Gemeinheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gemeinheit · Nominativ Plural: Gemeinheiten
Aussprache
WorttrennungGe-mein-heit (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Gemeinheit‹ als Letztglied: ↗Hundsgemeinheit
eWDG, 1967

Bedeutung

Niedertracht, Schlechtigkeit
a)
nur im Singular
gemeine Gesinnung gegenüber den Mitmenschen
Beispiele:
etw. aus Gemeinheit tun, sagen
gehoben die Tat ist Ausfluss seiner Gemeinheit
Aus nackter Gemeinheit haben sie ihm diesen Streich gespielt [A. ZweigErziehung249]
b)
gemeine Handlung, gemeine Worte
Beispiele:
zu so einer Gemeinheit war nur er fähig
diese Verleumdung ist eine unglaubliche Gemeinheit von dir
Wie kann jemand sich solch eine Gemeinheit ausdenken [H. MannUntertan4,265]
Arme Leute ausnützen ist eine Gemeinheit [DöblinAlexanderpl.255]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gemein · Gemeine · Gemeinde · Gemeinheit · gemeinsam · Gemeinsamkeit · Gemeinschaft · gemeinschaftlich · gemeinnützig · Gemeinplatz · Gemeinsprache · Gemeinwohl
gemein Adj. ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich, niedrig gesinnt, niederträchtig, unfein, unanständig’. Das germ. Adjektiv ahd. gimeini ‘zuteil geworden, bestimmt, gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, übereinstimmend, zugleich’ (8. Jh.), mhd. gemein(e) ‘zusammengehörig, gemeinschaftlich, allgemein, vertraut, bekannt, für alle eingerichtet, gewöhnlich, zur Masse gehörig, niedrig’, asächs. gimēni, mnd. gemēne, mnl. ghemēne, ghemeen, ghemein(e), nl. gemeen, auch ‘niedrig, niederträchtig’, afries. (ge)mēne ‘gemeinschaftlich’, aengl. gemǣne ‘allgemein, gemeinsam, gewöhnlich, niedrig’, engl. mean ‘gemein, gering, niedrig, schlecht’, got. gamains ‘gemeinsam, unheilig’ (germ. *ga-maini-) gehört wie lat. commūnis ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich’ (s. ↗Kommune, ↗Kommunismus) als Präfixbildung zu den unter ↗Meineid (s. d.) aufgeführten Substantiven mit n-Suffix und einer Grundbedeutung ‘Wechsel, Tausch’. gemein bedeutet danach ursprünglich ‘mehreren abwechselnd zukommend’, dann ‘mehreren in gleicher Art gehörig’, woraus sich ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein’ entwickelt. Was mehreren oder vielen ‘gemeinsam’ ist, kann nicht ‘wertvoll’ oder ‘edel’ sein; gemein wird daher vom 15. Jh. an ‘einfach, gewöhnlich’ (der gemeine Mann, das gemeine Volk, der gemeine Soldat), im 19. Jh. auch verächtlich ‘niederträchtig, unanständig’ (gemeiner Schuft, Kerl). Gemeine f. ‘Gemeinschaft, Gemeinde’, ahd. gimeinī (9. Jh.), mhd. gemeine, mnd. gemeine, gemēne, got. gamainei ‘Gemeinschaft’, abgeleitet von dem oben dargestellten Adjektiv. Im 19. Jh. weitgehend von Gemeinde abgelöst. Gemeinde f. ‘untere staatliche oder kirchliche Verwaltungseinheit und deren Bewohner bzw. Mitglieder, durch gleiche geistige oder religiöse Interessen verbundene Gemeinschaft, Gruppe von Menschen’, ahd. gimeinida ‘Gemeinde, Gemeinschaft’ (8. Jh.), mhd. gemeinde ‘Anteil, Gemeinschaft, gemeinschaftlicher Besitz, Menschen, mit denen man gemeinsam lebt, versammelte Menge’, asächs. gimēniða, mnd. gemēnde, mnl. ghemeente, ghemeinte, nl. gemeente, Ableitung mit dem Abstraktsuffix germ. -iþō, -iðō vom oben genannten Adjektiv. Gemeinheit f. ‘Niedertracht, Schlechtigkeit’ (Anfang 19. Jh.), mhd. gemeinheit ‘Gemeinschaft, der Gemeinde gehörender Grund und Boden’ (14. Jh.), im Sinne von ‘Gemeindegrund’ noch im 19. Jh., von ‘Gemeinschaft’ noch Anfang 20. Jh. Zum Ableitungssuffix s. ↗-heit. gemeinsam Adj. ‘mehreren zugleich gehörend, für mehrere in gleicher Weise geltend, gemeinschaftlich, zusammen, miteinander’, ahd. gimeinsam (9. Jh.), mhd. gemeinsam; zum