Gesellschaftsordnung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gesellschaftsordnung · Nominativ Plural: Gesellschaftsordnungen
Aussprache  [gəˈzɛlʃafʦˌʔɔʁdnʊŋ]
Worttrennung Ge-sell-schafts-ord-nung
Wortzerlegung Gesellschaft Ordnung
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

grundlegende politische, soziale, religiöse oder ökonomische Organisationsform einer Gesellschaft (1)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine freiheitliche, pluralistische, feudale, ständische, kapitalistische, sozialistische Gesellschaftsordnung
mit Genitivattribut: die Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik, des Staats, Landes
als Akkusativobjekt: eine [bestimmte] Gesellschaftsordnung anstreben, aufbauen, errichten, schaffen, ablehnen
als Genitivattribut: der Umsturz, die Umgestaltung, die Grundpfeiler, Fundamente der Gesellschaftsordnung
in Koordination: Gesellschaftsordnung und Wirtschaftsordnung
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Angriff auf die Gesellschaftsordnung
Beispiele:
Es wird sich die Gesellschaftsordnung am Ende durchsetzen, in der es nicht einer Elite, Einzelnen oder einer Oberschicht, sondern der breiten Masse des Volkes und den nachfolgenden Generationen gut ergeht. [Norddeutsche Neueste Nachrichten, 30.08.2021]
Sie [eine Reihe von Parteien] alle zielen nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes darauf, »über einen revolutionären Weg eine kommunistische bzw. sozialistische Gesellschaftsordnung durchzusetzen«. [Welt am Sonntag, 26.09.2021]
Imperien legen (…) den zu ihnen gehörenden Staaten eine einheitliche Gesellschaftsordnung auf, die der Gesellschaftsordnung ihres Zentrums entspricht. [Süddeutsche Zeitung, 15.09.2021]
Demokratie ist die einzige politisch verfasste Gesellschaftsordnung, die gelernt werden muss – immer wieder, tagtäglich und bis ins hohe Alter. [Süddeutsche Zeitung, 23.06.2021]
Ausdruck der eingangs geschilderten Ambivalenz ist, daß sich die PDS zwar einerseits in das demokratische Gesellschaftssystem eingefügt hat, andererseits aber nach wie vor erkennen läßt, daß sie am Sozialismus festhält und die als kapitalistisch bezeichnete Gesellschaftsordnung überwinden will. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2001]
Aber wir haben eben eine Klassenjustiz, wir müssen sie haben nach dem organischen Aufbau unserer Gesellschaftsordnung. [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 11.02.1902]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geselle · gesellen · gesellig · Geselligkeit · Gesellschaft · gesellschaftlich · Gesellschafter · Gesellschaftsordnung
Geselle m. ‘Facharbeiter, Handwerksbursche, Kamerad’, ahd. gisello ‘Wohn-, Hausgenosse, Freund’ (9. Jh.), mhd. geselle, auch ‘Geliebte(r), Standesgenosse, Handwerksgeselle, junger Mann’, mnd. geselle, mnl. gheselle, nl. gezel ist eine Präfixableitung (westgerm. *ga-salja-) zu dem unter Saal (s. d.) behandelten Substantiv. Es bezeichnet eigentlich den, ‘der den Saal (die Unterkunft) mit (einem) anderen teilt’ (zur Bildung s. Bauer3 und Gefährte). Geselle wird als Bezeichnung für den gelernten, abhängigen Handwerker (seit dem Mhd.) heute durch Facharbeiter (s. Fach) ersetzt; vgl. E. Adelberg in: Zur Ausbildung d. Norm d. dt. Literaturspr. 2 (1976) 165. gesellen Vb. reflexiv ‘sich zusammenfinden’, mhd. gesellen ‘zum Gesellen machen, geben’, (reflexiv) ‘sich freundschaftlich verbinden’. gesellig Adj. ‘Gesellschaft, zwanglose Gemeinschaft liebend’, mhd. gesellec ‘zugesellt, verbunden’; Geselligkeit f. ‘freundschaftliches Zusammensein, unterhaltsame Veranstaltung’, mhd. gesellecheit ‘freundschaftliches Verhältnis, Beisammensein’. Gesellschaft f. ‘Gruppe von Menschen, zweckgebundene Vereinigung von mehreren Personen, geselliger Kreis’, ahd. gisellascaft, giselliscaft (9. Jh.), mhd. geselleschaft ‘fürstliches Gefolge, Vereinigung mehrerer, Genossenschaft, freundschaftliches Beisammen- oder Verbundensein, Liebe’. Seit dem 15. Jh. auch die in Gruppen gegliederte menschliche Gemeinschaft, z. B. bürgerliche Gesellschaft ‘Gemeinschaft der Bürger’ (15. Jh.); die (gute) Gesellschaft ‘durch Stand, (adlige) Geburt oder Bildung verbundene Bevölkerungsschichten’ (18. Jh.); zeitweilig nahezu synonym mit Staat, im 18. Jh. von frz. société beeinflußt (Rousseau). Für die deutsche bürgerliche politische Ökonomie des 19. Jhs. ist Gesellschaft bereits die in Klassen gespaltene, in (naturgegebenen) Produktionsverhältnissen lebende Gesamtheit der Menschen. gesellschaftlich Adj. ‘gemeinschaftlich, die Gesellschaft betreffend’ (18. Jh.). Gesellschafter m. ‘Mitglied einer Gesellschaft, Vereinigung’, auch ‘Begleiter, Unterhalter’ (16. Jh.). Gesellschaftsordnung f. ‘Struktur und Gliederung der in gleichartigen ökonomischen, sozialen und politischen Verhältnissen lebenden Menschen auf einer bestimmten historischen Entwicklungsstufe’ (19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Gesellschaftsordnung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gesellschaftsordnung‹.

Zitationshilfe
„Gesellschaftsordnung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gesellschaftsordnung>.

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