Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Geschlecht, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Geschlecht(e)s · Nominativ Plural: Geschlechter
Aussprache  [gəˈʃlɛçt]
Worttrennung Ge-schlecht
Wortbildung  mit ›Geschlecht‹ als Erstglied: Geschlechterbild · Geschlechterbuch · Geschlechterdiskurs · Geschlechterfolge · Geschlechterforschung · Geschlechterfrage · Geschlechtergerechtigkeit · Geschlechterhierarchie · Geschlechteridentität · Geschlechterkonstruktion · Geschlechterkunde · Geschlechtermodell · Geschlechterordnung · Geschlechterpolitik · Geschlechterpsychologie · Geschlechterrolle · Geschlechterstereotyp · Geschlechtertanz · Geschlechterunterschied · Geschlechterverhältnis · Geschlechtsakt · Geschlechtsapparat · Geschlechtsbestimmung · Geschlechtscharakter · Geschlechtschromosom · Geschlechtsdrüse · Geschlechtsfolge · Geschlechtsgenosse · Geschlechtshormon · Geschlechtsidentität · Geschlechtskonstruktion · Geschlechtskrankheit · Geschlechtsmerkmal · Geschlechtsmodell · Geschlechtsorgan · Geschlechtspartner · Geschlechtsprodukt · Geschlechtsregister · Geschlechtsreife · Geschlechtsrolle · Geschlechtsteil · Geschlechtstrieb · Geschlechtsumwandlung · Geschlechtsunterschied · Geschlechtsverkehr · Geschlechtswort · Geschlechtszelle · Geschlechtszugehörigkeit · geschlechtergerecht · geschlechterneutral · geschlechtersensibel · geschlechterspezifisch · geschlechtlich · geschlechtshierarchisch · geschlechtskrank · geschlechtslos · geschlechtsneutral · geschlechtsreif · geschlechtsspezifisch · geschlechtstypisch
 ·  mit ›Geschlecht‹ als Letztglied: Adelsgeschlecht · Bauerngeschlecht · Fürstengeschlecht · Grafengeschlecht · Herrschergeschlecht · Klanggeschlecht · Menschengeschlecht · Patriziergeschlecht · Riesengeschlecht · Tongeschlecht
 ·  mit ›Geschlecht‹ als Binnenglied: eingeschlechtig · getrenntgeschlechtig · gleichgeschlechtig · ungeschlechtig · ungleichgeschlechtig · zweigeschlechtig
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Biologie, häufig metonymisch (auf die Ausbildung männlicher oder weiblicher Geschlechtsorgane bezogene) Gesamtheit biologischer Merkmale, die ein Lebewesen als weiblichen, männlichen oder intersexuellen Typus charakterisiert
Synonym zu Sexus (1 a)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das biologische, weibliche, männliche Geschlecht
als Akkusativobjekt: das Geschlecht feststellen, [operativ] wechseln
mit Genitivattribut: das Geschlecht des Babys, des Embryos, des Neugeborenen; das Geschlecht des Jungtiers, des Partners
Beispiele:
ein Kind männlichen GeschlechtsWDG
die physische Verschiedenheit der GeschlechterWDG
In früheren Zeiten wurden Intersexuelle meist als Pseudo‑Hermaphroditen (Mix aus den griechischen Göttern Hermes und Aphrodite) oder »unechte Zwitter« bezeichnet. Echte Zwitter sind in der Biologie Lebewesen, die grundsätzlich beide Geschlechter haben (z. B. Regenwürmer, Tulpen). [Bild, 09.11.2017]
Bei Intersexuellen können Chromosomen, Hormone, die inneren oder die äußeren Geschlechtsorgane nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugeordnet werden. [Süddeutsche Zeitung, 15.12.2018]
[…] bei einigen Sorten von Kiwi‑ und Aprikosenbäumen handelt es sich um sogenannte zweihäusige Pflanzen. Sie haben entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten und brauchen mindestens einen Partner anderen Geschlechts zur Fortpflanzung. [Aachener Zeitung, 02.08.2018]
Für eine gute Ernte pflanzt man mehrere [Nuss-]Sträucher, die sich gegenseitig befruchten können. Auf das Geschlecht der Sträucher muss nicht geachtet werden, da jede Pflanze männliche und weibliche Blüten ausbildet. Der Wind sorgt für die Befruchtung. [Aachener Zeitung, 10.01.2013]
Die Schwebfliegen‑Weibchen, aber auch die Männchen erfreuen sich an dem wenigen Nektar, den die Orchideenblüte zur Verfügung stellt, und beide Geschlechter dienen als Pollenüberträger[…]. [Thüringer Allgemeine, 20.10.2010]
