Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gerstensaft, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Gerstensaft(e)s · Nominativ Plural: Gerstensäfte
Aussprache 
Worttrennung Gers-ten-saft
Wortzerlegung Gerste Saft
eWDG

Bedeutung

gespreizt Bier
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gerste · Gerstenkorn · Gerstensaft
Gerste f. Getreideart mit langen Grannen. Die Herleitung des nur im Kontinentalwestgerm. bezeugten Namens ahd. gersta ‘Gerste, Gerstengrütze’ (9. Jh.; vgl. girstīn Adj., um 800), mhd. gerste, asächs. gersta, mnd. gerste, mnl. gherste, gheerste, garste, nl. gerst, germ. *gerstō ist nicht sicher geklärt. Erwogen wird Verwandtschaft mit (schwundstufigem) lat. hordeum ‘Gerste’ (der Bildung nach ein abgeleitetes Stoffadj.) und alban. dritḣë ‘Getreide’. Erschließbar ist ie. *g̑herzd(h)-, *g̑hṛzd(h)- ‘Stachliges, Grannenkorn’, wozu vielleicht auch griech. krī́, krīthḗ (κρῖ, κριθή) ‘Gerste’ zu stellen ist. Formen ohne d(h)-Erweiterung können (bei Annahme eines Gutturalwechsels) in lit. gìrsa, lett. dzirši ‘Trespe’ (ein Rispengras) vorliegen. Da einige germ. Sprachen andere Namen für Gerste aufweisen (vgl. got. barizeins Adj. ‘aus Gerste’, abgeleitet von *bariz-, aengl. bere ‘Gerste’, anord. barr ‘Getreide’), darf in der hier genannten Gruppe wohl eine gemeinsame Neuerung gesehen werden. Vergleicht man aind. hárṣatē ‘ist erregt, ist ungeduldig, freut sich’, auch ‘steht zu Berge, starrt’ (vom Haar), griech. chérsos (χέρσος) ‘Festland, trockenes, unfruchtbares, unbebautes Land’, adjektivisch ‘trocken, unfruchtbar’, lat. horrēre ‘emporstarren, starr sein’ und aengl. gors, gorst, engl. gorse ‘Stechginster’, so ergibt sich eine Wurzel ie. *g̑her(s)- ‘starren, beben’, aus der Gerste und seine möglichen Verwandten ableitbar sind. Gerstenkorn n. ‘Samenkorn der Gerste’ (14. Jh.), vgl. die genitivische Fügung ahd. gerstūn korn (9. Jh.); ‘kleines Gewicht und Längenmaß’ (15. Jh.); vergleichend ‘(eitrige) kleine Geschwulst am Augenlid’ (16. Jh.), in der Übersetzung von medizin.-lat. Hordeolum (nach gleichbed. lat. hordeolus m., dem Deminutivum von lat. hordeum n. ‘Gerste’). Gerstensaft m. ‘Saft der ausgekochten Gerste’ (16. Jh.), ‘Bier’ (um 1700).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bier  ●  Ballerbrühe  derb, salopp, abwertend · Bölkstoff  ugs., salopp, norddeutsch · Flüssigbrot  ugs., scherzhaft · Gerstenkaltgetränk  ugs. · Gerstenkaltschale  ugs., ironisch, fig. · Gerstensaft  ugs. · Hopfen und Malz  ugs. · Hopfenkaltschale  ugs., ironisch, fig. · Hopfentee  ugs., ironisch, fig. · Krawallbrause  ugs., fig. · Maurerbrause  derb, fig.
Oberbegriffe
  • Teufel Alkohol · alkoholhaltiges Getränk  ●  Alkoholika  Plural · alkoholisches Getränk  Hauptform · Alk  ugs., salopp · Alkohol  ugs. · Seelentröster  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Gerstensaft‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gerstensaft‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gerstensaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bislang hatten sich unsere Nachbarn beim Genuß des germanischen Gerstensaftes – völlig unverständlicherweise – ziemlich zurückgehalten. [Die Zeit, 07.05.1998, Nr. 20]
Und das hat weniger mit der Qualität des deutschen Gerstensaftes als vielmehr mit seinem Preis zu tun. [Die Zeit, 17.06.1988, Nr. 25]
Sie hielten sich, der Linie wegen, im Konsum des Gerstensaftes sehr zurück. [Die Zeit, 23.05.1969, Nr. 21]
Bier war für die Bayern schon immer mehr als nur gebrauter Gerstensaft. [Süddeutsche Zeitung, 15.07.1999]
Deshalb müsse man den Gerstensaft zeitgemäß vermarkten, damit er akzeptiert werde. [Süddeutsche Zeitung, 21.04.1997]
Zitationshilfe
„Gerstensaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gerstensaft>.

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