Gerichtsbarkeit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gerichtsbarkeit · Nominativ Plural: Gerichtsbarkeiten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungGe-richts-bar-keit
WortzerlegungGericht2-bar-keit
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
Befugnis zur Rechtsprechung
2.
Ausübung der Recht sprechenden Gewalt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gericht1 · gerichtlich · Gerichtsbarkeit · Gerichtshof · Gerichtsvollzieher
Gericht1 n. ‘mit der Rechtsprechung beauftragte Institution und deren Sitz’, auch ‘das Ausüben der Rechtsprechung’, ahd. girihti ‘Urteil, Gericht, Satzung, Regel’ (um 1000), mhd. geriht(e), mnd. gerichte, richte ‘Gericht, Ausübung des Richteramts, Urteilsspruch, Urteilsvollstreckung, Gerichtsbarkeit, Gerichtsbezirk’ (mhd. außerdem ‘Regierung, Reichsverwaltung’), mnl. gherechte, gherichte ‘Recht, Urteil, Gerichtssitzung’, nl. gerecht, gericht ‘Gericht, Gerichtsgebäude, Gerichtssitzung, Urteil’, aengl. gerihte ‘Recht, Pflicht, Gottesdienst, gerade Richtung’, anord. -rētti ‘Recht’ (in Zusammensetzungen wie anord. harðrētti ‘Bedrängnis, schlechte Behandlung’, jafnrētti ‘gleiches Recht’); auf anderer Bildungsweise beruht dagegen got. garaíhtei f. ‘Gerechtigkeit’. Das Neutrum (germ. *ga-rihtia-) ist wohl zunächst denominative Ableitung (s. ↗recht, ↗Recht und ↗gerecht) mit kollektivem Sinn (s. ↗ge-), wird aber früh mit dem bei ↗richten (s. d.) dargestellten Verb verbunden, das schon ahd. in der Verwendung ‘das Richteramt ausüben, Recht sprechen’ gebräuchlich ist. gerichtlich Adj. ‘vor Gericht stattfindend, durch das Gericht veranlaßt’ (15. Jh.); vgl. mnd. gerichtlīk(en), richtlīk(en) Adv. ‘mit Recht, durch Gericht’. Gerichtsbarkeit f. ‘Befugnis zur Rechtsprechung’ (16. Jh.), bis ins 18. Jh. daneben Gerichtbarkeit, gebildet zum Adjektiv frühnhd. gerichtbar ‘der Gerichtsgewalt unterworfen, gerichtlich’. Gerichtshof m. ‘aus mehreren Mitgliedern bestehendes höheres Gericht’, so seit der 1. Hälfte des 18. Jhs. als Verdeutschung von frz. cour (de justice), tribunal; vorher bereits frühnhd. in der Bedeutung ‘Hof, wo Gericht gehalten wird, Gerichtsstätte’ (15. Jh.). Gerichtsvollzieher m. ‘für Zustellungen und Vollstreckungen zuständiger Gerichtsangestellter’, durch die Deutsche Zivilprozeßordnung von 1877 eingeführte Bezeichnung.

Thesaurus

Synonymgruppe
(Frau) Justitia (Allegorie) · (die) Gerichte · Gerichtsbarkeit · ↗Judikative · ↗Justiz · Justizgewalt · ↗Rechtsprechung · dritte Gewalt  ●  (der) (lange) Arm des Gesetzes  fig. · (die) Mühlen der Justiz  fig. · rechtssprechende Gewalt  fachspr.
Unterbegriffe
  • Grundgesetz · ↗Konstitution · ↗Staatsverfassung · ↗Verfassung
  • Konsulargerichtsbarkeit · Konsularjurisdiktion · konsularische Rechtsprechung
  • Akademische Gerichtsbarkeit · Universitätsgerichtsbarkeit
  • Justizgerichtsbarkeit · ordentliche Gerichtsbarkeit
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeitsgerichtsbarkeit Ausübung Exekutive Freistellung Gerichtsbarkeit Gesetzgebung Haager IGH Immunität Legislative ausschließlich bischöflich bundesdeutsch dreistufig freiwillig funktionierend geistlich irdisch kirchlich nieder obligatorisch ordentlich streitig unabhängig universell unterstehen unterwerfen weltlich zivil überstellen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gerichtsbarkeit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nicht nur Studenten war das strengstens untersagt; doch nur sie unterstanden speziell der universitären Gerichtsbarkeit.
Der Tagesspiegel, 25.02.2000
Es gelang ihm, die Gerichtsbarkeit in weiteren Teilen des grundherrlichen Besitzes zurückzugewinnen.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1936, S. 476
Wie ungeheuer viele Fälle der "strittigen" Gerichtsbarkeit sind aber gar nicht strittig!
Huth, Theodor: Justizreformen und Laien. In: Die Neue Gesellschaft, 03.10.1907, S. 426
Die sehr wechselnde und kampfreiche Entwicklung der späteren Gerichtsbarkeit kann hier nicht verfolgt werden.
Fischer, Hermann: Grundzüge der Deutschen Altertumskunde, Leipzig: Quelle & Meyer 1917 [1908], S. 64
Ein sitzender Rat führte die Geschäfte, ein Vogt übte die Gerichtsbarkeit aus.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1931, S. 432
Zitationshilfe
„Gerichtsbarkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gerichtsbarkeit>, abgerufen am 16.07.2019.

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