Genüge, die oder das

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Genüge · wird nur im Singular verwendet
GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Genüges · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungGe-nü-ge
Wortbildung mit ›Genüge‹ als Erstglied: ↗genügsam
eWDG, 1967

Bedeutung

das Genügen
Beispiele:
gehoben dem Gesetz muss Genüge getan werden (= es muss eingehalten werden)
gehoben [die Militärkaserne] in der ich meiner Dienstpflicht samt Arreststrafen Genüge getan hatte [KischMarktplatz211]
gehoben Sie […] fand an Putz und Plaudern, an Reiten und Fahren ein so volles Genüge [FontaneIrrungenI 3,229]
gehoben Und nur jugendliche Tatkraft findet Genüge (= Befriedigung) am Gebrüll [JahnnHolzschiff10]
gehoben Boudoirs, wo jene […] bei kreischenden Prostituierten ihr Genüge (= Vergnügen) suchten [FlakeSchritt10]
zur Genüge (= hinreichend, ausreichend)
Beispiele:
das kenne ich zur Genüge
etw. zeigt etw. zur Genüge
die Schriftzüge zeigten zur Genüge, wie es dem Schreiber zumute gewesen war
Was die Managerkrankheit bedeute, wisse man zur Genüge [DürrenmattPanne225]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