Ab Januar nächsten Jahres darf auch das weibliche Geschlecht eine Karriere bei der Bundeswehr antreten. [Thüringer Allgemeine, 03.08.2000]
gehoben als primäres Geschlechtsmerkmal ausgebildetes äußeres, sichtbares Geschlechtsorgan
Beispiele:
Adam und Eva wurden sich bekanntlich erst mit dem Sündenfall ihrer Nacktheit bewusst und verbargen aus Scham ihr Geschlecht hinter eilends zu einem Schurz zusammengesteckten Feigenblättern. [Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2000]
In einer Szene bedeckt sich eine Tänzerin das blanke Geschlecht mit Blütenblättern, neben sich einen Mann mit einer Blumenkrone. [Frankfurter Rundschau, 08.04.2019]
»Da die Muschel von ihrer Form her dem weiblichen Geschlecht (Vulva, Vagina) ähnelt, gilt sie als Symbol der weiblichen Sexualität, Erotik und Fruchtbarkeit.« (Symbollexikon) […] [Celan: Corona – Interpretation, 12.03.2016, aufgerufen am 01.09.2020]
Bei einer Talkshow sagt eine Femen‑Aktivistin, sie würde sich […] ganz ausziehen und ihr Geschlecht mit dem Koran bedecken. [Süddeutsche Zeitung, 22.06.2013]
[Beschreibung einer Holzskulptur:] Der Mann mit schmerzverzerrtem Gesicht steht auf einer Schildkröte, sein Geschlecht von einem Tierschädel bedeckt. [Neue Zürcher Zeitung, 12.02.2010]
Mark Twain ärgerte sich. Als er 1867 Italien besuchte, hatte man dort das Geschlecht aller Skulpturen mit Feigenblättern verhängt. »Zuvor hat vielleicht niemand ihre Nacktheit bemerkt; nun kann keiner umhin, sie zu bemerken – die Feigenblätter machen sie so auffällig.« [Die Welt, 06.09.2000]
2.
Soziologie, häufig metonymisch Synonym zu Gender
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: die Benachteiligung, die Diskriminierung aufgrund, wegen des Geschlechts; die Gleichberechtigung, die Machtverhältnisse, die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern; die Differenz, die Kluft, das Ungleichgewicht, die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern
als Genitivattribut: das Verhältnis, die Gleichbehandlung, die Gleichberechtigung, die Gleichstellung, der Kampf der Geschlechter
Beispiele:
Gender beschreibt auf einer wissenschaftlichen Ebene das sozial konstruierte Geschlecht und auf einer aktivistischen und persönlichen Ebene die Geschlechtsidentität einer Person. Geschlechtsidentität bedeutet hier die persönliche Vorstellung vom eigenen Geschlecht und der eigenen Geschlechterrolle. [Gender, 29.09.2020, aufgerufen am 02.09.2021]
Der Gleichbehandlung der Geschlechter wäre weit mehr gedient, wenn man sich zum Beispiel für einen fairen Umgang miteinander, für gleiche Entlohnung und gleiche Karrierechancen einsetzen würde. [Süddeutsche Zeitung, 16.06.2021]
Mit Vorliebe nimmt das Duo dabei [in seinem kabarettistischen Bühnenprogramm] die Absurditäten zwischenmenschlicher Gepflogenheiten unter die Lupe und bestreitet dabei einen Kampf der Geschlechter, bei dem es keinen Verlierer und keinen Sieger gibt, sondern nur einen Gewinner: das Publikum. [Münchner Merkur, 24.02.2021]
Sind eine Bewerberin als auch ein Bewerber gleichermaßen für die ausgeschriebene Stelle geeignet, spricht sich die Gleichstellungsbeauftragte für das in diesem Fall unterrepräsentierte Geschlecht aus. [Südkurier, 08.03.2019]
Vor allen in Positionen, bei denen die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern besonders auseinandergeht, verzichten Arbeitgeber überdurchschnittlich häufig auf die Gehaltsangabe. [Die Zeit, 06.05.2016 (online)]
a)
Psychologie nichtbinäre, unabhängig vom biologischen Geschlecht (1) geltende Kategorie der sexuellen Selbstidentifikation, der individuellen Geschlechteridentität
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: das Geschlecht wechseln
Beispiele:
Ihr Coming‑out vollzog sie […] per E‑Mail an Arbeitskollegen, an Eltern und Erzieher, Freunde und Bekannte: »Seit drei Jahren weiß ich, dass ich transident bin, das heißt, dass mein körperliches und mein psychisches Geschlecht nicht zusammenpassen. Daher habe ich mich entschlossen, ab 1. März 2014 als Frau zu leben. Ich heiße dann Livia P[…] [In Einklang bringen, 09.05.2016, aufgerufen am 01.09.2020]
