Gesicht, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gesicht(e)s · Nominativ Plural: Gesichter/Gesichte
Aussprache
WorttrennungGe-sicht
Wortbildung mit ›Gesicht‹ als Erstglied: ↗-gesichtig · ↗Gesichtsausdruck · ↗Gesichtsbildung · ↗Gesichtscreme · ↗Gesichtscrème · ↗Gesichtsfarbe · ↗Gesichtsfeld · ↗Gesichtsform · ↗Gesichtshaut · ↗Gesichtshälfte · ↗Gesichtskontrolle · ↗Gesichtskrebs · ↗Gesichtskreis · ↗Gesichtslifting · ↗Gesichtslähmung · ↗Gesichtsmaske · ↗Gesichtsmassage · ↗Gesichtsmuskel · ↗Gesichtspackung · ↗Gesichtspflege · ↗Gesichtsplastik · ↗Gesichtspunkt · ↗Gesichtsrose · ↗Gesichtsschnitt · ↗Gesichtssinn · ↗Gesichtstäuschung · ↗Gesichtswasser · ↗Gesichtswinkel · ↗Gesichtszug · ↗gesichtslos
 ·  mit ›Gesicht‹ als Letztglied: ↗Allerweltsgesicht · ↗Angesicht · ↗Arschgesicht · ↗Backpfeifengesicht · ↗Biedermannsgesicht · ↗Blassgesicht · ↗Bleichgesicht · ↗Blumengesicht · ↗Bocksgesicht · ↗Bulldoggengesicht · ↗Bullenbeißergesicht · ↗Doppelgesicht · ↗Durchschnittsgesicht · ↗Dutzendgesicht · ↗Faltengesicht · ↗Fuchsgesicht · ↗Galgengesicht · ↗Greisengesicht · ↗Janusgesicht · ↗Jungengesicht · ↗Kindergesicht · ↗Madonnengesicht · ↗Milchgesicht · ↗Mondgesicht · ↗Puppengesicht · ↗Sackgesicht · ↗Schelmengesicht · ↗Traumgesicht · ↗Verbrechergesicht · ↗Vollmondgesicht
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Pl. -er
Vorderteil des menschlichen Kopfes vom Kinn bis zum Ansatz des Haares, Antlitz, Angesicht
a)
Beispiele:
ein ovales, breites, schmales, längliches, rundes, spitzes, feingeschnittenes, markantes, regelmäßiges, zartes, süßes, niedliches, schönes, hübsches, gedunsenes, schwammiges, (hoch)rotes, rosiges, frisches, glühendes, blühendes, gebräuntes, sommersprossiges, graues, farbloses, bleiches, fahles, hässliches, junges, glattes, gealtertes, verwelktes, faltiges, verlebtes, abgezehrtes, verhärmtes, eingefallenes, ausgemergeltes, zerfurchtes, müdes, verweintes, sympathisches, interessantes, durchgeistigtes, ausdrucksloses Gesicht
salopp ein käsiges Gesicht
sie hat ein kluges, gutmütiges, offenes Gesicht
ein Gesicht wie Milch und Blut
mit abgewandtem Gesicht
jmds. Gesicht rötet sich, läuft rot an, ist nass von Tränen, von Tränen überströmt
jmds. Gesicht verzerrt, verzieht sich (vor Schmerz), nimmt einen gespannten, harten Ausdruck an
sein Gesicht erstarrte zur Maske
das Gesicht in die Hände vergraben
Sorgen haben Spuren auf seinem Gesicht hinterlassen
der letzte Tropfen Blut wich aus seinem Gesicht
über das ganze Gesicht lachen, strahlen
über jmds. Gesicht huscht, fliegt ein Lächeln
die Hände vor das Gesicht schlagen
in jmds. Gesicht arbeitet es
etw. treibt jmdm. die Schamröte ins Gesicht
jmdm. ins Gesicht starren
jmdm. prüfend ins Gesicht sehen
jmdm. (frech) ins Gesicht lachen
salopp steck dir eine Zigarre, Zigarette ins Gesicht
er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht [SchillerHandschuh]
bildlich
Beispiele:
der Hut steht ihr nicht zu Gesicht (= kleidet sie nicht)
jmdm. etw., seine Meinung, die Wahrheit ins Gesicht (= offen, rückhaltlos) sagen
jmdm. ins Gesicht (hinein) lügen (= dreist lügen)
salopp ich könnte ihm (vor Wut, Hass) ins Gesicht springen
er kann mir nicht (mehr) ins Gesicht sehen, blicken (= hat ein schlechtes Gewissen)
etw., eine Behauptung schlägt der Wahrheit, den Tatsachen ins Gesicht (= spricht ihnen hohn, entspricht ihnen ganz und gar nicht)
umgangssprachlich er ist seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten (= ist ihm sehr ähnlich)
[er] küßte den beiden Damen die Hand, was ihm ziemlich merkwürdig zu Gesichte stand [Th. MannBuddenbrooks1,340]
[sie hatte] ihm laut ihren ganzen Ekel, ihren ganzen Abscheu ... ins Gesicht geschleudert [Th. MannBuddenbrooks1,385]
b)
Miene, Gesichtsausdruck
Beispiele:
ein zweifelndes, skeptisches, ungläubiges, ratloses, bedenkliches, ängstliches, fassungsloses, gespanntes, erstauntes, verlegenes, erwartungsvolles, geheimnisvolles, teilnahmsvolles, spitzbübisches, heiteres, fröhliches, gleichgültiges, ernstes, feierliches, besorgtes, bekümmertes, trauriges, bestürztes, betrübtes, betroffenes, enttäuschtes, erschrockenes, verdrießliches, finsteres, missvergnügtes, mürrisches, unfreundliches, böses, zorniges, grimmiges, beleidigtes, empörtes, ablehnendes Gesicht machen
salopp mach nicht so ein dummes, dämliches Gesicht!
