Gemeinde, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gemeinde · Nominativ Plural: Gemeinden
Aussprache
WorttrennungGe-mein-de
Wortbildung mit ›Gemeinde‹ als Erstglied: ↗Gemeindeabgabe · ↗Gemeindeacker · ↗Gemeindeammann · ↗Gemeindeamt · ↗Gemeindearbeit · ↗Gemeindearme · ↗Gemeindeausschuss · ↗Gemeindebann · ↗Gemeindebeamte · ↗Gemeindebedienstete · ↗Gemeindebehörde · ↗Gemeindebeschluss · ↗Gemeindebote · ↗Gemeindediener · ↗Gemeindeebene · ↗Gemeindeflur · ↗Gemeindegesang · ↗Gemeindeglied · ↗Gemeindehaus · ↗Gemeindekasse · ↗Gemeindekindergarten · ↗Gemeindekirchenrat · ↗Gemeindekirchhof · ↗Gemeindekosten · ↗Gemeindekotter · ↗Gemeindeordnung · ↗Gemeindepfleger · ↗Gemeinderat · ↗Gemeindesaal · ↗Gemeindeschwester · ↗Gemeindesteuer · ↗Gemeindesäckel · ↗Gemeindevater · ↗Gemeindeverband · ↗Gemeindeverfassung · ↗Gemeindeversammlung · ↗Gemeindevertreter · ↗Gemeindevertretung · ↗Gemeindeverwaltung · ↗Gemeindevorsitzende · ↗Gemeindevorstand · ↗Gemeindevorsteher · ↗Gemeindewahl · ↗Gemeindeweide · ↗Gemeindeälteste · ↗gemeindeeigen · ↗gemeindlich
 ·  mit ›Gemeinde‹ als Letztglied: ↗Adventgemeinde · ↗Adventsgemeinde · ↗Baptistengemeinde · ↗Basisgemeinde · ↗Brudergemeinde · ↗Brüdergemeinde · ↗Bürgergemeinde · ↗Christengemeinde · ↗Dorfgemeinde · ↗Einheitsgemeinde · ↗Fernsehgemeinde · ↗Glaubensgemeinde · ↗Grenzgemeinde · ↗Hörergemeinde · ↗Judengemeinde · ↗Kirchengemeinde · ↗Kirchgemeinde · ↗Kultusgemeinde · ↗Landgemeinde · ↗Lesergemeinde · ↗Marktgemeinde · ↗Ortsgemeinde · ↗Partnergemeinde · ↗Pfarrgemeinde · ↗Singgemeinde · ↗Spielgemeinde · ↗Standortgemeinde · ↗Synagogengemeinde · ↗Trauergemeinde · ↗Umlandgemeinde · ↗Umlandsgemeinde · ↗Verbandsgemeinde · ↗Wohngemeinde
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
unterste Verwaltungseinheit
a)
des Staates
Beispiele:
eine ländliche, städtische, große, kleine, arme, reiche Gemeinde
benachbarte Gemeinden
die Gemeinde hat 10 000 Einwohner
zu dem Bezirk gehören 650 Gemeinden
der Wald, Grund und Boden, das Haus gehört der Gemeinde
die Einwohnerzahl der Gemeinde ist zurückgegangen, wächst ständig
die Aufgaben, Rechte, Einnahmen, Ausgaben der Gemeinde
in der Gemeinde M wird ein neues Altersheim gebaut, ist Hundesperre wegen Tollwutgefahr
b)
der Kirche, Kirchgemeinde
Beispiele:
eine große, kleine, arme, reiche Gemeinde
die Gemeinde hat einen neuen Pfarrer bekommen
Gottesdienste der Jüdischen Gemeinde werden am Freitag und Sonnabend abgehalten
2.
umgangssprachlich Dienststelle von 1 a
Beispiele:
auf die, zur Gemeinde gehen
eine Auskunft, Genehmigung bei der Gemeinde einholen
eine Anfrage an die Gemeinde richten
3.
Bewohner von 1 a
Beispiel:
die ganze Gemeinde hatte sich nach dem Unwetter an den Aufräumungsarbeiten beteiligt
4.