Neben [den Kategorien] »männlich« und »weiblich« gibt es da [auf einer Webseite] zum Beispiel »agender« für Menschen, die sich überhaupt nicht mit einem Geschlecht identifizieren möchten, »androgyn« für jemanden, der sich weder männlich noch weiblich fühlt, »bigender« für Nutzer, denen es genau andersrum geht, die sich also sowohl männlich als auch weiblich fühlen und »cis« samt den Unterbegriffen »cis female«, »cis male« und so weiter für diejenigen, die sich nicht nur männlich fühlen, sondern es auch sind. [Süddeutsche Zeitung, 05.09.2014]
Am 9. Dezember 2014 wurde der Bericht der FRA (European Agency for Fundamental Rights) zu der großen Befragung zur Lebenssituation von LGBT‑Personen in Europa veröffentlicht. […] Dieser Bericht widmet sich speziell der Situation von Trans‑Personen. Dieser Oberbegriff beinhaltet alle Personen, die sich mit einem Geschlecht identifizieren oder ihre Geschlechtsidentität in einer Weise ausdrücken, die sich von dem [biologischen] Geschlecht unterscheidet, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. [Bürger, die nicht sie selbst sein dürfen, 09.07.2020, aufgerufen am 31.08.2020]
Die Bezeichnung Intersexualität bezieht sich auf Menschen, die sich aufgrund von körperlichen Besonderheiten nicht eindeutig als männlich oder weiblich einordnen lassen. […] Im Gegensatz dazu sind transsexuelle [sic!, Transsexuelle] Menschen mit einem eindeutigen biologischen Geschlecht, die sich jedoch psychisch dem anderen [biologischen] Geschlecht zugehörig fühlen und deshalb für sich oft medizinische Eingriffe zur Anpassung ihres Körpers an das psychische Geschlecht wählen und ihren Geschlechtseintrag im Personenstandsregister entsprechend den Möglichkeiten des Transsexuellengesetzes ändern lassen. [Die Zeit, 08.11.2017 (online)]
In Amerika [den USA] darf ein transsexuelles Kind (geboren als Junge, fühlt sich als Mädchen) in der Schule nicht die Toilette seines gefühlten Geschlechts benutzen [woraufhin die Eltern gerichtlich gegen die Schule des Kinds vorgehen]. [Netzfunde vom Samstag, den 2. März 2013, 02.03.2013, aufgerufen am 01.09.2020]
b)
Phraseme:
das dritte Geschlecht (= nichtbinäre, nicht ausschließlich als männlich oder weiblich identifizierbare Geschlechteridentität) (= Gesamtheit der Personen mit nichtbinärer Geschlechteridentität)
veraltetdas dritte Geschlecht (= Gesamtheit der männlichen Homosexuellen)
Beispiele:
Die Tür vor der Damentoilette der Stadtbibliothek zeigt an, dass dort keine Männer, aber Menschen des dritten Geschlechts willkommen sind. [Neue Osnabrücker Zeitung, 17.08.2021]
Gemeint ist (= es geht um) Magnus Hirschfelds als Aufklärungsschrift konzipierte Studie »Berlins Drittes Geschlecht«, die eine Quelle ersten Ranges für das Leben der Homosexuellen um 1900 darstellt. […] Besonders intensiv widmet sich Hirschfeld der damals offenbar florierenden Freundschaft zwischen homosexuellen Herren und einfachen Soldaten. [Die Welt, 27.05.2006]
Das Statistische Amt des Saarlandes erhebt zwar Zahlen zum »dritten Geschlecht«; die amtliche Bevölkerungsstatistik weist jedoch nur männliche und weibliche Saarländer aus. [Saarbrücker Zeitung, 30.07.2021]
Wenn ich als bei Geburt weiblich zugewiesene Person mich mit keinem [biologischen] Geschlecht oder [aber mit] einem dritten Geschlecht identifiziere oder anderweitig genderqueer bin (genderfluid […]), und [mich in meiner Geschlechteridentität derart verorte, dass ich] an weiblich identifizierten Menschen ein romantisches/sexuelles Interesse habe, wie heiße ich dann? [Zwei Alternativen zur Triade »Frauen, Lesben, Trans«, 12.01.2015, aufgerufen am 01.09.2020]
spezieller Im ersten Jahr nach der Einführung des dritten Geschlechts [im Geburtenregister] haben sich in den großen Städten Brandenburgs nur wenige Menschen bei den Standesämtern als »divers« eintragen lassen. [Der Prignitzer, 28.12.2019]
3.
