Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gepflogenheit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gepflogenheit · Nominativ Plural: Gepflogenheiten
Aussprache 
Worttrennung Ge-pflo-gen-heit
eWDG

Bedeutung

gehoben Gewohnheit, Brauch
Beispiele:
gesellschaftliche Gepflogenheiten
etw. gehört nicht zu jmds. Gepflogenheiten
eine verbreitete Gepflogenheit
nach alter, langjähriger Gepflogenheit
von einer Gepflogenheit abweichen
etw. zu einer Gepflogenheit machen
Es hätte allen Gepflogenheiten meines Elternhauses widersprochen, uns Kinder zu Mitwissern solcher Skandalaffären zu machen [ Bergengr.Rittmeisterin345]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

pflegen · Gepflogenheit · Pflege · Pfleger · pfleglich · verpflegen · Verpflegung
pflegen Vb. ‘für jmdn., etw. sorgen, etw. anhaltend ausüben, betreiben, sich etw. angelegen sein lassen, die Gewohnheit haben, etw. zu tun’, ahd. phlegan (8. Jh.), mhd. phlegen ‘sich für etw. einsetzen, sorgen für, Verantwortung tragen für, Aufsicht führen, ausüben, betreiben, leiten’, asächs. plegan ‘sich verbürgen, für etw. verantwortlich sein’, mnd. plēgen, mnl. plēghen, nl. plegen und (entsprechend dem grammatischen Wechsel) aengl. plēon ‘sich einer Gefahr aussetzen’ führen auf eine Ausgangsbedeutung ‘sich einsetzen’. Die weitere Herkunft des nur im Westgerm. bezeugten Verbs (westgerm. *plegan) ist ungeklärt, sichere außergerm. Beziehungen fehlen; vgl. eine Zusammenstellung der Herleitungsversuche bei Trier in: PBB 67 (1945) 110 ff. Die ehemals starke Flexion ist teilweise noch erhalten für pflegen (pflog, gepflogen) in der Bedeutung ‘etw. anhaltend ausüben, betreiben’; dazu die Ableitung Gepflogenheit f. ‘Brauch, Gewohnheit’ (19. Jh.), in der öst. Kanzleisprache gebildet. – Pflege f. ‘Fürsorge, Obhut, Versorgung’, ahd. phlega (11. Jh.), mhd. phlege ‘Fürsorge, Obhut, Vormundschaft, Umgang, Amt, Zins, Abgabe, Lebensart, Gewohnheit, Beschäftigung’. Pfleger m. ‘wer für jmdn., etw. sorgt’, ahd. phlegāri ‘Beschützer, Hüter, Aufseher, Vorsteher, Verwalter’ (um 1000), mhd. phlegære, phleger ‘Beschützer, Aufseher, Vormund, Verwalter, Oberer’. pfleglich Adj. ‘sorgsam’, mhd. phlegelich ‘gewöhnlich’. verpflegen Vb. ‘jmdn. verköstigen’, mhd. verphlegen; Verpflegung f. ‘Verköstigung, Nahrung’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Angewohnheit · Gepflogenheit · Gewohnheit
Synonymgruppe
Anstand · Gepflogenheit · Schicklichkeit  ●  Usus  ugs.
Oberbegriffe
  • handlungsleitende Norm(en)
Synonymgruppe
Brauch · Gepflogenheit · Gewohnheit · Konvention · Regel · Sitte · Usus  ●  Spielregel(n)  ugs., fig. · Usance  fachspr. · Usanz  fachspr., schweiz.
Oberbegriffe
  • handlungsleitende Norm(en)
  • gesellschaftliche Norm · soziale Norm · soziales Skript
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Gepflogenheit‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gepflogenheit‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gepflogenheit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Kennt man diese Gepflogenheiten nicht, muß man bemüht sein, sie zu ergründen. [Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1972 [1968], S. 136]
Was uns dagegen ungewohnt erscheinen wird, ist die Gepflogenheit der amerikanischen Frau, aufzustehen, wenn ihr ein Mann vorgestellt wird. [Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 606]
Auch sonst war er nach den Gepflogenheiten des Hofes auf das Wohl seiner Musiker bedacht. [Scholz, Wolfgang: Liegnitz. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1960], S. 26021]
Wenn wir an die Macht kommen, werden wir diese feudalen Gepflogenheiten ausmerzen. [Der Spiegel, 27.01.1997]
Welches zum Einsatz kommt, hängt von den Gepflogenheiten eines Clans ab. [C’t, 2001, Nr. 17]
Zitationshilfe
„Gepflogenheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gepflogenheit>.

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