Geschmeiß, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Geschmeißes · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungGe-schmeiß
eWDG, 1967

Bedeutung

abwertend ekelerregende Fliegen, Insekten und deren Brut
Beispiele:
ein Geschmeiß von Fliegen, Mücken
Geschmeiß umflog sie
Käfer und anderes Geschmeiß
[die Fürsten stürzten sich] wie ein Geschmeiß hungriger Fliegen auf die blutenden Wunden des Vaterlandes [MehringDt. Geschichte112]
übertragen Abschaum, Auswurf der Menschheit
Beispiel:
er, der größte Erzähler seines Jahrhunderts, nichts als ein gekaufter, gemieteter Handlanger niedrigsten Geschmeißes [St. ZweigBalzac66]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schmeißen1 · schmeißen2 · Schmiß · schmissig · Geschmeiß · Schmeißfliege · Schmeiße
schmeißen1 Vb. ‘werfen, schleudern’. Das starke Verb ahd. smīʒan ‘aufstreichen, schmieren’ (um 1000; vgl. bismīʒan, 8. Jh., ūʒsmīʒan, 9. Jh.), mhd. smīʒen ‘streichen, schmieren, schlagen’, asächs. bismītan ‘beflecken’, mnd. smīten ‘schlagen, werfen, schleudern’, mnl. smīten ‘schlagen, werfen’, nl. smijten, afries. smīta, aengl. smītan ‘beschmieren, besudeln’, engl. to smite (dichterisch) ‘schlagen, treffen’, got. bismeitan ‘bestreichen’, gasmeitan ‘aufstreichen’ (germ. *smītan) läßt sich an eine Dentalerweiterung ie. *smeid- der Wurzel ie. *smē-, *smēi- ‘schmieren, darüberwischen, -streichen, darüber hinreiben’ anschließen, zu der auch die unter ↗Schmach und ↗schmeicheln (s. d.) aufgeführten Wortformen gehören. Die beiden divergierenden Grundbedeutungen ‘streichen, schmieren’ und ‘werfen, schlagen’ lassen sich am ehesten aus der Lehmbauweise erklären, indem der Lehm zuerst in die Wand bzw. das Flechtwerk geworfen und dann glattgestrichen wird. In der Studentensprache entsteht die Wendung ein Faß Bier, eine Runde schmeißen ‘spendieren’ (19. Jh., eigentlich wohl ‘das Geld dafür auf den Tisch werfen’?). Daneben steht schwach flektierendes schmeißen2 Vb. ‘besudeln, Kot abwerfen’ besonders von Vögeln (15./16. Jh., danach noch in südd. Mundarten), ahd. bismeiʒen ‘besudeln’ (um 1000), mhd. gesmeiʒen. Schmiß m. ‘Hieb, Schlag’ (17. Jh.), in der Studentensprache ‘bei der Mensur durch Säbel oder Degen entstandene Wunde, Narbe’ (19. Jh.), zu ↗schmeißen in der alten Bedeutung ‘schlagen’ (s. oben). schmissig Adj. ‘voller Narben’ (Studentensprache, 19. Jh.), ‘voller Schwung, verwegen’ (Gaunersprache, Mitte 19. Jh.). Geschmeiß n. ‘Ungeziefer, Gesindel, Pack’ (16. Jh.), mhd. gesmeiʒe ‘Unrat, Kot (von Tieren), Brut, Gezücht, Insekteneier (besonders von Fleischfliegen)’; Schmeißfliege f. ‘Fleischfliege’ (16. Jh.), vielleicht verdeutlichende Zusammensetzung zu gleichbed. (allerdings erst später bezeugtem) Schmeiße f. (17. Jh.); beide Bildungen zu ↗schmeißen ‘besudeln, Kot abwerfen’, da Insekteneier teils als Kot angesehen, teils damit verglichen werden. Vgl. Pfeifer Tiernamen 713 f.

Thesaurus

Synonymgruppe
Plebs · ↗Sippschaft · niederes Volk  ●  White trash  engl. · ↗Abschaum  derb · Asis  derb · ↗Asoziale  derb · ↗Bagage  ugs. · ↗Bodensatz  ugs. · ↗Brut  derb · ↗Gelichter (lit.)  geh., veraltet · Geschmeiß  geh. · ↗Gesindel  derb · ↗Gesocks  derb · Gschleaf  ugs., bair. · Gschwerl  ugs., bair. · Kanaken  derb · ↗Kroppzeug  derb, norddeutsch · ↗Lumpenpack  derb · ↗Mischpoke  derb · ↗Mob  derb · ↗Pack  derb · Paselacken  derb, ruhrdt. · ↗Pöbel  derb · Volks  ugs., regional
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber du kannst deine Handschuh ruhig zusammenlegen in Gottvertrauen - das Geschmeiß murkst mich nicht!
Winckler, Josef: Der tolle Bomberg, Rudolstadt: Greifenverl. [1956] [1922], S. 297
Dabei hatte ich heute eine rasende Wut aufs konventionelle Publikum, auf die Referendare und das ganze Geschmeiß, das doch eigentlich verdient, totgeschossen zu werden.
Süddeutsche Zeitung, 29.11.2003
Das Wort »Geschmeiß« - ähnlich gebildet wie die Schmeißfliege - bezeichnet den Kot und die Eier von Fliegen.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 106
Angefüllt ist die Stube mit dem Geschmeiß der Hoffart und der unreinen Triebe.
Weismantel, Leo: Die höllische Trinität, Berlin: Union-Verl.1966 [1943], S. 352
Dieses Geschmeiß, sagt Paasch ohne Überzeugung, nutznießend aus der Tasche des Staates, ernährt von deinem und meinem Steuergroschen.
Fries, Fritz Rudolf: Der Weg nach Oobliadooh, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1966, S. 306
Zitationshilfe
„Geschmeiß“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Geschmeiß>, abgerufen am 20.03.2019.

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