Sprachwissenschaft grammatikalische Kategorie des Substantivs, mit der weitere, sich darauf beziehende Wortarten (im Deutschen beispielsweise Adjektive, Artikel, Pronomen) Kongruenz (c) aufweisen
Synonym zu Genus
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das grammatische, grammatikalische Geschlecht
Beispiele:
Das Deutsche unterscheidet zwischen den grammatischen Geschlechtern Femininum, Maskulinum und Neutrum. (…) Viele Sprachen wie das Französische oder Spanische haben nur zwei geschlechtliche Artikel, und andere wie das Englische oder Japanische gar keine. [Das Alphabet des Denkens, 18.08.2015, aufgerufen am 01.09.2020]
Als ich vor sechzig Jahren in China Deutsch studiert habe, wurde uns das grammatische Geschlecht nicht biologisch (männlich, weiblich, divers) erklärt, sondern philosophisch: der Apfel – yang, die Birne – yin, das Obst – neutral. [Münchner Merkur, 22.02.2021]
Auch wenn die junge Syrerin, die seit drei Jahren in Kiel lebt, bereits sehr gut spricht, bereiten ihr manche Feinheiten der Sprache wie zum Beispiel die grammatischen Geschlechter (der, die, das) noch Probleme. [Kieler Nachrichten, 06.02.2021]
Man unterscheidet drei Genera (grammatische Geschlechter): Maskulinum, Femininum, Neutrum. [Hamburger Abendblatt, 08.05.2018]
4.
größere Gruppe (1 a), deren Mitglieder durch bestimmte Merkmale, Gemeinsamkeiten miteinander in Beziehung stehen
a)
häufig Mythologie (Gesamtheit der Wesen (4), Fabelwesen einer) Gattung, Art o. Ä.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das menschliche Geschlecht
mit Genitivattribut: das Geschlecht der Engel, der Menschen, der Riesen, der Sterblichen
Beispiele:
Kants Frage also, »ob das menschliche Geschlecht in ständigem Fortschreiten zum Besseren sei«, beantwortete Schopenhauer mit einem klaren Nein. [Fortschrittsglaube und Optimismus, 24.03.2019, aufgerufen am 31.08.2020]
Das Geschlecht der Riesen, so erzählen die Ursprungssagen der Edda, ist älter als das Göttergeschlecht der Asen. [Langevatn See nahe des Geirangerfjord, 24.05.2009, aufgerufen am 01.09.2020]
»Wie sollen wir Sie denn anreden?«, fragte Martin. Martin erschien es angebracht, diese Frau aus dem uralten Geschlecht der Elfen mit dem höflichen »Sie« anzureden. [Die Familie Quiddel, 19.07.2020, aufgerufen am 01.09.2020]
Es war ein langer, furchtbarer Krieg zwischen den Menschen und dem Geschlecht der Vampire. [Saarbrücker Zeitung, 12.05.2011]
Eine alte Prophezeiung besagt, dass sich ihr [einer Dämonin] nur eine junge Frau, die dem Geschlecht der Engel entstammt, und ein geheimnisvoller Junge entgegenstellen können – doch werden die beiden ihre Bestimmung erkennen, bevor die Apokalypse über die Menschheit hereinbricht? [Blood ANgel – Justine Wilson, 24.05.2007, aufgerufen am 01.09.2020]
b)
Genealogie (Gesamtheit der Angehörigen einer bestimmten) Familie, Sippe; (privilegierte, vornehme) Herkunft, Abstammung