Mitglieder von 1 b
Beispiel:
die Gemeinde hat einen hohen Betrag für die Renovierung ihrer Kirche gespendet
5.
Personen, die sich zu einem Gottesdienst versammelt haben
Beispiele:
die Gemeinde stimmte einen Choral an, erhob sich zum Gebet
eine andächtige Gemeinde folgte der Predigt
6.
Gemeinschaft von Menschen, die durch gleiche, meist geistige oder religiöse Interessen verbunden sind, Anhängerschaft
Beispiele:
in der Trauerfeier hatte eine große Gemeinde Abschied von dem berühmten Gelehrten genommen
der Künstler hatte eine aufmerksame Gemeinde
die Junge Gemeinde (= Vereinigung junger evangelischer Christen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gemein · Gemeine · Gemeinde · Gemeinheit · gemeinsam · Gemeinsamkeit · Gemeinschaft · gemeinschaftlich · gemeinnützig · Gemeinplatz · Gemeinsprache · Gemeinwohl
gemein Adj. ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich, niedrig gesinnt, niederträchtig, unfein, unanständig’. Das germ. Adjektiv ahd. gimeini ‘zuteil geworden, bestimmt, gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, übereinstimmend, zugleich’ (8. Jh.), mhd. gemein(e) ‘zusammengehörig, gemeinschaftlich, allgemein, vertraut, bekannt, für alle eingerichtet, gewöhnlich, zur Masse gehörig, niedrig’, asächs. gimēni, mnd. gemēne, mnl. ghemēne, ghemeen, ghemein(e), nl. gemeen, auch ‘niedrig, niederträchtig’, afries. (ge)mēne ‘gemeinschaftlich’, aengl. gemǣne ‘allgemein, gemeinsam, gewöhnlich, niedrig’, engl. mean ‘gemein, gering, niedrig, schlecht’, got. gamains ‘gemeinsam, unheilig’ (germ. *ga-maini-) gehört wie lat. commūnis ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich’ (s. ↗Kommune, ↗Kommunismus) als Präfixbildung zu den unter ↗Meineid (s. d.) aufgeführten Substantiven mit n-Suffix und einer Grundbedeutung ‘Wechsel, Tausch’. gemein bedeutet danach ursprünglich ‘mehreren abwechselnd zukommend’, dann ‘mehreren in gleicher Art gehörig’, woraus sich ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein’ entwickelt. Was mehreren oder vielen ‘gemeinsam’ ist, kann nicht ‘wertvoll’ oder ‘edel’ sein; gemein wird daher vom 15. Jh. an ‘einfach, gewöhnlich’ (der gemeine Mann, das gemeine Volk, der gemeine Soldat), im 19. Jh. auch verächtlich ‘niederträchtig, unanständig’ (gemeiner Schuft, Kerl). Gemeine f. ‘Gemeinschaft, Gemeinde’, ahd. gimeinī (9. Jh.), mhd. gemeine, mnd. gemeine, gemēne, got. gamainei ‘Gemeinschaft’, abgeleitet von dem oben dargestellten Adjektiv. Im 19. Jh. weitgehend von Gemeinde abgelöst. Gemeinde f. ‘untere staatliche oder kirchliche Verwaltungseinheit und deren Bewohner bzw. Mitglieder, durch gleiche geistige oder religiöse Interessen verbundene Gemeinschaft, Gruppe von Menschen’, ahd. gimeinida ‘Gemeinde, Gemeinschaft’ (8. Jh.), mhd. gemeinde ‘Anteil, Gemeinschaft, gemeinschaftlicher Besitz, Menschen, mit denen man gemeinsam lebt, versammelte Menge’, asächs. gimēniða, mnd. gemēnde, mnl. ghemeente, ghemeinte, nl. gemeente, Ableitung mit dem Abstraktsuffix germ. -iþō, -iðō vom oben genannten Adjektiv. Gemeinheit f. ‘Niedertracht, Schlechtigkeit’ (Anfang 19. Jh.), mhd. gemeinheit ‘Gemeinschaft, der Gemeinde gehörender Grund und Boden’ (14. Jh.), im Sinne von ‘Gemeindegrund’ noch im 19. Jh., von ‘Gemeinschaft’ noch Anfang 20. Jh. Zum Ableitungssuffix s. ↗-heit. gemeinsam Adj. ‘mehreren zugleich gehörend, für mehrere in gleicher Weise geltend, gemeinschaftlich, zusammen, miteinander’, ahd. gimeinsam (9. Jh.), mhd. gemeinsam; zum Ableitungssuffix s. ↗-sam. Gemeinsamkeit f. ‘zusammengehörende Gruppe, Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit’ (15. Jh.). Voraus gehen ahd. gimeinsamī ‘Gemeinschaft’ (um 800), mhd. gemeinsame, gemeinsamede. Gemeinschaft f. ‘sich durch etw. Gemeinsames verbunden fühlende Gruppe von Menschen, Zusammensein, Verbindung’, ahd. gimeinscaf (8. Jh.), mhd. gemeinschaft. gemeinschaftlich Adj. ‘eine Gemeinschaft betreffend, zu einer Gemeinschaft gehörig, gemeinsam, zusammen, miteinander’ (17. Jh.). gemeinnützig Adj. ‘dem Nutzen aller, der Allgemeinheit dienend’ (16. Jh.), ausgehend von mhd. der gemein nutz (14. Jh.). Gemeinplatz m. ‘allgemein bekannte, nichtssagende Redensart, Binsenweisheit’, von Wieland (1770) offensichtlich unter Einfluß von engl. commonplace gebildet und sich gegenüber Gemeinort, Gemeinsatz, Gemeinspruch durchsetzend als Übersetzung von lat. locus commūnis. Gemeinsprache f. ‘von einem Volk gemeinsam gesprochene, ihm gemeinsam zukommende Sprache’ (Campe 1807); vgl. gemeine teutsche Sprache (Luther). Gemeinwohl n. ‘Wohl aller, Nutzen für die Allgemeinheit’ (Ende 18. Jh.), wohl nach engl. commonweal für den älteren im Dt. üblichen Ausdruck das gemeine Gut; vgl. Gemeinwert (Herder 1780) für engl. commonwealth (ursprünglich gleichbed. mit commonweal).

Thesaurus

Religion
Synonymgruppe
Gemeinde · ↗Gemeinschaft · ↗Kirchengemeinde · ↗Kirchgemeinde · ↗Pfarre · ↗Pfarrei · ↗Pfarrgemeinde
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Brüder-Unität · Böhmische Brüder · Mährische Brüder
  • Kollegiatstift · ↗Stiftskapitel · Säkularkanonikerstift
Assoziationen
Synonymgruppe
Gemeinde · ↗Kommune · politische Gemeinde
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Gemeinde · ↗Ort · ↗Ortschaft
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bund Bürger Bürgermeister Einwohner Gemeindeverband Kirche Kreis Land Landkreis Länder Mitglied Pfarrer Stadt Vertreter Vorsitzende betroffen christlich einzeln evangelisch islamisch jüdisch katholisch klein liberal ländlich muslimisch orthodox türkisch umliegend zählend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gemeinde‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vorn spricht "Vater" mit der Gemeinde, halb auf Spanisch, halb auf Englisch.
Die Zeit, 16.09.2013, Nr. 37
Dadurch fühlen sich die Bürger mehr mit ihrer Gemeinde verbunden.
Neuer Weg, Bd. 39, Nr. 1, 1983
Der H. wendet sich an eine bestimmte Gemeinde in einer bestimmten Situation.
Werbeck, W.: Hebräerbrief. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1959], S. 17339
Sie war auf der Gemeinde gewesen - niemand dort wußte etwas.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 204
Das Tuch wurde weggezogen, und Karl stand sauber, trocken, heißglühend vor der Gemeinde.
Widmer, Urs: Das Buch des Vaters, Zürich: Diogenes 2004, S. 21
Zitationshilfe
„Gemeinde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gemeinde>, abgerufen am 26.03.2019.

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