Ableitungssuffix s. ↗-sam. Gemeinsamkeit f. ‘zusammengehörende Gruppe, Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit’ (15. Jh.). Voraus gehen ahd. gimeinsamī ‘Gemeinschaft’ (um 800), mhd. gemeinsame, gemeinsamede. Gemeinschaft f. ‘sich durch etw. Gemeinsames verbunden fühlende Gruppe von Menschen, Zusammensein, Verbindung’, ahd. gimeinscaf (8. Jh.), mhd. gemeinschaft. gemeinschaftlich Adj. ‘eine Gemeinschaft betreffend, zu einer Gemeinschaft gehörig, gemeinsam, zusammen, miteinander’ (17. Jh.). gemeinnützig Adj. ‘dem Nutzen aller, der Allgemeinheit dienend’ (16. Jh.), ausgehend von mhd. der gemein nutz (14. Jh.). Gemeinplatz m. ‘allgemein bekannte, nichtssagende Redensart, Binsenweisheit’, von Wieland (1770) offensichtlich unter Einfluß von engl. commonplace gebildet und sich gegenüber Gemeinort, Gemeinsatz, Gemeinspruch durchsetzend als Übersetzung von lat. locus commūnis. Gemeinsprache f. ‘von einem Volk gemeinsam gesprochene, ihm gemeinsam zukommende Sprache’ (Campe 1807); vgl. gemeine teutsche Sprache (Luther). Gemeinwohl n. ‘Wohl aller, Nutzen für die Allgemeinheit’ (Ende 18. Jh.), wohl nach engl. commonweal für den älteren im Dt. üblichen Ausdruck das gemeine Gut; vgl. Gemeinwert (Herder 1780) für engl. commonwealth (ursprünglich gleichbed. mit commonweal).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abscheulichkeit · ↗Falschheit · Gemeinheit · ↗Niedertracht · ↗Niederträchtigkeit
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Arglist · ↗Biestigkeit · ↗Boshaftigkeit · ↗Bosheit · ↗Bösartigkeit · ↗Böswilligkeit · ↗Gehässigkeit · Gemeinheit · ↗Heimtücke · ↗Hinterhältigkeit · ↗Hinterlist · ↗Niedertracht · ↗Ruchlosigkeit · ↗Teufelei · ↗Tücke · ↗Verschlagenheit · böse / miese / schlechte / üble Absicht  ●  ↗Sadismus  fig. · ↗Schweinerei  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Böses · Gemeinheit · ↗Schurkerei · ↗Teufelei · ↗Übel · ↗Übeltat  ●  ↗Spitzbüberei  veraltend
Synonymgruppe
Boshaftigkeit · ↗Dreistigkeit · ↗Frechheit · Gemeinheit · ↗Hinterfotzigkeit · ↗Hinterlistigkeit · ↗Nickeligkeit · ↗Nickligkeit
Assoziationen
Synonymgruppe
(kleine) Gemeinheit · ↗Boshaftigkeit · ↗Gestichel · ↗Seitenhieb · ↗Spitze · ↗Stichelei · böses Wort · giftige Bemerkung · spitze Bemerkung  ●  ↗Malice  geh., veraltend, franz. · ↗Medisance  geh., franz., bildungssprachlich
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bosheit Brutalität Demütigung Dummheit Feigheit Gemeinheit Gemeinsinn Grausamkeit Intrige Lüge Niedertracht Niedrigkeit Roheit Schikane Schmutz Tücke Ungerechtigkeit abgrundtief absichtlich alltäglich ausdenken ausgesucht bodenlos fies gemein niederträchtig pur subtil versteckt überbieten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gemeinheit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein paar Gemeinheiten hat es aber schon gegeben in Ihrem Leben.
Süddeutsche Zeitung, 29.11.2003
Nur durch eine Gemeinheit, er ist ein Tatar, ein gelber Affe!
Konsalik, Heinz G.: Der Arzt von Stalingrad, Hamburg: Dt. Hausbücherei 1960 [1956], S. 422
Da wir auf dieser Höhe angekommen sind, ist nun ein Wort über die Gemeinheit nötig.
Die Zeit, 04.03.1948, Nr. 10
Es war eine Gemeinheit, ihm so den Tag zu versauen.
Welk, Ehm: Die Heiden von Kummerow, Rostock: Hirnstorff 1978 [1937], S. 1
Er empfand nur die Gemeinheit, die darin lag, das Mädchen zu verraten.
Altenberg, Peter: Was der Tag mir zuträgt. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1901], S. 1040
Zitationshilfe
„Gemeinheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gemeinheit>, abgerufen am 18.02.2019.

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