genug · Genüge · genügen · genügend · ungenügend · begnügen · genugsam · genügsam · Genügsamkeit · genugtun · Genugtuung
genug ‘ausreichend, in notwendiger Menge, zufriedenstellendem Maße vorhanden’ (in der Funktion eines Substantivs ‘ausreichende Menge’), ironisch untertreibend auch ‘bis an die Grenze des Erträglichen gehend’ (vgl. die bereits für das Ahd. öfter zu belegende Bedeutung ‘reichlich, im Überfluß’). Die einem Indefinitpronomen oder Adverb ähnelnde, im Nhd. (wie in den anderen modernen germ. Sprachen) stets flexionslose Quantitätsangabe geht (als erstarrte endungslose Form des Neutrums) auf ein altes Adjektiv zurück, das in den frühen germ. Sprachstufen (einschließlich des Mhd.) noch in vielfacher (attributiver, prädikativer und adverbieller) Verwendung lebendig ist, ahd. ginuog (8. Jh.), ginuogi (9. Jh.), mhd. genuoc (selten genuoge mit regulärer Adverbendung), asächs. ginōg(i), mnd. genōch, (en)nōch, mnl. ghenoech, nl. genoeg, afries. (e)nōch, aengl. genōg, genōh, engl. enough, anord. gnōgr, nōgr, schwed. nog, got. ganōhs (germ. *ga-nōga-). Die Bildungen gehören zu einem nur in Resten nachweisbaren germ. Präteritopräsens ahd. ginah (um 800), aengl. geneah, got. ganah ‘es genügt’ (hierher vielleicht auch anord. ‘nahen, erreichen’ mit Ablaut). Dieser germ. Verbalstamm und seine außergerm. Entsprechungen wie aind. aśnṓti ‘erlangt, erreicht’, nákṣati ‘erreicht, kommt an, erlangt’, griech. (Aorist) enenké͞in (ἐνεγκεῖν) ‘herbeischaffen, davontragen’, ónkos (ὄγκος) ‘Tracht, Last’, lat. nancīscī ‘erlangen, bekommen’, aslaw. nesti, russ. nestí (нести), lit. nèšti ‘tragen’ führen auf ie. *enk̑-, *nek̑- ‘reichen, erreichen, erlangen, tragen’. Auf md. Gebiet findet sich seit dem 14. Jh. eine nasalierte Nebenform spätmhd. genunk, nhd. genung, die aber im 19. Jh. wieder aus der Literatursprache verschwindet. Genüge f. n. (nur im Sing.) ‘ausreichendes Maß, Befriedigung’, Abstraktbildung zum Adjektiv genug (s. oben), jetzt vor allem inder adverbiellen Fügung zur Genüge ‘in ausreichendem Maße’, ahd. ginuogi n. (9. Jh.; daneben auch ginuogī f.?, 8. Jh.), mhd. genüege f. ‘Genüge, Fülle’, asächs. ginōgi f., mnd. genȫge, (g)nȫge f.; im Nhd. seit dem 17. Jh. auch wieder als Neutr., wohl unter Einfluß von gleichbed. Genügen n. (mhd. genüegen n.), dem substantivierten Infinitiv des folgenden Verbs. genügen Vb. ‘ausreichen, befriedigen, erfüllen’, ahd. ginuogen ‘genügen, befriedigen, reichlich vorhanden sein’ (9. Jh.), mhd. genüegen, genuogen, mnd. (ge)nȫgen, mnl. ghenoegen, nl. genoegen ‘befriedigen, erfreuen, ausreichen’, reflexiv ‘Genüge finden’, anord. gnœgja, nœgja ‘genug, reichlich geben’, got. ganōhjan ‘Genüge leisten’, ganōhnan ‘genug sein’; das Part. Präs. des nhd. Verbs verselbständigt sich im 18. Jh., als genügend Part.adj. ‘ausreichend, zufriedenstellend’ ersetzt es genug in adjektivischem, oft auch in adverbiellem Gebrauch; dazu ungenügend Adj. ‘unbefriedigend, nicht ausreichend’ (18. Jh.). Erweiterungen von genügen sind ↗vergnügen (s. d.) und begnügen Vb. ‘sich zufriedengeben’ (reflexiv seit dem 18. Jh.), mhd. begenüegen ‘befriedigen, zufriedenstellen’, kontaminiert aus mhd. genüegen (s. oben) und mhd. benüegen ‘genug haben’, frühnhd. benügen ‘genügen, zufrieden sein, befriedigen’. genugsam Adv. ‘in ausreichendem Maße, vollauf’ (heute auf altertümelnde Ausdrucksweise beschränkt), ahd. ginuogsam (8. Jh.), mhd. genuocsam Adj. ‘Genüge oder Fülle habend, bietend’, nhd. noch bis zur 1. Hälfte des 19. Jhs. in adjektivischer Verwendung (‘ausreichend, zufriedenstellend’), als Adverb seit dem 15. Jh. üblich; daneben in den älteren Sprachstufen häufiger gleichbed. ahd. ginuhtsam (8. Jh.), mhd. genuhtsam Adj., von einem im Frühnhd. untergehenden Substantiv ahd. ginuht ‘Fülle, Überfluß’ (8. Jh.), mhd. genuht ‘Genüge, Fülle, Freude’ (vgl. aengl. genyht, anord. gnōtt ‘Genüge, Überfluß, reichlicher Vorrat’). genügsam Adj. ‘leicht zu befriedigen, anspruchslos’, umgelautete Form von genugsam (s. oben, nhd. vereinzelt bis in jüngere Zeit noch in dessen Sinn vorkommend), nimmt seit dem 16. Jh. durch Anlehnung an das Verb genügen (s. oben) die heutige Bedeutung an; dazu Genügsamkeit f. ‘Anspruchslosigkeit’, frühnhd. meist genuocsamkeit, Genugsamkeit; in dieser Verwendung vom 15. Jh. an zu belegen, aber erst Ende des 17. Jhs. üblich, anfangs häufiger ‘Genüge, Überfluß’. genugtun Vb. ‘Genüge leisten, befriedigen’ (frühnhd. auch ‘bezahlen, Buße tun’), Übersetzung von lat. satisfacere als Ausdruck des Rechtswesens und der Kirche, zunächst dafür Fügungen wie ahd. ginuog, ginuhtsam tuon, mhd. genuoc, genüege tuon (Getrenntschreibung häufig noch nhd. bis ins 19. Jh.), Zusammenrückung seit dem 15. Jh.; dazu Genugtuung f. ‘Befriedigung, Wiedergutmachung, Buße’ (15. Jh.), entsprechend lat. satisfactio.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anforderung Anschauung Anspruch Buchstabe Ehre Erfordernis Gebot Gerechtigkeit Informationspflicht Pflicht Vergangenheit Vorschrift bekennen belegen beweisen bezeugen demonstrieren dokumentieren erfahren erhellen erleben geschehen hervorgehen kennen kennenlernen lehren leisten tun wissen zeigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Genüge‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Fälle, in denen vieles unklar bleibt, gibt es aber zur Genüge.
Süddeutsche Zeitung, 28.11.2002
Daß in diesen Fällen auch schwere Mißbräuche eintreten können, zeigt die Geschichte zur Genüge.
Friedrich, Carl Joachim: Totalitäre Diktatur, Stuttgart: Kohlhammer 1957, S. 122
Ein paar kaufmännische Beamte hielten die Bücher zur Genüge in Ordnung, sorgten einigermaßen für einen geregelten Betrieb.
Ewers, Hanns Heinz: Alraune, München: Herbig 1973 [1911], S. 171
Er rechnete verständlicherweise damit, daß dieser Ausfall durch das Gewicht des römischen Weltreiches zur Genüge ersetzt sei.
Heuß, Alfred: Das Zeitalter der Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 17802
Das Muster ist dir aus deiner eigenen Familie zur Genüge bekannt.
Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 159
Zitationshilfe
„Genüge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Genüge>, abgerufen am 16.06.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
genug
Genuasamt
Genuakord
Gentry
Gentrifizierung
genügen
genügend
genügsam
Genügsamkeit
genugtun