Gesellschaftslehre, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gesellschaftslehre · Nominativ Plural: Gesellschaftslehren · wird meist im Singular verwendet
WorttrennungGe-sell-schafts-leh-re
WortzerlegungGesellschaftLehre1
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
wissenschaftliches oder weltanschauliches System, das sich mit dem Zusammenleben der Menschen in der Gesellschaft befasst
siehe auch Soziologie
Beispiele:
Eine allgemeine Gesellschaftslehre erforscht die Gesetze, nach denen Gesellschaft wo auch immer funktioniert, die Mechanismen also, die sowohl Individuation wie auch Vergesellschaftung bewirken. [Berliner Zeitung, 03.11.2003]
Das aus dem Personalitätsprinzip resultierende personale Menschenbild war ein entscheidendes Grundprinzip einer demokratischen Gesellschaftslehre. [Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2013]
Aber die Engländer erfanden die ökonomistische Gesellschaftslehre, und das wird der Genius des Menschen ihnen niemals verzeihen. [Mann, Thomas, Der Zauberberg, Berlin: S. Fischer 1924, S. 479]
Die Sprache der Gesellschaftslehre kann dann fast demokratisch klingen und den naturrechtlich-christlichen Anspruch des Individuums auf Anteil am Ganzen und seinen Gütern stark betonen. [Troeltsch, Ernst, Die Soziallehren der christlichen Kirchen und Gruppen, Tübingen: Mohr 1912, S. 305]
Aus der Vorstellung eines einheitlichen Menschentypus suchte man lange das gesellschaftliche Leben zu erklären, politische und soziale Ideale abzuleiten. Und diese Einseitigkeit wirkt bis heute in gewissen radikalen Staats- und Gesellschaftslehren fort. [Schmoller, Gustav: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre Erster Teil, Berlin: Duncker & Humblot 1978. Zitiert nach: Schmoller, Gustav: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre, Leipzig: Duncker & Humblot 1900.] ungewöhnl. Pl.
Kollokation:
mit Adjektivattribut: die christliche, katholische, marxistische Gesellschaftslehre; eine organische Gesellschaftslehre
2.
Schulfach, das die Fächer Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde umfasst, bzw. die Gruppe dieser Fächer
Beispiele:
Gesellschaftslehre (GL) fasst integrativ die Fächer Geschichte, Erdkunde und Politik zusammen. [Gesamtschule Essen Nord, 25.10.2016, aufgerufen am 15.09.2018]
In einer ökonomisierten Welt müssen Schülerinnen und Schüler lernen, wie sie sich als Konsumenten, Kreditnehmer und Kapitalanleger behaupten können. Diese auf ökonomische Lebenstauglichkeit zielenden Rollen werden jedoch bereits in Fächern wie Sozialwissenschaften, Gemeinschaftskunde und Gesellschaftslehre abgedeckt. [Die Zeit, 27.07.2017 (online)]
An den Schultagen mit jeweils acht Stunden stehen Deutsch, Mathematik, Englisch und Gesellschaftslehre auf dem Plan. [Der Tagespiegel, 23.11.2004]
Ich unterrichte gerne die Neunte und Zehnte. Da kann ich den Stoff meiner beiden Fächer, Deutsch und Gesellschaftslehre, gut verbinden. Wenn ich in Gesellschaftskunde den Gewaltbegriff durchnehme, lese ich in Deutsch Archibald Douglas von Theodor Fontane. [Die Zeit, 29.08.2002, Nr. 36]
Im nächsten Schuljahr erhalten die Klassen vier Stunden Gesellschaftslehre pro Woche. [Die Zeit, 08.12.1972]

Thesaurus

Synonymgruppe
Gesellschaftslehre · ↗Gesellschaftstheorie · ↗Gesellschaftswissenschaft · ↗Soziologie
Assoziationen
  • Gesellschaftswissenschaft · ↗Sozialwissenschaft
  • Ja-Sager-Tendenz · Zustimmungstendenz  ●  Akquieszenz  fachspr.
  • (ein) (hohes) Ansehen genießen · ↗anerkannt · geachtet werden · geschätzt werden · ↗namhaft · ↗profiliert · ↗renommiert  ●  (einen) guten Leumund haben  variabel · (einen) guten Namen haben  variabel · (einen) guten Ruf genießen  variabel · (einen) guten Ruf haben  variabel · (einen) guten Ruf zu verlieren haben  variabel · (einen) guten Ruf zu verteidigen haben  variabel · (gut) angesehen sein  variabel · (sein) Name hat (in bestimmten Kreisen) einen guten Klang  variabel · in einem guten Ruf stehen  variabel · (sich) eines guten Ruf(e)s erfreuen  geh. · bestbeleumdet  geh. · gut beleumdet  geh., variabel · gut beleumundet (sein)  geh., variabel
  • Karriere machen · ↗aufrücken · ↗aufsteigen · befördert werden · ↗emporkommen · ↗emporsteigen · es zu etwas bringen · höher steigen · ↗vorwärtskommen · zu etwas werden  ●  ↗(sich) verbessern  ugs., fig. · ↗arrivieren  geh. · ↗avancieren  geh., franz.
  • Arrivierter · ↗Aufsteiger · ↗Emporkömmling · Neureicher  ●  ↗Homo novus  geh., lat. · Parvenu  geh. · ↗Parvenü  geh.
  • Fremder · ↗Fremdling · Unbekannter · Wesen (wie) von einem anderen Stern

Typische Verbindungen
computergeneriert

Deutsch Eigentumsethik Fach Marxismus Philosophie Professor Rahmenrichtlinie christlich katholisch marxistisch organisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gesellschaftslehre‹.

Zitationshilfe
„Gesellschaftslehre“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gesellschaftslehre>, abgerufen am 19.10.2019.

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