Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.
eWDG

Bedeutung

Vereinigung einer größeren Anzahl von Einzelpersonen mit gleichen, meist wirtschaftlichen Zielen
Beispiele:
eine bäuerliche, eingetragene, handwerkliche, sozialistische, ländliche, kapitalistische Genossenschaft
die Statuten, die Satzung, das Vermögen der Genossenschaft
eine Genossenschaft gründen
einer Genossenschaft angehören, beitreten
sich zu einer Genossenschaft zusammenschließen
jmdn. in eine Genossenschaft aufnehmen
Mitglied einer Genossenschaft sein
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Genosse · Genossenschaft · genossenschaftlich
Genosse m. ‘Gefährte, Begleiter, Mitglied, Kampfgefährte in einer (sozialdemokratischen) Arbeiterpartei’, entsprechend auch Anrede der Mitglieder untereinander. Ahd. ginōʒ (8. Jh.), ginōʒo (9. Jh.), mhd. genōʒ(e) ‘wer mit anderen etw. gemeinschaftlich hat, gleich an Wesen, Stand, ebenbürtig ist, Gefährte’, asächs. ginōt, mnd. genōt(e), mnl. ghenoot, nl. genoot, aengl. genēat und (ohne Präfix) anord. nautr, afries. nāt sind Possessivkomposita zu ahd. (8. Jh.), mhd. nōʒ, mnl. noot, aengl. nēat, engl. neat, anord. naut ‘Nutzvieh, Rind, Schlacht-, Zug-, Lasttier’ und bezeichnen denjenigen, ‘der das Vieh mit (einem) anderen gemeinsam hat’ (zur Bildung s. Bauer3, Geselle, Gefährte). Das zugrundeliegende germ. *nauta- ‘Nutztier, -vieh, Habe’ ist verwandt mit genießen und nutzen (s. d.) und läßt sich mit diesen sowie mit lit. naudà ‘Nutzen, Vorteil, Gewinn, Besitz, Vermögen’, lett. nauda ‘Nutzen, Habe, Geld’ unter einem Ansatz ie. *neud- ‘Erstrebtes ergreifen, in Nutzung nehmen’ vereinigen. Bis ins 19. Jh. bezeichnet Genosse den Gefährten, den Gleichgesinnten, den Gleichgestellten an Stand und Besitz. In der Mitte der 70er Jahre des 19. Jhs. wird Genosse übliche Anrede in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei als Ausdruck gleicher Gesinnung im Streben nach Verwirklichung gemeinsamer Ziele (s. das Kompositum Parteigenosse). Genossenschaft f. ‘Zusammenschluß mehrerer Personen zur Förderung gleicher wirtschaftlicher Interessen mittels gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebes’. Ahd. ginōʒscaf (8. Jh.), -scaft (um 1000), mhd. genōʒschaft bezeichnet zunächst (bis ins 17. Jh.) die ‘Verbindung, Gemeinschaft, Gesellschaft, Gesamtheit von Standesgenossen’ (vgl. bäuerliche Genoßschaft, Eidgenoßschaft), danach (unter Einfluß von gleichbed. engl. corporation) im oben genannten Sinne. genossenschaftlich Adj. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Genossenschaft · Kooperative · Sozietät
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Genossenschaft‹ (berechnet)

Bühnenangehörige Friedhofsgärtner Generalversammlung Gründung Milchproduzent Polite Rechtsform Taxi-unternehmen Umwandlung Vorstand bauen begründen beitreten betraut bäuerlich deutschgesinnt eigentumsorientiert eingetragen erstellen gegruendete gegründet gestiftet gewerblich gründen landwirtschaftlich ländlich organisieren ostschweizerisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Genossenschaft‹.

Verwendungsbeispiele für ›Genossenschaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die hiesige Genossenschaft könnte sie in Verlag nehmen; doch wird dies immerhin nur eine mäßige Hilfe abwerfen. [Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 4383]
In den vergangenen 18 Monaten seien 20000 neue Genossenschaften entstanden. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1988]]
Größere Chancen hätte dann die Genossenschaft; auch sie bietet sich der Stadt als Partner an. [Die Zeit, 06.06.2013, Nr. 23]
Alles spricht also dafür, mehr denn je auf Genossenschaften zu bauen. [Die Zeit, 22.04.2013, Nr. 16]
Demnach gibt es bereits mehr als 600 solcher Genossenschaften, in denen sich mehr als 80.000 Bürger engagieren. [Die Zeit, 19.11.2012 (online)]
Zitationshilfe
„Genossenschaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Genossenschaft>.

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