Gelichter, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gelichters · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Ge-lich-ter
Wortbildung  mit ›Gelichter‹ als Letztglied: Diebesgelichter · Diebsgelichter
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend Gesindel
Beispiele:
in den Anlagen, auf den Straßen trieb sich nachts allerlei Gelichter herum
dem Gelichter verging beim Herannahen des Funkstreifenwagens jeder Gedanke an Widerstand
der Schutzherr … habe ihn gerade deshalb an diesen sichern Ort gebracht, weil er ihn bewahren wolle vor Räubern und Gelichter [ Feuchtw.Jefta138]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gelichter n. ‘Gesindel’, mhd. gelihter ‘Menschen übereinstimmender Art, Sippe, Zunft’ (der heute verächtliche Sinn entwickelt sich erst im 17. Jh.) wird zumeist unter Voraussetzung einer Ausgangsbedeutung ‘Geschwister’, eigentlich ‘die zur selben Gebärmutter Gehörigen’, zu ahd. lehtar (9. Jh.), gilehtar (10. Jh.) ‘Gebärmutter, Nachgeburt’, eigentlich ‘Ort, wo das Kind liegt’, gestellt, einer Bildung zu dem unter liegen (s. d.) behandelten Verb. Krogmann in: Trübners Dt. Wb. 3, 82 modifiziert diese Herleitung, indem er für ahd. lehtar eine ältere allgemeine Bedeutung ‘Lager’ voraussetzt, entsprechend dem formal genau übereinstimmenden griech. léktron (λέκτρον) ‘Lager, Bett’ und ablautendem anord. lātr ‘Liegestelle, Tierlager’. Die Kollektivbildung Gelichter bezeichnet danach ‘Wesen, die ihr Lager teilen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Plebs · Sippschaft · niederes Volk  ●  White trash  engl. · Abschaum  derb · Asis  derb · Asoziale  derb · Bagage  ugs. · Bodensatz  ugs. · Brut  derb · Gelichter (lit.)  geh., veraltet · Geschmeiß  derb · Gesindel  derb · Gesocks  derb · Gschleaf  ugs., bayr. · Gschwerl  ugs., bayr. · Kanaken  derb · Kroppzeug  derb, norddeutsch · Lumpenpack  derb · Mischpoke  derb, jiddisch · Mob  derb · Pack  derb · Paselacken  derb, ruhrdt. · Pöbel  derb · Volks  ugs., regional, abwertend
Oberbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Gelichter‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wuchert es, so freut sich wiederum nur das internationale vaterlandslose Gelichter. [Die Zeit, 14.05.2003, Nr. 20]
Zum Glück war diesem Gelichter hierzulande das Handwerk gelegt worden. [Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1963], S. 349]
Dies Gelichter sei aus dem Westen eingefallen, schimpfen ostdeutsche Politiker. [Die Zeit, 14.06.1991, Nr. 25]
Und das weihnachtliche Gelichter entpuppt sich als Adventskalender des Entsetzens. [Die Zeit, 16.12.1988, Nr. 51]
Die Figuren verschwinden hinter Glas, man muss durch das Gelichter hindurchsehen, das sich auf der Fläche spiegelt, um sie zu erkennen. [Die Zeit, 18.06.2001, Nr. 25]
Zitationshilfe
„Gelichter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gelichter>.

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