siehe auch Stamm (2)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein adliges, aristokratisches, fürstliches, patrizisches, ritterliches Geschlecht; ein edles, vornehmes, uraltes Geschlecht
als Dativobjekt: einem [edlen, königlichen] Geschlecht entstammen
als Aktivsubjekt: das Geschlecht erlosch, starb aus
Beispiele:
er ist aus altem, vornehmem GeschlechtWDG
ein alteingesessenes GeschlechtWDG
Im »Großen Stammbuch« […] auf 227 Blatt – die Materialien sind Pergament, Papier und Seide – […] finden sich herrlich kolorierte Zeichnungen der damals neuen, ungeheuer kostbaren Tulpen neben prächtigen Wappentafeln adliger Geschlechter mit zeittypischen Allegorien. [Welt am Sonntag, 30.08.2020]
Hierzulande weitgehend unbekannt, beherrschten Könige aus dem Geschlecht der Jagiellonen um 1500 Europa von der Ostsee bis zur Adria, von der Elbe bis ans Schwarze Meer – einschließlich der Ober‑ und Niederlausitz im heutigen Sachsen und Brandenburg. [Die Zeit, 07.03.2013]
[…] 919[…] war Heinrich I. als erster Herrscher aus sächsischem Geschlecht zum König gekrönt worden. [Die Welt, 30.01.2009]
Indem sich Kaiser Claudius als Amphion, Sohn des Zeus, darstellen liess, interpretierte er sich selber als Zeus auf Erden. Dazu war er auch berechtigt, denn das Geschlecht der Claudier geht auf Telegonos, einen Sohn des Odysseus, zurück, der ebenfalls ein Sohn des Zeus war. [Neue Zürcher Zeitung, 09.11.1996]
Er nannte mir seinen Namen, Braquemart, an den ich mich erinnerte, und stellte mich dann dem andern vor, dem jungen Fürsten von Sunmyra, einem hohen Herren aus neuburgundischem Geschlecht. [Jünger, Ernst: Auf den Marmorklippen. Gütersloh: Bertelsmann 1995 [1939], S. 1]
c)
gehoben (Gesamtheit der Angehörigen einer bestimmten) Altersstufe, GenerationWDG
Beispiele:
das lebende, kommende GeschlechtWDG
spätere GeschlechterWDG
etw. vererbt sich von Geschlecht zu GeschlechtWDG
So lernten die Jungen von den Alten und bewahrten schaurige Geschichten und fromme Sagen von Geschlecht zu Geschlecht. [Mittelbayerische, 23.05.2018]
Als Zugabe [ertönt nun] ein Lied, das […] eine wichtige Botschaft an die junge Generation [enthält][…]. Aber es ist auch eine Erinnerung an die erwachsenen Generationen – unsere Spuren prägen die Welt, die wir den kommenden Geschlechtern als Erbe hinterlassen werden. [Reinhard Mey – Kleines Mädchen, 10.11.2015, aufgerufen am 31.08.2020]
[…] Er [der Mensch] hat die feierliche Pflicht, die Umwelt für diese Generation und für kommende Geschlechter zu erhalten und zu verbessern. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1972]]
Wir sind das letzte Geschlecht der Verknechtung und das erste der Erlösung. [Die Zeit, 07.06.1968]
[…] Träger von Namen, die durch viele Geschlechter an der Spitze des städtischen Lebens gestanden hatten […] [ Storm3,161]WDG
5.
