Geschöpf, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Geschöpf(e)s · Nominativ Plural: Geschöpfe
Aussprache
WorttrennungGe-schöpf
Wortbildung mit ›Geschöpf‹ als Letztglied: ↗Gottesgeschöpf · ↗Mitgeschöpf
eWDG, 1967

Bedeutung

Lebewesen
Beispiele:
ein Geschöpf unserer Erde
alle Geschöpfe brauchen Wasser, durchlaufen eine Entwicklung
wir sind alle Geschöpfe dieser Welt
Der Mensch ist ein nachahmendes Geschöpf [SchillerWallenst. TodIII 4]
Mensch
Beispiele:
sie, er ist ein armes, bemitleidenswertes, harmloses Geschöpf
umgangssprachlichdu bist ein dummes, faules, liederliches, albernes, undankbares Geschöpf!
sie ist ein süßes, reizendes, blühendes Geschöpf
ein Kind von fünfzehn Jahren, ein stilles, kränkliches Geschöpf mit schönen Augen [HesseNarziß5,199]
Es ist nicht zum Ansehen, wenn so einem kleinen Geschöpf Tränen in den Augen stehen [KästnerLottchen106]
abwertend Kreatur
Beispiel:
Ihr konntet Ihr Geschöpf und Werkzeug sein, / Mich in das Garn zu ziehen [SchillerStuartII 8]
übertragen das Geschaffene, das geistige Erzeugnis
Beispiele:
ein Geschöpf seiner Phantasie, Einbildungskraft
Es ist bekannt, daß jeder echte Dichter sich bis zu einem gewissen Grade mit seinen Geschöpfen identifiziert [Th. Mann11,12]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schaffen · abschaffen · anschaffen · beschaffen1 · beschaffen2 · erschaffen · nachschaffen · Schaffe · Schaffner · Geschöpf · Schöpfer2 · schöpferisch · Schöpfung
schaffen Vb. ‘in eigener Leistung hervorbringen, gestalten’ und (besonders südd.) ‘arbeiten, zustande bringen’. Das stark flektierende Verb (mit j-Präsens) ahd. skephen ‘(er)schaffen, (be)wirken, gestalten, ordnen, festsetzen’ und auch ‘(Wasser) schöpfen’ (8. Jh.) entwickelt (aus der Partizipialform giscaffan) einen neuen Präsensstamm mit dem Infinitiv mhd. schaffen, nhd. schaffen (schuf, geschaffen). Verwandt sind asächs. skeppian ‘(er)schaffen, bestimmen’, aengl. scieppan ‘(er)schaffen, bilden anordnen, machen’, got. gaskapjan ‘erschaffen’, ferner ↗schaben, ↗Schaff, ↗Schaft, ↗Scheffel (s. d.) und die dort genannten Wortformen, so daß, ausgehend von einer Bedeutung ‘schnitzend gestalten’, Anschluß an die Variante ie. *skā̌b(h)- der Wurzel ie. *(s)kē̌p-, *(s)kō̌p-, *(s)kā̌p- ‘mit scharfem Werkzeug schneiden, spalten’ möglich ist. Neben dem starken Verb ahd. skephen (s. oben) steht ein gleichlautendes schwaches jan-Verb ahd. skephen ‘(er)schaffen, gestalten, bilden’ und ‘(Wasser) schöpfen’ (8. Jh.); beide Verben haben sich anscheinend semantisch miteinander vermischt (Weiteres s. ↗schöpfen). Weiterhin steht zum starken Verb die schwach flektierende Intensivbildung ahd. scaffōn ‘tun, bilden, zustande bringen, anordnen’ (8. Jh.), mhd. schaffen, nhd. schaffen ( schaffte, geschafft), deren Infinitiv- und Präsensformen im Mhd. und Nhd. mit denen des oben genannten starken Verbs zusammenfallen. Für das starke Verb ist heute von einer Grundbedeutung ‘etw. hervorbringen, bewirken’, für das schwache Verb von einer Grundbedeutung ‘einrichten, ordnen’ (weiter ‘anordnen, tätig sein, arbeiten, herbei-, wegbringen’) auszugehen. Starke und schwache Flexion zeigen entsprechend mnd. scheppen, mnl. sceppen und engl. to shape (mit dem Part. Prät. shaped und, allerdings selten und älter, shapen). Zum schwachen Verb stellen sich (auch bei teilweise starker Flexion bis ins 16. Jh.) abschaffen Vb. ‘aufheben, beseitigen’, mhd. abeschaffen (14. Jh.), südd. auch ‘sich abarbeiten’; anschaffen Vb. ‘etw. in seinen Besitz bringen, sich aneignen’ (16. Jh.), ‘anordnen, verursachen’ (15. Jh.); beschaffen1 Vb. ‘herbeiholen, besorgen’ (15. Jh.); vgl. ahd. biscaffōn ‘gestalten, bilden’ (8. Jh.); dagegen beschaffen2 Part.adj. ‘geartet, geformt, befindlich’ (15. Jh.), mhd. ‘vorhanden, durch das Schicksal bestimmt’, zu (vorwiegend stark flektierendem) mhd. beschaffen ‘(er)schaffen, bestimmt oder zugeteilt sein, ordnen, verwalten, herbeibringen’. Zum starken Verb gehören erschaffen Vb. ‘entstehen lassen, gestalten, formen’, geläufig seit dem 16. Jh.; nachschaffen Vb. ‘gestaltend nachbilden’ (18. Jh.), ‘nachträglich anschaffen’ (17. Jh.). Schaffe f. ‘Leistung, (großartige) Angelegenheit’, neugebildetes Verbalabstraktum der Jugendsprache (20. Jh.); zuvor (ohne direkte Nachfolge) mhd. schaffe ‘Anordnung, Befehl’. Schaffner m. ‘Besorger, Ordner, Aufseher, Verwalter’, mhd. schaffenære, scheffenære, nach voraufgehendem schaffære, scheffære, ahd. scaffāri (um 1000). Seit dem 19. Jh. fast nur noch für das Bedienungs- und Aufsichtspersonal bei Bahn und Post, vgl. Postschaffner, Eisenbahnschaffner. Den alten Stammsilbenvokal des starken Verbs (nach ahd. skephen) bewahren (zu ö gerundet) Geschöpf n. ‘das Erschaffene, Geformte’ (15. Jh.), anfangs auch Vorgangsbezeichnung im Sinne von ‘Erschaffung’; Schöpfer2 m. ‘wer etw. erschafft, gestaltet’, auch Bezeichnung des christlichen Gottes als des Erschaffers der Welt, ahd. skephāri (9. Jh.), mhd. schepfære, schephære (vgl. früher bezeugtes ahd. skepho, 8. Jh.); schöpferisch Adj. ‘gestaltend, Neues erschaffend’ (18. Jh.); Schöpfung f. ‘Vorgang und Ergebnis des Gestaltens’, mhd. schepfunge, schepfenunge im Sinne des göttlichen Erschaffens der Welt, seit dem 18. Jh. ‘Gesamtheit von Natur und Welt’, auch ‘geistiges, künstlerisches Schaffen und sein Produkt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Geschöpf · ↗Kreatur · ↗Wesen  ●  ↗Lebewesen  fachspr., Hauptform · ↗Organismus  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Prometheus Schöpfer Werbewelt anmutig arm armselig bedauernswert bemitleidenswert bezaubernd edel elend entzückend fragil hold liebenswert lieblich liebreizend magisch menschenähnlich minderwertig monströs niedlich reizend undankbar wehrlos willenlos wunderlich zart zauberhaft zierlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Geschöpf‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und ich, das fragile Geschöpf, habe ihr nichts entgegenzusetzen als Staunen.
Der Tagesspiegel, 16.07.2002
Ich kann sie kaum bemitleiden, sie ist ein zu schwachsinniges ewig unzufriedenes Geschöpf.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1924. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1924], S. 67
Die Gesetze Gottes haben alle das Wohl der Geschöpfe zum Ziele.
Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1912], S. 14266
Jetzt wäre ihm sogar eines dieser widerlichen Geschöpfe ein Trost gewesen.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 256
Staubfinger schob die Hand in das gläserne Gefängnis und hob das kleine Geschöpf behutsam heraus.
Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 622
Zitationshilfe
„Geschöpf“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Geschöpf>, abgerufen am 13.11.2019.

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