Germanist, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Germanisten · Nominativ Plural: Germanisten
Aussprache
WorttrennungGer-ma-nist
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Germanist‹ als Erstglied: ↗Germanistin · ↗germanistisch  ·  mit ›Germanist‹ als Letztglied: ↗Indogermanist · ↗Schmalspurgermanist
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
Wissenschaftler auf dem Gebiet der Germanistik; jmd., der sich wissenschaftlich mit der deutschen Sprache und Literatur befasst
Beispiele:
Seit 70 Jahren arbeiten […] mehrere Generationen von Germanisten daran, alle Wörter, die Johann Wolfgang Goethe jemals gebraucht hat, zu erfassen und zu erklären. [Die Welt, 17.12.2016, Nr. 296]
Der Germanist Stefan Hauser hat sich in einer Studie zum Erwerb narrativer Fähigkeiten mit dem Thema »Wie Kinder Witze erzählen« beschäftigt. [Der Standard, 24.08.2016]
Der Cambridger Germanist Nicholas Boyle formt mehr als tausend Jahre deutscher Literaturgeschichte zu einer sinnstiftenden Erzählung im bescheidenen Umfang von 250 Seiten. [Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2009]
Vor allem muttersprachliche Germanisten, die im Ausland deutsche Linguistik und Literatur vermitteln, finden völlig andere Voraussetzungen vor als ihre Kollegen in der jeweiligen Heimat. [Der Standard, 23.11.2002]
Martin, Ernst, Germanist, geb. 5. Mai 1841 in Jena, 1868 Prof. in Freiburg i. Br.[…], vornehmlich als Herausgeber älterer deutscher und niederländ. Dichtungen tätig. [o. A.: M. In: Brockhausʼ Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 45207]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein angehender, studierter, promovierter, habilitierter, emeritierter Germanist
in Koordination: Germanisten und Anglisten, Romanisten, Slawisten
als Aktivsubjekt: ein Germanist untersucht, schreibt, veröffentlicht [etw.]
als Genitivattribut: das Buch, der Vortrag des Germanisten
2.
veraltet Jurist auf dem Gebiet des deutschen und germanischen Rechts
Beispiele:
Infolgedessen war auch der Rechtsunterricht in einen solchen des römischen und des deutschen Rechts gespalten, und es wirkten an den Universitäten die Romanisten und die Germanisten nebeneinander. [Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 05.03.1925]
In diesem Sinne begibt sich Klaus Lüderssen mit seiner Studie »Schiller und das Recht« auf eine juristische Spurensuche […]. Zum einen geht es um den Aufstieg des modernen Strafrechts aus dem Konflikt zwischen Machtstrategie und Kulturleistung. Zum anderen um die alte Verwandtschaft zwischen Jurisprudenz und Literaturwissenschaft, die schon auf den ursprünglichen Begriff vom Germanisten als dem Erforscher des germanischen Rechts zurückgeht. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2005]
Er war der erste, der mit großer Energie dem römischen Recht die Existenzberechtigung in seiner deutschen Heimat absprach. Erst sehr viel später, im 19. Jahrhundert, sollte das wieder eine größere Bewegung unter deutschen Juristen werden, die mit ihrem eigenen Recht gegen das römische ins Feld zogen, die »Germanisten« gegen die »Romanisten« […]. [Die Zeit, 17.03.1989, Nr. 12]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Germanist · Germanistik · germanistisch
Germanist m. ‘Lehrer, Forscher auf dem Gebiet der Germanistik’. Die wohl dem Muster von älterem, zunächst allerdings in anderen Verwendungen bezeugtem ↗Romanist (s. d.) folgende Bildung ist seit dem frühen 19. Jh. im juristischen Sprachgebrauch für ‘Vertreter des germanischen Rechts’ üblich. Mit dem Aufblühen der historisch-philologischen Wissenschaft erweitert sich der Anwendungsbereich dieser Bezeichnung. Sie wird auf der ersten „Gelehrten-Versammlung“ der Germanisten 1846 ausdrücklich (durch J. Grimm, der sich auf bereits in entsprechendem Sinne gebräuchliches ↗Slawist, s. d., und auf frz. latiniste ‘Kenner des Lateinischen’ beruft) auch für Erforscher der germanischen Sprachen und Literaturen und der Geschichte der Germanen in Anspruch genommen und gilt seitdem vor allem für die Vertreter der germanischen, in engerem Sinne auch der deutschen Philologie. Die Herkunft des zugrunde liegenden Namens Germanen, der zuerst in der Form lat. Germānī als zusammenfassende Benennung für die Angehörigen der in den letzten Jahrhunderten vor der Zeitenwende nördlich der Alpen und östlich des Rheins ansässigen Stämme auftritt, ist trotz vieler Etymologisierungsversuche ungeklärt; u. a. wird Identität mit dem Adjektiv lat. germānus ‘leiblich, echt, wahr’ oder kelt. Ursprung (vgl. etwa air. gairm ‘Ruf, Schrei’ oder air. gair ‘Nachbar’) erwogen. Germanistik f. ‘Wissenschaft von den germanischen Sprachen und Literaturen’ (2. Hälfte 19. Jh.), bald auch enger (im Unterschied zu ↗Anglistik, s. d., und Nordistik) ‘deutsche Philologie’; germanistisch Adj. ‘in das Gebiet der Germanistik gehörend’, daneben in der Rechtswissenschaft ‘das germanische Recht vertretend’ (1. Hälfte 19. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Altphilologe Anglist Deutschlehrer Germanist Göttinger Historiker Komparatist Kulturwissenschaftler Kunsthistoriker Linguist Literaturkritiker Literaturwissenschaftler Matt Musikwissenschaftler Philologe Philosoph Politikwissenschaftler Politologe Romanist Sozialwissenschaftler Soziologe Sprachwissenschaftler Theaterwissenschaftler Volkskundler angehend habilitiert lehrend promoviert studiert Übersetzer

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Germanist‹.

Zitationshilfe
„Germanist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Germanist>, abgerufen am 20.02.2019.

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