Genossenschaft, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Genossenschaft · Nominativ Plural: Genossenschaften
Aussprache
WorttrennungGe-nos-sen-schaft
eWDG, 1967

Bedeutung

Vereinigung einer größeren Anzahl von Einzelpersonen mit gleichen, meist wirtschaftlichen Zielen
Beispiele:
eine bäuerliche, eingetragene, handwerkliche, sozialistische, ländliche, kapitalistische Genossenschaft
die Statuten, die Satzung, das Vermögen der Genossenschaft
eine Genossenschaft gründen
einer Genossenschaft angehören, beitreten
sich zu einer Genossenschaft zusammenschließen
jmdn. in eine Genossenschaft aufnehmen
Mitglied einer Genossenschaft sein
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Genosse · Genossenschaft · genossenschaftlich
Genosse m. ‘Gefährte, Begleiter, Mitglied, Kampfgefährte in einer (sozialdemokratischen) Arbeiterpartei’, entsprechend auch Anrede der Mitglieder untereinander. Ahd. ginōʒ (8. Jh.), ginōʒo (9. Jh.), mhd. genōʒ(e) ‘wer mit anderen etw. gemeinschaftlich hat, gleich an Wesen, Stand, ebenbürtig ist, Gefährte’, asächs. ginōt, mnd. genōt(e), mnl. ghenoot, nl. genoot, aengl. genēat und (ohne Präfix) anord. nautr, afries. nāt sind Possessivkomposita zu ahd. (8. Jh.), mhd. nōʒ, mnl. noot, aengl. nēat, engl. neat, anord. naut ‘Nutzvieh, Rind, Schlacht-, Zug-, Lasttier’ und bezeichnen denjenigen, ‘der das Vieh mit (einem) anderen gemeinsam hat’ (zur Bildung s. ↗Bauer3, ↗Geselle, ↗Gefährte). Das zugrundeliegende germ. *nauta- ‘Nutztier, -vieh, Habe’ ist verwandt mit ↗genießen und ↗nutzen (s. d.) und läßt sich mit diesen sowie mit lit. naudà ‘Nutzen, Vorteil, Gewinn, Besitz, Vermögen’, lett. nauda ‘Nutzen, Habe, Geld’ unter einem Ansatz ie. *neud- ‘Erstrebtes ergreifen, in Nutzung nehmen’ vereinigen. Bis ins 19. Jh. bezeichnet Genosse den Gefährten, den Gleichgesinnten, den Gleichgestellten an Stand und Besitz. In der Mitte der 70er Jahre des 19. Jhs. wird Genosse übliche Anrede in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei als Ausdruck gleicher Gesinnung im Streben nach Verwirklichung gemeinsamer Ziele (s. das Kompositum ↗Parteigenosse). Genossenschaft f. ‘Zusammenschluß mehrerer Personen zur Förderung gleicher wirtschaftlicher Interessen mittels gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebes’. Ahd. ginōʒscaf (8. Jh.), -scaft (um 1000), mhd. genōʒschaft bezeichnet zunächst (bis ins 17. Jh.) die ‘Verbindung, Gemeinschaft, Gesellschaft, Gesamtheit von Standesgenossen’ (vgl. bäuerliche Genoßschaft, Eidgenoßschaft), danach (unter Einfluß von gleichbed. engl. corporation) im oben genannten Sinne. genossenschaftlich Adj. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Genossenschaft · ↗Kooperative · ↗Sozietät
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • VVaG · ↗Versicherungsverein · Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit · genossenschaftliche Versicherung · genossenschaftlicher Versicherer
  • Genosse · ↗Genossenschafter · ↗Genossenschaftler · Mitglied einer Genossenschaft
  • Kellereigenossenschaft (südtirol.) · Weingärtnergenossenschaft (württemberg.) · ↗Winzergenossenschaft
  • LPG · Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft

Typische Verbindungen zu ›Genossenschaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aktiengesellschaft Ausgründung Brunnen Bühnen-Angehörige Bühnenangehöriger Genossenschaft Gründung Kapitalgesellschaft Kombinat Neugründung Rechtsform Sparkasse Tonsetzer Vertreterversammlung Winzer Wohnungsbaugesellschaft Wohnungsgesellschaft Wohnungsunternehmen beitreten bäuerlich deutschgesinnt eigentumsorientiert eingetragen gegründet gewerblich gründen landwirtschaftlich ländlich umwandeln zusammenschließen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Genossenschaft‹.

Verwendungsbeispiele für ›Genossenschaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann stimmt er mit den Füßen ab, zieht also aus und kehrt der Genossenschaft den Rücken.
Der Tagesspiegel, 03.09.1999
Deshalb muß es für den Vertrieb der neuen Angebote eine Genossenschaft wie die MMBG geben.
Süddeutsche Zeitung, 21.11.1995
Die hiesige Genossenschaft könnte sie in Verlag nehmen; doch wird dies immerhin nur eine mäßige Hilfe abwerfen.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 4383
Die einzelnen Klöster waren zuweilen zu Genossenschaften zusammengeschlossen, standen aber niemals unter zentraler Leitung.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 7684
Eigentliche Handwerker sind in dieser Statistik von 66 Genossenschaften nur wenige: es ist eine Statistik der mittleren und großen Industrie.
Schmoller, Gustav: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre Erster Teil, Berlin: Duncker & Humblot 1978 [1900], S. 887
Zitationshilfe
„Genossenschaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Genossenschaft>, abgerufen am 26.01.2020.

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