermögen, die Verstandeskräfte bezogen, Verstand besitzend, klug’. Vereinzeltes spätmhd. geistec ‘von Geist beseelt’ wird bald von geistlich (s. unten) verdrängt. Erst im 17. Jh. ist geistig wieder bezeugt im Sinne von ‘witzig, erfinderisch, geistreich’, steht dann im Gegensatz zu körperlich, stofflich und nimmt im 18. Jh. die oben genannte Bedeutung an; daneben auch ‘alkoholisch’ (ebenfalls 18. Jh.). durchgeistigt Part.adj. ‘geistvoll, von Geist durchdrungen’ (19. Jh.). geistlich Adj. ‘religiöse Dinge betreffend’, ahd. geistlīh, Übersetzung von lat. spīrituālis (8. Jh.), mhd. geistlich, auch ‘fromm’, asächs. gēstlīk, nl. geestelijk, aengl. gāstlic, engl. ghostly (auch ‘geisterhaft’). Ursprünglich vereint dieses Adjektiv sowohl die Bedeutung des erst im 18. Jh. geläufigen geistig (s. oben) ‘den Geist betreffend, immateriell’ (im Gegensatz zu natürlich, körperlich, stofflich) als auch die des heutigen geistlich ‘die Religion betreffend’ (Gegensatz zu weltlich); vgl. geistliche und weltliche Lieder, geistlicher Stand ‘Priesterschaft’ (15. Jh.) sowie Geistlicher m. ‘Kleriker, Priester’ (15. Jh.), mhd. meist noch geistlīche liute. Eine deutliche Scheidung zwischen beiden Wörtern vollzieht sich erst nach dem 18. Jh. Geistlichkeit f. ‘Klerus, Priesterschaft’ (15. Jh.), spätmhd. geistlīcheit ‘die Immaterialität mystischen Versenkens’, auch Gegensatz zu Weltlichkeit; in den Vokabularen des 15. Jhs. Übersetzungswort für lat. religio. geisterhaft Adj. ‘gespenstisch’ (18. Jh.). geistesabwesend Part.adj. ‘zerstreut, mit den Gedanken nicht bei der Sache’ (19. Jh.), Rückbildung aus dem Substantiv Geistesabwesenheit f. ‘Zerstreutheit’ (19. Jh.), Übersetzung von frz. absence d’esprit; Gegensatz Geistesgegenwart f. ‘schnelle Reaktionsfähigkeit, Schlagfertigkeit’ (18. Jh.), nach frz. présence d’esprit; geistesgegenwärtig Adj. (19. Jh.). geisteskrank Adj. ‘geistigseelisch krank, verwirrt’ (19. Jh.). Geisteswissenschaften Plur. sich mit Kultur und dem geistigen Leben befassende Wissenschaften (19. Jh.). geistlos Adj. ‘geistig anspruchslos, dumm’ (18. Jh.); vgl. mhd. geist(e)lōs ‘leblos’. geistreich Adj. ‘gescheit, spritzig, niveauvoll’ (16. Jh.), spätmhd. geist(e)rīch (14. Jh., Mystiker) ‘vom heiligen Geist erfüllt’ (noch bei Luther). Der heutige Gebrauch verbreitet sich seit dem 17. Jh. unter Einfluß von frz. spirituel. entgeistern Vb. ‘des Lebens berauben’ (17. Jh.), meist entgeistert Part.adj. ‘fassungslos, überrascht’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(unheimliches o.ä.) Wesen · Geist · ↗Gespenst · ↗Phantom · ↗Spirit · ↗Spuk · ↗Spukgestalt  ●  ↗Manen  ugs., Plural
Oberbegriffe
  • Fabelwesen · Fantasiegeschöpf · Phantasiegeschöpf · übernatürliches Wesen
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Denkfähigkeit · ↗Denkvermögen · Geist · ↗Geisteskraft · ↗Intelligenz · ↗Klugheit · ↗Scharfsinn · ↗Scharfsinnigkeit · ↗Vernunft · ↗Verstand  ●  ↗Gehirnschmalz  ugs. · ↗Grips  ugs. · ↗Grütze  ugs. · ↗Köpfchen  ugs.
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Unterbegriffe
  • Herzgehirn · Herzintelligenz
Assoziationen
Synonymgruppe
Esprit · Geist · ↗Witz
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bruder Buchstabe Freiheit Geist Körper Macht Materie Natur Phänomenologie Seele Versöhnung atmen aufgeben beschwören bös böse cheiden dienstbar frei heilig kritisch liberal menschlich objektiv olympisch scheiden unruhig vertreiben wehen widersprechen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Geist‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn es ist einfacher, den Import südafrikanischer Waren zu verbieten als den Import südafrikanischen Geistes.
Der Spiegel, 15.09.1986
Das hätte dem Geist unserer Verfassung wie auch den demokratisch-parlamentarischen Traditionen entsprochen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1972]
Die Geister wirken, wie alle anderen Wesen, nicht schlechthin regellos.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 236
Die Entwicklung des menschlichen Geistes in seinen höchsten Äußerungen will man darstellen; die Entwicklung von Worten will man in Worten abbilden.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 26720
Neben dem Kampf der Pressen aber wogte der Kampf der Geister.
Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1909], S. 27749
Zitationshilfe
„Geist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Geist#2>, abgerufen am 10.12.2018.

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