Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gerechtigkeit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gerechtigkeit · Nominativ Plural: Gerechtigkeiten
Aussprache 
Worttrennung Ge-rech-tig-keit
Wortzerlegung gerecht -igkeit
eWDG

Bedeutungen

1.
entsprechend der Bedeutung von gerecht (1)
Grammatik: nur im Singular
a)
das Gerechtsein
Beispiele:
die Gerechtigkeit eines Richters, Urteils, einer Strafe
um der Gerechtigkeit willen
und [das Volk Grusiniens] gedachte noch / Lange seiner Richterzeit als einer kurzen / Goldenen Zeit beinah der Gerechtigkeit [ BrechtKaukas. Kreidekreis6]
b)
gerechte Behandlung
Beispiele:
jmdm. Gerechtigkeit widerfahren lassen, zuteilwerden lassen
gehoben Gerechtigkeit üben
die soziale Gerechtigkeit
2.
gehoben Recht
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
die Gerechtigkeit nehme ihren Lauf
der Gerechtigkeit zum Siege verhelfen
die ausgleichende Gerechtigkeit
3.
gehoben ausübende Instanz der öffentlichen Rechtspflege
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
in die Hände der Gerechtigkeit fallen
der Arm der Gerechtigkeit reicht weit
jmdn. der (irdischen) Gerechtigkeit überantworten, übergeben, überliefern
sich der Gerechtigkeit entziehen
einen Menschen aus den Fängen der Gerechtigkeit zu entlassen [ MusilMann166]
4.
Berechtigung, rechtlich begründeter Anspruch
Beispiel:
die Gerechtigkeit einer Forderung, Bitte
Jura Gerechtsame
Beispiel:
denn die Gerechtigkeit zum Fischen in dem Fluß ruhte auf unserem Grundstück [ WelkGrambauer48]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gerecht · Gerechtigkeit · Gerechtsame
gerecht Adj. ‘den geltenden Rechtsnormen entsprechend, rechtlich, rechtmäßig’, ahd. gireht Adj. ‘gerade, aufrecht, richtig, rein’ (um 900, zuvor schon ungireht ‘unrecht, böse’, 8. Jh.), girehto Adv. Konj. Interjektion ‘gewiß, fürwahr, nämlich’ (9. Jh.), anfrk. gerehto Adv. ‘in rechter Weise’, mhd. gereht Adj. ‘gerade, auf der rechten Seite befindlich, geschickt, passend, mit dem Rechte übereinstimmend’, gerehte Adv. ‘in rechter Weise, rechts’, mnd. gerecht Adj. ‘gerade, richtig, passend, rechtlich’, mnl. gherecht, nl. gerecht Adj. ‘gerade, richtig, rechtlich, rechtmäßig’, aengl. geriht, got. garaíhts Adj., garaíhtaba Adv. ‘gerecht’ sind Präfixbildungen zu dem unter recht (s. d.) dargestellten Adjektiv. Im Dt. bleibt die ursprüngliche Bedeutung ‘gerade’ noch bis ins 18. Jh. erhalten. Daneben entwickelt sich der heute vorherrschende Gebrauch im Sinne von ‘den Rechtsnormen entsprechend’, der schon für das Got. bezeugt ist, erst allmählich im Mhd. und Mnd.; vgl. hierzu die Fügung jmdm., einer Sache gerecht werden ‘jmdm., einer Sache Genüge tun, voll entsprechen’ (eigentlich ‘jmdm. sein Recht verschaffen’, 15. Jh.). Die Verwendung ‘passend, gemäß’, die in jmd. ist in allen Sätteln (älter auch in, auf alle Sättel) gerecht ‘jmd. kennt sich in allem aus’ (16. Jh.) fortlebt, begegnet noch in Zusammensetzungen wie jagd-, kunst-, maß-, mundgerecht, deren zweites Glied -gerecht in der Gegenwart die Funktion eines produktiven Kompositionssuffixes übernimmt. Gerechtigkeit f. ‘den geltenden Rechtsnormen entsprechendes Handeln und Urteilen, Rechtsprechung, mit der Rechtspflege beauftragte Institution’, mhd. grehtikheit (1. Hälfte 12. Jh.), dann gerehtecheit, gerehtikeit ‘Rechtschaffenheit, den sittlichen Normen gemäßes Verhalten’ und (vor allem spätmhd.) ‘Rechtspflege, rechtlich begründete Befugnis, Rechtsanspruch’. Gerechtigkeit ‘rechtlich begründete Befugnis, verliehenes Recht, Privileg’ (auch im Plur. Gerechtigkeiten) als Terminus des Feudalrechts ist noch im 19. Jh. lebendig (vgl. Brau-, Fischerei-, Jagd-, Münzgerechtigkeit). In gleichem Sinne daneben Gerechtsame f. (15. bis 19. Jh.); vgl. zu dieser Substantivbildung vereinzelt belegtes ahd. girehtsamōn ‘rechtfertigen’ (um 800) sowie nhd. gerechtsam ‘rechtmäßig, gerecht’ (17. bis 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gerechtigkeit · Recht

Typische Verbindungen zu ›Gerechtigkeit‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gerechtigkeit‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gerechtigkeit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Durch welche Mittel nun erziehen die Kinder den Lehrer zur unparteiischen Gerechtigkeit? [Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung, Bd. 53, Nr. 1/2, 1901]
Ich soll dich überzeugen von der Gerechtigkeit der Beschlüsse, gleich, wie sie ausgefallen sind. [Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 164]
Nicht weniger aber ist es – was hier nur angedeutet werden soll – die Gerechtigkeit. [Giersch, Herbert: Allgemeine Wirtschaftspolitik, Wiesbaden: Gabler 1960, S. 42]
Die Macht regiert die Erde und eine göttliche Gerechtigkeit gibt es nicht. [Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. II, Tübingen: Mohr 1921 [1920-1921], S. 135]
Dabei geht es ihm doch nur um ein wenig Gerechtigkeit. [Die Zeit, 02.12.1999, Nr. 49]
Zitationshilfe
„Gerechtigkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gerechtigkeit>.

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