selten, Musik Synonym zu Tongeschlecht
Beispiele:
Die erste Terzschichtung [eines Dreiklangs] definiert […] das sogenannte Geschlecht des Akkords, etwa Dur bei einer großen Terz […], bzw. Moll bei kleiner Terz […]. [Workshop: Harmonielehre, 02.06.2020, aufgerufen am 01.09.2020]
Geschlecht – Dur und Moll. [Die Gartenlaube, Jg. 3 (1855)]
Dazu kommen die scheinkonsonanten Formen, die den Klang als einen Akkord gegenteiligen Geschlechts ausgeben, nämlich die Stellvertretung der Quinte durch die Sexte […] in den Parallelklängen Tp, Sp und Dp […] und die der Prime durch die kleine Gegensekunde […] in den Leittonwechselklängen in Dur und in Moll […]. [Brockhaus-Riemann-Musiklexikon. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 3225]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geschlecht · geschlechtlich · geschlechtslos · Geschlechtsteil · Geschlechtstrieb · Geschlechtswort
Geschlecht n. ‘Gesamtheit der Merkmale, die ein Lebewesen als männlich oder weiblich bestimmen, Familie, Generation, Art, Genus’, ahd. gislahti n. (um 1000), mhd. gesleht(e) n. ‘Geschlecht, Stamm, Abkunft, Familie, Gattung’, mnd. geslechte, mnl. gheslachte, gheslechte, nl. geslacht steht als Kollektivum neben gleichbed. ahd. slaht n., slahta f., slehti n., mhd. slaht(e) f., slehte n. Beide Abstraktbildungen gehören zu dem unter schlagen (s. d.) behandelten Verb (mit grammatischem Wechsel von g und h) in seiner Bedeutung ‘sich in einer bestimmten Richtung entwickeln, nach jmdm. geraten, jmds. Art haben, nacharten’; vgl. nach jmdm. schlagen ‘geraten’ (bereits ahd.), aus dem Geschlecht, aus der Art schlagen (16. Jh.). Geschlecht bezeichnet die blutsverwandte (vornehme) Familie, Nachkommenschaft, die (vornehme) Abstammung, das Volk, die Menschheit (entsprechend lat. genus); dann (im Spätmhd.) auch das natürliche (männliche oder weibliche) Geschlecht (entsprechend lat. sexus) und (seit etwa 1400) das grammatische Geschlecht (lat. genus). geschlechtlich Adj. ‘das Geschlecht betreffend, sexuell’ (Anfang 19. Jh.). geschlechtslos Adj. ‘zu keinem Geschlecht gehörend’ (18. Jh.). Geschlechtsteil n. (18. Jh.), Übersetzung von lat. pars genitālis. Geschlechtstrieb m. ‘Fortpflanzungstrieb’ (18. Jh.). Geschlechtswort n. ‘Artikel’ (17. Jh.), Verdeutschung von lat. articulus.

Thesaurus

Synonymgruppe
Familienbande · Geblüt · Geschlecht · Haus · Sippe · Stamm  ●  Familie  Hauptform · Mischpoke  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Abstammung · Adel · Geschlecht
Synonymgruppe
(die) Linie der · Angehörige · Anhang · Familie · Familienclan · Familienverband · Geschlecht · Kind und Kegel · Klan · Sippe · vom Stamm der  ●  Mischpoke  abwertend · Muschpoke  abwertend · Verwandtschaft  Hauptform · (ganze) Bagage  ugs., abwertend · Blase  ugs., abwertend · Clan  ugs. · Sippschaft  derb · bucklige Verwandtschaft  ugs., abwertend, scherzhaft · die Unseren  geh., variabel
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Kinder · Nachkommen · Nachkommenschaft · Nachwuchs · nächste Generation  ●  (die) lieben Kleinen  scherzhaft · Blagen  ugs. · Brut  derb · Bälger  ugs. · Gezücht  geh., abwertend · Wänster (thür.)  ugs.
  • Angehöriger · Anverwandter · Familienangehöriger · Familienmitglied · Verwandter  ●  Gevatter  veraltet
Synonymgruppe
Geschlecht · genetisches Geschlecht
Oberbegriffe
  • Gender · gesellschaftliches Geschlecht · soziales Geschlecht · soziologisches Geschlecht
Assoziationen
Biologie, Medizin
Synonymgruppe
Geschlecht · Sexus · biologisches Geschlecht
Assoziationen
  • Geschlecht · genetisches Geschlecht
  • grammatisches Geschlecht  ●  Genus  fachspr., Hauptform

Typische Verbindungen zu ›Geschlecht‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Geschlecht‹.

Zitationshilfe
„Geschlecht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Geschlecht>.

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