Geselle, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Gesellen · Nominativ Plural: Gesellen
Nebenform veraltend Gesell · Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Gesellen · Nominativ Plural: Gesellen
WorttrennungGe-sel-le · Ge-sell
Wortbildung mit ›Geselle‹ als Erstglied: ↗Gesellenbrief · ↗Gesellenprüfung · ↗Gesellenstück · ↗Gesellenzeit · ↗Gesellin
 ·  mit ›Geselle‹ als Letztglied: ↗Altgeselle · ↗Berggeselle · ↗Bäckergeselle · ↗Handwerksgeselle · ↗Junggeselle · ↗Maurergeselle · ↗Mordgeselle · ↗Schneidergeselle · ↗Spielgeselle · ↗Spießgeselle · ↗Tischgeselle · ↗Wandergeselle · ↗Weggeselle · ↗Zechgeselle
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Facharbeiter in einem Handwerksbetrieb, der die Lehre erfolgreich abgeschlossen hat
Beispiele:
einen Gesellen einstellen, beschäftigen
mit zwei Gesellen arbeiten
er ist bei ihm Geselle, arbeitet bei ihm als Geselle
tüchtiger, zuverlässiger Geselle gesucht
ein fahrender (= umherziehender) Geselle
2.
Bursche
Beispiele:
scherzhaftein junger, kecker, frischer, übermütiger Geselle
abwertendein roher, langweiliger, unverschämter, übler, dreister, unheimlicher Geselle
3.
Gefährte
Beispiel:
einen guten, treuen Gesellen an jmdm. haben, finden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geselle · gesellen · gesellig · Geselligkeit · Gesellschaft · gesellschaftlich · Gesellschafter · Gesellschaftsordnung
Geselle m. ‘Facharbeiter, Handwerksbursche, Kamerad’, ahd. gisello ‘Wohn-, Hausgenosse, Freund’ (9. Jh.), mhd. geselle, auch ‘Geliebte(r), Standesgenosse, Handwerksgeselle, junger Mann’, mnd. geselle, mnl. gheselle, nl. gezel ist eine Präfixableitung (westgerm. *ga-salja-) zu dem unter ↗Saal (s. d.) behandelten Substantiv. Es bezeichnet eigentlich den, ‘der den Saal (die Unterkunft) mit (einem) anderen teilt’ (zur Bildung s. ↗Bauer und ↗Gefährte). Geselle wird als Bezeichnung für den gelernten, abhängigen Handwerker (seit dem Mhd.) heute durch Facharbeiter (s. ↗Fach) ersetzt; vgl. E. Adelberg in: Zur Ausbildung d. Norm d. dt. Literaturspr. 2 (1976) 165. gesellen Vb. reflexiv ‘sich zusammenfinden’, mhd. gesellen ‘zum Gesellen machen, geben’, (reflexiv) ‘sich freundschaftlich verbinden’. gesellig Adj. ‘Gesellschaft, zwanglose Gemeinschaft liebend’, mhd. gesellec ‘zugesellt, verbunden’; Geselligkeit f. ‘freundschaftliches Zusammensein, unterhaltsame Veranstaltung’, mhd. gesellecheit ‘freundschaftliches Verhältnis, Beisammensein’. Gesellschaft f. ‘Gruppe von Menschen, zweckgebundene Vereinigung von mehreren Personen, geselliger Kreis’, ahd. gisellascaft, giselliscaft (9. Jh.), mhd. geselleschaft ‘fürstliches Gefolge, Vereinigung mehrerer, Genossenschaft, freundschaftliches Beisammen- oder Verbundensein, Liebe’. Seit dem 15. Jh. auch die in Gruppen gegliederte menschliche Gemeinschaft, z. B. bürgerliche Gesellschaft ‘Gemeinschaft der Bürger’ (15. Jh.); die (gute) Gesellschaft ‘durch Stand, (adlige) Geburt oder Bildung verbundene Bevölkerungsschichten’ (18. Jh.); zeitweilig nahezu synonym mit Staat, im 18. Jh. von frz. société beeinflußt (Rousseau). Für die deutsche bürgerliche politische Ökonomie des 19. Jhs. ist Gesellschaft bereits die in Klassen gespaltene, in (naturgegebenen) Produktionsverhältnissen lebende Gesamtheit der Menschen. gesellschaftlich Adj. ‘gemeinschaftlich, die Gesellschaft betreffend’ (18. Jh.). Gesellschafter m. ‘Mitglied einer Gesellschaft, Vereinigung’, auch ‘Begleiter, Unterhalter’ (16. Jh.). Gesellschaftsordnung f. ‘Struktur und Gliederung der in gleichartigen ökonomischen, sozialen und politischen Verhältnissen lebenden Menschen auf einer bestimmten historischen Entwicklungsstufe’ (19. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Facharbeiter Gesellin Handwerksmeister Lehrling Lied Meister Meisterprüfung bleich bärtig charakterlos fahrend finster gefiedert gottlos heimatlos lustig rau rauh roh stachelig unpatriotisch unstet unzuverlässig vaterlandslos vaterlos verwegen wandernd wild windig zwielichtig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Geselle‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Gros der Gesellen macht sich nach der Lehre selbständig.
Die Welt, 31.12.2004
Statt der erwarteten 5000 haben bislang erst 850 Gesellen einen Antrag gestellt.
Der Tagesspiegel, 27.04.1997
Der Mond, der "liebe gute Geselle", ist schlechthin ihr Symbol.
Bauer, Hans: Wenn einer eine Reise tat, Leipzig: Koehler & Amelang 1973, S. 148
Die Handwerker waren sogar verpflichtet, ihren Gesellen ein geistiges Getränk zu bieten.
Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 110
Was findet ihr an mir, ich bin ein trostloser Geselle!
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 30283
Zitationshilfe
„Geselle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Geselle>, abgerufen am 06.12.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Gesell
Geselchte
Geseires
Geseire
Geseiere
gesellen
Gesellenbrief
Gesellenjahr
Gesellenprüfung
Gesellenstück