Gerichtsvollzieher, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
WorttrennungGe-richts-voll-zie-her
eWDG, 1967

Bedeutung

Angestellter beim Kreisgericht, der für Zustellungen und Vollstreckungen, besonders Pfändungen, zuständig ist
Beispiele:
Schulden durch den Gerichtsvollzieher eintreiben
der Gerichtsvollzieher pfändete einige Wertgegenstände
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gericht1 · gerichtlich · Gerichtsbarkeit · Gerichtshof · Gerichtsvollzieher
Gericht1 n. ‘mit der Rechtsprechung beauftragte Institution und deren Sitz’, auch ‘das Ausüben der Rechtsprechung’, ahd. girihti ‘Urteil, Gericht, Satzung, Regel’ (um 1000), mhd. geriht(e), mnd. gerichte, richte ‘Gericht, Ausübung des Richteramts, Urteilsspruch, Urteilsvollstreckung, Gerichtsbarkeit, Gerichtsbezirk’ (mhd. außerdem ‘Regierung, Reichsverwaltung’), mnl. gherechte, gherichte ‘Recht, Urteil, Gerichtssitzung’, nl. gerecht, gericht ‘Gericht, Gerichtsgebäude, Gerichtssitzung, Urteil’, aengl. gerihte ‘Recht, Pflicht, Gottesdienst, gerade Richtung’, anord. -rētti ‘Recht’ (in Zusammensetzungen wie anord. harðrētti ‘Bedrängnis, schlechte Behandlung’, jafnrētti ‘gleiches Recht’); auf anderer Bildungsweise beruht dagegen got. garaíhtei f. ‘Gerechtigkeit’. Das Neutrum (germ. *ga-rihtia-) ist wohl zunächst denominative Ableitung (s. ↗recht, ↗Recht und ↗gerecht) mit kollektivem Sinn (s. ↗ge-), wird aber früh mit dem bei ↗richten (s. d.) dargestellten Verb verbunden, das schon ahd. in der Verwendung ‘das Richteramt ausüben, Recht sprechen’ gebräuchlich ist. gerichtlich Adj. ‘vor Gericht stattfindend, durch das Gericht veranlaßt’ (15. Jh.); vgl. mnd. gerichtlīk(en), richtlīk(en) Adv. ‘mit Recht, durch Gericht’. Gerichtsbarkeit f. ‘Befugnis zur Rechtsprechung’ (16. Jh.), bis ins 18. Jh. daneben Gerichtbarkeit, gebildet zum Adjektiv frühnhd. gerichtbar ‘der Gerichtsgewalt unterworfen, gerichtlich’. Gerichtshof m. ‘aus mehreren Mitgliedern bestehendes höheres Gericht’, so seit der 1. Hälfte des 18. Jhs. als Verdeutschung von frz. cour (de justice), tribunal; vorher bereits frühnhd. in der Bedeutung ‘Hof, wo Gericht gehalten wird, Gerichtsstätte’ (15. Jh.). Gerichtsvollzieher m. ‘für Zustellungen und Vollstreckungen zuständiger Gerichtsangestellter’, durch die Deutsche Zivilprozeßordnung von 1877 eingeführte Bezeichnung.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gerichtsvollzieher · Inkassobevollmächtigter · Schuldeneintreiber  ●  ↗Exekutor  österr.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amtsgericht Dauergast Kuckuck Möbelpacker Möbelwagen Notar Pfändung Rechtsanwalt Rechtspfleger Schlosser Schuldner Vollstreckung Wohnungseigentümer Zwangsräumung Zwangsvollstreckung angehend anrücken beauftragen beauftragt beschlagnahmen eintreiben hetzen kleben klingeln losschicken pfänden vollstrecken zustellen überbringen überlasten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gerichtsvollzieher‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann klopft der Gerichtsvollzieher, und die nächste Szene zeigt den Raum leer.
Der Tagesspiegel, 06.12.1999
Im öffentlich-rechtlichen Raum kommt kein Gerichtsvollzieher mit dem "Kuckuck" daher.
Die Welt, 23.06.1999
Das eine Zimmer wurde vom Gerichtsvollzieher beschlagnahmt, da kam der Kuckuck drauf.
Runge, Erika (Hg.), Bottroper Protokolle, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1968, S. 69
Mit weiteren Besuchen des Gerichtsvollziehers habe ich Herrn Abs verschont.
Hannover, Heinrich: Die Republik vor Gericht 1975 - 1995, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1999], S. 36
Der Rest, der übrigbleibt, fällt dem unbarmherzigen Gerichtsvollzieher Tod in den Schoß.
Thoma, Hans: Im Winter des Lebens. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 24526
Zitationshilfe
„Gerichtsvollzieher“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gerichtsvollzieher>, abgerufen am 17.09.2019.

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