umgangssprachlich ein langes Gesicht machen (= enttäuscht aussehen)
umgangssprachlich es gab lange Gesichter
umgangssprachlich ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter machen
umgangssprachlich ein saures, schiefes Gesicht machen, ziehen (= sein Missfallen ausdrücken)
etw. unbewegten, versteinerten Gesichtes anhören
mit verschlossenem, undurchdringlichem Gesicht zuhören
mit strahlenden, andächtigen Gesichtern standen die Kinder vorm Weihnachtsbaum
er nahm ein dienstliches Gesicht an
spöttisch er setzte ein dienstliches Gesicht auf
jmds. Gesicht hellt sich auf
in jmds. Gesicht das Eingeständnis einer Schuld lesen
in seinem Gesicht spiegelt sich jeder Gedanke
sein Gesicht strahlt Güte aus
es steht ihm im Gesicht geschrieben (= er kann es nicht verbergen)
jmdm. die Gedanken vom Gesicht ablesen
Gesichter (= Grimassen) schneiden
c)
Mensch
Beispiele:
ich habe lauter fremde Gesichter, kein bekanntes Gesicht gesehen
im Urlaub wollen wir neue, andere Gesichter sehen
schon wieder dieses verhasste Gesicht!
d)
Beispiel:
das Gesicht (= den Schein) wahren, retten
sein Gesicht verliereneine Einbuße an Geltung erleiden
Beispiel:
daß er entschlossen ist / Auch in den Zeiten zunehmender Unterdrückung / Sein Gesicht nicht zu verlieren [BrechtGedichte236]
2.
Pl. -er
Aussehen, charakteristisches Gepräge
Beispiele:
das Gesicht des Landes, der Stadt hat sich völlig geändert, gewandelt
etw. bestimmt das Gesicht unserer Zeit, Epoche, eines Verlages, einer Zeitschrift
etw. gibt einem Kleid das modische Gesicht
dadurch hat die Sache, Angelegenheit gleich ein ganz anderes Gesicht bekommen
Jetzt zeigt Ihr Euer wahres / Gesicht (= Eure wahre Gesinnung), bis jetzt warʼs nur die Larve [SchillerStuartIII 4]
3.
nur im Singular
gehoben Sehvermögen
Beispiele:
er hat das Gesicht verloren (= ist erblindet)
sein Gesicht ist geschwächt
wenn mich mein Gesicht nicht trügt, so ...
In der Schärfe meines Gesichtes habe ich später manchen erfahrenen Fährtensucher übertroffen [SchomburgkAfrika57]
bildlich das innere Gesichtdie Vorstellung, Gedanken
Beispiel:
um für einen Augenblick das Bild der römischen Cancelleria zu genießen, das soeben ungerufen vor seinem inneren Gesicht aufgestiegen war [MusilMann402]
4.
a)
zu, vors Gesicht (= vor die Augen)
b)
aus dem Gesicht (= aus den Augen)
c)
etw., jmdn. zu Gesicht bekommen (= etw., jmdn. sehen)
Beispiele:
ich bekam den Brief erst heute zu Gesicht
ich hatte den jungen Mann lange nicht zu Gesicht bekommen
d)
Beispiel:
komm mir nicht wieder vors Gesicht! (= nicht wieder zu mir!)
e)
veraltet etw., jmdn. aus dem Gesicht verlieren
jmdm. aus dem Gesicht kommen (= etw., jmdn. nicht mehr sehen)
Beispiele:
ich habe ihn seit Jahren aus dem Gesicht verloren
er ist mir ganz aus dem Gesicht gekommen
Beispiele:
etw. nicht aus dem Gesicht lassen
sie fingen an, einander aus dem Gesicht zu gehen (= sich zu meiden) [Anzengr.4,157]
5.
