Gepflogenheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gepflogenheit · Nominativ Plural: Gepflogenheiten
Aussprache
WorttrennungGe-pflo-gen-heit (computergeneriert)
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben Gewohnheit, Brauch
Beispiele:
gesellschaftliche Gepflogenheiten
etw. gehört nicht zu jmds. Gepflogenheiten
eine verbreitete Gepflogenheit
nach alter, langjähriger Gepflogenheit
von einer Gepflogenheit abweichen
etw. zu einer Gepflogenheit machen
Es hätte allen Gepflogenheiten meines Elternhauses widersprochen, uns Kinder zu Mitwissern solcher Skandalaffären zu machen [Bergengr.Rittmeisterin345]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

pflegen · Gepflogenheit · Pflege · Pfleger · pfleglich · verpflegen · Verpflegung
pflegen Vb. ‘für jmdn., etw. sorgen, etw. anhaltend ausüben, betreiben, sich etw. angelegen sein lassen, die Gewohnheit haben, etw. zu tun’, ahd. phlegan (8. Jh.), mhd. phlegen ‘sich für etw. einsetzen, sorgen für, Verantwortung tragen für, Aufsicht führen, ausüben, betreiben, leiten’, asächs. plegan ‘sich verbürgen, für etw. verantwortlich sein’, mnd. plēgen, mnl. plēghen, nl. plegen und (entsprechend dem grammatischen Wechsel) aengl. plēon ‘sich einer Gefahr aussetzen’ führen auf eine Ausgangsbedeutung ‘sich einsetzen’. Die weitere Herkunft des nur im Westgerm. bezeugten Verbs (westgerm. *plegan) ist ungeklärt, sichere außergerm. Beziehungen fehlen; vgl. eine Zusammenstellung der Herleitungsversuche bei Trier in: PBB 67 (1945) 110 ff. Die ehemals starke Flexion ist teilweise noch erhalten für pflegen (pflog, gepflogen) in der Bedeutung ‘etw. anhaltend ausüben, betreiben’; dazu die Ableitung Gepflogenheit f. ‘Brauch, Gewohnheit’ (19. Jh.), in der öst. Kanzleisprache gebildet. Pflege f. ‘Fürsorge, Obhut, Versorgung’, ahd. phlega (11. Jh.), mhd. phlege ‘Fürsorge, Obhut, Vormundschaft, Umgang, Amt, Zins, Abgabe, Lebensart, Gewohnheit, Beschäftigung’. Pfleger m. ‘wer für jmdn., etw. sorgt’, ahd. phlegāri ‘Beschützer, Hüter, Aufseher, Vorsteher, Verwalter’ (um 1000), mhd. phlegære, phleger ‘Beschützer, Aufseher, Vormund, Verwalter, Oberer’. pfleglich Adj. ‘sorgsam’, mhd. phlegelich ‘gewöhnlich’. verpflegen Vb. ‘jmdn. verköstigen’, mhd. verphlegen; Verpflegung f. ‘Verköstigung, Nahrung’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Angewohnheit · Gepflogenheit · ↗Gewohnheit
Unterbegriffe
  • Unart · ↗Untugend · schlechte Angewohnheit · schlechte Gewohnheit
Synonymgruppe
Anstand · Gepflogenheit · ↗Schicklichkeit  ●  ↗Usus  ugs.
Synonymgruppe
Brauch · Gepflogenheit · ↗Gewohnheit · ↗Konvention · ↗Regel · ↗Sitte · ↗Usus  ●  ↗Usance  fachspr. · ↗Usanz  fachspr., schweiz.
Oberbegriffe
  • handlungsleitende Norm(en)
Assoziationen
Synonymgruppe
Brauch · ↗Brauchtum · Gebräuche · Gepflogenheit · Sitten und Gebräuche · ↗Tradition · ↗Überlieferung
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Ritual · rituelle Handlung · wiederkehrende Handlung  ●  ↗Zeremonie  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gastland Gemeinschaftsrecht Geschäftsleben Maßgabe Rechtsvorschrift Sitte akademisch althergebracht anpassen auskennen bisherig branchenüblich demokratisch diplomatisch entsprechen geschäftlich geübt hiesig höfisch international kaufmännisch landestypisch landesüblich parlamentarisch protokollarisch rechtsstaatlich sonstig widersprechen örtlich üblich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gepflogenheit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber auf jeden Fall würde ich gründlich den Kopf schütteln über diese Gepflogenheiten.
Der Tagesspiegel, 02.07.1999
Wenn wir an die Macht kommen, werden wir diese feudalen Gepflogenheiten ausmerzen.
Der Spiegel, 27.01.1997
Sie sprechen weder Spanisch noch kennen sie die Gepflogenheiten des südamerikanischen Landes.
Süddeutsche Zeitung, 10.04.1996
Hier ist es gut, sich nach den örtlichen Gepflogenheiten zu richten.
Schütte, Carl: Willst du erfahren was sich ziemt? In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1934], S. 6732
Wider alle bisherige Gepflogenheit waren auch die Versammlungen polizeilich nicht überwacht.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 3803
Zitationshilfe
„Gepflogenheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gepflogenheit>, abgerufen am 20.04.2019.

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