Pl. -e
Vision
Beispiele:
Gesichte haben, zu haben glauben
Gesichte sehen
das Zweite Gesicht haben (= nach abergläubischer Vorstellung die Fähigkeit haben, Zukünftiges vorauszusehen)
klagend, doch gleichzeitig triumphierend erzählte sie, sie habe wieder eines ihrer Gesichte gehabt [Feuchtw.Füchse149]
ich hatte dazu einen Traum oder ein Gesicht, wie du es nennen willst [HesseNarziß5,320]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gesicht · Angesicht · angesichts · Gesichtspunkt
Gesicht n. ‘Vorderseite des Kopfes, Antlitz, Miene’, ahd. gisiht f. ‘Gesicht, Anblick, Ausblick’ (8. Jh.), mhd. gesiht f. ‘das Sehen, Ansicht, Vision, Erscheinung, Gesichtssinn, Augen, Gesicht, Äußeres’ (daneben mhd. gesihte n. ‘Sehvermögen’, mnd. gesichte n. ‘Anblick, Ausblick’), asächs. gisiht, mnl. ghesicht(e), nl. gezicht, aengl. gesihþ, gesiht sind präfigierte Abstraktbildungen (westgerm. *ga-sehti-) zu dem unter ↗sehen (s. d.) behandelten Verb und bezeichnen ursprünglich ‘das Sehen (des Auges), das Anblicken’, in älterer Sprache nur selten ‘den mit dem Gesichtssinn versehenen vorderen Teil des Kopfes, das Antlitz’. Der ältere Plur. Gesichte gilt heute (mhd. Gebrauch folgend) nur für ‘Erscheinungen, Visionen’ (im 18. Jh. noch ‘Mienen, Antlitze’), dann Gesichter ‘Antlitze’ (seit dem 17. Jh.). Neutrales Genus setzt sich im 16. Jh. durch. Gesicht entwickelt sich zum allgemeinen sprachlichen Ausdruck und verweist das in älterer Zeit üblichere ↗Antlitz (s. d.) in die gehobene Sprache. Vgl. die Wendungen ein langes Gesicht machen ‘enttäuscht sein’ (18. Jh.), Gesichter schneiden ‘Fratzen ziehen’ (18. Jh.). Angesicht n. ‘Gesicht’, ahd. anagisiht f., mhd. angesiht f., angesihte n. ‘das Ansehen, Sehvermögen, Gesicht, Aussehen’. angesichts Präp. ‘im Hinblick auf’ (15. Jh., zuerst angesicht). Gesichtspunkt m. ‘Blickwinkel, Betrachtungsweise’, im 16. Jh. von Dürer als Terminus des perspektivischen Zeichnens für mlat. punctum visus gebildet; übertragener Gebrauch seit Leibniz (unter Einfluß von frz. point de vue).

Thesaurus

Synonymgruppe
Antlitz · Gesicht · ↗Konterfei  ●  ↗Physiognomie  fachspr.
Assoziationen
Anatomie
Synonymgruppe
Angesicht · ↗Antlitz  ●  Gesicht  Hauptform · ↗Fratze  derb · ↗Fresse  derb · ↗Visage  derb
Unterbegriffe
Assoziationen
Psychologie
Synonymgruppe
Einbildung · ↗Erscheinung · ↗Geisterbild · ↗Halluzination · ↗Illusion · ↗Offenbarung · ↗Phantom · ↗Selbsttäuschung · ↗Sinnestäuschung · ↗Trugbild · ↗Täuschung · ↗Vision · ↗Wahnbild · ↗Wahnvorstellung  ●  ↗Fata Morgana  fig. · Gesicht (oft Plural: Gesichte)  veraltet · ↗Hirngespinst  abwertend · Butterland  fachspr., Jargon, seemännisch · Hallu (meist Plural: Hallus)  ugs. · reizunabhängige Sinneswahrnehmung  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • optische Täuschung · visuelle Illusion
Assoziationen
Synonymgruppe
Flunsch · Gesicht · ↗Schmollmund · vorgeschobene Unterlippe  ●  ↗Schnute  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • den Beleidigten spielen · ↗schmollen · unwillig schweigen  ●  die beleidigte Leberwurst (spielen)  ugs., variabel · ein Gesicht ziehen  ugs. · eine Schnute ziehen  ugs. · einen Flunsch ziehen  ugs., regional · einen Schmollmund machen  ugs.
  • (den) Mund spitzen · (die) Lippen aufwerfen · (die) Lippen spitzen · (die) Lippen vorstülpen · (eine Art) Kussmund machen  ●  (die) Lippen schürzen  selten

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auge Faust Haar Hand Lächeln Maske Schlag bekannt bekommen blasen blass bleich blicken ernst freundlich huschen rund schauen schlagen schmal schmerzverzerrt strahlen strahlend verbergen verzerrt verziehen verändern wahr wahren zeigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gesicht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die immer selben Gesichter teilen zähneknirschend die viele Arbeit unter wenigen auf.
konkret, 1987
Da zeigte mir die ganze Heilige Schrift sofort ein anderes Gesicht.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 21620
Nun haben sie ein übriges Mal ihr wahres Gesicht enthüllt.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1967]
Dies zeigt nun bei den einzelnen Städten allerdings ein sehr verschiedenes Gesicht.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 952
Etwa mit Beginn des zweiten Jahrzehnts nehmen die Dinge ein anderes Gesicht an.
Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1908], S. 22612
Zitationshilfe
„Gesicht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gesicht>, abgerufen am 23.10.2019.

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